Ich finde es erstaunlich wie du dir aufgrund deiner "Welterfahrung" ("bei uns im Dorf..." , oh yea, und natürlich Kuba) erlaubst Menschen in diesem Forum als vom "Stamme Nimm" zu klassifizieren, statt ein potentiell (welt-)gesellschaftspolitisches Dilemma z.B. zu sehen. Soweit ich mitbekommen habe geht es im Thread um Brötchen und um die, aus meiner Sicht durchaus streitbare Frage, was ein solches - unter verschiedenen diskutablen Aspekten (wie gezeigt) betrachtet- kosten darf? Darüber darf man hier, thx god, geteilter Meinung sein und muss sich nicht "Arbeitgebern" (hallo? ist das ein besonderer unantastbarer Adel, weil jemand der Arbeit vergibt? Tolle Leistung! chapeau...), die "[...] ungelernte Frauen einzustellen, die dann recht kurzfristig schwanger werden [..]" oder dir anbiedern deswegen. In China sieht da
Sorry für die verspätete Antwort. Ich konnte technisch nicht antworten.
Meine Welterfahrung besteht auch darin, zu wissen, daß die Bäckerei vor 30-40 Jahren tatsächlich noch ein Handwerk war. Weißt Du noch, was das ist? Handwerk? Früher hat der Bäcker A gute Weckerl gemacht, und beim Bäcker B war das Brot besser, bei Bäcker C waren die Backwaren generell nicht so gut, aber wenn man Kuchen und Torten kaufen wollte, war man da an der richtigen Adresse. Das war der Stand 1990 in einer 2500-Ew-Gemeinde. Eine der Bäckereien hat aus Altersgründen geschlossen. Die anderen sind auch zu mittlerweile.
Früher hat es für einen Hefeteig, der mal ein Baguette werden sollte, nichts gebraucht als Mehl, Hefe, Salz und Wasser...und die Erfahrung des Bäckers in der Teigführung und beim Backen. Ganz klar, braucht Manpower und will immer weiter gut bezahlt werden.
Die Lebensmitteltechnologie hatte damals schon die Antwort darauf in Form von Backmischungen etc. und mittlerweile ist es soweit, daß TK-Teiglinge aufgebacken werden, alles in allem geliefert von ein paar multi oder sogar global players.
Das heißt, man frisst europaweit eigentlich denselben Scheißdreck und weil die EU das weiß, braucht es dafür nicht einmal zwingend eine vollständige Zutatenliste.
In der Gastronomie ist es noch schlimmer. Man kann tatsächlich mit sieben Lieferanten eine Menükarte bis in den High-End-Bereich anbieten, ohne daß jemand in der Küche steht, der aus dem Stand eine Kalbsjus ziehen oder eine Hollandaise herstellen kann.
Es ist sogar schon so weit, daß eine Stadt einen Gastronomen subventioniert, damit er anstatt nur drei fünf Tage abends aufsperrt, damit die Gäste der Privatvermieter eine Möglichkeit haben, abends abseits von Döner und Co. Essen zu gehen.
Da kann es passieren, daß Leute, die 2015 in einem Betrieb geheiratet haben und für einen Braten pro Braten pro Portion damals 10,50 Euro bezahlt haben und das 2022 für eine Taufe 4,30 Euro teurer wird, Salat extra.
Selbst in 4 oder 5-Sterne-Hotels heißt Zimmerservice nicht mehr, das Bad wird gewischt und das Zimmer gesaugt. Jetzt heißt es: Betten aufschütteln, Mülleimer leeren, benutzte Handtücher wechseln, Klorolle nachfüllen. Und in den Kategorien darunter nicht einmal mehr das. Wellness-WE hier heißt, man sieht die ganze Zeit kein Zimmermädchen mehr. Per Sheet im Zimmer wird man darauf hingewiesen, wo es Klopapier gibt, falls benötigt, wo man die Müllstation findet, Handtücher kann man in einem engen Zeitfenster an der Rezeption tauschen und will man mehr, kann man das per SMS buchen. Kostet natürlich extra, in dem Hotel, in dem wir im Januar waren, hätte es 10-18 Euro gekostet.
Es sind viele Jobmöglichkeiten weggefallen. Gerade für Menschen, die ungelernt sind oder sich nur etwas hinzuverdienen wollten.
Mir ist auch klar...in Ballungsräumen, wo selbst ein Loch immer noch 600 Euro kalt kostet, braucht man ein höheres Einkommen. Aber hier bekommt man eine 50qm-Wohnung für 250 Euro warm. Baugrund um einen Quadratmeterpreis von 95 Euro, voll erschlossen, kann man auf drei Jahre abstottern. Hier braucht aber jeder, der arbeiten möchte, ein Auto oder man fährt gerne Fahrrad.
Das gibt es übrigens auch, Winterreifen für Fahrräder.
Ich weiß nicht, was mit uns los ist. Wir sind übergeschnappt.
Bei uns heißt es immer nur: mehr verdienen bei weniger Arbeit (und weniger Wissen, das kommt noch dazu), denn auf jeden Fall muß die work-life-balance stimmen.
Früher, als ich Kind war, bekam ich Winterjacken, die mir immer ein wenig zu groß waren, denn sie sollten mir nicht nur einen Winter passen, sondern möglicherweise noch einen zweiten, denn Klamotten waren teuer und das Geld knapp. Heute haben Kinder..,.ich mag gar nichts mehr sagen...Violetta Valerie hat einen Thread eröffnet über Klamotten, worin schon viel gesagt wurde.
Ist euch eigentlich klar, auf was wir hier in Europa zusteuern?
Wir produzieren fast nichts mehr, Produktion haben wir fast alles ausgelagert oder fusioniert. Wir verschieben nur noch Waren und Dienstleistungen, sofern vorhanden, wollen fürstlich bezahlt werden dafür. Wir produzieren nur mehr im High-End-Bereich.
Es gab schon mal so eine ähnliche Gesellschaft, ca. 1860 im Süden der USA.
Unser Gesellschaft hier lebt von dem, was die zwei, drei Generationen aufgebaut haben wie von der Made im Speck. Aber lange wird das nicht mehr so gehen. Denn wir können fast nichts mehr, praktische Fähigkeiten sind uns fast völlig aberzogen worden.