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Alleinerziehend - keine Kraft mehr

Hallo ImmerMeer,

es gibt Situationen im Leben, da ist man so erschöpft, dass man schon nicht mehr beurteilen kann, was gut für einen wäre. Man kreist nur noch um sich selbst und kann sich nicht vorstellen, dass andere vergleichbare oder schlimmere Probleme haben. Da ist es schon hilfreich, wenn man auch einmal etwas ausprobiert, was andere einem raten. Auch wenn man Bedenken hat. Manchmal kommt der Appetit mit dem Essen.

Das hast du gut formuliert - und ich kann es nachvollziehen - jedoch denke ich, dass ich gut beurteilen kann, was mir guttut - und was nicht - und dass ich durchaus viele Dinge ausprobiere. Beispielsweise habe ich mich zu einem Familuienseminar mit Kinderbetreuung angemeldet, treffe mich 1x pro Woche mit Freundinnen vom Rückbildungskurs (und den Babys), bin zur Krabbelgruppe gegangen, versuche momentan, hier im Ort Treffen von Alleinerziehenden anzuleiern, weil es sowas bisher nicht gibt, treffe Freundinnen und unternehme Dinge mit ihnen, fahre so oft es geht zu Freunden zu Besuch oder lade mir häufig Leute hierher ein, mache Ausflüge, schreibe negative Gedanken in einem Buch auf, arbeite an meinem Selbstwertgefühl, schreibe mir täglich 10 Dinge auf, für die ich dankbar bin,b achte darauf, mir nicht zu viel vorzunehmen, gehe regelmäßig zum Psychologen und reflektiere mit ihm gemeinsam und suche Lösungen für Probleme, usw. Ich denke nicht, dass das "nichts verändern" ist. Das, was mir guttut und hilft, verstärke ich bewusst - das, was mir nicht guttut, schiebe ich aus meinem Leben. Deshalb habe ich auch grschrieben, was mir an der Mutter-Kind-Kur wahrscheinlich Probleme bereiten und eben nicht guttun wird - und ich habe das ja auch mit Erfahrungsberichten belegt. Wenn die ignoriert werden, ist das für mich nicht schön und hilfreich.

Ach ja - und ich sehe auch das Schreiben in diesem Forum als Aktivwerden an. Ich habe hier bewusst nach etwas gesucht, was mir hilft und guttut - leider merke ich immer mehr, dass das auch nicht mein Weg ist, weil mir die Antworten hier meist eher schaden als guttun. Werde ich also noch ein kleines Weilchen weiter testen - und dann lassen, wenn es so weitergeht.

Ich hatte mal eine Mitarbeiterin, die auch alleinerziehend war. Sie hat von einer Mutter-Kind-Kur sehr profitiert und dort eine nette, ebenfalls alleinerziehende Frau kennen gelernt, mit der sie bis heute befreundet ist. Sie haben sich gewiss nichts vorgejammert, sondern sich gegenseitig aufgebaut und ermutigt. Sie telefonieren bis heute häufig miteinander und besuchen sich einmal im Jahr, obwohl die Bekannte über 600 km entfernt wohnt. Hast du die Möglichkeit, dich bei Frauen zu erkundigen, die selbst eine Mutter-Kind-Kur gemacht haben?

Ich habe viele Freunde. Was mir fehlt, ist jemand, der in der Nähe wohnt und genug Zeit und Kraft hat, mir in Notfällen unter die Arme zu greifen. Ich besuche viele Leute und telefoniere oft mit Freundinnen, die weiter weg wohnen. Das tut gut, ja - hat aber eben auch seine Grenzen. Ja, ich habe mich schon bei Müttern erkundigt, die selbst so eine Kur gemacvht haben. Das ändert aber nichts an meiner momentanen Lage - und dass ich aus mehreren Gründen momentan keine Kur möchte. Langsam weiß ich nicht, wie ich es noch erklären soll. Ich habe geschrieben, dass mein Sohn aktuell sehr anhänglich ist und es mir nicht guttut, wenn ich ihn weggebe, weil er verzweifelt schreit und ich nicht zur Ruhe komme. Wieso soll ich es trotzdem tun? Icvh habe doch diese Erfahrung (sogar ganz aktuell) gemacht. Wieso versteht ihr das nicht? Und ich habe gesagt, dass ich in der letzten Zeit viel zu Freunden und familuie gefahren bin udn da auch tolle Entlastung hatte - aber dass ich jetzt aktuell keine Kraft für die ganze Packerei und Schlepperei habe. Wieso darf ich diese Erfahrung nicht gemacht haben? Wieso darf ich nicht nach Lösungen suchen, die mich nicht quälen, sondern mir guttun? Wieso denkt ihr, ich könnte nicht selbst beurteilen, was mir guttut und was nicht? Ich amche doch viele Erfahrungen - ich probiere doch viel aus! Ich ziehe doch meine Schlüsse daraus.

Wieso darf ich nicht selbst einschätzen, wie meine Lage ist?

Ich kann auch deine Sehnsucht nach einem Partner verstehen. Gleichwohl habe ich den Eindruck, dass du - erschöpfungsbedingt - zu sehr darauf fixiert bist und nur in einer neuen Partnerschaft dein Heil suchst. Dadurch sehe ich eine Gefahr, dass du bei der Partnerwahl zurzeit zu unkritisch bist, zu sehr von deinem Frust, deiner Depressivität, deiner Angst vor dem Alleinsein bestimmt, und dadurch auf jemanden hereinfallen könntest, der dir wieder nicht gut tut. Eine gute Freundin, der du dich anvertrauen kannst, wäre doch für den Anfang auch schon was.
Ja, das sehe ich auch so. Aber deshalb ist ja die Sehnsucht nicht weg - und eine so gute Freundin habe ich eben hier in der Nähe nicht. Ich bin ja erst vor 2 Jahren hergezogen, habe hier dann Berufseinstieg, Heirat, Schwangerschaft, Trennung und jetzt die Scheidungssachen erlebt - und nebenbei getan, was ich konnte, um sozial Anschluss zu finden. Freut mich sehr, wenn es für euch leicht wäre, in meiner Situation an einem fremden Wohnort schnell ganz enge Freundschaften aufzubauen. Ich habe viele Freunde und bin sehr auf Soziales orientiert - und schaffe das leider trotzdem nicht in dem Maße. Jetzt könnt ihr wieder sagen: Du willst doch einfach nur nichts verändern" ... es wird mir aber wie schon zuvor nicht weiterhelfen.

Für vorteilhafter halte ich es, wenn du zunächst durch eine Mutter-Kind-Kur, vielleicht in Kombination mit einer anschließenden Psychotherapie, aus deinem Erschöpfungszustand herauskommst. Es gibt auch Möglichkeiten kostenloser Beratung in Lebens- und Familienberatungsstellen (da darf man auch die Kinder mitbringen, die haben Spielecken etc.), was deine finanzielle Situation und die Betreuung deines Kindes betrifft. Sehr wichtig wäre auch, dass du mittelfristig ein eigenes Einkommen erzielst, von dem du leben und dein Kind versorgen kannst. Dass das anstrengend ist, darüber brauchen wir uns nicht zu unterhalten. Aber es ist zu schaffen, wenn man gut für sich selbst sorgt und bewusst darauf achtet - unabhängig davon, ob man einen Partner hat oder nicht - mit seinen Kräften zu haushalten und sich kleine Oasen im Alltag zu schaffen, sodass man immer wieder auftanken kann (was ja nicht teuer sein muss). Auch meine Mitarbeiterin war jahrelang in Teilzeit berufstätig. Ihr Sohn ist inzwischen erwachsen und studiert, da hat sie die Arbeitszeit aufgestockt.
Zur Kur habe ich mich ja schon geäußert, Psychotherapie mache ich ja, Beratung bei der Diakonie habe ich auch schon in Anspruch genommen, meine finanzielle Situation ist gut geregelt, wir leben aktuell von Grundsicherung, ich habe einen unbefristeten Arbeitsvertrag beim Staat und einen Krippenplatz für mein Kind ab dem Sommer (da endet meine Elternzeit). Zudem gehe ich auch in kürze schon wieder ein bisschen nebenbei arbeiten (wofür ich auch sehr viel investieren musste und was schwer zu organisieren war - aber ich habe es geschafft).

Wenn es dir wieder besser geht und du psychisch stabilisiert bist, hast du eine ganz andere Ausstrahlung, mehr Selbstvertrauen, ein besseres Urteilsvermögen und dadurch viel größere Chancen, die "richtigen" (=zuverlässigen, fürsorglichen, liebevollen und finanziell abgesicherten) Männer anzuziehen.
Ja, stimmt.

Wenn du allerdings jeden Vorschlag ablehnst und dich auf nichts einlassen willst außer auf einen neuen Mann, wird dir in der Tat niemand mehr helfen können.
Den Schuh ziehe ich mir, wie bereits oft gesagt, nicht an.
 
Zuletzt bearbeitet:
Guck mal ob es in deiner Stadt Treffs für Mütter mit Kleinkindern gibt. Mir haben die Stunden dort immer recht gut getan. Mein Kind war damals sehr anstrengend, aber die Stunden, in denen er mit anderen Kindern in seinem Alter in kleinkindgerechter Umgebung spielen konnte, während die Mütter sich bei einer Tasse Kaffee unterhielten fand ich sehr entspannend. 🙂

Danach gucke ich schon seit langem. Ich war in einer Krabbelgruppe, halte es mir auch offen, da wieder hinzugehen, wenn mir danach ist, treffe 1x pro Woche meine Freundinnen vom Rückbilödungskurs (mit Babys) zum Frühstücken, treffe eine Freundin, die ich im Krankenhaus kennengelernt habe, hin und wieder - und eine, die ich übers Internet kennengelernt habe ... usw.

Mein Sohn ist aber, wie gesagt, momentan sehr anhänglich, sodass er eben nicht einfach "mit anderen Kindern in seinem Alter in kleinkindgerechter Umgebung spiel[t]".
 
Inzwischen ist mir übrigens auch klargeworden, dass mein momentanes Tief viel damit zu tun hat, dass einige Dinge wieder hochkommen, die ich gut verdrängt hatte. Das Einreichen der Scheidung und anderer Klagen gegen meinen Mann - und sein Umgang damit und mit mir und dem Kind sind das, was mich aktuell am meisten beschäftigt, belastet und runterzieht.

Das hatte ich ja alles auch ein bisschen anklingen lassen - da hat aber leider auch niemand nachgefragt, sodass es hier eigentlich grad fast nur um Dinge geht, die für mich momentan nicht relevant sind.

Also - ich wünsche mir Hilfe zur Selbstreflexion - Nachfragen.
 
Mir scheint, du drehst dich irgendwie im Kreis bzw. trittst auf der Stelle - trotz vieler Veränderungen und Versuche, die du gemacht hast. Vielleicht hängt es wirklich mit der Scheidung und der Zeit davor und jetzt danach zusammen. Aber die Verarbeitung solcher Erlebnisse dauert meist länger als einem lieb ist und kostet oft sehr viel mehr Kraft, als man sich eingestehen will.
 
Mir scheint, du drehst dich irgendwie im Kreis bzw. trittst auf der Stelle - trotz vieler Veränderungen und Versuche, die du gemacht hast. Vielleicht hängt es wirklich mit der Scheidung und der Zeit davor und jetzt danach zusammen. Aber die Verarbeitung solcher Erlebnisse dauert meist länger als einem lieb ist und kostet oft sehr viel mehr Kraft, als man sich eingestehen will.

Hm, ich habe nicht das Gefühl, dass ich auf der Stelle trete. Es hat sich sehr viel getan - in den letzten 2 Jahren - und aktuell tut sich auch sehr viel. In wenigen Monaten wird die Scheidung durch sein - und für mich hat sich auch speziell in den letzten Wochen viel verändert. Es geht stetig voran. Stillstand war, als ich mich noch nicht getrennt hatte. Das war auch eine weit härtere Zeit.

Ja, die Verarbeitung dauert und kostet viel, viel Kraft, das trifft es gut. Und nebenbei sind da ja noch die alltäglichen Herausforderungen. Ich habe eben momentan das Gefühl, ich lebe ein Leben, für dass ich mich nicht entschieden habe. Das macht es mir schwer.
 
Wenn ich weiter darüber nachdenke, ist es nicht das Alleinerziehen, was mich so auszehrt - sondern dass mit meinem Mann keine Klärung möglich ist.

Das ist wie wenn man mit seinen Eltern eine offene Sache auder Kindheit hat - wo sie einem Schaden zugefügt haben - und man nicht seinen Frieden damit machen kann.

ich bin es gewöhnt, dass auch solche "offenen Rechnungen aus der Kindheit" besprochen werden können. Ich habe das Privileg, dass meine Eltern immer offen für Gespräche waren und sind - und eben auch darüber sprechen können, wie sie gewisse Situationen damals wahrgenommen haben - und wieso sie so gehandelt haben, wie sie es taten. Das hat mir immer sehr geholfen, meinen Frieden zu machen - auch mit anderen Menschen im Erwachsenenleben.

Mit meinem Noch-Mann konnte ich kaum offen reden. Er hat sich meist gesperrt. Was die Beziehung zwischen ihm und mir angeht, habe ich mich halbwegs damit abgefunden - und ihm verziehen. Einfach von meiner Seite aus Frieden geschaffen. Aber es ist für mich ganz schwer, zu akzeptieren, dass er mit seinem Wunschkind nichts am Hut haben will. Dass er keinen Kontakt auf Elternebene möchte. Das wäre für mich Frieden. Und der Wunsch danach ist in mir sehr stark. Avber ich weiß, dass ich da nichts tun kann. Und das frustriert. Diese leere Hoffnung frustriert.
 
Es gibt Väter, die interessieren sich erst später (plötzlich) für ihr Kind, das ist auch nicht besser. Der Umgang wird ja sicherlich vom Gericht geregelt werden.
 
Es gibt Väter, die interessieren sich erst später (plötzlich) für ihr Kind, das ist auch nicht besser. Der Umgang wird ja sicherlich vom Gericht geregelt werden.

Er will keinen Umgang, also wird da auch nichts vom Gericht geregelt.Ich gehe davon aus, dass auch das, was du beschreibst, noch auf uns zukommt - dass er irgendwann plötzlichb doch Kontakt will. Und dann wird es noch schwerer werden, wie du schon sagtest.
 
Er will keinen Umgang, also wird da auch nichts vom Gericht geregelt.Ich gehe davon aus, dass auch das, was du beschreibst, noch auf uns zukommt - dass er irgendwann plötzlichb doch Kontakt will. Und dann wird es noch schwerer werden, wie du schon sagtest.

Na ja, ich gehe mal davon aus, dass ihr beide das Sorgerecht habt. Dann kann er natürlich jederzeit davon Gebrauch machen, auch wenn er jetzt sich so dermaßen uninteressiert gibt. Das wäre etwas anderes, wenn du das Alleinsorgerecht hättest, das wirst du aber nicht ohne Grund bekommen...
 

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