man kann auch ohne Depression eine Antriebsstörung haben oder entwickeln. Er ist den ganzen Tag zu Hause und dadurch kann er sich schlecht aufraffen, was zu tun. Das verstehe ich total. Wenn man arbeiten geht, fällt einem der Haushalt schwer, weil man nach der Arbeit müde und kaputt ist, ggf Schmerzen hat, dennoch ist noch genug Adrenalin und Spannung im Körper vorhanden, dass man noch funktionieren kann, den Haushalt dann auch schnell erledigt und nichts auf die lange Bank schiebt.
Ist man zu Hause, wird man träge, antriebslos und es fehlt der geregelte Tagesablauf, der ja im Prinzip einem Zwang unterliegt ( feste Uhrzeiten zum Aufstehen, Arbeitszeiten usw). Man steht immer unter einer gewissen Grundspannung, weil man arbeiten geht, Termine neben der Arbeit unterbringen muss, den Haushalt etc, das alles fällt zu Hause weg und man hängt durch ( nicht jeder Mensch natürlich, aber Menschen sind verschieden, und keiner ist besser nur weil er sich besser aufraffen und disziplinieren kann!)
Im Prinzip ist beides belastend. Arbeit, Haushalt und all das mit dem Ergebnis, das man im Dauerstress ist und zuwenig Ruhephasen hat.
Andersrum den ganzen Tag Freizeit, aber eben auch keinen Tagesrhytmus, kein positives Feedback von anderen, keine Kontakte zu Kollegen bzw oft auch kein Antrieb trotz Freizeit nach draussen zu gehen. Da fällt es dann schwer, sich für den Haushalt zu motivieren, zumal das ja auch etwas ist, was viele generell eh nur als unangenehme und lästige Pflicht empfinden....
Vorurteile und nach wie vor Rollenbilder spielen hier tatsächlich auch noch eine Rolle....
Kein Mensch nimmt es einer Hausfrau bspw übel, wenn sie zu Hause bleibt, weil der Mann genug verdient oder sie nur einen Minijob oder Ehrenamt nachgeht und nur 10 Stunden die Woche arbeitet. Da gibt es kaum solche gehässigen Kommentare über jemanden, in dessen Schuhen man noch nie gelaufen ist und seine Beweggründe oder Problematik nicht nachempfinden kann, also wird draufgeklatscht, fertig.
Aber natürlich muss sich was ändern. Du musst entlastet werden. Nur kann niemand hier beurteilen, wie eure Wohnung aussieht zb. Vielleicht sieht ja die Wohnung okay aus und ihr habt völlig unterschiedliche Vorstellungen von Sauberkeit. Einer macht sein Bad einmal pro Woche und ein anderer putzt es 3 mal am Tag....
Macht er die Wäsche so selten, dass sich die Dreckwäsche türmt oder störst du dich bereits an jedem Korb Wäsche, der mal nicht am selben Tag weggeräumt worden ist?
Vielleicht bist du auch derart gestresst und genervt, dass dich schon Kleinigkeiten wütend machen?
Musst du den Nebenjob unbedingt weitermachen?
Was könnte er konkret ändern, wenn er nicht arbeiten gehen will? Also konkret im Haushalt? Kocht er für dich, wenn du nach Hause kommst? Könntet ihr euch auf ein gewisses Minimum an Hausarbeit einigen, zb mit einem festen Putzplan, den er dann auch unterschreiben und täglich durchführen muss?
Könntet ihr euch mal richtig aussprechen, ohne gleich mit Vorwürfen zu kommen?
Grundsätzlich müsst ihr das klären und solltet euch nicht davon leiten und beeinflussen lassen, was andere denken, was die Gesellschaft als " normal" deklariert und vorgeschrieben hat und wie es gefälligst zu sein hat. Ihr müsst einen Weg und Einigung finden, mit dem ihr beide leben könnt.