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Warum wird der Mehrheitswille beim Gendern nicht beachtet?

Auch das war ein Prozess, der zunächst von "unten", von den Betroffenen selbst kam, der dann vermehrt aufgegriffen wurde.
So habe ich das auch in Erinnerung. In den ersten Jahren kam das Gendern ja von den Menschen selbst, weil man mehr Gleichberechtigung und Sichtbarkeit der Geschlechter fördern wollte. Aber als dann das Gendern mehr oder weniger institutionalisiert werden sollte, fingen plötzlich die Beschwerden an im Sinne von "Die da oben wollen uns was aufs Auge drücken". und "Wir, das Volk, wir wollen das nicht" etc.
 
Tut mir leid, aber so lange "Kunden und Kundinnen" gesucht werden, aber nie eine "Mörderin, Tatverdächtige, Täterin, Diebin...," ist das für viele eben tatsächlich völliger quatsch, und das Thema an sich disqualifiziert sich bereits von selbst.

Getoppt wird dieser gogolores lediglich noch von einigen Befürwortern, sorry, und Befürworterinnen! Ich möchte mich ja bessern! 😉
Ich kann nur für mich sprechen, ich gendere natürlich (!) auch Täter*in und alle anderen von dir genannten Beispiele und wenn das nicht gemacht wird, finde ich das auch falsch. Und ich vermute, dass es die meisten anderen auch so handhaben, denen das Thema wirklich ernst ist.
 
Nehmen wir andere Wörter mit "er" Endung: Fenster, Gewitter, Messer, Wasser, Keller, Ufer .... sind die männlich? Nein. Genauso sind Lehrer in der deutschen Sprache nicht männlich. Viele andere Sprachen wie türkisch, englisch, finnisch etc. haben diese vermeintliche Problem nicht, weil sie keine vergleichbaren "er" Endungen haben. Weil im deutschen zufällig Begriffe im maskulin typischen "er" enden, haben wir diese Falschinterpretationsmöglichkeit.

Es wird der Tag kommen an dem die Genderbefürworter das Wort "Wasser" als diskriminierend erklären, weil ein so wichtiges Gut ja nicht männlich mit "er" enden darf. Dann gendern wir demnächst Wasser/in.....

Jetzt wird es wirklich lächerlich. Was ist mit den Berufen Arzt, Anwalt, Ingenieur, Logopäde?

Wie erklärst du, dass Ärztinnen in den Kliniken immer noch für Krankenpflegerinnen gehalten werden?

Weil sich "der Arzt" so tief im Verständnis der vielzitierten Gesellschaft eingebrannt hat, dass mit "Ärzte" keineswegs beide Geschlechter gemeint sind.

Das gilt für sehr viele andere Berufsgruppen ebenso.
 
Nur fehlt es jenen, die Rollenbezeichungen trotz nichtvorhandenen Geschlechtsbezugs gendern wollen, eben an plausiblen Argumenten, was am generischen Maskulinum nicht funktionieren und unzeitgemäß sein soll. 😉
Ah, das gute alte „Ich seh das Problem nicht, also gibt’s keins“ - Argument. Klassiker. Funktioniert übrigens auch super bei Klimawandel und Diskriminierung: Einfach nicht wahrnehmen, dann ist es auch nicht da.
Dass Studien, Sprachpsychologie und jahrzehntelange Debatten etwas anderes sagen - geschenkt. Aber Hauptsache, man kann mit einem Augenzwinkern behaupten, alle anderen hätten bloß keine plausiblen Gründe.
 
Tut mir leid, aber so lange "Kunden und Kundinnen" gesucht werden, aber nie eine "Mörderin, Tatverdächtige, Täterin, Diebin...," ist das für viele eben tatsächlich völliger quatsch, und das Thema an sich disqualifiziert sich bereits von selbst.
Du argumentierst wieder an den Fakten vorbei. Gerade bei Fahndungen wird selbstverständlich das Geschlecht genannt, wenn es relevant ist. Es wäre ja schräg und unpraktisch, wenn man bei der Suche nach einer Täterin nicht explizit sagen würde, dass es sich um eine Frau handelt # genau so wenig wie bei einem männlichen Täter.

Das zeigt, dass Gendern bei Rollenbezeichnungen keineswegs nur ein theoretisches Thema ist, sondern in der Praxis angewandt wird, wenn es sinnvoll ist, um möglichst präzise und eindeutig zu kommunizieren. Sprache richtet sich immer nach Zweck und Kontext, und gerade bei wichtigen Informationen wie einer Täter- oder Täterinnensuche wird das Geschlecht ausdrücklich benannt.

Dass man im Alltag trotzdem oft das generische Maskulinum hört, heißt nicht, dass Gendern unnütz ist, sondern dass Sprache sich wandelt und in bestimmten Situationen mehr Differenzierung sinnvoll und notwendig ist.

Jüngstes Beispiel:

Oder hier wird eine Trickbetrügerin gesucht:
 
Immer wieder mein Argument. Erzieherin, Sekretärin, Friseurin, Verkäuferin - da regt sich jeine Sau auf. Warum? Ist ja historisch so gewachsen, Frauen hatten lange keinen Zugang zu Bildung, nix mit akademischen Titeln, aber "niedere" Arbeiten, da geht das -in/nen komplett klar. Wieso das maskuline Generikum überhaupt entstanden ist und wo es angewendet wird, darf man ruhig mal auf dem Schirm haben.

Warum also nicht Herr Erzieherin/Verkäuferin?
Noch interessanter wird des bei der Berufsbezeichnung Hebamme. Hier zeigt sich nämlich besonders deutlich, wie Sprache gesellschaftliche Vorstellungen widerspiegelt (und manchmal auch festschreibt).

Der Beruf Hebamme war historisch so klar weiblich konnotiert, dass es für Männer schlicht keine etablierte Bezeichnung gab. Männer durften den Beruf lange Zeit gar nicht ausüben - auch gesetzlich nicht. Erst mit gesetzlichen Änderungen wurde das möglich, und mit ihnen kam auch der sprachliche Spagat. Die gängigste Bezeichnung war dann Entbindungspfleger . Wobei heute die offizielle Berufsbezeichnung Hebamme lautet, weil seit der Reform der Hebammenausbildung die Berufsbezeichnung als geschlechtsneutral gilt.
 
Jetzt wird es wirklich lächerlich. Was ist mit den Berufen Arzt, Anwalt, Ingenieur, Logopäde?

Wie erklärst du, dass Ärztinnen in den Kliniken immer noch für Krankenpflegerinnen gehalten werden?

Weil sich "der Arzt" so tief im Verständnis der vielzitierten Gesellschaft eingebrannt hat, dass mit "Ärzte" keineswegs beide Geschlechter gemeint sind.

Das gilt für sehr viele andere Berufsgruppen ebenso.
Deine Aussage ist bezogen auf die Mehrheit der Deutschen falsch.

Die Mehrheit der Deutschen versteht das Wort „Arzt“ nicht ausschließlich männlich, sondern als Sammelbegriff für für beide Geschlechter. Das geht aus diversen Studien wie z.B. der Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach im Jahr 2019 hervor.

Aber selbst die Menschen, die das Wort eher männlich konjunktieren, tun sie das wohl kaum aufgrund des Wortes. Es liegt vielmehr vor allem daran, dass lange Zeit in Deutschland Arzt ein typischer Männerberuf war und früher über 2/3 der Ärzte Männer.

Umgekehrt ist rund 80% des Pflegepersonales weiblich. Wenn mir ne Frau im Kittel im Krankenhaus über Weg läuft und ich raten muss, tippe ich logischerweise auf auf Pflegekraft und nicht auf Arzt.

Du glaubst, es liegt am Wort. Ich sage, es liegt an der Realität. Vollkommen egal ob man gendert, das ändert nicht die Realität. Die Menschen erwarten was sie aus der Praxis kennen und nicht was ihnen ein möglichst ideologisch vorgekauter Begriff suggerieren soll.
 
Ich kann nur für mich sprechen, ich gendere natürlich (!) auch Täter*in und alle anderen von dir genannten Beispiele und wenn das nicht gemacht wird, finde ich das auch falsch. Und ich vermute, dass es die meisten anderen auch so handhaben, denen das Thema wirklich ernst ist.
Und das gilt natürlich nur in der Mehrzahl oder wenn das Geschlecht unbekannt ist, ansonsten stimme ich @Blaumeise in ihren Ausführungen zu.
 
Dann sag doch mal wo die ganzen weiblichen und diversen Maler, Trockenbauer und Zerspanungsmechaniker abgeblieben sind, wenn Stellen ausgeschrieben werden. Die gibt's auch weiterhin nur als Ausnahme von der Regel. Weil Frauen "sowas" nicht machen wollen.
Weil den jungen Frauen die lebenden Vorbilder in diesen Berufen fehlen, daran ändert auch Sprachklitterung nichts. Wo Frauen in "Männerberufen" selbstverständlich sind (war so im Ostblock, so wenig gute Haare man sonst dran lassen mag) ist es auch für weiblichen Nachwuchs selbstverständlich, solche Berufe in Betracht zu ziehen, und nicht nur die Handvoll "typisch weiblicher" und daher chronisch überlaufener und mies bezahlter Frauenberufe wie Friseuse, Verkäuferin, Erzieherin, Pflegerin.
Vorbilder braucht es. Nicht Sprachgepansche und Neusprech.
 
Du argumentierst wieder an den Fakten vorbei. Gerade bei Fahndungen wird selbstverständlich das Geschlecht genannt, wenn es relevant ist. Es wäre ja schräg und unpraktisch, wenn man bei der Suche nach einer Täterin nicht explizit sagen würde, dass es sich um eine Frau handelt # genau so wenig wie bei einem männlichen Täter.

Das zeigt, dass Gendern bei Rollenbezeichnungen keineswegs nur ein theoretisches Thema ist, sondern in der Praxis angewandt wird, wenn es sinnvoll ist, um möglichst präzise und eindeutig zu kommunizieren. Sprache richtet sich immer nach Zweck und Kontext, und gerade bei wichtigen Informationen wie einer Täter- oder Täterinnensuche wird das Geschlecht ausdrücklich benannt.

Dass man im Alltag trotzdem oft das generische Maskulinum hört, heißt nicht, dass Gendern unnütz ist, sondern dass Sprache sich wandelt und in bestimmten Situationen mehr Differenzierung sinnvoll und notwendig ist.

Jüngstes Beispiel:

Oder hier wird eine Trickbetrügerin gesucht:
Bei deiner Antwort hast du Portion Control offenbar (Bewusst?) falsch verstanden.
Portion Controls Post bezog sich natürlich darauf, dass bei noch unbekannten Tätern seitens der Medien niemals auf ein allumfassendes Gendern Wert gelegt wird. Dann wird einfach nur von "Dieben" oder sogar "dem Dieb" gesprochen. Offenbar fühlen sich die vielen anderen Geschlechter dann nicht diskriminiert.
Wenn es jedoch einen konkreten Tatverdächtigen gibt erfolgt natürlich die individuelle Benennung, aber gerade dann ist es ja kein Gendern mehr!
 

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