Es spielt schon eine Rolle, aber mein Freund hat alles getan, was er tun konnte
Auf mich wirkt das, was du schreibst, auch überhaupt nicht so, als ob es für dich/euch keine Rolle spiele, was dein Freund angerichtet hat.
Er wird in erster Linie eine Therapie machen müssen. Diese wird aber wahrscheinlich viele Jahre in Anspruch nehmen.
Wenn ihm eine Therapie nahegelegt wird und die Möglichkeit besteht, sie dort umgehend zu beginnen, sollte er das machen. Das ist sicherlich eine gute Maßnahme. Und ein Therapeut kann normalerweise auch nach ein paar Monaten schon ganz gut abschätzen, wie dein Freund so drauf ist und welche Fortschritte er macht.
Daher sieht es schlecht aus, dass er nach wenigen Monaten ein gutes psychologisches Gutachten oder Prognose bekommt. Also, dass ihm jemand bescheinigt, dass er sein Leben direkt super gut in den Griff bekommen wird.
Ein Prognosegutachten kann ja generell nicht bescheinigen, was passieren wird... sondern nur Wahrscheinlichkeiten abschätzen. Es braucht für eine günstige Prognose also keine sichere positive Vorhersage.
Du hast auch schon Faktoren genannt, die mit Sicherheit positiv gewertet werden: Keine Vorstrafen, Selbststeller, Bereitschaft zu Täter-Opfer-Ausgleich, stabilisierende soziale Beziehung (Partnerschaft), Rückhalt und Unterstützung durch die Familie. Weitere positive Punkte könnten hinzukommen, wenn dein Freund sich gut führt, konkrete Bemühungen oder sogar Zusagen bezüglich Job/Ausbildung vorweisen kann usw..
Klar, dagegen steht die Schwere der Tat, die gravierenden Auswirkungen auf die geschädigte Person.
Aber: Dein Freund kommt ohnehin, auch ohne jegliche positive Prognose, nach einem Jahr wieder frei, und stellt dann sowieso eine potenzielle Gefahr für seine Mitmenschen dar. Das lässt sich nicht verhindern. Und die Gefahr könnte dann sogar noch höher sein, weil dein Freund nicht optimal motiviert und darin unterstützt wurde, zukünftig keine Straftaten mehr zu begehen.
Oder was die Therapie angeht: Bei Bewährung könnte deinem Freund zur Auflage gemacht werden, sie weiterzuführen, ansonsten wird die Bewährung widerrufen. Wird dein Freund nach einem Jahr entlassen, gibt es keinerlei Auflagen und er hätte die Möglichkeit, die Therapie sofort abzubrechen.
Darum hat es auch aus präventiver Sicht etliche Vorteile, Bewährung zu bewilligen, wenn die Voraussetzungen dafür grundsätzlich gegeben sind. Auch, wenn die Tat gravierend war. Vernünftig betrachtet nützt es der Gesellschaft ja nichts, deshalb stur auf einem besonders strengen Vollzug der Freiheitsstrafe zu bestehen... aber danach wieder mit einem nicht genügend resozialisierten Menschen zu tun zu haben, von dem eine erhebliche Gefahr ausgeht.
Sowas wissen und berücksichtigen die Verantwortlichen und Fachleute in aller Regel auch. Deshalb... vielleicht klappt es ja doch mit der Bewährung. Ich halte das nicht für unrealistisch.
Am besten rechnet ihr vorsichtshalber mal nicht fest damit, aber tut trotzdem konsequent alles dafür, dass es vielleicht doch dazu kommen kann... 👍