Ich möchte mal einen ganz anderen Denkanstoß dazugeben, allerdings eher zu den letzten Posts, zum Thema 'narzistische Persönlichkeitsstörung'.
Mein Freund leidet unter dieser Krankheit. Er ist reflektiert genug um zu wissen, daß er bei bestimmten Situationen in ein 'altes Muster' reinfällt, das ihn dann umschließt, zu bestimmtem Verhalten zwingt und dem er sich nicht entziehen kann. Das passiert immer, wenn alte Ängste im Alltag durch (für andere Menschen) Kleinigkeiten quasi 'angetriggert' werden. Zum Beispiel hatten wir lange Zeit das Problem, daß ich mir mal Blumen gewünscht hätte (das Beispiel soll die Harmlosgkeit verdeutlichen, mit dem bei ihm Triggerpoints stimuliert werden). Das habe ich ihm gesagt. Sofort ging die Mauer bei ihm runter, seine ganze Körperspannung veränderte sich. Er machte mir klar, daß er NUR dann Blumen schenken würde, wenn ER will und WANN er will. Und sollte ich das von ihm ERWARTEN, dann würde ich sie NIE bekommen. Er ließe sich nie zu irgendetwas zwingen.
Man kann sich vorstellen, wie sich so eine Haltung in Situationen auswirkt, in denen es um echte Konflikte geht. Wir hatten gerade vor kurzem einen sehr heftigen Streit, in dem mich ein paar Tage lang vollkommen der Mut verlassen hat, ich nur noch das Schlechte sehen konnte.
Wiederrum ist es so, daß man mit einem (liebenden) Menschen mit narzistischer Persönlichkeitsstörung eine derart intensive Zweisamkeit, Aufmerksamkeit und Zuwendung erleben kann wie kaum mit einem 'normalen' Menschen. Das ist etwas sehr Schönes.
Ich möchte die Problematik keinesfalls verharmlosen. Wir hatten große Probleme und konnten sie auch nur immer wieder lösen, weil uns beide eine starke Liebe verbindet. Ich habe gelernt, seine 'Triggerpunkte' recht gut zu umgehen. Wenn er durch seine Umwelt in einem 'Schub' befindet, muss ich ein paar Tage sehr beherrscht sein, vorsichtig, vielleicht sogar ihm aus den Weg gehen. So kommt es nur noch selten zum Streit. Und er ist mir unendlich dankbar dafür, daß ich das alles für ihn tue.
Dennoch schafft er es (noch) nicht, sich beispielsweise einer Therapie zu unterziehen. Das ist wohl das größte Problem bei dieser Erkrankung, daß die Erkrankten während eines Schubs nicht erkennen können, daß MIT IHNEN SELBST etwas nicht stimmt. Ist der Schub vorbei, wird alles verharmlost oder verdrängt.
Wißt ihr, ich war auch schon mal 10 Jahre verheiratet, hatte danach 14 Jahre lang Kurzbeziehungen (bis 1 Jahr) die ich immer wieder dann beendet habe, wenn ich das Gefühl hatte auf eine 'Macke' gestoßen zu sein, mit der ich 'nicht leben' kann.
Meine Erfahrung ist: irgendwas ist immer. Früher oder später triffst du bei jedem Menschen auf dessen schwarze, dunkle Seite. Jeder hat die. 'Schlussmachen' ist nicht das Mittel, das zu einer wirklich dauerhaften und stabilen Beziehung führt. Das wollte ich gern mal so generell losgeworden sein, weil mir immer wieder auffällt (nicht nur auf diesem Board) wie schnell immer mit dem Rat 'hey, mach SOFORT Schluss' beigekommen wird. Ich bin kein Freund von diesem Rat, es sei denn, es wird geschlagen oder schwere Suchten sind im Spiel.
Dies sollte jetzt kein Post in Richtung 'Narzisten sind TOLL' sein, versteht mich bitte nicht falsch, ich will auch niemanden auf die Füße treten. Ich wollte anhand meines Beispiels zeigen, daß meines Erachtens alles gemeinsam gelöst werden kann. Vorausgesetzt, man liebt sich.