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Frusttagebuch: Mutter

Das ist das Tragische, und das lässt sich auch nicht ändern. Bei dem Versuch rennt man sich tot. Man muss Kompensationsstrategien finden. Das kostet immense Kraft. Jene Kraft fehlt einem dann leider bei anderen Lebensbereichen.
Das muss nicht sein. Ich würde keinem Menschen komplett die Empathie absprechen.

Ich kenne auch Erwachsene, die ihren Eltern die Schuld an allem geben.

Es sind einfach zwei komplett verschiedene Sichtweisen, verschiedene Werte, Ansichten, Vorstellungen, die aufeinander treffen. Jeder Mensch geht mit seiner Brille durchs Leben. Auch Selbstreflexion will gelernt sein.
Wenn die eine Seite sagt, dem Kind hat’s doch an Nix gefehlt, es hatte „alles“ - dann hat das Kind vielleicht Dinge vermisst, die die Eltern gar nicht auf dem Schirm hatten.
Verhärtung und Schuldvorwürfe führen zu nichts. Feindbilder Mechanismen sind in der Regel zu einseitig.

Auch wenn ich zugeben muss, dass die vorliegende Schilderung einer Mutter ganz schön heftig ist…
 
Es ist klar, dass die Eltern selber ein Resultat ihrer eigenen Biografie und Elternbeziehung ist.

Es ist wichtig schwierige Eltern kritisch zu analysieren, um sich selber zu schützen.
Wenn Kinder sich selber umbringen steht oft in ihren Abschiedsbriefen....Nur ich bin selber schuld, meine Eltern nicht.
Kinder suchen oft die Schuld bei sich selber ....obwohl es oft besser wäre die Eltern in Frage zu stellen.

Bei schwierigen Eltern sind nicht Eltern und Kind zu gleichen Anteilen schuld.

In 1. Linie wurden die Kinder von ca. 0 bis 6 Jahren von den Eltern geprägt....besonders im emotionalen Unterbewusstsein.

Es ist wichtig sich als erwachsenes Kind selber zu schützen.

Kinder können Therapie machen und eigene Wege ohne die Eltern gehen.

Wie schwer es sein kann Kinder grosszuziehen weiss ich auch.
 
Zuletzt bearbeitet:
Die Eltern hatten ihre eigenen Traumata, die sie nicht bewältigt haben und transgenerational weitergaben. Das erkennt man eines Tages, aber dann ist es leider schon recht spät im Leben.

Man ist nicht verantwortlich für die Traumata der Eltern. Sie erklären einiges, sind aber keine Entschuldigung.

Man ist es sich aber selber schuldig, sich abzugrenzen und sich zu schützen. Das Verstehen und Erkennen ist dabei eine große Hilfe, aber kein alleiniger Weg zur Heilung. Die emotionale Verarbeitung ist eine viel größere und die eigentliche Herausforderung.
 
Sich abgrenzen ist absolut wichtig, ja!

Mit steigendem Abstand zu meiner Mutter stelle ich noch mehr fest, wie sehr sich meine Mutter nur um sich selber dreht und bewusst auch nicht aus diesen Gedankenkreisen ausbricht. Sie fängt bestimmte Themen innerhalb eines Gespräches manchmal dreimal an. Aber auch wenn es für das Thema eine Lösung gibt, geht sie diese nicht an.

Vor Jahren bei der Grundsteuerreform riet ich meiner Mutter dazu eine Steuererklärung abzugeben. Im Rahmen der Grundsteuerreform musste für jedes Grundstück und jede Immobilie in Deutschland eine gesonderte Steuererklärung (offiziell „Erklärung zur Feststellung des Grundsteuerwerts“) eingereicht werden. Ich bot ihr sogar an, es für sie zu machen, WENN sie mir alle Unterlagen vorlegt.
Meine Mutter jammerte mir darauf hin ich schätze 30 mal in Telefonaten vor, dass sie diese Steuererklärung abgeben müssen, kriegte ihren Hintern aber nicht hoch auch nur ein einziges Dokument heraus zu suchen.

Inzwischen weiß ich wie meine Mutter tickt. Jeder von uns schiebt mal was auf oder vergisst mal was. Aber meine Mutter sucht systematisch solche Themen um sich in die Opferposition zu bringen. Und wenn sie wieder die maximale verdeckt narzistische Opferrolle erreicht hat, seufzt sie ins Telefon "hach wenn du nicht wärst, könnte ich mich eigentlich auch gleich umbringen".

Ihr geht es natürlich darum, meine Abgrenzung zu durchbrechen. Mit maximaler Opferhaltung und Suizidandrohungen Mitleid, Anerkennung und Streicheleinheiten fürs Ego zu erhalten. Und nie Lösungen! Bietet man Lösungen und Hilfe an wechselst sie das Thema oder lenkt ab. Sie fragt beim Steuerthema nicht zurück, welche Unterlagen sie benötigt, sondern nur "ich such mal" und sucht natürlich nie. Jeder Konkretisierung eines Problems weicht sie aus. Sie will schließlich Opfer sein! Das ist ihr Druckmittel!

In letzter Zeit merke ich, dass meine Mutter sich etwas anders verhält da sie merkt, dass ihre Taktik nicht mehr funktioniert. Heute meinte sie "Na irgendwann hast du bestimmt nochmal Zeit für ein Treffen". Früher wäre ich eingestiegen und hätte mir Ausreden überlegt warum ich gerade keine Zeit habe, heute habe ich nur geantwortet "vielleicht" und mich von ihr verabschiedet.

Abgrenzung bedeutet nicht nur "nein" zu sagen, sondern auch, sich nicht immer zu rechtfertigen.

Ich hatte heute eine Situation mit einer Kollegin. Sie wollte, dass ich ihr bestimmte Daten innerhalb von 3 Tagen für sie aufbereite. Ich weiß, dass dies keinen Zeitdruck hat und sie ist nicht meine Vorgesetzte, beschwerte sich aber trotzdem in relativ dreisten Worten. Ich verfasst eine lange Email in der ich erklärte, dass ich wahrheitsgemäß diverse vorrangige Themen auf dem Tisch habe. Doch bevor ich die Email versenden wollte, dachte ich mir "Nö, warum soll ich mich rechtfertigen?" und löschte die Email wieder.

Gewiss, manchmal ist es gut Menschen Gründe zu nennen, aber man muss nicht alles begründen. Auch wenn sich das manchmal schlecht anfühlt, weil dein Gegenüber einen Grund erwartet. Überlege, ob es gerade sinnvoll einen Grund zu nennen oder es nur deinem Gegenüber dient dich in die Enge zu treiben. Gespräche mit meiner Mutter sind auch deswegen inzwischen kurz, weil ich mich nicht mehr darauf einlasse alles zu begründen.
 
Mit Rechtfertigungen gibt man mehr oder weniger zu verstehen, dass man sich einer Schuld fühlt. Man darf aber nein sagen und Grenzen setzen, das ist das gute Recht eines jeden Menschen.

Wer nein sagt, dabei bleibt ohne Rechtfertigungen und Entschuldigungen, macht einen selbstbewussteren Eindruck.

Es geht nicht, man kann nicht und Punkt. Das ist keine Schuld, deshalb braucht es auch keine Entschuldigung.

Ich weiß aber selber, dass es gar nicht so einfach ist, soweit zu kommen. Die meisten Menschen, gerade die älteren Generationen, sind viel zu sehr zur Höflichkeit erzogen worden. Damit schadet man sich nur selber. Anerkennung und Liebe fährt einem das nicht ein, im Gegenteil.
 

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