Depriman45
Mitglied
Schön, dass du dich noch mal so ausführlich gemeldet hast, denn sonst hätte ich dich bei einer nachfolgenden Antwort von dir im Stil der ersten für einen Troll gehalten.Für mich hat das nichts mit rosa ausmalen zu tun. Meine sozialen Kontakte gehen gegen 0. Ich hab dieses Jahr eine Person 4 mal gesehen. Und dreimal davon ist man 95% der Zeit mit den Motorrädern hintereinander hergefahren und der Rest der Zeit hatte man getankt.
Und an dem Punkt, dass die Einsamkeit unerträglich wurde und war ich ebenfalls. Ich war am Ende, konnte nicht mehr schlafen weil der Kopf keine Ruhe mehr gegeben hat, ich die Wände hätte hochgehen können, weil ich es nicht mehr ausgehalten habe usw.
Irgendwann kam bei mir dann mal der Punkt des Umdenkens, weil ich drauf geachtet, wie es im Ort/Nachbarschaft und auf der Arbeit so um die anderen gestellt ist. Da geht einer Fremd, die nächste ist mit Kindern sitzen gelassen, ein Kollege konnte sein Haus nach der Scheidung verkaufen, weil der Unterhalt zu teuer war, die nächste Kollegin jammert bei der anderen, weil sie von der vermeintlichen besten Freundin hinergangen wurde. Oder schau dir die anderen Themen hier im Forum an. Da wird in Partnerschaften und Freundschaften gelogen, betrogen und verarscht.
Bei mir hat es dann irgendwann klick gemacht. Das, was ich mir am meisten gewünscht und vermisst hatte, ist gefühlt die Ursache von 98% der Probleme der Leute. Das was sie dann richtig runterzieht und fertig macht oder finanziell ans Ende bringt. Fand ich für mich eher befremdlich, dass ich mir Jahre die Hauptursache von Problemen gewünscht habe.
Und dann hat sich meine Einstellung verändert. Ich habe nicht mehr versucht neue Bekanntschaften zu finden, die wenigen vorhanden sind "ausgelaufen", weil ich mich von mir aus nicht mehr gemeldet und nur noch geantwortet habe. Ich hab meine Zeit nicht mehr mit der Suche und dem Hinterhertrauern verbracht, sondern meine Zeit für Dinge genutzt, dir mir mal Spaß gemacht hatten. Waren bei mir simple Dinge wie das Motorrad, Oldtimer, Lesen, Fotographie, Natur, Reisen usw.
Seit dem ging es für mich bergauf.
Wenn deine sozialen Kontakte gegen 0 gehen und du dieses Jahr nur eine Person 4x gesehen bzw. dich mit dieser getroffen hast, dann bist du also auch sozial isoliert... Wobei ich mich schon frage, was das für eine Fahrt war, wo man lediglich hintereinander fährt, ohne sich davor oder danach irgendwie auszutauschen.
Darf ich fragen, wie alt du bist? Das ist für mich schwer einzuschätzen. Einerseits glaube ich nicht, dass du noch 20 oder 25 bist, weil die wenigsten in diesem Alter ein Motorrad besitzen dürften. Andererseits klingst du von deinem Schreibstil her noch ziemlich jung, wobei ich mich hier natürlich auch täuschen kann.
Falls du aber tatsächlich noch um einiges jünger sein solltest als ich, soll das in keiner Weise eine Abwertung der Problematik bedeuten, weil ich selbst schon mit 20 in einer Klinik war. Und doch ist es jetzt, wo ich auf die 50 zugehe, nicht besser geworden, die Lösungswege sind nach immer mehr summierten Enttäuschungen sozusagen erschöpft.
Dein Denken kann ich nicht ganz nachvollziehen. Du fokussierst auf bestimmte Leute um dich herum, bedenkst aber nicht, dass es sich in Relation um einen geringen Teil handelt, den du aber für dich als Maßstab nimmst, um dir selbst zu suggerieren, eine bessere Lösung gefunden zu haben, indem du - so wie du es geschrieben hast - in deinem Schneckenhäuschen (so wie ich ja auch) verweilst. Was aber ist mit den glücklichen oder zumindest zufriedenen Paaren oder Einzelpersonen im Ort, in der Nachbarschaft, auf der Arbeit etc.? Und wie lebenswert ist ein Leben ohne Nähe, Zuneigung und Partnerschaft? Falls du tatsächlich (viel) älter sein solltest als ich, finde ich es bemerkenswert, wenn du deinen Zustand so aushalten kannst - falls du aber um einiges jünger bist, dann kann ich aus Erfahrung sagen, dass es für einige Zeit gut gehen kann, mit zunehmendem Alter allerdings immer schwieriger wird, diesen Zustand aufrechtzuerhalten.
Ich habe zwar ein Hobby (Musik), aber ich bin schon seit längerem nicht mehr dazu motiviert, weil ich nicht weiß, wofür ich die machen soll. Nur für mich? Ich weiß eigentlich auch nicht mal, wozu ich trainiere - nur, um mich fit zu halten? Warum?