Wenn deine sozialen Kontakte gegen 0 gehen und du dieses Jahr nur eine Person 4x gesehen bzw. dich mit dieser getroffen hast, dann bist du also auch sozial isoliert... Wobei ich mich schon frage, was das für eine Fahrt war, wo man lediglich hintereinander fährt, ohne sich davor oder danach irgendwie auszutauschen.
Wenn die Zeit da ist, würde man das auch machen. Wenn aber eine Nachricht kommt, hab zwei oder drei Stunden Zeit für eine Runde zu drehen, dann ist man fast nur unterwegs.
Das ist halt das Problem der Menschen in Beziehungen mit Kindern. Wenn die Frau am Arbeiten ist oder Rufbereitschaft hat kann er nicht weg. Dann ist ein Termin mit Schule, die Kinder wollen was oder die Frau hat was geplant. Da kam auch öfters der Satz, dass er mich manchmal beneidet. Einfach das tun was man will und wann man es will.
Darf ich fragen, wie alt du bist? Das ist für mich schwer einzuschätzen. Einerseits glaube ich nicht, dass du noch 20 oder 25 bist, weil die wenigsten in diesem Alter ein Motorrad besitzen dürften. Andererseits klingst du von deinem Schreibstil her noch ziemlich jung, wobei ich mich hier natürlich auch täuschen kann.
Falls du aber tatsächlich noch um einiges jünger sein solltest als ich, soll das in keiner Weise eine Abwertung der Problematik bedeuten, weil ich selbst schon mit 20 in einer Klinik war. Und doch ist es jetzt, wo ich auf die 50 zugehe, nicht besser geworden, die Lösungswege sind nach immer mehr summierten Enttäuschungen sozusagen erschöpft.
Ich bin nur ein paar Jahre hinter dir.
Dein Denken kann ich nicht ganz nachvollziehen. Du fokussierst auf bestimmte Leute um dich herum, bedenkst aber nicht, dass es sich in Relation um einen geringen Teil handelt, den du aber für dich als Maßstab nimmst, um dir selbst zu suggerieren, eine bessere Lösung gefunden zu haben, indem du - so wie du es geschrieben hast - in deinem Schneckenhäuschen (so wie ich ja auch) verweilst. Was aber ist mit den glücklichen oder zumindest zufriedenen Paaren oder Einzelpersonen im Ort, in der Nachbarschaft, auf der Arbeit etc.?
Ganz klar trifft das nicht auf alle zu. Aber schau dir doch einfach mal die Zahlen nüchtern an.
Wir haben in Deutschland eine Scheidungsrate von ca. 40%. Und bis zu Hochzeit muss eine Beziehung erstmal kommen. Also auch eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit, dass es vorher schon in die Brüche geht.
Von den verbleibenden Verheirateten hast du dann die, die eigentlich nur wegen der Kinder noch zusammen sind. Hinzu kommen die, denen eine Scheidung einfach zu teuer ist oder den finanziellen Ruin bedeutet. Die Leute, die in einer Beziehung hängen, weil sie denken, dass eine beschissene Beziehung besser ist, als alleine zu sein.
Ich kam für mich, allein aufgrund der Zahlen, zu der Einsicht, dass es vollkommen irrational ist, auf etwas so fokussiert zu sein, was mit einer so hohen Wahrscheinlichkeit überhaupt nicht zu dem wird, was ich suche.
Und gerade wenn man verbissen auf der Suche ist, ist das Risiko hoch, dass man für eine Beziehung Kompromisse eingeht, die später die Beziehung belasten oder zum Scheitern bringen.
Und wie lebenswert ist ein Leben ohne Nähe, Zuneigung und Partnerschaft? Falls du tatsächlich (viel) älter sein solltest als ich, finde ich es bemerkenswert, wenn du deinen Zustand so aushalten kannst - falls du aber um einiges jünger bist, dann kann ich aus Erfahrung sagen, dass es für einige Zeit gut gehen kann, mit zunehmendem Alter allerdings immer schwieriger wird, diesen Zustand aufrechtzuerhalten.
Wie lebenswert ist ein Leben in einer Beziehung die toxisch ist? Oder in einer Beziehung in der man belogen oder betrogen wird. Die von heute auf morgen von der anderen Seite beendet wird? Oder nach 10 Jahren herauszufinden, dass die Kinder nicht von einem selbst sind.
Jeder hat die Angewohnheit, dass er dem hinterhertrauert, was er nicht hat. Der Familie die von staatlicher Unterstützung lebt einem finanziell sorgenfreiem Leben, der Single der Beziehung. usw.
Das ist vollkommen normal. Das Problem oder die Erkenntnis für mich war aber irgendwann, dass man sein Leben nicht von dem bestimmen lassen darf oder sein Leben ausschließlich darauf auszurichten, daran was zu ändern und dabei alles andere vergisst.
Ich würde mich mittlerweile als geselliger Einzelgänger bezeichnen. Es ist nicht so, dass ich mich nicht freue, wenn ich mal die Gelegenheit habe, mich stundenlang mit jemanden zu unterhalten oder wenn sich irgendwie mehr anbahnt.
Ich brauche es aber nicht mehr um glücklich und zufrieden zu sein und ich richte mein Leben nicht nach der Suche danach aus.
Und das ist auch der Grund, warum ich dieses Jahr so wenige gesehen habe. Ich bin jedes Jahr rund 5 Wochen auf Reisen. Habe diesmal für die Planung, Vorbereitung und Nachbereitung relativ viel Zeit gebraucht. Auf der Arbeit war viel los, dann schalte ich lieber auf dem Motorrad oder in der Natur etwas ab usw. Mir waren Dinge wichtiger und haben mir mehr Spaß gemacht, als irgendwo hinzugehen, wo die Chance auf Kommunikation bestehen würde.
Ich habe zwar ein Hobby (Musik), aber ich bin schon seit längerem nicht mehr dazu motiviert, weil ich nicht weiß, wofür ich die machen soll. Nur für mich? Ich weiß eigentlich auch nicht mal, wozu ich trainiere - nur, um mich fit zu halten? Warum?
Die Frage hatte ich mir auch Jahre gestellt. Und die Antwort ist ganz einfach, du tust es für dich und weil es dir gut tut oder Spaß macht.
Und dabei kommen auch Chancen, mit anderen in Gespräch zu kommen.
Und das soll jetzt nicht automatisch bedeuten, dass das für dich der richtige Weg ist. Den muss jeder für sich selbst finden. Aber seinen Fokus auf der Einsamkeit zu lassen und den Blick für alles andere positive im eigenen Leben zu verlieren, dürfte für so ziemlich jeden der falsche Weg sein.