Wie soll denn deiner Meinung nach das "Verständnis" aussehen? Also, so ganz konkret? Soll das mehr sein als dass Leute dir sagen, wie leid ihnen das alles für dich tut? Die Frage meine ich durchaus ernst - hier kann ja keiner Gedanken lesen, also ohne Weiteres nicht wissen, was du von den Leuten willst. Und die "Ratschläge" sind sicher nicht böswillig gemeint, sonst würden sie kaum gemacht werden. Man hat auch Besseres im Leben zu tun, als deinen (oder irgend einen anderen) Thread zu lesen und zu kommentieren. Aus Böswilligkeit tun sowas die wenigsten.
Verständnis bedeutet für mich, dass man Sachen wie "du musst" und "du willst ja nichts verändern" stecken lässt, dass man meine Bedenken nicht ignoriert, sondern ernst nimmt und darauf eingeht (was hier so gut wie keiner macht), dass man mit Fragen arbeitet, so wie du es hier grad tust - nämlich danach fragt, was für MICH hilfreich ist, was MIR guttut,b und dass man formuliert, was helfen KÖNNTE - und nicht so tut, als wüsste man, was für mich der richtige Weg ist.
Naja, und das fängt dabei an, dass man überhaupt erstmal liest, was ich hier so schreibe. Ich empfinde es als hochgradig unfair, wenn mir jemand sagt, ich würde nichts verändern wollen. Ich schrieb bereits, dass mein ganzes Leben in den letzten 2 Jahren ständige Veränderung bedeutet hat - und dass ich auch jetzt beispielsweise den Vorschlag mit der Betreeung sehr wohl angenommen und ausprobiert habe. Das würdigt komischerweise niemand hier, sondern man sagt mir, ich würde ja gar nichts tun wollen. Wie viel Stress und Kraftaufwand es für mich bedeutet hat, das mit dem Großelterndienst in die Wege zu leiten, wird ignoriert.
Und wer hat mich denn schon mal gefragt, was ich bisher schon alles versucht habe, welche Veränderungen in meinem Leben schon so stattgefunden haben? Niemand.
Wer hat gefragt, was mir guttut, was ich mir vorstellen kann? Niemand.
Wer ist ernsthaft auf meine Bedenken eingegangen? Niemand.
Ich lese hier zum Großteil: Wenn das, was ich vorschlage, nichts für dich ist, dann bist du eben ein undankbares Ding und selbst schuld.
Meine Erwartung ist aber, dass man mich als selbstbestimmtes Wesen wahrnimmt und behandelt, das durchaus selbst in der Lage ist, Entscheidungen zu treffen und durch Ausprobieren herauszufinden, was gut für es ist. - und eben manche Dinge aus guten Gründen nicht auszuprobieren.
Letztendlich kann aber keiner wissen, wie passend oder unpassend welche Ratschläge für dein Leben sind, da wir dich und deine ganze Situation gar nicht kennen, sondern nur die Ausschnitte, die du hier kommunizierst. Und wenn du wirklich auf alles, was kommt, nur mit: "Nee, kann ich nix mit anfangen", reagierst (und zwar eher unhöflich im Ton) und überhaupt keine Dankbarkeit zeigen kannst, dass Leute sich mit dir beschäftigen und dir Lösungsvorschläge anbieten, kommt das ziemlich ungut rüber. Damit meine ich nicht, dich überschlagen und zu Kreuze kriechen und alle Vorschläge annehmen, sondern auch nur mal sagen: "Danke, dass ihr euch da Gedanken macht."
Wer nachliest, der merkt schnell, dass ich nicht auf alles antworte: Nee, kann ich nix mit anfangen. Wer nachliest merkt auch schnell, dass ich durchaus Dankbarkeit zeige - in ganz klaren Worten. Aber eben nicht für Leute, die mich mit "du musst" und "du willst ja gar nichts verändern, weil du nämlich meinen Vorschlag nicht umsetzt" beballern. Dafür bin ich nicht dankbar, weil ich das für bevormundend und respektlos halte. Und da mir sowas nicht guttut, sage ich es auch ganz klar. Ich halte das für sinnvoll, da solche Leute sich dann zukünftig in anderen Threads austoben und mich verschonen können.
Ich wäre übrigens sehr vorsichtig mit der Überzeugung, die Leute, die hier schreiben, hätten "nie etwas ähnlich Schlimmes" durchgemacht. Woher willst du das wissen? Du kennst doch hier auch keinen und kannst keine Gedanken lesen. Nur weil sie anders denken oder reagieren als du? Das ist ein Trugschluss.
Diese Überzeugung habe ich nicht, habe ich auch nie behauptet. Ich habe nur gesagt, dass Leute, auf die das zutrifft, sich raushalten sollen. Mir in den Mund zu legen, ich hätte gesagt, dass niemand hier etwas ähnlich Schlimmes erlebt hätte, ist daneben.
Hm. Als ich damals in einer (ärztlich diagnostizierten) Depression steckte, hat es mir sehr weitergeholfen, Literatur darüber zu lesen, weil ich wissen wollte, was das ist, was ich habe, und was helfen könnte. Meidkamente und Therapeutin habe ich dann auch noch gebraucht, aber mich auch selbst damit zu beschäftigen und mir Wissen darüber anzueignen, was in mir vorgeht, hat mir durchaus geholfen. Grad am Anfang war es wichtig, zu erkennen: "Okay, das klingt alles sehr nach mir. Vielleicht muss ich mir doch Hilfe besorgen."
Von daher ergibt deine Aussage (bzw. dein Vorwurf) für mich wenig Sinn.
Ja, du sprichst von dir - genauso wie ich von mir spreche. Damit kann ich gut umgehen. Menschen machen unterschiedliche Erfahrungen - und wenn man es so formuliert, ist es auch leicht, das stehenzulassen. Wenn dich interessiert, wie ich eine Depression erlebt habe - und warum der Tipp mit dem Lesen für mich nicht passend scheint, kannst du gern fragen - schrieb ich ja schon.
Dass es dir gut geholfen hat, über Depression zu lesen, freut mich sehr. Wie gesagt - bei mir ist die Sachlage ganz anders. Und wenn du nachfragen würdest, würde vielleicht meine Aussage auch für dich Sinn ergeben.