K
Katyyy
Gast
Der Mann hat von seinem Vater geerbt und im gleichen Zug gesagt dass er ab jetzt nicht mehr arbeitet sondern von seinem Erbe lebt.
So war das nicht. Mein Freund hat nach dem Tod seines Vaters schon noch ein Weilchen gearbeitet. Außerdem konnte er nicht ahnen, dass er zu so einem frühen Zeitpunkt das ganze Erbe bekommen würde. Sein Vater ist früh und unerwartet verstorben, der war nicht krank und schon gar nicht jahrelang.
Die Behauptung mit der Festanstellung stimmt auch nicht wirklich. Auch ich war früher jahrelang bei der Zeitarbeit, wurde von mehreren Kunden immer wieder angefragt und eingestellt - aber nur über die Zeitarbeit, einen Festvertrag bekam ich nicht. Den habe ich bekommen, nachdem ich mich aus Eigeninitiative auf viele Stellenanzeigen beworben hatte. Es hat sehr lange gedauert, bis ich endlich erfolgreich war. 4 Jahre lang habe ich das immer wieder gemacht, mehrere Bewerbungstrainings besucht, zahlreiche Bücher über Bewerbungen und Vorstellungsgespräche verschlungen, viel Geld dafür ausgegeben - und wurde trotzdem ständig abgelehnt, bis es endlich geklappt hat.
Zeitarbeit ist okay, wenn man das vorübergehend für ein paar Wochen oder Monate macht, um wieder den Einstieg ins Berufsleben zu schaffen (ich hatte davor einen Job mit befristetem Vertrag, der nicht verlängert wurde und wollte danach auf keinen Fall arbeitslos sein - deshalb bin ich in die Zeitarbeit).
Wenn man aber in dieser Branche anfängt und sich nicht schnellstmöglich um eine Festanstellung kümmert, kommt man schwer wieder aus der Zeitarbeit raus. Ich habe damals denselben Fehler gemacht wie mein Freund und mich darauf verlassen, dass ich bestimmt irgendwo übernommen werde, wenn ich nur schön fleißig bin und meine Leistungen bringe. Auch ich war in der Anfangszeit zu bequem, um Bewerbungen zu schreiben. Auch ich hatte keine Lust, mich nach Feierabend noch mit solchen Dingen zu beschäftigen und wollte lieber meine Freizeit genießen. Das ist mir irgendwann zum Verhängnis geworden. Ich saß in der Zeitarbeit fest und kam lange nicht mehr dort weg.
Viele Arbeitgeber denken sich nämlich beim Lesen der Bewerbungsunterlagen: "Oh... der/die ist jetzt schon 4, 5, 6... Jahre bei der Zeitarbeit. Warum tut er/sie sich das nur an? Irgendwas stimmt nicht mit ihm/ihr." Dann hat man keine Chance mehr auf den Job, egal wie viel Mühe man sich mit der Bewerbung gegeben hat. Haben mir auch schon Freunde bestätigt, die selbst eigene Unternehmen leiten oder in Personalabteilungen tätig sind. Viele Menschen, die seit Jahren bei der Zeitarbeit sind, werden im Bewerbungsprozess wie Langzeitarbeitslose behandelt.
Während ich aber trotz vieler Rückschläge niemals aufgegeben habe, hat mein Freund eines Tages resigniert. Ich wünschte mir, ich wüsste eine Lösung, um ihm mehr Kraft und Zuversicht mit auf den Weg zu geben.