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Frusttagebuch: Mutter

"Darf ich dich niemals mehr besuchen?"

Wie gut kenne ich sowas - da soll man sich gaaanz schuldig fühlen und einknicken. Das muss man lernen, sich von solchen Manövern nicht kleinkriegen zu lassen, sonst geht man unter.

Bei Müttern von diesem Schlag kommt sowas immer wieder. Wenn man einknickt, wird nachgezogen.

Den Faden nicht aufnehmen! Da verstrickt man sich sonst immer tiefer. Es werden einem mehr und mehr Schuldgefühle gemacht.
 
"Darf ich dich niemals mehr besuchen?"

Wie gut kenne ich sowas - da soll man sich gaaanz schuldig fühlen und einknicken. Das muss man lernen, sich von solchen Manövern nicht kleinkriegen zu lassen, sonst geht man unter.
Danke dir.

Ich habe das früher nicht verstanden. Früher hätte ich als normale Bemerkung oder als Darstellung der Enttäuschung empfunden. Heute weiß ich es besser.

Da meine Mutter mich über viele Jahre unter Druck gesetzt hat, habe ich ihr mit der Zeit klare Grenzen gesetzt. Beispielweise, dass ich keine Gespräche über Politik will und sie nicht fragen soll, ob sie kommen darf.

Meine Mutter akzeptiert Grenzen, aber immer nur scheinbar und mit einer fiesen passiv aggressiven Art um mich klein zu machen und damit ich mich dumm und schuldig fühle. Bei Politik lässt sie dann sowas fallen wie:
  • "Hast du gehört? Die wollen den Euro kaputt machen. Habe ich auf Youtube gesehen. Aber mit dir darf ich über sowas ja nicht reden" (dadurch hat sie die Grenze aber bereits übertreten, auch wenn der Nachsatz sugerieren soll, dass sie die Grenze akzeptiere)
  • "Da könnte ich jetzt was sagen, aber das willst du ja nicht hören. So jung und naiv wie du ist sonst keiner" oder "Wenn du meine Lebenserfahrung hättest ..." (schön einen reingedrückt, dass ich nur zu dumm bin, was zu verstehen)
  • "Neulich habe ich mit X über Y[politische Thema] gesprochen. Das darf ich mit dir nicht. Du wirst schon noch sehen was du davon hast"
Die Grenzübertretungen meiner Mutter sind manchmal klein, manchmal groß. Früher als sie zu meinen Großeltern zum Mittagessen eingeladen war, hatte meine Oma um 13 Uhr gekocht. Meine Mutter kam um 13:30 Uhr, irgendwann um 14:00 Uhr und irgendwann wurde daraus 16:00 Uhr.

Deswegen, ja du hast Recht:
Bei Müttern von diesem Schlag kommt sowas immer wieder. Wenn man einknickt, wird nachgezogen.
... und zwar immer weiter und weiter. Salamitaktik. Das chronische und extreme Zu-Spät-Kommen gilt in der Psychologie als klassische Manifestation von passiver Aggression. Erst heute verstehe ich dass diese Missachtung fremder Grenzen ein aggressives narzistisches Verhalten ist.

Da ich bei meiner Grenzsetzung standhaft bleibe und meine Mutter die Grenze daher nicht einreißen kann, versucht sie, die Grenze so schmerzhaft und anstrengend wie möglich für mich zu machen, damit ich sie aufgebe. Das ist der Grund warum sich jedes Gespräch mit meiner Mutter immer nach Kampf anfühlt.

Eigentlich haben wir fast nie echte Gespräche geführt. Meist waren es

A) Themen von mir, bei denen sich meine Mutter zwar anfänglich interessiert gab, aber es auf "ihre" Schiene lenkte.
Beispiel 1: Habe ich mir eine neue Waschmaschine gekauft, antwortet sie, dass ihre Maschine so alt und schlecht sei und sie auch eine neue braucht und der gesamte "mir geht es so schlimm" Zirkus ging los
Beispiel 2: Erzähle ich von meinem Zahnarztbesuch, erzählt sie mir, dass sie so schlechte Zähne hätte, weil meine Oma damals nicht darauf geachtet hätte und ihr Zahnarzt schrecklich sei.
ODER
B) laaaange Monologe von ihr, aus denen sie Selbstwert ziehen will, weil ihr immer so viel Unrecht getan wird und („Niemand hat es so schwer wie ich“). Lösungsansätze werden dabei niemals akzeptiert sondern immer nur argumentiert, dass die jeweilige Lösung unmöglich ist.
Beispiel 1: "Ich kann mich nicht gesund ernähren, weil Oma mir nie beigebracht hat gesund zu kochen"
Beispiel 2: "Ich musste auf dem Behindertenparkplatz parken, weil sonst wäre ich zu spät zum Termin gekommen"
Beispiel 3: "Das habe ich falsch gemacht, aber ich bin halt Sternzeichen Zwilling und kann nicht anders"

Es waren keine Gespräche, es waren Kämpfe. Und so fühlte ich mich auch wenn meine Mutter mal zu Besuch war oder ich sie besuchte.

Bereits wenn ich die Tür öffnete, ging das Drama los:
"Also du wirst es nicht glauben. Dein Nachbar hat direkt vor deinem Grundstück geparkt, wie kann man so dreist sein? [Es ist öffentlicher Parkraum, ich parke in meiner Garage, meine Mutter in meiner Einfahrt. Der Nachbar stört niemanden!] Du bist mir doch nicht böse, weil ich so spät bin? [knapp eine Stunde zu spät] Ich musste noch meine Tiere versorgen. Die eine hat eine Erkältung, ich gebe ihr jede Stunde Astronautenfutter, mit der Pipette, aber jetzt musste ich dich ja besuchen. Ich hoffe sie überlebt das"
Ich habe bis zu diesem Zeitpunkt nichts gesagt, nicht mal hallo. Sie steht immer noch in der Tür, redet so laut, dass die Nachbarn es hören und ich "kämpfe" darum, dass sie überhaupt erstmal reinkommt, und sich erstmal hinsetzt.

Boah! Im Thread hier wurde ich gefragt, ob ich etwas vermisse wenn ich den Kontakt einstelle. Inzwischen denke ich: Nein, was denn?
 
Deine herzensgute Mutter lässt sogar ihre über alles geliebten, kranken Tiere alleine, nur um dich zu besuchen, wenn das kein Opfer ist! Da muss man sich aber schuldig fühlen!

Dass sie dir eine Stunde deiner Lebenszeit gestohlen hat, ist kein Thema.

Für eine narzisstische Mutter zählt das Kind nicht als Mensch. Es ist, solange es noch Kind ist, Vorführpuppe um das eigene Ego zu pushen und dann die Bühne für die eigenen Dramen.

Sie sieht dich nicht als eigenständigen Menschen. Du wirst nie als Mensch zu ihr vordringen.

Egal, was sich in deinem Leben auch immer ereignet, sie wird es instrumentalisieren, um wieder die Bühne für sich zu haben. Ich kenne dieses Spielchen mehr als gut, meine Mutter ist heute 88. Ich weiß, was das bedeutet, das das ganze Leben zu haben.

Ich wünsche dir viel Kraft, lass dich nicht kleinkriegen, Schuldgefühle sind absolut unangebracht.

Eine psychisch gesunde und wirklich liebende Mutter verhält sich nicht so. Solche Mütter habe ich auch gekannt, und deren Kinder hatten ein ganz anderes Leben.

Narzisstische Mütter fressen ungeheuer viel Kraft, das ist eine erhebliche Beeinträchtigung, so aufwachsen zu müssen. Zum Glück erwacht heute das Bewusstsein dafür. In den 70er, 80er und 90er Jahren war man mit sowas noch ganz alleine gewesen.
 
Deine Mutter wirkt auf mich so ob sie früher Traumatas erlitten hat.
Sie verdrängt es, will sich nicht damit beschäftigen, lebt in ihrem eigenen Kinofilm und in ihrer Verdrängungswelt ....deshalb ist es so wichtig sich nicht von ihr in ihren Abgrund mit hinein ziehen zu lassen.

Bei der konfusen narzisstischen Sprache deiner Mutter könnte man selber irre werden.
Ich würde versuchen so wenig wie möglich mit ihr zu reden .
Nimm ihr Geschwätz nicht wortwörtlich, nicht persönlich und nicht ernst.
In ein Ohr rein und in das andere
Ohr hinaus .
 
Zuletzt bearbeitet:
Diese starke Fixierung auf Haustiere ist auch typisch für diese Art von Müttern, auch das kenne ich aus eigener Erfahrung. Diese Mütter fühlen sich durch ihre selbstlose, aufopferungsvolle Pflege ihrer Tiere moralisch haushoch überlegen. Sie meinen auch, sie und nur sie könnten diese Tiere richtig versorgen, niemand sonst sei dazu in der Lage.

Tatsächlich werden auch die Tiere dazu instrumentalisiert, das eigene Ego zu pushen. Man fühlt sich allen anderen, die das ja angeblich nicht können und von dieser edlen Liebe keine Ahnung haben, überlegen. Das ist tatsächlich genauso krank und gestört wie das Verhältnis zum Kind.

Es geht diesen Personen immer nur um sich selber. Die lieben niemanden, denn sie können gar nicht lieben. Sie sind krank und ihnen fehlt diese Fähigkeit. Man kann sie auch nicht heilen. Alle Kämpfe sind vergebens, dabei verliert man sich nur. Wenn man erwachsen ist und das erkannt hat, bleibt einem nur Akzeptanz und eine Strategie, damit umzugehen ohne sich selber dabei zu verlieren.

Auf eine wirkliche Begegenung darf man nicht hoffen, die wird es nie geben.
 
Diese starke Fixierung auf Haustiere ist auch typisch für diese Art von Müttern, auch das kenne ich aus eigener Erfahrung. Diese Mütter fühlen sich durch ihre selbstlose, aufopferungsvolle Pflege ihrer Tiere moralisch haushoch überlegen. Sie meinen auch, sie und nur sie könnten diese Tiere richtig versorgen, niemand sonst sei dazu in der Lage.

Tatsächlich werden auch die Tiere dazu instrumentalisiert, das eigene Ego zu pushen. Man fühlt sich allen anderen, die das ja angeblich nicht können und von dieser edlen Liebe keine Ahnung haben, überlegen. Das ist tatsächlich genauso krank und gestört wie das Verhältnis zum Kind.

Es geht diesen Personen immer nur um sich selber. Die lieben niemanden, denn sie können gar nicht lieben. Sie sind krank und ihnen fehlt diese Fähigkeit. Man kann sie auch nicht heilen. Alle Kämpfe sind vergebens, dabei verliert man sich nur. Wenn man erwachsen ist und das erkannt hat, bleibt einem nur Akzeptanz und eine Strategie, damit umzugehen ohne sich selber dabei zu verlieren.

Auf eine wirkliche Begegenung darf man nicht hoffen, die wird es nie geben.
Du beschreibst es erstaunlich gut, sogar Teile, die ich bislang nicht mal erzählt habe.

Das ständige Spiel der moralischen Überlegenheit.
  • Niemand kümmert sich "so gut" um Tiere wie meine Mutter. Nicht die Nachbarin, die Tiere hat, nicht die Ärztin, nicht die Bekannte. Sie alle halten die Tiere falsch (auch wenn meine Mutter sie auf 0,5m² Käfigen hält)
  • Alle anderen Tierhalter sind schlecht egal ob Katzen oder Hunde oder sonstwas
  • Meine Mutter ist die Retterin der Tiere. Regelmäßig "rettet" sie Tiere, die bei Ebay angeboten werden. Und weil nur sie sich gut um Tiere kümmert, kann sie Tiere auch nie abgeben.
  • Meine Mutter hat auch bei der Ernährung als Vegetarierin die absolute moralische Hoheit und lässt keine Gelegenheit aus mir zu sagen "ihh du isst totes Tier" oder "du weißt schon wie die Tiere gehalten werden?"
Anfangs habe ich gedacht, sie sagt nur ihre Meinung. Schließlich kann z.B. ein Vegetarier mir natürlich sagen, dass er sich vegetarisch ernährt und er meinen Fleischkonsum nicht gut findet. Wenn ich früher für meine Mutter und mich gekocht habe, habe ich natürlich vegetarisch gekocht. Aber der Unterschied zwischen "anderer Meinung" und "Narzist" ist, dass dir der Narzist seine moralische Überlegenheit immer und immer wieder unter die Nase reibt.
Gespräche mit einem Narzisten dienen nicht der Information oder des Austausches. Sie dienen einzig dazu, dass sich der Narzist überlegen fühlt.

Aber das ist schwer zu durchschauen, denn der Narzist spielt dir Empathie vor. Als ich im Job befördert wurde, reagierte meine Mutter sehr erfreut und gratulierte mir. Aber sofort folgte der Satz "wenn die Oma das noch erlebt hätte wie erfolgreich mein Sohn ist", und später dann schräge Aussage, dass ich meiner Mutter ihr Können und Talent durch meine Geburt geklaut hätte. Weil mein Vater so ein schlimmer Mensch sei, könne ich mein Talent ja nur von ihr haben. Die ganze Diskussion wendete sich nur noch in die Richtung, dass meine Beförderung nicht meine Leistung sondern ihr Erbgut sei.

Wenn ich sie bei solchen Gesprächen darauf angesprochen habe, dass irgendwas meine Leistung war, hat sie immer dagegen argumentiert und immer geschickt subtil. Klar war ich gut in der Schule und arbeite inzwischen 25 Jahre Vollzeit, aber eigentlich habe ich das ja meiner Mutter zu verdanken. Schließlich hat sie mich als Kleinkind bei meiner Oma gelassen und mir damit mein guten Leben ermöglicht. Ich könne ihr dafür ruhig mal danken.....

Ich habe mich früher nach jedem Gespräch mit meiner Mutter schlecht gefühlt und wusste aber nicht genau warum. Aber klar, wenn der Narzist immer nur im Sinn hat sich moralisch überlegen darzustellen und dich abzuwerten, dann fühlt sich das schlecht an.
 
Was du hier schilderst, zeigt wieder das typische Verhalten narzisstischer Mütter: Das Kind ist eine Erweiterung ihrer selbst, was das Kind leistet, hat es nur ihr zu verdanken. Dass du dir alles selber mühsam erarbeitet hast, wird sie nie anerkennen. Es ist ihr Verdienst, sie erhöht sich damit wie auch mit ihrer vermeindlich so edlen Tierliebe.

Sie wird dich nie als eigenen Menschen sehen, sie wird nie anerkennen, was du geleistet hast. Sie ist dazu nicht fähig.

Ich kenne es noch aus meiner Kindheit, dass meine Mutter sich ganz toll fühlte, weil ich auf dem Gymnasium war und die Kinder in der Verwandtschaft nicht. Sie betrachtete das als ihre Leistung und hob sich damit selber in den Himmel. Auch die beruflichen Erfolge meines Vaters wurden so instrumentalisiert. Als Mensch zählte man nicht. Die Bildung als solche zählte auch nicht. Die Themen interessierten nicht die Bohne.

Man nennt das Stellvertreter-Narzissmus. Eine Person schmückt sich mit den Leistungen einer anderen Person, meist der der Kinder oder des Partners.

Das sagte die KI dazu:

"Der Begriff Stellvertreter-Narzissmus beschreibt ein Verhalten, bei dem eine Person ihren eigenen Geltungsdrang und Wunsch nach Großartigkeit nicht direkt auslebt, sondern auf eine andere Person – oft die eigenen Kinder, den Partner oder enge Mitarbeitende – überträgt und diese als Verlängerung ihrer selbst nutzt."
 
"Ich habe mich früher nach jedem Gespräch mit meiner Mutter schlecht gefühlt und wusste aber nicht genau warum."

Auch das kenne ich, da blieb immer ein subtiles Schuldgefühl.

Das liegt daran, dass man als Kind und junger Mensch die Problematik noch nicht erfassen konnte. Das Kind ist auf Bindung angewiesen und wird alles tun, um diese zu erhalten, die eigenen Bedürfnisse zurückstellen, die Schuld bei sich suchen und auf sich nehmen.

"Ist das dein Dank?" Solche Sätze bei Manipulationen sind reines Gift.

Als Kind ist man dem ausgeliefert, es bleibt einem um des Überlebens willen nichts anderes übrig als das Jahre und Jahrzehnte dauernde Leid zu ertragen. Das Nervensystem wird davon geprägt.

Und weil das Nervensystem davon geprägt ist, ist es auch so schwer, diese drückenden Schuldgefühle und diese Beklemmung loszuwerden. Das ist tief im Menschen eingeschrieben, das ist ihm, wie man so schön sagt, in Fleisch und Blut übergegangen.

Die rationale Erkenntnis, die dann irgendwann im Erwachsenenalter erfolgt, ist zwar ausgesprochen hilfreich, aber noch lange keine Heilung. Das ist erst der Anfang des Verarbeitungsprozesses.

Mit dem ganzen Mist, den man in so einer Kindheit hatte, fertig zu werden, ist eine Wahnsinnsherausforderung. Immerhin gibt es heute Worte dafür, die Muster werden erkannt und man kann darüber reden.

Man gewinnt schließlich und endlich einen Begriff davon, was sowas mit einem Menschen macht.
 

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