ImmerMeer
Mitglied
Hallo ImmerMeer,
ich kann dich so gut verstehen, weil ich seit 2,5 Jahren auch alleinerziehend bin - die Lage ist etwas anders, ich bin männlich und meine Frau ist vor 2,5 Jahren an Leukämie gestorben, die 1,5 Jahre zuvor war sie die meiste Zeit im Krankenhaus. Als die Leukämie diagnostiziert wurde (Juli 2010) waren unsere Kinder 2 Jahre (Junge) und fast 4 Jahre (Mädchen) alt. Inzwischen hat sich das Leben wieder etwas eingespielt und ich habe Unterstützung von meinen Eltern und meiner Schwiegermutter und eine tolle Nachbarin. Aber die Abende bin ich auch immer daheim. An eine neue Partnerin ist noch gar nicht zu denken. Ich wohne auf dem Land in einem kleinen Dorf.
Die Große geht in der Zwischenzeit in die 3. Klasse und der Kleine ist nun auch in der Schule.
Ich kenne die Situation mal Zeit für sich haben zu wollen, sehr sehr gut und über Ausrufezeichen sage ich nur so viel: Du kommst mir sehr frustriert vor weil dein Mann so wenig Zeit hat und du für die Kinder da sein "musst", aber das ist etwas ganz anders im Vergleich zu Alleinerziehende. Du hast jeden abend jemand zum Reden (auch wenn dein Mann spät heimkommt), du kannst deine Sorgen jeden Tag mit jemand teilen. Wenn er dafür keine Zeit oder Nerv hat, dann habt ihr ein ganz anderes Problem. Du kannst auch am Wochenende mal allein etwas für dich tun, denn dein Mann arbeitet sicherlich nicht am Wochenende (außer er ist vielleicht selbstständig). Auf der anderen Seite hast du natürlich auch viel von deinen Kindern, aber früher oder später musst du lernen loszulassen. Männer tun sich da glaube ich leichter (bist die ersten Jungs ins Haus zur Tochter kommen 🙂)
Ich schaue, dass ich jedes Jahr mal 4-5 evtl. auch mehr Tage alleine für mich habe - das brauche ich einfach (Kraft tanken, Abschalten ....).
Wenn dein Kind etwas größer ist, dann versuch dass du auch etwas loslassen kannst und dass dann Oma/Opa (evtl. Geschwister falls du welche hast) aufpassen - wenigstens 3 Tage.
Dieses Jahr war ich Wandern in der Schweiz (ich liebe dieses Land) - finanziell stehe ich sicherlich besser dar und muss mir darüber wenigstens keinen Kopf machen (arbeite 70%, 3 Tage von zu Hause und 2 Tage im Büro - da passt dann eine Oma auf).
Lass dir bloß von niemand einreden, dass du dein Kind - schön für dich Ausrufezeichen, wenn es klappt (meine Frau war auch zu Hause) - nicht in die KITA bringen sollst - ich kenne genügend Mütter, die das so machen - eben aus finanziellen Gründen und auch weil es dann leichter ist, später wieder in seinen alten Beruf einzusteigen (da sind auch nicht alle Firmen gleich flexibel).
Ich wünsche dir ganz viel Kraft - halt durch, es kommen auch wieder bessere Zeiten (ich habe auch Phasen, in denen ich alles zum K***en finde, aber diese gehen auch vorbei).
GastHansi
Danke, Hansi, für die aufbauenden Worte - und meinen großen Respekt für das, was du leistest ... du hast ja zusätzlich noch den Tod deiner Frau zu verarbeiten (gehabt) - ich nur die Tatsache, dass mein Mann sich gegen das Familienleben entschieden hat.
Du beschreibst sehr gut, was fehlt. Es fehlt die Möglichkeit, mal nicht allein für alles verwantwortlich sein zu müssen. Es ist also nicht die reine Zeit, die fehlt, sondern das Abschalten können - dass da jemand anderes ist, der sich um meine Kinder sorgt - und für sie sorgt - und ich es mal nicht alleine muss. Mir ist momentan einfach dieses Gefühl zu viel, dass alles an mir hängt. Wenn ich nicht funktioniere, hat mein Kind niemanden ... das ist so ein hoher Druck.
Es geht nicht nur drum, ob ich meine Hobbys ausleben kann oder nicht - da kann ich zurückstecken ... es geht darum, dass man nicht einmal die winzigsten Dinge abgeben kann ... und dass man für jedes Problem allein eine Lösung finden muss.
Da mein Kind noch nicht sitzen kann, muss ich für jede größere Sache, die zu transportieren ist, meine Eltern oder Freunde um Hilfe fragen ... bzw. es machen, wenn ich Besuch habe, denn ich kann ja nicht das Kind und die schweren Sachen tragen ...
Meine Familie hilft mir schon sehr ... aber ich will ihnen nicht zur Last fallen ... es hat ja auch jeder sein eigenes Leben ... ich bin nicht gern so abhängig. Meine Eltern haben ihr Leben lang für mich gegeben, was sie hatten ... jetzt sind sie beide über 60 - und müssen sich immer noch um mich kümmern :-/.
Also - ich will morgen oder übermorgen mal bei dem Großelterndienst anrufen und was ausmachen ... vielleicht wird das was.