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45 Jahre, sozial isoliert und verzweifelt

@Blaumeise:

Ja, natürlich will ich aus der Isolation rauskommen - wer will denn schon isoliert sein? Verhaltenstherapie finde ich für mich nicht ideal. Um mich in für mich neue und Angst auslösende Situationen zu begeben, brauche ich doch keinen Therapeuten, das könnte ich auch allein.
Wenn du sagst, du könntest es allein, wieso machst du es dann nicht?

In der Therapie wirst du langsam an die angstauslösenden Situationen herangeführt. Es geht ja nicht nur darum, sich der Situation zu stellen, sondern auch darum WIE du dich ihr stellst, damit die Konfrontation auch von Erfolg gekrönt ist und nicht ein Schuss in den Ofen wird.

Außerdem habe ich schon damals Verhaltenstherapie gemacht - allerdings muss ich hierbei erwähnen, dass ich da noch keine medikamentöse Behandlung hatte und ich erst kürzlich Antidepressiva nehme, die ich nun auch wirklich für einige Wochen und ggf. länger nehmen werde, wenn sie bei mir anschlagen. Vielleicht hätte ich das damals schon machen sollen.
Eine Verhaltenstherapie ist gerade bei Ängsten am wirksamsten, wenn keine Medikamente eingenommen werden.

Wenn Therapieformen wie Psychoanalyse nur dabei helfen, die Vergangenheit zu verstehen, warum macht man dann so eine Therapie, wenn sie ja dann sinnlos erscheint und das Leben in keiner Weise positiv verändert?
Bei der Psychoanalyse und analytischen Psychotherapie hat man nachgewiesen, dass diese so gut wie keine Wirksamkeit haben. Hat auch mein ehemaliger Therapeut bestätigt. Die klassische Psychoanalyse wird auch nicht mehr von den Krankenkassen bezahlt. Die Psychotherapieleitlinie gibt nämlich vor, dass ein Therapieziel vorzugeben ist. Das ist bei der klassischen Psychoanalyse nicht der Fall. Daher trägt die Kasse nur noch die Kosten für Verhaltenstherapie, tiefenpsychologische Therapie und analytische Psychotherapie.
Es wird zudem auch schwer, heute noch einen Analytiker zu finden. Wenn, dann sind es schon ältere. Jüngere Therapeuten gehen den Ausbildungsweg so gut wie gar nicht mehr. Die Ausbildung ist langwierig und teuer.
 
@Blaumeise:

Dass ich es nicht mache, ist so nicht richtig. Ich will mich z. B. demnächst bei einem Fitnesscenter anmelden und versuchen, in einem Chor unterzukommen.
Eine Verhaltenstherapie halte ich für mich nach wie vor für sinnlos, weil sie oberflächlich agiert und - wie schon erwähnt - eher etwas für Leute ist, deren Problematik nicht so tief liegt.
Ich zitiere zum Stichwort "Verhaltenstherapie" mal aus einer SPIEGEL-Seite: "Ich bin seit 18 Jahren an generalisierter Angststörung erkrankt, habe 5 ambulante kognitive Verhaltenstherapien durchlaufen, die ebenso wirkungslos waren wie die SSrIs.
Eine gewisse Linderung haben nur Neuroleptika gebracht.
verhaltenstherapeutische Maßnahmen versuchen, einzelne Verhaltensweisen zu trainieren die dann auf andere Bereiche übertragen werden sollen, was jedoch oft nicht funktioniert. Hinzu kommt, dass einmal erworbene Fähigkeiten, die nicht ständig weiter trainiert werden, wieder verloren gehen."
Von einer anderen Seite: "Übliche Therapien wie nach Linehan oder DBT bzw. Verhaltenstherapie sind daher wirkungslos,weil die unterdrückten angestauten Gefühle nicht verstanden und verarbeitet werden können und Ängste und Zwänge sich nicht auflösen."

In Bezug auf meine Sozialängste hat mir die Verhaltenstherapie null geholfen. Es gibt durchaus auch Berichte, die die Wirkungslosigkeit einer kognitiven Verhaltenstherapie aufzeigen. So ist hier z. B. zu lesen: "Ein interner Bericht des RIZIV hatte bereits klar und deutlich ergeben, dass kognitive Verhaltenstherapie wirkungslos ist. Tatsächlich hat ein Bericht des belgischen Health Care Knowledge Center KCE später dieses Ergebnis bestätigt."

Dass "man" nachgewiesen hat, Psychoanalyse hätte so gut wie keine Wirkung, ist nicht richtig - vielmehr ist das Gegenteil der Fall: https://www.welt.de/print/wams/wissen/article152720090/Freud-lebt.html. Der Artikel ist von 2016.
Zur Verhaltenstherapie ist da u. a. zu lesen: "Die Hinweise mehren sich, sagt Benecke, dass die Patienten von Psychoanalysen vor allem auf lange Sicht einen größeren Vorteil haben: Ihnen geht es oft nach dem Ende der Behandlung immer besser, während der Effekt der Verhaltenstherapie direkt am Ende der Behandlung am stärksten ist und dann wieder absinkt. Das lasse sich unter anderem an der Rückfallrate, der Anzahl der stationären Aufenthalte oder der Krankentage der Patienten zeigen."

Was ist der Unterschied zwischen klassischer und analytischer Psychoanalyse?
 
@Blaumeise:

Dass ich es nicht mache, ist so nicht richtig. Ich will mich z. B. demnächst bei einem Fitnesscenter anmelden und versuchen, in einem Chor unterzukommen.
Also machst du es noch nicht 😉
Es ist aber schon mal ein Schritt in die richtige Richtung. Doch was heißt „demnächst“? Du solltest dir ein konkretes Datum setzen. Am besten wäre es, wenn du dir sagst: „Am Montag melde ich mich beim Chor und im Fitnessstudio an.“
DAS wäre ein konretes und auch zeitnahes Ziel. Wenn du jedoch sagst, demnächst mache ich dies und jenes, dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass du es immer wieder vor dir her schiebst.

Eine Verhaltenstherapie halte ich für mich nach wie vor für sinnlos, weil sie oberflächlich agiert und - wie schon erwähnt - eher etwas für Leute ist, deren Problematik nicht so tief liegt.
Ich würde dir empfehlen, es einem Therapeuten zu überlassen, was für dich die richtige Therapieform ist. Die Probesitzungen dienen auch dazu, auch das herauszufinden. Und neben der Therapieform, ist auch die Beziehung zum Therapeuten wichtig. Versteht man sich mit dem Therapeut nicht, dann ist die Therapie auch sinnlos.

Ich zitiere zum Stichwort "Verhaltenstherapie" mal aus einer SPIEGEL-Seite: "Ich bin seit 18 Jahren an generalisierter Angststörung erkrankt, habe 5 ambulante kognitive Verhaltenstherapien durchlaufen, die ebenso wirkungslos waren wie die SSrIs.
Eine gewisse Linderung haben nur Neuroleptika gebracht.
verhaltenstherapeutische Maßnahmen versuchen, einzelne Verhaltensweisen zu trainieren die dann auf andere Bereiche übertragen werden sollen, was jedoch oft nicht funktioniert. Hinzu kommt, dass einmal erworbene Fähigkeiten, die nicht ständig weiter trainiert werden, wieder verloren gehen."
Von einer anderen Seite: "Übliche Therapien wie nach Linehan oder DBT bzw. Verhaltenstherapie sind daher wirkungslos,weil die unterdrückten angestauten Gefühle nicht verstanden und verarbeitet werden können und Ängste und Zwänge sich nicht auflösen."
Es gibt durchaus Fälle, wo eine Verhaltenstherapie wirkungslos ist, das will ich auch nicht abstreiten. Aber das ist eher selten als die Regel. Manchmal hilft auch nur die Kombination mehrerer Therapieformen, damit ein Patient weiter kommt. Es ist eben bei jeden Patient individuell. Aber wie gesagt, das muss man mit dem Therapeuten besprechen.

Mein Thera (Verhaltenstherapeut) war da auch entsprechend ehrlich zu mir. Bei einem bestimmten Problem konnte er mir auch nicht weiter helfen und hat mir eine tiefenpsychologische Therapie empfohlen. Ich bin das aber noch nicht angegangen, da ich erst mal eine Therapiepause brauche.

Was ist der Unterschied zwischen klassischer und analytischer Psychoanalyse?
Das kannst du gut ergoogeln.
https://dr.behnsen.com/psychoanalyse-analytische-psychotherapie/
 
@Blaumeise:

Dass ich mich demnächst beim Fitnesscenter anmelde, hat den einfachen Grund, dass ich erst seit wenigen Tagen Antidepressiva einnehme und ich es für wenig sinnvoll halte, zu schnell so ein Manöver zu starten und vielleicht dann (wieder) zu schnell aufgebe. Die Antidepressiva sind ja dazu da, um die Stimmung aufzuhellen, und wenn kein gewisser Serotonin-Spiegel erreicht ist, dann ist die Gemütslage eben im Keller - und somit auch die Motivation, sich ins Fitnesscenter zu begeben. Du verstehst?
Es kann aber auch sein, dass das Medikament, das ich nehme (Citalopram) bei mir nicht anschlägt, obwohl ich meine, dass es mir seit Einnahme (bisher nur eine halbe Tablette täglich) etwas besser geht. Aber genaueres kann ich wohl erst in paar Wochen sagen.
Und nein, ich schiebe es nicht vor mir her - die letzte Zeit habe ich mich z. B. darum bemüht, in eine Billard- und Koch-Gruppe zu gehen, aber warum das nicht geklappt hat, schrieb ich bereits.

Warum soll ich es einem Therapeuten überlassen, welche Therapieform er mir empfiehlt? Ich bin genug therapieerfahren, um zu wissen, was mir etwas bringt und was nicht. Die Beziehung zum Therapeuten ist auf jeden Fall wichtig, ja. Kann man denn so einfach mehrere Therapeuten ausprobieren?

Es mag sein, dass es seltene Fälle gibt, wo eine Verhaltenstherapie wirkungslos ist. Dann bin ich halt so ein seltener Fall. Fakt ist aber, dass ich - wenn überhaupt - so eine Therapie nicht ohne Medikamente (Antidepressiva) machen könnte.
Was für eine tiefenpsychologische Therapie strebst du denn an?

Danke für den Link. Ich habe auch mal auf diese Seite geschaut und frage demnächst mal bei meiner Krankenkasse wegen einer analytischen Psychoanalyse an.
 
@Blaumeise:

Dass ich mich demnächst beim Fitnesscenter anmelde, hat den einfachen Grund, dass ich erst seit wenigen Tagen Antidepressiva einnehme und ich es für wenig sinnvoll halte, zu schnell so ein Manöver zu starten und vielleicht dann (wieder) zu schnell aufgebe. Die Antidepressiva sind ja dazu da, um die Stimmung aufzuhellen, und wenn kein gewisser Serotonin-Spiegel erreicht ist, dann ist die Gemütslage eben im Keller - und somit auch die Motivation, sich ins Fitnesscenter zu begeben. Du verstehst?
Die Motivation, sich regelmäßig sportlich zu betätigen, kommt auch erst mit der Zeit bzw. mit der Gewohnheit. Der Anfang ist generell für viele schwer. Das hat nicht zwingend etwas mit den Serotoninspiegel zu tun. Da hilft es dann einfach zu machen, obwohl man keine Lust hat. Soll heißen, man muss sich erst mal zwingen. Mit der Zeit fällt es dann leichter.
Ich will dich damit jetzt zu nichts überreden. Das Tempo musst letztendlich du bestimmen. Und wenn du meinst, du schaffst das nur mit Tabletten, dann warte eben ab.

Warum soll ich es einem Therapeuten überlassen, welche Therapieform er mir empfiehlt? Ich bin genug therapieerfahren, um zu wissen, was mir etwas bringt und was nicht.
Der Therapeut hat, im Gegensatz zu dir, sein Fach erlernt. Nur, weil du schon ein paar Therapien hinter dir hast, macht dich das nicht zum Fachmann. Es kann zumindest nicht schaden, sich die Meinung eines Therapeuten anzuhören.

Die Beziehung zum Therapeuten ist auf jeden Fall wichtig, ja. Kann man denn so einfach mehrere Therapeuten ausprobieren?
Na ja, allzu viele wird man nicht ausprobieren können, da die Anzahl der Probesitzungen beschränkt ist. Lasse dich diesbezüglich von deiner Krankenkasse beraten.

Es mag sein, dass es seltene Fälle gibt, wo eine Verhaltenstherapie wirkungslos ist. Dann bin ich halt so ein seltener Fall. Fakt ist aber, dass ich - wenn überhaupt - so eine Therapie nicht ohne Medikamente (Antidepressiva) machen könnte.
Wer verschreibt dir die Medis? Hausarzt oder ein Psychiater?

Was für eine tiefenpsychologische Therapie strebst du denn an?
Ich verstehe die Frage nicht... Es gibt doch nur eine tiefenpsychologische Therapie. Die heißt so. Da gibts nichts anderes meines Wissens nach.
 
@Blaumeise:

Die Motivation, sich sportlich zu betätigen, muss nicht zwangsläufig mit dem Serotonin-Spiegel zu tun haben, aber wenn man depressiv ist - so wie ich - dann hat es schon damit zu tun, da durch zu wenig Serotonin die Motivation nicht gegeben ist, was nicht nur den sportlichen Bereich betrifft. Ich denke auch nicht, dass es in solchen Fällen mit der Zeit automatisch leichter wird - im Gegenteil.
Wenn man ganz unten ist, dann geht es nur mit Tabletten - das weiß ich heute. Wer nur gerade eine Krise hat, die nicht an der Lebensexistenz kratzt, dem mag sicherlich eine ausschließliche Therapie ohne Psychopharmaka reichen.

Die Tabletten hat mir in diesem Fall meine Hausärztin verschrieben.

Es hätte ja sein können, dass es verschiedene Formen von tiefenpsychologischer Therapie gibt. Ich kenne längst nicht alle Therapieformen, auch wenn ich schon einige Therapien hinter mir habe.
 
@Blaumeise:

Die Motivation, sich sportlich zu betätigen, muss nicht zwangsläufig mit dem Serotonin-Spiegel zu tun haben, aber wenn man depressiv ist - so wie ich - dann hat es schon damit zu tun, da durch zu wenig Serotonin die Motivation nicht gegeben ist, was nicht nur den sportlichen Bereich betrifft. Ich denke auch nicht, dass es in solchen Fällen mit der Zeit automatisch leichter wird - im Gegenteil.
Wenn man ganz unten ist, dann geht es nur mit Tabletten - das weiß ich heute. Wer nur gerade eine Krise hat, die nicht an der Lebensexistenz kratzt, dem mag sicherlich eine ausschließliche Therapie ohne Psychopharmaka reichen.
Die Serotonintheorie ist doch schon seit einer Weile widerlegt 😕
https://www.depression-heute.de/serotonin/serotonintheorie-widerlegt
https://www.welt.de/gesundheit/psyc...Versagen-der-Pillen-gegen-die-Depression.html

Die Tabletten hat mir in diesem Fall meine Hausärztin verschrieben.
Wenn du dir Psychopharmaka verschreiben lässt, dann lieber von einem Psychiater. Der weiß besser, was du brauchst.
 
@Blaumeise:

Dann sind ja viele Antidepressiva wirkungslos, wenn sie darauf beruhen, die Serotonin-Konzentration im Gehirn zu erhöhen - inkl. meines Medikaments. Schöne Aussichten.

Wenn du dir Psychopharmaka verschreiben lässt, dann lieber von einem Psychiater. Der weiß besser, was du brauchst.
Dann dürfte dieser auch keine auf Serotonin-Erhöhung beruhende Antidepressiva verschreiben, wenn es nach den von dir verlinkten Seiten geht.
 
@Blaumeise:

Dann sind ja viele Antidepressiva wirkungslos, wenn sie darauf beruhen, die Serotonin-Konzentration im Gehirn zu erhöhen - inkl. meines Medikaments. Schöne Aussichten.


Dann dürfte dieser auch keine auf Serotonin-Erhöhung beruhende Antidepressiva verschreiben, wenn es nach den von dir verlinkten Seiten geht.
Dürfen darf er schon. Es ist ja nicht verboten zu verschreiben. Aber es ist halt Versuch und Irrtum ob es hilft oder nicht. Ein Psychiater wird dich aber besser zu den jeweiligen Medikamenten beraten können. Vielleicht gibts auch noch andere Medikamente, die anders wirken. Keine Ahnung... ich kenne mich damit auch nicht so aus.
 
@Blaumeise:

Du weißt schon, wie ich das meinte. Nicht im Sinne, dass es nicht verboten ist, sondern dass der Psychiater um jene von dir erwähnten Berichte weiß, wobei natürlich die Frage ist, ob er die gleichen Ansichten hegt. Klar wirken Medikamente jeweils anders, sonst gäbe es ja nur z. B. ein einziges Antidepressivum. Mir hatte meine Neurologin damals Fluoxetin verschrieben, was ich aber nach kurzer Zeit absetzte. Heute, mit einem anderem Medikament, ziehe ich es aber durch.
 

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