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Allein, Isoliert, Ohne Aufgabe, am falschen Ort

  • Starter*in Starter*in Gast
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Hallo Gast,
Kann ich mich verteidigen? Im Grunde hast du recht, der Ansatz, den du schriebst ist der richtige , den ich auch verfolgen möchte/sollte/wollte. Ich bin, zumindest auf der vernünftigen Seite nicht so realitätsfremd wie durch den Post rüberkommen mag. Ich hab seit ich von zuhause ausgezogen bin stets im Nebenjob gearbeitet. Mein Vater finanziert nicht alles, der Eindruck soll auch nicht entstehen. 5 von 7 Studienjahren war ich auch Tutor an der Hochschule, hab in den letzten 3 Jahren auch mit der freiberuflichen Tätigkeit im Nebenberuf was reissen können. Während des Bachelor hab ich in allen Semesterferien gearbeitet, geputzt, Erntehelfer gemacht, Datenerfassung betrieben, Ausstellungen aufgebaut, was auch immer. Die Frage ist dort vielleicht eher, warum mach ich das nicht weiter? Ich kann sie dir nicht zufriedenstellend beantworten.
Mein Studium hat sich sicherlich auch deswegen so lang gezogen. Irgendwann dazwischen hats auch mal geknallt, da ging dann nichts mehr, weil ich an keiner Baustelle hinterherkam. Die Freiberuflichkeit hat mich auch gut reisen lassen, da ich Messen innnerhalb Europas besucht habe an denen ich meine Sachen angeboten habe. Diese ganze Entwicklung hat mich auch das finden lassen, in dem ich eine Sicherheit habe. Ich möchte es verteidigen, weils momentan das Einzige ist, in dem ich mich Sicher fühle und für mich einstehen kann.
Ich wollte nicht akzeptieren, dass man zwangsläufig mit dem Erwachsenwerden aufgibt und sich fügt. Das wurde mir so vorgelebt und ich halte noch daran fest, dass ich das nicht so leben möchte. Ich will nicht alleine von Kunst leben. Völlig unabhängig davon ob man es kann oder nicht. Ich will die Freiheit darin haben, und die geht verloren, sobald ich mich von einem notwendigen wirtschaftlichen Umsatz davon abhängig mache. Der von dir vorgeschlagene Lebensweg: Teils Teils, ist also der, den ich auch möchte.

Mir wurde stets gesagt, dass das was ich liebe doch nichts bringt. Guck dir diesen oder jenen an, der ist jetzt auch arbeitslos. Damit bin ich ins Studium gegangen, und auch mit dem Wissen, dass meine Eltern, wie sie auch seit jeher stets mir gegenüber betonten, alles doch schon viel früher gemacht haben und schon viel selbstständiger viel früher waren. Meine Mutter ist mit 15 ausgezogen, hat gearbeitet, hat mit 30 mich bekommen und war dann auch einfach kaputt und verbraucht, ich kenne meine Mutter nur alt. Dennoch, wurde mir immer klar gemacht: Sie ist schon mit 15 aus dem Haus, hat alles viel früher hingekriegt. Papa genauso. Ich sollte aber studieren können. Ich habe mir dabei immer den Vorwurf gemacht, dass ich alles in diesem oder jenem Alter eben noch nicht so hinbekomme, das Geld meiner Eltern verschwende, was lerne was mir nix bringen wird. Das ist in einer gewissen Weise ziemlich verrückt, wenn ich das selber so lese.

Du hast recht, Arbeit suchen wird einiges ändern, ich würde mir dann selbst erlauben umzuziehen. Ich will dir da gar nicht widersprechen. Ich will mich nur aussprechen.
Ich hab Angst. Ich habe einfach eine gewaltige Angst. Vor allem, alles wirkt wie eine Bedrohung grad. Ich habs Gefühl nichts mehr überblicken zu können. Vernünftig weis ich, ich werd nicht ewig hier bleiben, und was ich jetzt dann machen werde, wird sicherlich nicht für die nächsten 5 Jahre sein. Ich mach mir zehntausend Szenarien im Kopf die wie eine Bedrohung auf mich wirken. Wie also krieg ich diesen Verdammten Schädel aus? Szenario Job in dieser Stadt hier: Ich hab Angst hier dann hängen zu bleiben, nicht hier weg zu kommen. Es wird richtig unrealistisch in den Ängsten, das weis ich doch. Ich hab Angst, dann eben am Fließband kleben zu bleiben, und nichts mehr anderes zu finden. Und ja ich hab natürlich Angst, dass ich nicht mal was finde. Ich denke mir dann, warum sollte mich jemand einstellen? Dreissig, Frau, hat Kunst studiert? Warum hat sie überhaupt noch nichts richtiges gemacht? Ich habe auch beim ersten Lesen des Posts den Gedanken im Kopf gehabt, dass du mich wahrscheinlich ausslachst, lächerlich findest. Das will ich dir damit nicht unterstellen, es soll dir nur die Paranoia beschreiben die da abläuft.
Ich bin zu sehr in dem Schädel, mache alles kompliziert. Mir gehts nicht darum, dass jemand etwas für mich machen sollte, das ist keine Lösung des Problems, das kommt ja dann immer wieder. Vielleicht möchte ich eher jemanden bitten mir akut zu helfen mir selbst zu helfen.
 
Das klingt sehr nach Persönlichkeitsstörung, du hast dir bereits selbst suggeriert, es wäre gut, eine ambulante Psychotherapie zu konsultieren. Du kommst da ohne professionelle Hilfe vielleicht nicht mehr raus - das ist keine Schwarzmalerei, aber lässt sich anhand deiner Zeilen ableiten und wäre mit Sicherheit auch die effektivste Lösung.
 
Am Fliessband Kann man hängen bleiben - aber: in kreativ-Sackgassen kann man auch hängen bleiben. Und in Therapie-"Karrieren" erst recht. Guck mal genau hin bei diesen Leute die langjährig von Therapie zu Therapie hoppen.

Du hast sicherlich reale psychische Probleme derzeit, aber die sind nur mehrgliedrig zu lösen. Du musst dringend aufhören, Probleme auf der einfachen Ebene und mit einfachen Lösungen durch Überlegungen zur komplizierten Ebene zu zerschiessen.

Was wäre denn schlimm daran, Dich und Deine Kunst mal für 2-3 Jahre mit einem einfachen Brotberuf zu versorgen? Guck nach London oder Rom oder New York - das machen alle so! Es ist weltweit das normale. Und es wäre auch was neues. Du musst doch auch Neugier haben?

Würde es den Druck nehmen, mal zu sagen: nur die nächsten zwei Jahre. Zum Sortieren und mal sehen was mit der Kunst ist wenn ich sie diesen neuen Bedingungen aussetze.

Solche Situationen sind ja auch wieder veränderbar. Alles lässt sich wunderbar wieder auflösen oder verbessern.

Denk mal nur in 1 oder 2 Jahren jetzt. Wie Du da Ruhe rein kriegst. Glaub mir, mit ner ehrlichen und unkomplizierten Arbeit, Umzug in besseres Umfeld und sozialen Kontakten kannst Du zumindest den Teufelskreis knacken. Was Du dann machst siehst Du dann, Hauptsache du setzt dich in Bewegung.Vielleicht würde ich für diese Zeit der Klärung auch mal den Elternkontakt auf höfliches Minimum beschränken. Sag oder schreib ihnen ruhig dass du ihnen sehr dankbar bist für die jahrelange Unterstützung, jetzt musst du mal rausfinden wie es sich damit leben lässt. Diesen beschämenden Hebel an deiner Seele haben sie doch nur weil sie dich so lange versorgt haben. Das kannst du jetzt in Dankbarkeit und Erleichterung aufheben. Und dich außerhalb dieses Rahmens selbst kennen lernen.

Vielleicht ist dieser Abschluss kein Abschluss sondern eine startrampe? Dann kletter rauf!
 
Hallo Mariel,

ich bin kein Fachmann und kann überhaupt nicht beurteilen, ob du psychische Probleme hast, die therapiert werden sollten. Ich habe eher den Eindruck, dass du ganz normal bist und einfach zu viel Müll (Seele/emotional) angehäuft hast und dich dadurch Stück für Stück tiefer eingegraben hast.

Vergiss bitte was deine Mutter erzählt. Vielleicht war das in ihrer Zeit so und vielleicht war das für sie das Richtige. Wurscht. Du bist du und es gilt herauszufinden, was für dich und niemand anders das Richtige ist. Diese Frage wird auch niemand beantworten können, sondern nur du selbst... das ist immer so. Allerdings siehst du momentan den Wald vor lauter Bäumen nicht und verwendest meiner Meinung nach die falschen Methoden. Du versuchst Entscheidungen per Kopf herbei führen zu wollen und das geht in vielen Fällen schlicht und ergreifend nicht. Wenn man dann noch sehr intelligent ist, wird sich das sogar eher negativ aus, weil man noch mehr Möglichkeiten konstruieren und durchgrübeln kann oder gar muss.

Der richtigere Ansatz ist meiner Meinung nach, sich mehr selbst zu vertrauen und auf seinem Bauch zu hören. Ich nenne das auch gerne intuitiver Gedanke und meine damit die allererste Reaktion bzw. der allererste Gedanke z.B. bei einer Frage. Das ist für mich der Richtige. Alle anschließenden Gedanken dienen in erster Linie dem Grübeln und tragen wenig zur Lösung bei. Sind meiner Meinung nach aber nicht ganz unwichtig, sie wollen z.B. vor irgendwas warnen.

Und vergiss einfach mal was andere über dich denken oder noch schlimmer, was sie glauben, was für dich das Richtige sei. Alles egal. Du zählst und das was in deinem Kopf rumspukt. Und wenn es noch so ungewöhnliche Gedanken, Pläne oder was weiß ich sind, sie sind echt, denn die stammen von dir. Ich hab mir auch schon öfter mal den Kopf über meine Zukunft zermardert und einige Male kam es dann doch anders. Auf mein Bauchgefühl konnte ich mich hingegen schon immer verlassen.

Und du hast es selbst schon angesprochen, Hilfe zu Selbsthilfe scheint mir für dich momentan das Richtige zu sein. Ist aber wie gesagt nur meine Einschätzung. Entscheidend ist, wie sich das für dich anfühlt. Und selbst wenn du es ausprobierst und es sich anders als gedacht herausstellt, na und, dann probierste halt einfach die nächste Idee aus.

LG
 

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