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Arbeitskollegin akzeptiert meine Erkrankung nicht

Nein, es drängt dir keiner einen Rollstuhl auf. Was glaubst du denn, wer dir den hinstellt? I.d.R. darf man ganz schön und lange kämpfen, bis derartige Hilfsmittel überhaupt bewilligt werden. Ähnliches Drama mit den Pflegegraden.

So lange du selbst deine Behinderung nicht ansatzweise akzeptierst und dich darauf einrichtest, so lange ist es auch müßig, das von deiner Umwelt zu verlangen, sprich der Arbeitskollegin. Es ist generell schwierig, Rücksichtnahme zu erwarten für Dinge, die man bestens kaschiert. Das geht ohnehin nur eine Weile leidlich gut und kostet sehr viel Kraft, die anderweitig gebraucht wird. Irgendwann sind die Einschränkungen unübersehbar.
 
Das ist alles noch sehr frisch und die Auswirkungen auf die Psyche normal und nicht zu unterschätzen.
Doch du kannst sehr viel mehr als nur am Handy sitzen. Es braucht Zeit; versuche liebevoll mit dir selbst zu sein und hole psychologische Unterstützung ins Boot.

Gib dir Zeit und suche dir Hilfe, um deine gesundheitliche Situation und Einschränkung zu verarbeiten. Das wird schon.

Ich habe MS. Mit Einschränkungen. Im Rollstuhl sitze ich nicht, aber das könnte tatsächlich irgendwann kommen. Ich kann zig Dinge nicht mehr, die ich extrem gerne gemacht habe.
Aber für jedes Ding, was ich nicht mehr kann, kann ich 10 andere immer noch. Und im Gegensatz zum Sofa kann ich dann im Rollstuhl immer noch ins Kino, zum Candlelight Dinner, in die Kneipe, ins Theater, ans Meer, mit der Seilbahn auf den Berg, zu einer Weinverkostung, spazieren fahren, zum Brunch, ins Museum, ins Konzert, die Sonne in der Natur auf- und untergehen sehen, Sternschnuppen schauen, mit einem Elektrodreirad fahren (ich hab eins, das Ding ist Burner!), eine hübsche Stadt anschauen, in den Park, Bogenschießen, Ukulele spielen, eine Schifffahrt machen, Bilder malen und zig Dinge mehr. Ich kann sogar neue Leidenschaften entdecken, auf die ich vorher nicht gekommen wäre.

Es ist dann anders, ja. Aber anders ist nur anders, nicht automatisch schlechter. Prioritäten werden sich verschieben, Einstellungen ändern, der Blick ein anderer.

Gib dir Zeit.

Wie sieht eigentlich deine häusliche Umgebung aus? Ist die halbwegs barrierefrei, so dass du auch mit entsprechenden Hilfsmitteln aus dem Haus kämst? Hast du entsprechende Hilfe zu Hause, einen Pflegegrad, sonstige Hilfen?

Nein, du musst keinen Rollstuhl benutzen, auch keinen Rollator. Alternativ sitzt du halt die ganze Zeit auf deinem Sofa und guckst dir die Welt von draussen an, statt mittendrin zu sein. Du grenzt dich selbst damit aus, aber das ist dein gutes Recht. Genau so, wie ein Demenzkranker das Recht zu Verwahrlosung hat.

Willst du das wirklich? Auf dem Sofa verkümmern deine Muskeln und Fähigkeiten noch schneller als im Rollstuhl. Davon kannst du ausgehen. Ja, du möchtest nicht als schwerbehindert wahrgenommen werden. Aber in der Wohnung nimmt man dich halt gar nicht mehr wahr, egal wie. Das Leben ist draussen, vor deiner Haustür - da spielt die Musik. Die große Frage bleibt, ob du daran teilnehmen möchtest oder nicht.

@Sonate
Ich hatte es nicht so aufgenommen, dass man @Träumchen95 einen Rollstuhl aufschwatzen möchte.
Meine Intention war z.B ein Aufzeigen von Möglichkeiten, um das Leben wieder schöner gestalten zu können.

Ich habe mehrere Gründe, wieso ich keinen Rollstuhl möchte.

1. Es wird natürlich immer gesagt, dass es total egal ist, ob man im Rollstuhl sitzt oder nicht. Das stimmt aber so nicht. Wenn das so wäre, dann würde es keine Diskriminierung geben.

2. Ich kann damit das Haus alleine gar nicht mehr verlassen, weil ich immer jemanden brauche, der mir den Rollstuhl vor die Tür stellt. Ich habe keinen Fahrstuhl und krabbel aktuell komplett würdelos die Treppen rauf und runter, wenn ich alleine rausgehe.

3. Ich kann nicht nach oben oder nach unten gucken. Wenn ich also im Rollstuhl sitze, dann ist das mein Blickwinkel. Ich sehe dann nur noch Beine und Hinterteile. Wenn sich jemand mit mir unterhalten will, dann muss er sich runter bücken oder ich rede mit dem Hintern. Und generell sehe ich dann ja gar nichts mehr in der Höhe, wie wenn man steht.

4. Ich bekomme aktuell unter anderem Panikattacke, wenn ich aus körperlichen Gründen Situationen nicht bewältigen kann. Das heißt, wenn ich irgendwo mit dem Rollstuhl nicht weiter komme, weil ich am Bordstein hänge oder der Bürgersteig zu eng ist = Panikattacke.

Das würde mein Leben nicht besser machen und meine Lebensqualität nicht steigern. Die Krücken sind auch nicht die perfekte Lösung, aber annehmbar.

Es ist ja nicht so, dass ich nicht versucht hätte neue Hobbys zu finden. Ich habe es versucht und nichts gefunden, was mir Spaß macht. Ich habe zum Beispiel alles rund um malen, basteln, Stricken, puzzeln usw. versucht. Es hat keinen Spaß gemacht und ist auch schwierig, wenn man nicht am Tisch sitzen kann und auf den Tisch guckt. Ich muss mir eigentlich immer alles ins Sichtfeld halten, wenn mein Kopf gerade ist.

Ich stehe wie gesagt auf Wartelisten bei Psychologen. Die haben mir aber alle schon gesagt, dass die Wartezeit bis zu einem Jahr ist.
 
Wie sieht eigentlich deine häusliche Umgebung aus? Ist die halbwegs barrierefrei, so dass du auch mit entsprechenden Hilfsmitteln aus dem Haus kämst? Hast du entsprechende Hilfe zu Hause, einen Pflegegrad, sonstige Hilfen?
Die TE besucht Rockkonzerte und ist auch sonst gerne unterwegs. Steht in den anderen Fäden.
Es geht hier nicht um einen Versorgungsfall.
 
Ich habe mehrere Gründe,

In den Reaktionen auf das, was du zu deiner Situation schilderst, ist in den letzten Beiträgen eine deutliche Verschiebung von Verantwortung zu beobachten – und zwar zunehmend in deine Richtung.

Sinngemäß läuft sie darauf hinaus: Wenn es dir schlecht geht, dann deshalb, weil du dich nicht richtig einrichtest, nicht genug akzeptierst oder nicht den „richtigen“ Weg wählst.

Damit wird der Blick sehr stark auf dein Verhalten, deine Entscheidungen oder deine innere Haltung gelenkt, während das Arbeitsumfeld, in dem du dich bewegst, immer mehr aus dem Fokus gerät.

Dort entstehen jedoch ganz konkrete Belastungen, weil bislang keine strukturierte Reintegration erkennbar ist. Diese professionell zu organisieren, ist Fürsorgepflicht deiner Chefin. Stattdessen wirst du faktisch in ein unverändertes Umfeld zurückgestellt, mit der Erwartung, daß du dich an bestehende Bedingungen anpaßt – obwohl genau diese Bedingungen nachweislich belastend sind.

Liegt der Schwerpunkt erst einmal bei dir, ist am Ende nicht mehr dieses Umfeld problematisch, sondern du – weil du angeblich nicht genug akzeptierst, dich nicht richtig einrichtest oder nicht den für andere bequemsten Weg gehst.

Es ist legitim, neben Pflichten auch die eigenen Rechte im Blick zu behalten und sie nicht vorschnell aus der Hand zu geben.

Die entscheidende Frage in deiner Lage sollte daher nicht sein, was für andere am einfachsten wäre, sondern: Wem nützt welche Lösung – und wem schadet sie?

Diese Frage darfst du dir weiter stellen, idealerweise gemeinsam mit einem guten Fachanwalt, ohne daß man dir daraus einen Vorwurf macht und unabhängig davon, ob das für Dritte nachvollziehbar ist oder nicht.

Vergleiche mit Demenzerkrankungen halte ich in diesem Zusammenhang für unpassend, da dort Wille und Entscheidungsfähigkeit krankheitsbedingt beeinträchtigt sind – was mit deiner Situation nicht vergleichbar ist.
 
Nun, auch ohne zig Fachanwälte hast du noch einen weiten Weg vor dir, der ohne ein gewisses Maß an Anpassung eben nicht zu leisten ist, schon nicht im Alltag. Das erlebe ich bei meinen Patienten, aber auch bei mir.

Klar, du kannst gegen Windmühlen laufen, so lange der Atem reicht. Du kannst die Kollegin verklagen und die Chefin nerven. Letzterer kannst du aber auch klipp und klar sagen, dass du aktuell von 6 Aufgaben eben nur 4 schaffst und mit ihr eine adäquate Lösung suchen. Die Kollegin zu nötigen, deine aktuellen Defizite zu kaschieren kann es wohl nicht sein. Ein offenes Gespräch über deine Möglichkeiten und Grenzen dürfte zielführender sein.
 
Nun, nach meiner nächsten OP werde ich vielleicht gar nicht mehr arbeitsfähig sein und fix im Rollstuhl sitzen. Dann habe ich aber die Möglichkeit, meinen Wohnsitz frei zu wählen und mich um eine barrierefreie Wohnung zu kümmern. Ich werde jedenfalls hier weder im 4.Stock auf dem Sofa versauern noch auf dem Po die Treppen rauf und runter. Die Kraft hätte ich schon gar nicht dafür.

Jeder Jeck ist anders. Mir persönlich ist es allerdings überaus wichtig mobil zu bleiben und am Leben draussen teilzunehmen, mit oder ohne Arbeit. Das gehört für mich zur Lebensqualität. in den letzten Tagen mit Eis und Schnee hätte ich tatsächlich gerne einen Rollator gehabt, alleine schon für die erforderlichen Sitzpausen. In der Wohnung hüser ich mit meinem Gehstock rum, in der Ecke stehen meine Stützen griffbereit, wenn es schlechter wird.

Die meisten meiner Patienten haben sich letztlich fürs Leben und für Hilfsmittel entschieden. Meine junge MS-Patíentin meinte am Donnerstag fassungslos, dass sie nicht im Rollstuhl heiraten möchte. Doch genau das könnte nächstes Jahr durchaus passieren.
 
Und warum sträubst Du Dich so gegen einen Rollator?

Wie bekomme ich den aus dem Haus? Wie verhindere ich Panikattacken, wenn ich damit irgendwo nicht weiter komme?

Die TE besucht Rockkonzerte und ist auch sonst gerne unterwegs. Steht in den anderen Fäden.
Es geht hier nicht um einen Versorgungsfall.

Ich bin ein Pflegefall!

Nun, nach meiner nächsten OP werde ich vielleicht gar nicht mehr arbeitsfähig sein und fix im Rollstuhl sitzen. Dann habe ich aber die Möglichkeit, meinen Wohnsitz frei zu wählen und mich um eine barrierefreie Wohnung zu kümmern. Ich werde jedenfalls hier weder im 4.Stock auf dem Sofa versauern noch auf dem Po die Treppen rauf und runter. Die Kraft hätte ich schon gar nicht dafür.

Jeder Jeck ist anders. Mir persönlich ist es allerdings überaus wichtig mobil zu bleiben und am Leben draussen teilzunehmen, mit oder ohne Arbeit. Das gehört für mich zur Lebensqualität. in den letzten Tagen mit Eis und Schnee hätte ich tatsächlich gerne einen Rollator gehabt, alleine schon für die erforderlichen Sitzpausen. In der Wohnung hüser ich mit meinem Gehstock rum, in der Ecke stehen meine Stützen griffbereit, wenn es schlechter wird.

Die meisten meiner Patienten haben sich letztlich fürs Leben und für Hilfsmittel entschieden. Meine junge MS-Patíentin meinte am Donnerstag fassungslos, dass sie nicht im Rollstuhl heiraten möchte. Doch genau das könnte nächstes Jahr durchaus passieren.

Es ist mir auch wichtig aktiv und sein, aber meinen Freunden bei Aktivitäten zugucken, nur um dabei zu sein, will ich nicht. Ich will auch mitmachen, aber das geht nicht.

Eine Barrierefreien Wohnung finden, ist doch eine absolute Katastrophe. Meine aktuelle ganz normale Wohnung, habe ich 6 Jahre lang gesucht.
 

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