Also eines möchte ich aber klarstellen: Ich finde, niemand sollte darüber urteilen, warum eine Mutter ihre Zeit so und nicht anders einteilt und ihr dann am Ende noch irgendwelche schlechten Absichten unterstellen. Also ich schätze Dich
@neukat auch nicht so ein, aber einige Kommentare hier klingen schon sehr abschätzig und ich denke, dass daraus auch viel Unkenntnis spricht.
Ich war auch immer ein sehr unabhängiger Typ und habe mir fest vorgenommen, mir dies nicht nehmen zu lassen, sollte ich Mutter werden. In gewisser Weise habe ich Mütter, die sich selbst so wohl zu fühlen schienen in ihrer "Supermuttirolle" auch ein wenig verurteilt oder belächelt.
Jetzt wo ich selber Mutter bin, muss ich leider sagen: Von außen sieht das einfach anders aus.
Wer es nicht erlebt hat, kann es sich nicht vorstellen, wie fertig man sein kann, wenn man bespielsweise monatelang nur 4 Stunden Schlaf pro Nach bekommt.
Ehrlich gesagt ist einem dann alles egal und auch die liebsten Freunde werden irgendwie im Nebel verschwinden, weil man nur noch wie ein Zombie durchs Leben läuft.
Dann kann man es sich einfach nicht mehr vorstellen, auch nur noch einen einzigen Fuß vor die Tür zu setzen, wenn das Kind mal ruhig ist.
Ich kann mir auch durchaus vorstellen, dass man es dann mitunter nicht mal mehr zu einer beerdigung schafft.
Wirklich: Mir ging es niemals so schlecht wie in diesem ersten Lebensjahr meines Babys und mein Kind ist ein unkomplizierter Sonnenschein. Trotzdem: Die Bedürfnisse eines Kindes sind so krass, dass es einen echt aus den Latschen heben kann.
Der eine reagiert dann vielleicht mit Rückzug, der andere verfällt in Lathargie, der dritte versucht, sich so gut wie möglich noch ein Leben neben dem Kind zu erhalten usw.
Ich will damit sagen: oft ist es keine Frage des wollens, sondern des könnens. Nicht jeder ist gleich belastbar und gleich organisiert (es gibt einfach auch Menschen, die sind nicht so organisiert)
Was einem ja so gern verschwiegen wird ist, wie schrecklich das Leben mit Kind mitunter sein kann. (ich liebe mein Kind über alles, aber trotzdem sage ich das!)
Nicht jede Frau schafft es, sich dabei noch ein Privatleben aufrecht zu erhalten und nicht jede schafft es, dies zuzugeben (schließlich wirst Du als Mutter ja auch dafür verurteilt, wenn Du es offen aussprichst).
Ich sags ganz offen: Bestimmt einmal in der Woche liege ich heulend auf dem Boden, weil ich einfach nicht mehr kann.
Mutterschaft ist nicht das große Glück, sondern es kann sich bisweilen eher anfühlen wie eine schwere Erkrankung: nur dass man mit jemandem, der krank ist, Mitgefühl hat, eine Mutter bekommt Vorwürfe, wenn sie es nicht freudestrahlend und easy wegsteckt.
Man ist übermüdet, ausgezehrt, erschöpft, hat Burn-Out, Depressionen machen sich breit usw.
Auf der einen Seite hat man dann Leute, die einen verurteilen, weil man sich angeblich in seiner Muttirolle ausruhen würde, auf der anderen Seite wird man verurteilt, weil man eben nicht super glücklich als Übermutti durch die Gegend rennt. Man wird verurteilt, weil man zu wenig Sozialleben hat und man wird verurteilt, weil man zu viel Sozialleben hat: Recht ist es nie.
All diesen Menschen möchte ich sagen: Urteilt nicht über andere! Aus und fertig!
Einfach nicht urteilen, sondern den Menschen sehen, wie er ist.
Jeder von uns möchte das doch, oder?
Keiner kann beurteilen, warum eine Frau ihre Freundschaften nicht mehr pflegen kann. Also doch lieber nachfragen, anstatt zu verurteilen.
Das beste, was man als Mutter tun kann, ist sowieso alles so locker wie möglich zu sehen, vor allem eben das, was andere sagen.
Ich glaube, wenn man das nicht vergisst, findet man im Gespräch auch immer eine Lösung.
Ich als Mutter möchte nicht bemitleidet werden, aber ich möchte eben auch nicht, dass Freunde von mir traurig sind, oder denken, es sei Gleichgültigkeit oder gar böse Absicht, wenn ich mich weniger melde. Das ist es nicht. Nur manchmal reicht für mehr die Kraft einfach nicht.