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Gelöscht 114919
Gast
Hier widerspreche ich. Ich glaube (mit Ausnahme der Umbruchgeneration dann), dass wir schulische Bildung auf lange Sicht betrachten, immer noch welche haben werden. Man muss wahrscheinlich überdenken, was wir nun zur Allgemeinbildung zählen. Mit BGE wird diese definitiv runterreduziert werden. Aber es ist das Fundament aller Pädagogik und Bildung, dass Kinder eine natürliche Neugier haben (Schlagwort: Piaget). Ich glaube unser aktuelles Schulsystem tötet diese aber mit zunehmendem Alter ab. Schulbildung wird wahrscheinlich nicht mehr so breit gefächert sein wie heute. Die Kinder vertiefen sich in Grundlagen und dann eben in das was sie interessiert. Dadurch, dass Schule vielleicht zwangloser wird, wird auch mit Lernen möglicherweise nicht mehr so viel Negatives verbunden. Im Gegenteil, die Kinder ziehen durch anwendbares Wissen vielleicht sehr viel direkte Freude daraus. Denn auch Lernen kann Glücksgefühle hervorbringen und süchtig machen. Kinder, wenn sie in die Grundschule kommen, sind häufig zu Beginn auch sehr motiviert, Lesen zu lernen, Zählen zu können oder einfach die soziale Interaktion außerhalb der Familie. Und diese Kinder mit 6/7 sind sich über die Systeme unserer Gesellschaft noch nicht so sehr bewusst. Wenige Kinder wissen nämlich jetzt schon was sie werden wollen und wie sie das erreichen. Die Aussage "Wenn ich groß bin, will ich mal Tierärzt*in werden" impliziert ja sehr stark den Zusammenhang von Alter und Profession, nicht unbedingt von Profession und Bildungsweg. Kinder sind in diesem Alter noch nicht so elastisch in ihrem Denken. Ich verweise gerne erneut auf Piaget und seine Stufen der kognitiven Entwicklung, wobei hier Stufe 3: Konkret-operationale Phase (ab dem 8. Lebensjahr bis zum 11.) relevant ist.Aber mit BGE neigen tendenziell mehr Jugendliche dazu, die schulische Bildung zu vernachlässigen bzw. keine Ausbildung aufzunehmen.
Wie auch gesagt, der Wissensradius wird angewandter und kleiner sein. Aber ich sehe das auch nicht als ganz dramatisch, sofern Grundlagen (Mathe, Rechtschreibung, Lesen, etc.) vorhanden sind. Ein/e Tierärzt*in muss nicht Faust gelesen haben, um gut zu sein. Ein/e Ingenieur*in muss nicht ein Instrument gelernt haben. Ein/e Verwaltungsfachangestellte*r (mittlere Reife i.d.R.) muss nicht wissen, wie elektrischer Strom auf Teilchenebene läuft. Vielleicht legen wir auch in Deutschland unser noch recht scheinfokussierendes System ab. Vielleicht gibt es Freilerner, die ein ähnliches Fachwissen aufzeichnen können, wie jemand, der den offiziellen Weg (Schule-Ausbildung(evtl. noch Studium)) durchlaufen ist, dem aber ggf. die Möglichkeit verwehrt wird, einzusteigen, weil es ihm an einem Bund Papier fehlt.
Zentral auch hier wieder: Die Chance, dass das Kind eine berufliche oder schulische Laufbahn verfolgt, wird nicht unbedingt direkt durch das BGE bestimmt, sondern hauptsächlich durch die Vorbildfunktion von den Eltern.