Herzlichen Dank für eure Beiträge.
Vielleicht kommt doch irgendwann eine Einsicht von ihr und eine Bitte um Verzeihung.
Wahrscheinlich aber eher nicht, wenn sie kein Mensch ist, der sich seine Fehler eingesteht.
Ich fürchte, dass da keine Einsicht mehr kommt. Sie redet sehr oft davon, dass sie alt ist und bald sterben wird. Wenn sie über ihren Tod spricht, triefen ihre Worte eher vor Selbstmitleid.
Ich habe sie im Laufe der vergangenen Jahrzehnte einige Male versucht, ein klärendes Gespräch mit ihr zu führen. Sie hat es immer so hingedreht, als wäre ich ein böser Mensch, der seiner Mutter absichtlich schlimme Unwahrheiten unterstellt.
Da dreht es mir den Magen um, schrecklich. Ich könnte da nicht schweigen.
Ich weiß mittlerweile einfach, dass es nichts bringt, ihr zu widersprechen.
Sie ist perfekt darin, eine Opfer-Täter-Umkehr zu betreiben.
Sie guckt dann ganz traurig und leidend.
Sie war schon immer perfekt darin, andere zu täuschen und sich so darzustellen, als könne sie keiner Fliege etwas zuleide tun.
Hat er sie auch geschlagen? Dann hätte ich mehr Mitgefühl für sie. Und was war mit deinen Geschwistern?
Ich erinnere mich nur daran, dass sie mich einmal mit einem Kochlöffel geschlagen hat, weil ich mich mit meinen kleinen Brüdern gestritten habe. Das war aber nichts im Vergleich zu den "Taten" meines Vaters. Meine Mutter war eher gut darin, emotional zu verletzten.
Sie hat mir zum Beispiel mehrmals gesagt, dass sie mich besser abgetrieben hätte, weil ich äußerlich wie innerlich so ein hässliches Kind sei und dass meine kleinen Brüder im Vergleich zu mir richjtige Vortzeigekinder seien.
Das wird nicht passieren. Aber eine Absolution würde ich ihr auch nicht geben. Wenn sie mal wieder betont, was für eine schöne Kindheit sie dir doch beschert hat, sag: "Das sehe ich absolut nicht so" und dann wechsle das Thema. Bringt alles nichts.
Ich habe ihr mehrmals gesagt: "Ich habe meine Erinnerung und du hast deine."
Ich glaube, deine Umgehensweise damit hängt ganz massiv von deinem eigenen Strickmuster ab.
Es gibt Menschen, denen geht es sehr viel besser damit, wenn sie selbst sowas wie du beschrieben hast, verzeihen.
Überleg dir doch einfach, mit welcher Umgehensweise du soweit fein bist, dass du mit dir selbst im Reinen bist. Was "die Leute" sagen, ist absolut unerheblich.
Ich gehöre wohl tatsächlich zur Sorte der emotional gestrickten Menschen, die schwer vergessen können.
Was ist dein Ziel, wenn du das Thema ansprichst? Soll sie deinetwegen ihre Schuld eingestehen? Oder möchtest du das Thema nur ausgesprochen haben? Dinge verlieren ja auch viel ihren "Schrecken", wenn sie in Worte gefasst werden.
Das ist ein gute Frage. Normalerweise würde ich das Thema komplett ruhen lassen. Sie will keinen "reinen Tisch machen" Dann soll sie es lassen. Aber ich empfinde es als sehr dreist und verletzend, dass sie immer wieder betont, was für eine wundervolle Kindheit ich doch hatte.
Was hatte sie für eine Kindheit? Sie müsste ja um 1935 geboren worden sein und damals gab es ja auch häufig Gewalt in der Kindererziehung. Das soll keine Rechtfertigung für ihr Verhalten sein, denn sie war schließlich erwachsen und du ein Kind, als die Dinge in deiner Kindheit passiert sind. Trotzdem kann das Wissen über ihre Kindheit dir vielleicht helfen, eine andere Perspektive einzunehmen.
Laut ihrer eigenen Angaben hatte sie eine tolle Kindheit
Dennoch ist sie ein Kriegskind und wird entsprechende Erlebnisse gehabt haben.
Was ist dir wichtiger? Dein Seelenfrieden, deine Gedanken ausgesprochen zu haben, aber von ihr vielleicht nicht anerkannt zu bekommen? Oder ihr eine schöne letzte Zeit zu bescheren und dem losen Kontakt halbwegs OK zu pflegen?
Ich glaube, mein eigener Seelenfrieden ist mir wichtiger.
Wie würdest du dich fühlen, wenn wie stirbt, ohne dass du das Thema angesprochen hast?
- Schätzt du den Kontakt, so wie er jetzt ist?
Sie wird eines Tages sterben, ohne dass etwas geklärt wurde.
Das ist für mich nicht schlimm. Schlimm ist für mich eigentlich nur, dass sie mir unterstellt, ich würde lügen.
Ich kann das schwer beschreiben. Es ist diese Ungerechtiugkeit, die mich zermürbt.
Ich bin aber nicht der Meinung, dass man jemanden, nur weil er alt ist oder bald sterben wird, deswegen plötzlich anders sehen muss, als er wirklich war. Und auch wenn man todkrank ist und bald sterben wird, wird man deshalb nicht auf einmal ein Heiliger, wenn man zeitlebens ein A*Loch war.
Ich denke auch, dass sie sich bewusst ist., dass sie nach ihrem Ableben direkt bei dem Kerl mit den zwei Hörnern landen wird und sich dort mit ihrer Vergangenheit und all den Fakten auseinandersetztewn muss.
15 Jahre bevor meine Mutter starb, habe ich mich von ihr endlich lossagen können = null Kontakt. Ich weiß nun aus Erzählungen, dass sie sehr darunter gelitten hat. Das hat mich nicht berührt. Ihr tot auch nicht. Bei mir war das ähnlich schlimm wie bei Dir.
Das tut mir leid.
Deine Mutter liegt ja noch nicht auf dem Sterbebett (deshalb verwundert mich dein Titel), sondern sie ist geistig und körperlich noch fit.
Ich möchte dir hierlassen, wie ich mit ähnlicher Kindheit eines jähzornigen, gewalttätigen Vater, der seine Kinder bis zur Ohnmacht schlug und sie psychisch zusätzlich fertig machte, damit umgegangen bin. Unsere Mutter hat uns auch nicht geschützt bzw. schützen können, weil sie mit betroffen war (sie ist dann sehr früh verstorben).
Ein paar Wochen vor seinem Tod, ich war bei ihm (anderes Bundesland), weil er ins Krankenhaus musste und Papierkram, Ärzte, Voruntersuchungen usw. nicht alleine regeln konnte, konfrontierte ich ihn mit all seinen Taten. Meine kaputte Kindheit, meine Wut, meine Wunden, die ich durch mein Leben trug, alles sprudelte ohne Rücksicht aus mir heraus.
Wie ging es mir damit? Sehr gut, weil ich alles Unausgesprochene endlich, endlich richtig adressieren und loswerden konnte. Ich hatte keine Rachegefühle, ich wollte nur, dass er weiß, dass ich nichts vergessen habe.
In deinem Fall kannst du deine Mutter immer wieder aufs Neue konfrontiere
Ja, das denke ich auch.
Für meine Mutter habe ich mit zunehmenden Jahren immer mehr Wut empfunden. Ja, mein Vater hat zugeschlagen
Richtig Ruhe fand ich erst mit dem Tod meines Vaters ein Jahr später. Ich hielt seine Hand, als er starb. Und dann habe ich einige Wochen unfassbar getrauert und viel geweint. Nicht darüber, dass er tot war, sondern all die ganze Trauer über meine unglückliche und damit versäumte Kindheit.
Das klingt sehr stark. Ich hätte die Hand meines Vaters niemal halten können.
(Ich weiß nicht, ob du dir mit dem sehr reißerischen, seifenoperesquen Clickbait-Titel einen Gefallen getan hast, wenn du dir einen konstruktiven Austausch und verschiedene Perspektiven zu deinem Thema wünscht. Denn wie du nun klarstellst, liegt deine Mutter nicht im Sterben und fordert auch keine Absolution ein. Dass sie die gemeinsame Vergangenheit verzerrt erinnert und darstellt ist natürlich schlimm genug und es ist verständlich, dass es dir damit schlecht geht.)
Meine Mutter leigt nicht im Sterben, auch wenn sie oft ihren baldigen Tod bejammert. Da hast du recht. Sie fordert aber dennoch eine Art Absolution ein.
Dass sie Absolution will, ist dein Gefühl, schreibst du.
Aktiv fordert sie diese jedoch nicht ein, sie fragt nicht nach, wie du deine Kindheit empfunden hast oder, ob die Zeit gut war.
Es ineressiert sie nicht, wie ich meine Kindheit empfunden habe. Sie ist nur daran ineressiert, dass sie die Vergangenheit mit so viel Glitzer überstreuen kann, dass sie sich fein fühlt.
Letztlich denke ich, dass jeder Mensch fühlen und sich wünschen darf, was er eben fühlt und sich wünscht. Wenn sich deine Mutter Frieden und oder gar Vergebung wünschen sollte, ist das so.
Den Frieden bekommt sie aber nicht, indxem sie die Vergangenheit unter den Teppich kehrt.
Lieber TE, du nennst dich Rumpelstilzchen, na welch ein Zufall. Der kriegte einen Wutanfall, nahm das eine Bein und riss sich entzwei.
Ich bin zwar nicht Rumelstilzchen, aber auch der Name Struwwelpeter ist sehr symbolträchtig und passend: "Heinrich Hoffmanns
Struwwelpeter (1845) nutzt drastische, übertriebene Warnmärchen, um Kindern Gehorsam und gutes Verhalten beizubringen. Die Grundmoral lautet: Ungehorsam und Missachtung der elterlichen Regeln führen unweigerlich zu schweren (oft tödlichen oder verstümmelnden) Konsequenzen"
Ich bin schon wieder auf dem Srung un schickedas jetzt schenll ab ohne noch mal korrekturzulesen.