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Warum wird der Mehrheitswille beim Gendern nicht beachtet?

Wie gesagt habe ich das eher gegenteilig erlebt, und ich bin immerhin alt genug, dass ich mich an diese Änderung noch erinnern kann.

Ich kann mich jedenfalls nicht dran erinnern, dass das "Volk" explizit nach einer derartigen Änderung gerufen hätte. Im übrigen kommt auch das Gendern aus dem "Volk", wenn man es so sehen mag, denn wer sonst als Menschen hätten sich denn darüber Gedanken gemacht? Es waren Menschen, die mit den bisherigen Sprachregelungen Schwierigkeiten hatten, also waren bzw. sind es Menschen aus der Bevölkerung. Also eigentlich ziemlich ähnlich wie damals.

Mir scheint, es wird versucht, hier einen Gegensatz zu konstruieren, den ich ehrlich gesagt nicht so wahrnehme und nicht wahrgenommen hatte.
Sehe ich genauso, zudem gibt es die Diskussion um geschlechtergerechte Sprache schon seit Jahrzehnten, seit ca. 10 Jahren dann in der breiteren Öffentlichkeit. Erst in den letzten Jahren wurde gendern mit "*" auch an unterschiedlichen Stellen institutionell umgesetzt, allerdings nicht als fest verankertes Gesetz, es gibt nur Gesetze dagegen. Auch das war ein Prozess, der zunächst von "unten", von den Betroffenen selbst kam, der dann vermehrt aufgegriffen wurde.

Schlussendlich geht's in der ganzen Debatte um Macht und Deutungshoheit und Menschen privilegierter Gruppen geben eben nicht gerne Macht an weniger privilegierter Gruppen ab.
 
Plötzlich ist es da, dieses noch immer für Irritationen sorgende Neusprech aus Genderstern, Unterstrich, Binnen-Doppelpunkt, Partizipien, Sprachverirrungen (Tormännin statt Torfrau) und grammatikalischem Unsinn (Deutschland ist Europameisterinnen). Man feiert sich gegenseitig mit banalen Hashtags in Sachen Toleranz, Vielfalt und Gerechtigkeit.
Wenn man das gendern schon kritisieren will, wieso dann nicht anhand realer Beispiele, die tatsächlich im Sprachgebrauch genutzt werden, sondern immer anhand von solchem Quatsch, den ich keinen Menschen jemals habe sagen hören. Das taugt doch nur dazu, Menschen denen gendern wichtig ist, für dumm zu erklären und disqualifiziert für eine tatsächliche inhaltliche Auseinandersetzung.
 
Wenn man das gendern schon kritisieren will, wieso dann nicht anhand realer Beispiele, die tatsächlich im Sprachgebrauch genutzt werden,
Dann sag doch mal wo die ganzen weiblichen und diversen Maler, Trockenbauer und Zerspanungsmechaniker abgeblieben sind, wenn Stellen ausgeschrieben werden. Die gibt's auch weiterhin nur als Ausnahme von der Regel. Weil Frauen "sowas" nicht machen wollen.
 
Klar kann man das generische Maskulinum verwenden. Man kann auch noch Briefe per Hand schreiben oder Faxe verschicken. Nur weil man kann, heißt das nicht, dass es noch zeitgemäß ist, oder für alle funktioniert.
Nur fehlt es jenen, die Rollenbezeichungen trotz nichtvorhandenen Geschlechtsbezugs gendern wollen, eben an plausiblen Argumenten, was am generischen Maskulinum nicht funktionieren und unzeitgemäß sein soll. 😉
 
Dann sag doch mal wo die ganzen weiblichen und diversen Maler, Trockenbauer und Zerspanungsmechaniker abgeblieben sind, wenn Stellen ausgeschrieben werden. Die gibt's auch weiterhin nur als Ausnahme von der Regel. Weil Frauen "sowas" nicht machen wollen.
Du beantwortet eine Frage, die @_vogelfrei gar nicht gestellt hat - und bringst ein Klischeeargument, das an der Diskussion über Gendern vorbeigeht.
Niemand behauptet, dass in jeder Malerklasse 50 % Frauen und 10 % nichtbinäre Menschen sitzen. Aber Sprache sollte nicht so tun, als dürften sie da gar nicht auftauchen.

Wenn du schon mit Berufsstatistiken argumentierst, kann man den Spieß auch umdrehen:
Warum sprechen wir dann überhaupt von Erziehern, wenn der Beruf fast ausschließlich von Frauen ausgeübt wird? Warum nicht konsequent bei Erzieherinnen bleiben?
Aber das würde vermutlich vielen dann doch wieder nicht gerecht erscheinen, und zwar aus gutem Grund:
- Weil es eben auch Männer in sozialen Berufen gibt und die nicht sprachlich ausgeschlossen werden sollen.
- Weil wir nicht wollen, dass Sprache Rollenklischees noch zementiert: „Hier sind nur Frauen vorgesehen, dort nur Männer.“
 
Dazu fällt mir folgendes ein:

In den Kitas fehlen Erzieher.
Da sich zu wenige qualifizierte Personen bewerben, kann ein Viertel aller Stellen nicht besetzt werden.

In den Kitas fehlen Erzieher.
Laut Statistik gibt es nur ca. 2 % Männer in diesem Berufsfeld.
 
Dann sag doch mal wo die ganzen weiblichen und diversen Maler, Trockenbauer und Zerspanungsmechaniker abgeblieben sind, wenn Stellen ausgeschrieben werden. Die gibt's auch weiterhin nur als Ausnahme von der Regel. Weil Frauen "sowas" nicht machen wollen.
Das ist ja quasi ein sich selbst disqualifizierender Beitrag.

Ich weiß gar nicht, wo ich ansetzen soll. Dass Frauen und Menschen anderer Geschlechter außer Männern sowas nicht machen wollen - so alle und jede*r einzelne - ist ja schonmal nicht wahr, da stimmst Du mir doch hoffentlich zu? Und wenn es nur deswegen ist, weil wir das gar nicht feststellen können, weil wir nicht jede einzelne Person fragen können. Richtig?

Laut dieser Quelle waren 2023 10% der Stellen im Handwerksbereich durch Frauen besetzt. Also ist jede 10. Person im Handwerk eine Frau.

 
Erzähle mir bitte von der Gesellschaft, die in den 80ern/90ern gegen das Gendern war.
Kann es sein, dass z.B. Beidnennung (Lehrerinnen und Lehrer) bei dir - warum auch immer - nicht zum Gendern gehört?
Die Gesellschaft war und ist seit je her gegen das Gendern.

Und ja, auch "Beidnennungen" sind Gendern. Wobei "Beidnennungen" als Begriff bereits falsch ist.
Der Plural "die Lehrer" meint ausdrücklich beides. Es ist das seit je her verwendete generische Maskulinum, welches niemals exklusiv männliche Personen meinte und von der breiten Gesellschaft auch nie so verstanden wurde.

Sprache lebt davon, wie man sie versteht. Es gibt eine kleine Minderheit, welche "die Lehrer" als rein männlichen Plural verstehen will und deswegen eine weibliche Zusatzform fordert. Das ist aber keine objektiv belegbare Forderung sondern eine reine Uminterpretation der Sprache - eine Uminterpretation, die man aber der Mehrheit nicht aufdiktieren kann.

Nehmen wir andere Wörter mit "er" Endung: Fenster, Gewitter, Messer, Wasser, Keller, Ufer .... sind die männlich? Nein. Genauso sind Lehrer in der deutschen Sprache nicht männlich. Viele andere Sprachen wie türkisch, englisch, finnisch etc. haben diese vermeintliche Problem nicht, weil sie keine vergleichbaren "er" Endungen haben. Weil im deutschen zufällig Begriffe im maskulin typischen "er" enden, haben wir diese Falschinterpretationsmöglichkeit.

Es wird der Tag kommen an dem die Genderbefürworter das Wort "Wasser" als diskriminierend erklären, weil ein so wichtiges Gut ja nicht männlich mit "er" enden darf. Dann gendern wir demnächst Wasser/in.....

Das Gendern ist der Versuch einer Minderheit ihr ideologisch motiviert Sprachverständnis der Mehrheit aufzudiktieren. Der Mehrheit zu sagen, dass sie alle Sprache falsch verstehen und alle bitte Sprache gefälligst so zu verstehen haben wie es diese Minderheit vorgibt.
Das geht aber nicht! Ich kann niemanden vorschreiben den Plural "Lehrer" gefälligst als ausschließlich männlich zu verstehen. Sprachverständnis kann man nicht vorschreiben, erst Recht nicht gegen das mehrheitliche Verständnis.
 
Wenn man das gendern schon kritisieren will, wieso dann nicht anhand realer Beispiele, die tatsächlich im Sprachgebrauch genutzt werden, sondern immer anhand von solchem Quatsch, den ich keinen Menschen jemals habe sagen hören. Das taugt doch nur dazu, Menschen denen gendern wichtig ist, für dumm zu erklären und disqualifiziert für eine tatsächliche inhaltliche Auseinandersetzung.
Tut mir leid, aber so lange "Kunden und Kundinnen" gesucht werden, aber nie eine "Mörderin, Tatverdächtige, Täterin, Diebin...," ist das für viele eben tatsächlich völliger quatsch, und das Thema an sich disqualifiziert sich bereits von selbst.

Getoppt wird dieser gogolores lediglich noch von einigen Befürwortern, sorry, und Befürworterinnen! Ich möchte mich ja bessern! 😉
 
Du beantwortet eine Frage, die @_vogelfrei gar nicht gestellt hat - und bringst ein Klischeeargument, das an der Diskussion über Gendern vorbeigeht.
Niemand behauptet, dass in jeder Malerklasse 50 % Frauen und 10 % nichtbinäre Menschen sitzen. Aber Sprache sollte nicht so tun, als dürften sie da gar nicht auftauchen.

Wenn du schon mit Berufsstatistiken argumentierst, kann man den Spieß auch umdrehen:
Warum sprechen wir dann überhaupt von Erziehern, wenn der Beruf fast ausschließlich von Frauen ausgeübt wird? Warum nicht konsequent bei Erzieherinnen bleiben?
Aber das würde vermutlich vielen dann doch wieder nicht gerecht erscheinen, und zwar aus gutem Grund:
- Weil es eben auch Männer in sozialen Berufen gibt und die nicht sprachlich ausgeschlossen werden sollen.
- Weil wir nicht wollen, dass Sprache Rollenklischees noch zementiert: „Hier sind nur Frauen vorgesehen, dort nur Männer.“

Immer wieder mein Argument. Erzieherin, Sekretärin, Friseurin, Verkäuferin - da regt sich jeine Sau auf. Warum? Ist ja historisch so gewachsen, Frauen hatten lange keinen Zugang zu Bildung, nix mit akademischen Titeln, aber "niedere" Arbeiten, da geht das -in/nen komplett klar. Wieso das maskuline Generikum überhaupt entstanden ist und wo es angewendet wird, darf man ruhig mal auf dem Schirm haben.

Warum also nicht Herr Erzieherin/Verkäuferin?
 

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