G
Gast
Gast
Hallo Liebe Gemeinde,
ich hoffe ihr erlaubt, dass ich einfach versuche meine Gedanken aus dem Kopf zu schreiben. Ihr müsst nicht darauf antworten, weil es eine gewaltige Textwüste werden wird. Der Zweck für mich ist vor allem das aus mir raus zu schreiben.
Ich habe das Gefühl mich ins Aus geschossen zu haben und finde nicht die Kraft, nicht den Mut aus dieser Situation herauszukommen.
Ein Skizze zu meiner Person:
Ich bin w, 29, Single, oder man könnte auch sagen alleine, am Ende des Lebensabschnittes Studium und schaue in ein schwarzes Loch wenn es um die Zukunft geht. Ich weis, das viele meiner Ängste fatalistische Gedankenkonstrukte sind, dass ich vieles negativ bewerte und zu sehr auf die Kritiker in meinem Kopf höre. Dennoch befreit mich dieses Wissen nicht, ich bekomme den nächsten Schritt nicht hin, den Schritt Verantwortung zu übernehmen.
Das Nichtgelingen feuert dafür die Kritiker in meinem Kopf umso mehr an. In zwei Wochen habe ich die Präsentation, die mein Studium beendet. Ich habe dann knapp 7 Jahre in den künstlerischen Berufen studiert. Im Laufe dieser 7 Jahre habe ich viel gelernt, Leidenschaften und Interessen entdeckt und gefördert, jedoch auf der anderen Seite mich psychisch sehr reduziert. Ich ging ins Studium als eine Frau, die zwar bereits emotionale Schwankungen hatte und hart mit sich selbst ins Gericht ging, die jedoch Interessen außerhalb des Berufswunsches hatte, Hobbys und einen Freundeskreis, als auch einen Partner. Die Beziehung ging im Laufe des Studiums zu Bruch, eine zweite vor etwas über einem halben Jahr. Der Freundeskreis hat sich über die Welt verstreut und ich war nicht in der Lage in der letzten Zeit (bin Studienbedingt vor eineinhalb Jahren umgezogen) an dem Ort an dem ich gerade wohne auch nur irgendeine Form von sozialem Netz aufzubauen. Ich fühle mich hier nicht wohl. In der Stadt in der ich wohne, in dem Zimmer in der WG, in dem Haus. In der Situation.
Ich fühle mich einsam mit den Dingen die ich tue, weil ich keine Rückmeldung erhalte. Ich traue mich nicht meine Sachen zu zeigen und zu präsentieren, weil ich sie selber nicht für besonders gut erachte. Irgendwie habe ich mit den Sachen die ich mache einen guten Abschluss erhalten, ich kann ihn aber selber nicht ernst nehmen. Auch eine Zulassung zu einem Aufbaustudium hab ich ohne Probleme bekommen, bin dafür umgezogen. Ich glaube dennoch nicht, dass meine Sachen einen "Wert" haben. In meinen Kopf gibt es die Dauerschleife, dass alle Optionen, die sich auftuen nicht für mich gelten. Ich bin ein Hochstapler in meinem Gedankenkonstrukt. Ich will unsichtbar sein...und gegen dieses Muster kämpfe ich seit Jahren an. Meine Beziehung ist seit einem halben Jahr beendet. Durchaus auch mit den Worten meines Partners: " Du bist nicht interessant für mich" Auch wenn ich Objektiv weis, dass da auf seiner Seite auch eine Sinnkrise reinspielt hat dieser Satz einen ungemeinen Effekt auf mich, immer noch, er ist quasi eine Bestätigung. Ich bin nicht interessant. Ich weis auch, das sich in dem Zustand nicht interessant werden kann für jemanden. Ich sehne mich sehr nach Nähe, mein Kopf will aber niemanden kennenlernen. Jede Person, die mir jetzt näher käme würde nur eine Lücke ausfüllen, die ich selbst ausfüllen muss. Jede Kraft die ich daraus ziehen würde, würde nur den Zustand überdecken, und jede Trennung, die früher oder später einträte, weil früher oder später auch der nächste Partner feststellt, dass ich alleine nicht interessant bin, zöge nur noch mehr Kraft von mir.
Ich möchte nicht alleine sein, ich möchte in der Lage sein wieder jemanden kennenzulernen. Ich möchte vollständig genug sein um wirklich einen anderen Menschen in mein Leben lassen zu können ohne dringend einen Menschen zu brauchen, weil ich es nicht mit mir alleine aushalte.
Ich sitze in meinem Zimmer und sieche vor mich hin. Starre in den Computer, lasse mein Hirn von Youtube auffressen. Mir geht es nicht gut. Es gibt zehntausend Baustellen, die ich ändern sollte, ich weis nicht wo ich anfangen soll, oder kann. Es überfordert mich.
Ganz weltlich drücken ein paar Schuhe: Bis jetzt unterstützt mich mein Vater finanziell. Er hat mir ein Ultimatum gesetzt, bis wann ich auf eigenen Beinen zu stehen habe, das ist in drei Monaten. Das ist auch gut und richtig so. Ich schäme mich, mit knapp dreissig noch abhängig zu sein, ich schäme mich nichts hinzubekommen, Verantwortung für mich selbst nicht übernehmen zu können.
Ich bin, durch die Situation meiner Eltern als Student in eine private Krankenversicherung eingetreten. Momentan bedeutet das: Ich zahle das doppelte an Beitrag, was ein gesetzlich versicherter Student zahlen würde und die Krankenversicherung hat eine Leistung ausgeschlossen, die ich sehr gerne in Anspruch nehmen möchte: Ambulante Psychotherapie. Ich habe, wie schon gesagt, seit Jahren Probleme mit meinem Kopf, ich komm nicht raus aus den Spiralen,die sich immer wieder latent oder auch ganz konkret um Selbstvernichtung drehen. Da aber Probleme im Kopf in den Augen meines Vaters nur ein Druckmittel und eine Ausrede für mein langes Studium sind, gibt es seiner Meinung nach auch keinen Bedarf für eine Behandlung.
Mit dreissig wird diese Versicherung noch teurer, ich kann nur durch ein Angestelltenverhältnis ( oder Eintritt in die KSK, aber das müsste ich auch erstmal schaffen), wechseln. In dem Tarif in dem ich bin und in dem ich als Arbeitsloser wäre ist keine Psychotherapie möglich. Ich mache gerade meinen Führerschein, den ich selbst bezahle, einen weiteren Posten, der über 50 Euro wöchentlich kostet kann ich nicht selbst tragen....
vielleicht hat mein Vater auch recht, ich jammere nur und brauche keine Hilfe...
Ich habe ganz akut keine Aufgabe, keinen Sinn für mich, aber auch die Möglichkeiten, das Weiterzumachen, was ich bis jetzt gemacht habe. Mich zerreists gerade sehr. Mein Druck aus dem Ort hier zu kommen ist groß. Wenigstens aus der WG, es gibt in dem Haus eine permanente Akustische Geräuschkulisse mit der ich nicht zurechtkomme. Als ich hierherzog sagte ich mir anfangs noch : Du kannst nicht nach zwei Wochen wieder umziehen. Es kostet Geld und Kraft. dann redete ich mir ein, dass mir niemand helfen würde und nun wohne ich seit eineinhalb Jahren hier und ich fühle mich zermürbt.
In meinem Kopf sieht es so aus:
In drei Monaten also, werde ich dreissig, mein Vater hört auf mich zu unterstützen, meine Kosten explodieren und ich habe nichts auf die Reihe gekriegt bis dahin, während Freunde in dem Alter heiraten, Kinder haben, den Partner fürs Leben getroffen haben, einen guten Job gefunden haben oder sogar schon eine Wohnung gekauft haben, habe ich es nicht mal geschafft mich für ein Praktikum zu bewerben, weil ich zu feige war, hab nichts, kann nichts verwertbares und bin allein.
Meine Eltern und ich haben unterschiedliche Lebensvorstellungen. Während meine Eltern das Modell "Sicher" ( und " Unglücklich, aber bald endlich in Rente") für sich wählten, möchte ich tatsächlich lieber "unsicher und dafür glücklich" leben. Emotionale Gesundheit und eine hohe Freiheit sind für mich starke Faktoren, Geld ein sehr geringer. Ich habe keine eigene Familie, keinen Partner und meine Eltern sind noch nicht so gebrechlich, dass ich sie pflegen sollte, ich möchte für mich solange Freiheit leben können wie das möglich ist. Mein Traum wäre soweit wie möglich eigenständig zu leben, also auch zu einem guten Teil Selbstversorgend. Verpflichtungen, vor allem Materielle ( Immobilien, Schulden wegen Anschaffungen, etc), möchte ich gering halten. Ich möchte das was ich mache gerne machen und solange ausführen können und mögen wie es mir möglich ist. Es sollte einen Sinn haben, ich möchte diesen Sinn auch wahrnehmen. Dieser Wunsch hat mich im Studium vom Pixelschubser zum Handwerker werden lassen.
Und dennoch, ich bin ein Heuchler, reden kann ich gut. Ich habe mich verlaufen auf dem Weg.
Meine Mutter leidet unter all meinen Entscheidungen, habe ich den Eindruck. Jedes Mal, wenn wir reden schaut sie mich leidend an, warnt mich: Du schießt dich ins Aus, du kannst nicht umziehen ohne Arbeit, das macht man nicht, du musst da bleiben, du bist zu fatalistisch etc. etc.. Wenn ich ihr erzähle, dass ich meine Habe , die ein kleines WG Zimmer füllt, soweit reduzieren möchte, dass sie in ein Auto passt, ich also mich frei bewegen kann, leidet sie. Ihr einziger Satz dazu ist, dass es ihr weh tut, dass ich Dinge von Oma und Opa dann auch weggeben würde. Ich sehe wie sie in einem Museum lebt, Emotionen an Gegenstände haftet. ich bin nciht der Mensch dafür, ich finde das ein Stück weit grußelig. Ich weis, dass ich nciht das Bild meiner Eltern leben kann, aber dieses kleine Beispiel ist eines von vielen aus diesem Muster, ich habe den Eindruck meinen Eltern schon fast alleine durch meine Existenz zu schaden, alles was ich überlege, plane, mache, scheint falsch, scheint schmerzhaft für sie. Wie kann mich das nicht beeinflussen?
Ich erzähle, ich möchte mich selbstständig machen mit dem was ich gerne mache, die Antwort ist: Aber das funktioniert doch nicht so einfach, das ist zu schwierig, ich will mich reduzieren, es tut ihr weh, dass ich Sachen weggebe. Ich möchte mich neu orientieren und in Fertigkeiten lernen die etwas mit Nachaltigkeit zu tun haben ( Konkret Permakultur), die Antwort ist: Wofür hast du studiert, du schießt dich ins Aus? Ich erzähle, dass ich ab Juli für vier, fünf Monate etwas zu tun habe, einen Ort zu wohnen und eine Aufgabe, die ich gerne mache, die Antwort ist: Und dann, was soll aus dir dann werden? was kommt dann danach? Sie wünschen sich ein geregeltes leben für mich und ich habe diese Sorge, dass alle anderen Lebensmodelle scheitern würden so sehr verinnerlicht, das sich keinen Mut habe.
ich habe all diese Zweifler schon seit langen in mir selbst übernommen, stelle mir permanent diese Fragen selber, hinterfrage alles, scheue mich vor allem.
Ich wollte hier weg, unternahm einen Anlauf nach Hamburg zu ziehen, dort sind Freunde. Ich kann nicht mal genau benennen, an was es gescheitert ist. Die Suche hat sehr viel Energie gefressen und ich hab mich letztendlich nicht getraut. Ich sollte noch ein Praktikum machen, ich traue mich nicht mich zu bewerben. Ich habe Angst vor der Ablehnung.
ich kriegs nicht hin umzuziehen. Bald geht dann auch das Geld aus, ich weis, dass ich Arbeit suchen muss. Ich habe Angst davor hier bleiben zu müssen, durch Arbeitslosigkeit, oder durch ein Arbeitsverhältnis, das mich hier bindet. Hier bleiben zu müssen ist für mich ins Aus schießen. Ich habe Angst davor nutzlos zu sein, nichts machen zu können, dass mit den Leidenschaften,die ich habe zu tun hat. Zeitarbeiter werden, einen Job machen, eben irgendwas arbeiten, umsonst studiert hab ich doch eh schon, bestätige die Vermutung meiner Eltern, dass das brotlos ist....versteht ihr was ich meine? Die Schiene "Sicher", mit dem Warten darauf, dass man irgendwann aufhören darf.
Ich sitze in einer Stadt im Osten, ich bekomme hier viele Leute mit, die nach dem Prinzip " Muss ja irgendwie", leben. Durch die Umstände und dem Wandel. Ich verstehe, dass sich das so ergibt, dass man vielleicht auch nicht immer so die Wahl treffen kann was man machen möchte, aber ich bin noch naiv. Naiv genug zu glauben, dass es man Glück für erstrebenswert halten kann.
Eigentlich glaube ich das nicht mehr, ich halte mich auch in diesen Dingen für einen Hochstapler, wenn ich mich reden höre.
Wie komme ich aus der Lage raus, wie bleibe ich dran? Wie höre ich auf mich permanent selbst fertig zu machen und zu kritisieren? Warum habe ich vor Allem Angst, traue mich nichts?
Ich habe keine Lebensfreude, bin unruhig, unter Druck. Gerade verschwende ich wirklich Lebenszeit und das fühlt sich nicht gut an. Der Mensch ändert für gewöhnlich spätestens dann was an seinem Verhalten, wenn der Leidensdruck groß genug ist. Ich weis nicht wie groß er denn noch werden muss, damit ich den Schuss höre. Hobbies hab ich keine mehr, ich erlaube sie mir auch nicht, in meinem Kopf hab ich keine Berechtigung für Interessen, wenn ich keine Verantwortung für mich übernehmen kann und noch vom Geld anderer Leute lebe. Mein Sichtfeld wir immer kleiner, ich werde immer unselbstständiger. Mehr und mehr Aufgaben, die ich auch schon mal ohne Probleme bewältigt habe scheinen unmöglich zu meistern.
Ich geh nicht mehr raus. Melde mich kaum noch bei Menschen, die ich gerne hab. Ich hab Angst vor den Fragen ( und was machst du jetzt? Hast du schon Arbeit? Wolltest du nicht umziehen?)
Ich hab keine Freude mehr an Dingen, esse irgendwelchen Müll, weil ich keinen Appetit mehr habe, Gefühlt nichts mehr schmecke, alles ist wie Pappe. Ich ergreife keine Chance mehr, lehne lieber ab. Ich will aus diesem Muster raus.
Ich möcht nicht existieren. Aber ich möchte nicht mehr vegetieren. Ich will leben.
Wie schaffe ich das?
ich hoffe ihr erlaubt, dass ich einfach versuche meine Gedanken aus dem Kopf zu schreiben. Ihr müsst nicht darauf antworten, weil es eine gewaltige Textwüste werden wird. Der Zweck für mich ist vor allem das aus mir raus zu schreiben.
Ich habe das Gefühl mich ins Aus geschossen zu haben und finde nicht die Kraft, nicht den Mut aus dieser Situation herauszukommen.
Ein Skizze zu meiner Person:
Ich bin w, 29, Single, oder man könnte auch sagen alleine, am Ende des Lebensabschnittes Studium und schaue in ein schwarzes Loch wenn es um die Zukunft geht. Ich weis, das viele meiner Ängste fatalistische Gedankenkonstrukte sind, dass ich vieles negativ bewerte und zu sehr auf die Kritiker in meinem Kopf höre. Dennoch befreit mich dieses Wissen nicht, ich bekomme den nächsten Schritt nicht hin, den Schritt Verantwortung zu übernehmen.
Das Nichtgelingen feuert dafür die Kritiker in meinem Kopf umso mehr an. In zwei Wochen habe ich die Präsentation, die mein Studium beendet. Ich habe dann knapp 7 Jahre in den künstlerischen Berufen studiert. Im Laufe dieser 7 Jahre habe ich viel gelernt, Leidenschaften und Interessen entdeckt und gefördert, jedoch auf der anderen Seite mich psychisch sehr reduziert. Ich ging ins Studium als eine Frau, die zwar bereits emotionale Schwankungen hatte und hart mit sich selbst ins Gericht ging, die jedoch Interessen außerhalb des Berufswunsches hatte, Hobbys und einen Freundeskreis, als auch einen Partner. Die Beziehung ging im Laufe des Studiums zu Bruch, eine zweite vor etwas über einem halben Jahr. Der Freundeskreis hat sich über die Welt verstreut und ich war nicht in der Lage in der letzten Zeit (bin Studienbedingt vor eineinhalb Jahren umgezogen) an dem Ort an dem ich gerade wohne auch nur irgendeine Form von sozialem Netz aufzubauen. Ich fühle mich hier nicht wohl. In der Stadt in der ich wohne, in dem Zimmer in der WG, in dem Haus. In der Situation.
Ich fühle mich einsam mit den Dingen die ich tue, weil ich keine Rückmeldung erhalte. Ich traue mich nicht meine Sachen zu zeigen und zu präsentieren, weil ich sie selber nicht für besonders gut erachte. Irgendwie habe ich mit den Sachen die ich mache einen guten Abschluss erhalten, ich kann ihn aber selber nicht ernst nehmen. Auch eine Zulassung zu einem Aufbaustudium hab ich ohne Probleme bekommen, bin dafür umgezogen. Ich glaube dennoch nicht, dass meine Sachen einen "Wert" haben. In meinen Kopf gibt es die Dauerschleife, dass alle Optionen, die sich auftuen nicht für mich gelten. Ich bin ein Hochstapler in meinem Gedankenkonstrukt. Ich will unsichtbar sein...und gegen dieses Muster kämpfe ich seit Jahren an. Meine Beziehung ist seit einem halben Jahr beendet. Durchaus auch mit den Worten meines Partners: " Du bist nicht interessant für mich" Auch wenn ich Objektiv weis, dass da auf seiner Seite auch eine Sinnkrise reinspielt hat dieser Satz einen ungemeinen Effekt auf mich, immer noch, er ist quasi eine Bestätigung. Ich bin nicht interessant. Ich weis auch, das sich in dem Zustand nicht interessant werden kann für jemanden. Ich sehne mich sehr nach Nähe, mein Kopf will aber niemanden kennenlernen. Jede Person, die mir jetzt näher käme würde nur eine Lücke ausfüllen, die ich selbst ausfüllen muss. Jede Kraft die ich daraus ziehen würde, würde nur den Zustand überdecken, und jede Trennung, die früher oder später einträte, weil früher oder später auch der nächste Partner feststellt, dass ich alleine nicht interessant bin, zöge nur noch mehr Kraft von mir.
Ich möchte nicht alleine sein, ich möchte in der Lage sein wieder jemanden kennenzulernen. Ich möchte vollständig genug sein um wirklich einen anderen Menschen in mein Leben lassen zu können ohne dringend einen Menschen zu brauchen, weil ich es nicht mit mir alleine aushalte.
Ich sitze in meinem Zimmer und sieche vor mich hin. Starre in den Computer, lasse mein Hirn von Youtube auffressen. Mir geht es nicht gut. Es gibt zehntausend Baustellen, die ich ändern sollte, ich weis nicht wo ich anfangen soll, oder kann. Es überfordert mich.
Ganz weltlich drücken ein paar Schuhe: Bis jetzt unterstützt mich mein Vater finanziell. Er hat mir ein Ultimatum gesetzt, bis wann ich auf eigenen Beinen zu stehen habe, das ist in drei Monaten. Das ist auch gut und richtig so. Ich schäme mich, mit knapp dreissig noch abhängig zu sein, ich schäme mich nichts hinzubekommen, Verantwortung für mich selbst nicht übernehmen zu können.
Ich bin, durch die Situation meiner Eltern als Student in eine private Krankenversicherung eingetreten. Momentan bedeutet das: Ich zahle das doppelte an Beitrag, was ein gesetzlich versicherter Student zahlen würde und die Krankenversicherung hat eine Leistung ausgeschlossen, die ich sehr gerne in Anspruch nehmen möchte: Ambulante Psychotherapie. Ich habe, wie schon gesagt, seit Jahren Probleme mit meinem Kopf, ich komm nicht raus aus den Spiralen,die sich immer wieder latent oder auch ganz konkret um Selbstvernichtung drehen. Da aber Probleme im Kopf in den Augen meines Vaters nur ein Druckmittel und eine Ausrede für mein langes Studium sind, gibt es seiner Meinung nach auch keinen Bedarf für eine Behandlung.
Mit dreissig wird diese Versicherung noch teurer, ich kann nur durch ein Angestelltenverhältnis ( oder Eintritt in die KSK, aber das müsste ich auch erstmal schaffen), wechseln. In dem Tarif in dem ich bin und in dem ich als Arbeitsloser wäre ist keine Psychotherapie möglich. Ich mache gerade meinen Führerschein, den ich selbst bezahle, einen weiteren Posten, der über 50 Euro wöchentlich kostet kann ich nicht selbst tragen....
vielleicht hat mein Vater auch recht, ich jammere nur und brauche keine Hilfe...
Ich habe ganz akut keine Aufgabe, keinen Sinn für mich, aber auch die Möglichkeiten, das Weiterzumachen, was ich bis jetzt gemacht habe. Mich zerreists gerade sehr. Mein Druck aus dem Ort hier zu kommen ist groß. Wenigstens aus der WG, es gibt in dem Haus eine permanente Akustische Geräuschkulisse mit der ich nicht zurechtkomme. Als ich hierherzog sagte ich mir anfangs noch : Du kannst nicht nach zwei Wochen wieder umziehen. Es kostet Geld und Kraft. dann redete ich mir ein, dass mir niemand helfen würde und nun wohne ich seit eineinhalb Jahren hier und ich fühle mich zermürbt.
In meinem Kopf sieht es so aus:
In drei Monaten also, werde ich dreissig, mein Vater hört auf mich zu unterstützen, meine Kosten explodieren und ich habe nichts auf die Reihe gekriegt bis dahin, während Freunde in dem Alter heiraten, Kinder haben, den Partner fürs Leben getroffen haben, einen guten Job gefunden haben oder sogar schon eine Wohnung gekauft haben, habe ich es nicht mal geschafft mich für ein Praktikum zu bewerben, weil ich zu feige war, hab nichts, kann nichts verwertbares und bin allein.
Meine Eltern und ich haben unterschiedliche Lebensvorstellungen. Während meine Eltern das Modell "Sicher" ( und " Unglücklich, aber bald endlich in Rente") für sich wählten, möchte ich tatsächlich lieber "unsicher und dafür glücklich" leben. Emotionale Gesundheit und eine hohe Freiheit sind für mich starke Faktoren, Geld ein sehr geringer. Ich habe keine eigene Familie, keinen Partner und meine Eltern sind noch nicht so gebrechlich, dass ich sie pflegen sollte, ich möchte für mich solange Freiheit leben können wie das möglich ist. Mein Traum wäre soweit wie möglich eigenständig zu leben, also auch zu einem guten Teil Selbstversorgend. Verpflichtungen, vor allem Materielle ( Immobilien, Schulden wegen Anschaffungen, etc), möchte ich gering halten. Ich möchte das was ich mache gerne machen und solange ausführen können und mögen wie es mir möglich ist. Es sollte einen Sinn haben, ich möchte diesen Sinn auch wahrnehmen. Dieser Wunsch hat mich im Studium vom Pixelschubser zum Handwerker werden lassen.
Und dennoch, ich bin ein Heuchler, reden kann ich gut. Ich habe mich verlaufen auf dem Weg.
Meine Mutter leidet unter all meinen Entscheidungen, habe ich den Eindruck. Jedes Mal, wenn wir reden schaut sie mich leidend an, warnt mich: Du schießt dich ins Aus, du kannst nicht umziehen ohne Arbeit, das macht man nicht, du musst da bleiben, du bist zu fatalistisch etc. etc.. Wenn ich ihr erzähle, dass ich meine Habe , die ein kleines WG Zimmer füllt, soweit reduzieren möchte, dass sie in ein Auto passt, ich also mich frei bewegen kann, leidet sie. Ihr einziger Satz dazu ist, dass es ihr weh tut, dass ich Dinge von Oma und Opa dann auch weggeben würde. Ich sehe wie sie in einem Museum lebt, Emotionen an Gegenstände haftet. ich bin nciht der Mensch dafür, ich finde das ein Stück weit grußelig. Ich weis, dass ich nciht das Bild meiner Eltern leben kann, aber dieses kleine Beispiel ist eines von vielen aus diesem Muster, ich habe den Eindruck meinen Eltern schon fast alleine durch meine Existenz zu schaden, alles was ich überlege, plane, mache, scheint falsch, scheint schmerzhaft für sie. Wie kann mich das nicht beeinflussen?
Ich erzähle, ich möchte mich selbstständig machen mit dem was ich gerne mache, die Antwort ist: Aber das funktioniert doch nicht so einfach, das ist zu schwierig, ich will mich reduzieren, es tut ihr weh, dass ich Sachen weggebe. Ich möchte mich neu orientieren und in Fertigkeiten lernen die etwas mit Nachaltigkeit zu tun haben ( Konkret Permakultur), die Antwort ist: Wofür hast du studiert, du schießt dich ins Aus? Ich erzähle, dass ich ab Juli für vier, fünf Monate etwas zu tun habe, einen Ort zu wohnen und eine Aufgabe, die ich gerne mache, die Antwort ist: Und dann, was soll aus dir dann werden? was kommt dann danach? Sie wünschen sich ein geregeltes leben für mich und ich habe diese Sorge, dass alle anderen Lebensmodelle scheitern würden so sehr verinnerlicht, das sich keinen Mut habe.
ich habe all diese Zweifler schon seit langen in mir selbst übernommen, stelle mir permanent diese Fragen selber, hinterfrage alles, scheue mich vor allem.
Ich wollte hier weg, unternahm einen Anlauf nach Hamburg zu ziehen, dort sind Freunde. Ich kann nicht mal genau benennen, an was es gescheitert ist. Die Suche hat sehr viel Energie gefressen und ich hab mich letztendlich nicht getraut. Ich sollte noch ein Praktikum machen, ich traue mich nicht mich zu bewerben. Ich habe Angst vor der Ablehnung.
ich kriegs nicht hin umzuziehen. Bald geht dann auch das Geld aus, ich weis, dass ich Arbeit suchen muss. Ich habe Angst davor hier bleiben zu müssen, durch Arbeitslosigkeit, oder durch ein Arbeitsverhältnis, das mich hier bindet. Hier bleiben zu müssen ist für mich ins Aus schießen. Ich habe Angst davor nutzlos zu sein, nichts machen zu können, dass mit den Leidenschaften,die ich habe zu tun hat. Zeitarbeiter werden, einen Job machen, eben irgendwas arbeiten, umsonst studiert hab ich doch eh schon, bestätige die Vermutung meiner Eltern, dass das brotlos ist....versteht ihr was ich meine? Die Schiene "Sicher", mit dem Warten darauf, dass man irgendwann aufhören darf.
Ich sitze in einer Stadt im Osten, ich bekomme hier viele Leute mit, die nach dem Prinzip " Muss ja irgendwie", leben. Durch die Umstände und dem Wandel. Ich verstehe, dass sich das so ergibt, dass man vielleicht auch nicht immer so die Wahl treffen kann was man machen möchte, aber ich bin noch naiv. Naiv genug zu glauben, dass es man Glück für erstrebenswert halten kann.
Eigentlich glaube ich das nicht mehr, ich halte mich auch in diesen Dingen für einen Hochstapler, wenn ich mich reden höre.
Wie komme ich aus der Lage raus, wie bleibe ich dran? Wie höre ich auf mich permanent selbst fertig zu machen und zu kritisieren? Warum habe ich vor Allem Angst, traue mich nichts?
Ich habe keine Lebensfreude, bin unruhig, unter Druck. Gerade verschwende ich wirklich Lebenszeit und das fühlt sich nicht gut an. Der Mensch ändert für gewöhnlich spätestens dann was an seinem Verhalten, wenn der Leidensdruck groß genug ist. Ich weis nicht wie groß er denn noch werden muss, damit ich den Schuss höre. Hobbies hab ich keine mehr, ich erlaube sie mir auch nicht, in meinem Kopf hab ich keine Berechtigung für Interessen, wenn ich keine Verantwortung für mich übernehmen kann und noch vom Geld anderer Leute lebe. Mein Sichtfeld wir immer kleiner, ich werde immer unselbstständiger. Mehr und mehr Aufgaben, die ich auch schon mal ohne Probleme bewältigt habe scheinen unmöglich zu meistern.
Ich geh nicht mehr raus. Melde mich kaum noch bei Menschen, die ich gerne hab. Ich hab Angst vor den Fragen ( und was machst du jetzt? Hast du schon Arbeit? Wolltest du nicht umziehen?)
Ich hab keine Freude mehr an Dingen, esse irgendwelchen Müll, weil ich keinen Appetit mehr habe, Gefühlt nichts mehr schmecke, alles ist wie Pappe. Ich ergreife keine Chance mehr, lehne lieber ab. Ich will aus diesem Muster raus.
Ich möcht nicht existieren. Aber ich möchte nicht mehr vegetieren. Ich will leben.
Wie schaffe ich das?