Also erstmal halte ich einen Kinderwunsch grundsätzlich für egoistisch, denn niemand entscheidet sich für ein Kind, weil er/sie dem Staat zukünftige Steuerzahler schenken will. Man will Kinder, weil man glaubt, mit ihnen glücklicher zu sein als ohne. Es geht also um das eigene Glück. Aber das ist ok, solange man nicht Kinder in völlig unpassende Verhältnisse setzt.
Ich würde dir eher zu Co-Parenting raten. In meinem Umfeld haben gerade viele Leute Babys oder kleinere Kinder, und das erscheint mir so unglaublich anstrengend. Ich persönlich könnte mir nicht vorstellen, das alleine zu schaffen. Ausserdem konnte sich keine/r meiner Bekannten vor der Geburt des ersten Kindes vorstellen, was Elternsein wirklich bedeutet. Vor dem ersten Kind hat man noch romantische Vorstellungen von Familie, die dann angesichts von Schlafmangel und Problemen beim Stillen etc. schnell der Realität weichen. Eine Freundin hat kurz vor 40 noch ein Kind bekommen und war die ersten zwei Jahre komplett überfordert inklusive Burnout.
Damit will ich dir aber nicht deinen Kinderwunsch madig machen, sondern lediglich zu bedenken geben, dass Kinderkriegen nicht nur eitel Freud und Sonnenschein ist und Unterstützung durch den Kindsvater nicht zu unterschätzen ist. Ich habe beruflich manchmal mit Jugendlichen zu tun, die auf die schiefe Bahn geraten sind. Deren Mütter sind zu 80 Prozent (meine grobe Schätzung) alleinerziehend, die Väter abwesend. Das soll kein Vorwurf an Alleinerziehende sein, zumal die wenigsten sich das ausgesucht haben. (Den Vorwurf muss man wenn schon den desinteressierten Vätern machen.) Aber die Mütter meiner „Klienten“ sind einfach überfordert. Natürlich gibt es viele Alleinerziehende, die das toll hinkriegen. Aber ich denke, das weiss man nicht im Voraus.
Mit Co-Parenting hätte dein Kind eine zusätzliche Bezugsperson und Vaterfigur. Der Vater könnte dich entlasten, auch finanziell natürlich. Und du könntest dir regelmässig eine Auszeit nehmen um deinen Akku wieder aufzuladen.