Immer wieder mein Argument.
Was ist daran denn dein Argument? Ihr widersprecht euch doch:
Warum sprechen wir dann überhaupt von Erziehern, wenn der Beruf fast ausschließlich von Frauen ausgeübt wird? Warum nicht konsequent bei Erzieherinnen bleiben?
Aber das würde vermutlich vielen dann doch wieder nicht gerecht erscheinen
Erzieherin, Sekretärin, Friseurin, Verkäuferin - da regt sich jeine Sau auf.
Ist ja historisch so gewachsen, Frauen hatten lange keinen Zugang zu Bildung, nix mit akademischen Titeln, aber "niedere" Arbeiten, da geht das -in/nen komplett klar. Wieso das maskuline Generikum überhaupt entstanden ist und wo es angewendet wird, darf man ruhig mal auf dem Schirm haben.
Klar darf man die historische Entwicklung auf dem Schirm haben. Ebenso, dass früher ausschließlich Männer Soldaten waren und in den Krieg ziehen mussten, ob sie wollten oder nicht. Dass Frauen bei Rettungen strikten Vorrang vor Männern hatten. Und und und.
Früher war halt einiges anders als heute. Vieles davon hat sich auch auf die Sprache ausgewirkt und diese geprägt. Als die Verhältnisse sich änderten (btw - in Gefahrenlagen haben Frauen gegenüber Männern ja wohl auch heute noch so einige Privilegien... und sind oh Wunder gar nicht so erpicht darauf, daran etwas zu ändern 😎) hat die Sprache sich teilweise angepasst - dann, wenn Anpassungen plausibel, gut machbar und von der Bevölkerungsmehrheit gewollt waren. Andere Ausdrücke werden inzwischen jedenfalls deutlich anders aufgefasst als früher... eben darum, weil die Verhältnisse sich mittlerweile geändert haben. Und manche sprachlichen Eigenheiten und Einschränkungen, wie z.B. das generische Maskulinum, sind auch einfach beibehalten worden, weil sie sich nicht wirklich ändern lassen... allenfalls unzureichend und nur mit Mitteln, die sehr unnatürlich wirken, die Sprache zu stark verkomplizieren und flüssiges Lesen, Schreiben und Sprechen behindern. Weshalb sie von der Bevölkerung auch überwiegend abgelehnt werden.
Das ist aber kein Ausdruck geschlechtsbezogener Voreingenommenheit oder Ungleichbehandlung.
Warum also nicht Herr Erzieherin/Verkäuferin?
Einzelne Personen werden so doch eh nicht angesprochen.
Wenn berufliche Positionen zusammen mit "Herr" oder "Frau" in der Anrede verwendet werden, dann in aller Regel auch entsprechend dem Geschlecht:
- Frau Lehrerin/Herr Lehrer
- Frau Anwältin/Herr Anwalt
- Frau Richterin/Herr Richter
- Frau Oberstudienrätin/Herr Oberstudienrat
usw.
Oder es ist eben
allgemein unüblich, Personen so anzureden:
Frau Zerspannungstechnikerin/ Her Zerspannungstechniker
Frau Verwaltungsfachangestellte/Herr Verwaltungsfachangestellter
Frau Managerin/Herr Manager
o.Ä.
Eine der wenigen Ausnahmen, die mir dazu einfällt, ist die von Patienten häufig verwendete Anrede "Frau/Herr Doktor" für ihre behandelnden Ärzte. Das ist aber wirklich ein Sonderfall, da ja ohnehin viele dieser Ärzte tatsächlich gar keinen Doktortitel haben. Und eine Änderung nach "Frau Ärztin" und "Herr Arzt" klingt schon ziemlich seltsam... ich kann verstehen, dass sich viele Menschen nur schwer daran gewöhnen könnten.
Beim Professor ist das auch so eine Sache. "Frau Professorin" als Anrede lässt sich ja noch ganz gut aussprechen und wird meinem Empfinden nach auch langsam üblicher. Aber gegenüber Dritten von "Frau Professorin Doktorin XY" zu reden, finde ich arg sperrig.
Und dann wäre da noch der "Herr Ober" mit dem gleichlautenden weiblichen Pendant "Frau Ober". Allerdings ist kaum anzunehmen, dass diese Tätigkeit aufgrund ihres hohen Prestiges historisch einseitig Männern zugeordnet wurde...
Naja. Ein paar Problemfälle wird es wohl immer geben. Aber ein systematisches "Weniger-gemeint-sein" von Frauen sehe ich im aktuell üblichen Sprachgebrauch nun wirklich nicht mehr.
Ah, das gute alte „Ich seh das Problem nicht, also gibt’s keins“ - Argument. Klassiker. Funktioniert übrigens auch super bei Klimawandel und Diskriminierung: Einfach nicht wahrnehmen, dann ist es auch nicht da.
Dass Studien, Sprachpsychologie und jahrzehntelange Debatten etwas anderes sagen - geschenkt. Aber Hauptsache, man kann mit einem Augenzwinkern behaupten, alle anderen hätten bloß keine plausiblen Gründe.
Süffisanz ist allerdings auch kein bisschen überzeugender.
🙂