Sich abgrenzen ist absolut wichtig, ja!
Mit steigendem Abstand zu meiner Mutter stelle ich noch mehr fest, wie sehr sich meine Mutter nur um sich selber dreht und bewusst auch nicht aus diesen Gedankenkreisen ausbricht. Sie fängt bestimmte Themen innerhalb eines Gespräches manchmal dreimal an. Aber auch wenn es für das Thema eine Lösung gibt, geht sie diese nicht an.
Vor Jahren bei der Grundsteuerreform riet ich meiner Mutter dazu eine Steuererklärung abzugeben. Im Rahmen der Grundsteuerreform musste für jedes Grundstück und jede Immobilie in Deutschland eine gesonderte Steuererklärung (offiziell „Erklärung zur Feststellung des Grundsteuerwerts“) eingereicht werden. Ich bot ihr sogar an, es für sie zu machen, WENN sie mir alle Unterlagen vorlegt.
Meine Mutter jammerte mir darauf hin ich schätze 30 mal in Telefonaten vor, dass sie diese Steuererklärung abgeben müssen, kriegte ihren Hintern aber nicht hoch auch nur ein einziges Dokument heraus zu suchen.
Inzwischen weiß ich wie meine Mutter tickt. Jeder von uns schiebt mal was auf oder vergisst mal was. Aber meine Mutter sucht systematisch solche Themen um sich in die Opferposition zu bringen. Und wenn sie wieder die maximale verdeckt narzistische Opferrolle erreicht hat, seufzt sie ins Telefon "hach wenn du nicht wärst, könnte ich mich eigentlich auch gleich umbringen".
Ihr geht es natürlich darum, meine Abgrenzung zu durchbrechen. Mit maximaler Opferhaltung und Suizidandrohungen Mitleid, Anerkennung und Streicheleinheiten fürs Ego zu erhalten. Und nie Lösungen! Bietet man Lösungen und Hilfe an wechselst sie das Thema oder lenkt ab. Sie fragt beim Steuerthema nicht zurück, welche Unterlagen sie benötigt, sondern nur "ich such mal" und sucht natürlich nie. Jeder Konkretisierung eines Problems weicht sie aus. Sie will schließlich Opfer sein! Das ist ihr Druckmittel!
In letzter Zeit merke ich, dass meine Mutter sich etwas anders verhält da sie merkt, dass ihre Taktik nicht mehr funktioniert. Heute meinte sie "Na irgendwann hast du bestimmt nochmal Zeit für ein Treffen". Früher wäre ich eingestiegen und hätte mir Ausreden überlegt warum ich gerade keine Zeit habe, heute habe ich nur geantwortet "vielleicht" und mich von ihr verabschiedet.
Abgrenzung bedeutet nicht nur "nein" zu sagen, sondern auch, sich nicht immer zu rechtfertigen.
Ich hatte heute eine Situation mit einer Kollegin. Sie wollte, dass ich ihr bestimmte Daten innerhalb von 3 Tagen für sie aufbereite. Ich weiß, dass dies keinen Zeitdruck hat und sie ist nicht meine Vorgesetzte, beschwerte sich aber trotzdem in relativ dreisten Worten. Ich verfasst eine lange Email in der ich erklärte, dass ich wahrheitsgemäß diverse vorrangige Themen auf dem Tisch habe. Doch bevor ich die Email versenden wollte, dachte ich mir "Nö, warum soll ich mich rechtfertigen?" und löschte die Email wieder.
Gewiss, manchmal ist es gut Menschen Gründe zu nennen, aber man muss nicht alles begründen. Auch wenn sich das manchmal schlecht anfühlt, weil dein Gegenüber einen Grund erwartet. Überlege, ob es gerade sinnvoll einen Grund zu nennen oder es nur deinem Gegenüber dient dich in die Enge zu treiben. Gespräche mit meiner Mutter sind auch deswegen inzwischen kurz, weil ich mich nicht mehr darauf einlasse alles zu begründen.