Auch der Reiche kauft nicht den Supermarkt leer, warum sollte er auch?
Öhm...na genau aus dem Grund, den Du selber in deinem Beispiel beschreibst:
na aus GENAU dem Grund
In den USA gab es mal eine Flutkatastrophe. Daraufhin waren viele öffentlichen Wasserquellen verschmutzt und das abgepackte saubere Flaschenwasser in den Supermärkten war extrem teuer. Warum? Weil plötzlich alle das Flaschenwasser wollten. Knappheit eben.
Der Preis ist der Verteilschlüssel einer knappen Resource. Ist der Preis hoch, kaufen Menschen eher weniger.
Auch der Reiche kauft nicht den Supermarkt leer, warum sollte er auch? Auch für ihn ist das Wasser derzeit ja extrem teuer und es macht für ihn keinen Sinn zu dem hohen Preis einen Jahresvorrat anzulegen.
Der hohe Preis wiederum sorgt aber dafür, dass aus anderen Landesteilen Wasser herbeigeschafft wird, weil jeder sieht "oh da kann ich gut verkaufen". Die Knappheit wird also vom Markt selber gelöst durch eine Art unsichtbare Hand gelöst.
Bitte entschuldige, aber das ist wirklich sehr naiv gedacht und dass es so einfach nicht abläuft haben wir doch letztes jahr wirklich ALLE sehen können. Erinnere Dich doch an unsere Hamsterwelle zu Beginn der Coronakrise: Da war NICHTS von einer unsichtbaren Hand, die alles über den Preis gelöst hätte... man hat auch nicht einfach so mehr Klopapier oder Masken herbeigeschafft und es war auch nichts davon zu spüren, dass die Leute durch die überhöhten Preise (deinfektionsmittel für 10 Euro für 100 ml?) zur Vernunft gekommen wären und weniger gekauft hätten. Im Gegenteil!
Die Preise sind noch mehr explodiert, es wurde noch hirnloser gehamstert und es hat sich sogar ein Schwarzmarkt gebildet.
In Notsituationen wird gehamstert. Der Weg, in Notsituationen benätigte Güter zu verteuern führt
nicht dazu, dass nicht mehr gehamstert wird: Es führt nur dazu, dass sich nicht mehr JEDER das Hamstern leisten kann und eben nur noch "die Reichen" hamstern. Logisch oder?
Das Verteuern hat aber noch einen weiteren "Nebeneffekt": Nicht nur, dass sich nicht mehr jeder das Hamstern leisten kann: Es wird am unteren Rand der Einkommensverhältnisse eben auch Leute geben, die sich auch keine normalen und nötigen Mengen mehr leisten können. GENAU da liegt das Problem!
Das ist ja die Ironie: Gerade der Versuch von Staaten Güter fair zu verteilen, führt in die Armut.
Und der Versuch, die Güter nicht fair zu verteilen führt nicht in die Armut?
Das ist mir alles zu schwarz weiß gedacht: wie gesagt: Es gibt nicht nur den freien markt und die Planwirtschaft. Es gibt ne Menge dazwischen. Und es geht auch nicht darum, ALLES zu 100% vorbestimmt zu verteilen (keine Ahnung, wer das immer wieder behauptet). Es geht darum, dass dort wo es um Lebensnotwendige Bedürfnisse geht (nahrung, Wohnraum, gesundheit usw) man das Hop oder Top der Einzelperson eben NICHT vom Geld abhängig machen will und sollte. Das ist ein fundamentaler Unterschied!
Dort wo Not auf Gier trifft sollte der Staat eingreifen: Dort wo es um Wünsche, Vorlieben, usw geht (also immer dort, wo Verzicht auch eine Option wäre), da muss er das freilich nicht.
Aber immer dort, wo Verzicht keine Option ist, ist der Markt sowieso NIEMALS frei!
Nehmen wir mal an, Du bist am ersaufen und ich sage: "hey, ich hab hier einen Schwimmring: Magst Du den haben? Kostet aber 1000 Euro." Dann wirst Du mir hinterher sicher nichts von Angebot und Nachfrage erzählen sondern eher von unmoralischer Ausnützung deiner Notlage, oder? Aber eigentlich war es doch ein fairer Deal: Du wolltest ihn doch unbedingt haben und ich habe einfach nur einen Preis verlangt, den Du bereit warst, zu geben, oder?
Wenn Du aber gemütlich im Wasser planschst und ich Dir meinen 1000Euro Rettungsring andrehe, weil Du den so cool findest, dann war das der freie Markt: ich hatte das Angebot und Du die Nachfrage!
Und da wir uns nunmal als Sozialstaat sehen (also die meisten wollen einen Sozialstaat: Es ist bei uns demokratischer Wille, dass wir eben nicht reinen Kapitalismus fahren) muss es eben gewisse staatliche Maßnahmen geben, die dem freien markt auch mal Grenzen setzen: nämlich dort, wo es eben unserer Gesellschaft schaden würde.
DARUm geht es: Dass der Staat dort eingreift, wo aus Not Kapital geschlagen wird.
Also um bei Deinem Beispiel zu bleiben: Kein Trinkwasser und abgepacktes Wasser ist Mangelware. Der Preis steigt und zusätzlich zum realen Bedarf der Leute (also der Not) kommt auch noch der Reiz der Verknappung: Wie wir alle wissen: Verknappung schafft begehrlichkeiten. DH das Produkt wird noch anziehender als es eh schon ist und der Wunsch, immer mehr zu besitzen steigt.
Also nichts von wegen: Die Leute werden durch den Preis besonnen und kaufen nicht so viel: Das Gegenteil wird passieren. Sie kaufen es erstrecht und in unüberlegt hohen mengen und zu unüberlegt hohen Preisen.
Genau das ist doch das Marketingprinzip der künstlichen Verknappung: Das führt NICHT dazu, dass die Leute weniger kaufen, es führt dazu, dass die Begehrlichkeit steigt und die Leute bereit sind mher und zu höheren Preisen zu kaufen als nötig wäre!
DH, wer es sich leisten kann, kauft noch mehr Wasser als er eigentlich bräuchte. und wer es sich nicht leisten kann geht im schlimmsten fall leer aus.
Durch den Preisanstieg hast Du also nur die Knappheit anders verteilt: Es haben dann eben - wie so oft im Leben- die Reichen deutlich mehr als sie brauchen und der Rest zu wenig oder nichts.
(Das mag bei Meissner Porzellan noch OK sein, aber bei lebensnotwendigen Gütern wie Wasser oder Wohnraum ist das doch nun wirklich was anderes)
Und genauso hatten wir es doch erlebt nicht wahr? Erinnere Dich doch an die Sache mit den Masken oder den Test oder dem Desinfektionsmittel. Die waren ja teilweise unverhältnismäßig teuer: und trotzdem hat das nicht dazu geführt, dass Menschen sich nur noch mit den nötigen Mengen eingedeckt haben, sondern es wurde nach wie vor Gehamstert, ja es wurde sogar in Kliniken geklaut. Also von Besonnenheit und der unsichtbaren Hand, die das ganze regelt war doch weit und breit nichts zu erkennen.
Oder denke doch mal an das Klopapier: Da wurde Klopapier gehamstert und auf Ebay zu Horrorpreisen verhöckert. haben diese Preise dazu geführt, dass menschen nur noch die benötigten mengen gekauft haben? Also ich bin mir sicher, das in so manchem Keller nach wie vor ein Lebensvorrat an Klopapier lagert.
Wenn das Hirn ausschaltet regelt auch der Preis nichts mehr.
Die Lage hat sich doch erst dann wieder harmonisiert, als die Supermärkte die Abgabemengen quasi von oben rationiert haben: DANN erst kam sowas wie Vernunft und Fairness zurück und jeder hatte zumindest eine Chance auf seine benötigten Mengen.
In so einem Fall braucht es halt Regeln von oben, die die Fairness herstellen.
Also DAs haben wir ja nun wirklich letztes jahr lernen können.