Was mich persönlich bei diesesn Diskussionen stört ist: Natürlich gibt es Ungleichbehandlungen und natürlich sollte man darüber auch sprechen nur leider kommt NIE ein wirkliches Gespräch darüber in gang, weil SOFORT darüber geredet wird, dass es ja:
- Auch Frauen gibt, die Männer hinter Licht führen
- Es ja auch Frauen gibt, die "selber schuld" sind, dass sie weniger verdienen.
JA, das gibt es auch, aber ist damit die TAtsache, DASS es Geschlechtsdiskriminierung gibt vom Tisch? NEIN! Doch eigentlich nicht!
Aber für manche eben schon. Was hilft es einer Frau, die beruflich benachteiligt wird, weil sie eine Frau ist, dass es auch Frauen gibt, die selber daran schuld sind? Das hilft garnichts?
Aber die Unterhaltung dreht sich trotzdem immer darum und nie um die wirklichen Fälle von Diskriminierung.
Ist es realistisch, die Ungleichbezahlung von Frauen rein daran fest zu machen, dass Frauen ja irgendwie "zu blöde" seien, sich für mehr Gehalt einzusetzen, oder dass sie halt freiwillig weniger nehmen?
Das ist doch nicht realistisch!
ich finde, diese Themen sollte man deutlich trennen: Also wenn man über Diskriminierung reden will sollte man auch über Diskriminierung reden (können) und eben nicht über falsche Vergewaltigungsvorwürfe oder Frauen, die freiwillig auf Karriere verzichten oder zu dümmlich sind, sich "mehr" zu holen.
Das ist ein Extra Thema, über das man AUCH reden kann, nur leider ist es eben so, dass mit diesem Seitenthema die eigentliche Diskussion immer gekappt wird. Und das ist wohl auch der Grund, warum Frauen nach wie vor in einigen Bereichen Schwierigkeiten haben, oder mehr Einsatz für die gleiche Anerkennung zu bringen: Wenn sie dort auch auf Vorgesetzte trifft, die ebenso eine Einstellung haben ("Eine Frau, die weniger verdient ist selber schuld") hat sie es schwer.
Das ist ebenso vergleichbar mit dem Mann, der um das Sorgerecht streitet und an einen Richter gerät, der von beginn an die Einstellung hat: Ein Mann, der von seiner Frau verlassen wurde, hat eh Dreck am Stecken und dann ist das Kind bei ihr besser aufgehoben (und solche Richter gibt es)
Menschen, die automatisch das Autreten eines (Wie auch immer gearteten) Problems als "Beweis" für die Unfähigkeit dessen einordnen, der das Problem hat, sind eigentlich einer Weiterentwicklung verschlossen. Und gegen die kommt man dann kaum an. Blöd, wenn genau solche Menschen in Entscheidungspositionen sind.
Deswegen bin ich ziemlich frustriert, was dieses Thema angeht: Weil ich oft solche Ungerechtigkeiten erlebe und beobachte, aber auf der anderen Seite merke: Große Teile der Gesellschaft wollen das nicht sehen, denn was nicht sein darf, ist auch nicht! Wir sind ja schließlich eine Fortschrittliche Gesellscahft. Da ist kein Platz für sowas. Offenbaar ist unsere Gesellschaft für echte Gleichberechtigung noch nicht reif genug
Man ein Beispiel aus meinem eigenen Leben (und da könnte ich viele nennen, die mir oder Freundinnen/Bekannten von mir widerfahren sind): Ich habe vor einem Gremium (Politiker und Geldgeber) ein Großprojekt vorgestellt, das ich mit einem Team erarbeitet habe.
Das ganze war ein ziemlich gutes Projekt und ich bin ja eben auch als Experte auf meinen Gebiet dort angetreten, dementsprechend konnte ich auch alle noch so bohrenden Nachfragen beantworten- wie man es halt von einem Fachmenschen erwartet.
Hinterher bekam ich von einem der Politiker einen Kommentar (der war freundlich gemeint, lässt aber tief blicken) in etwa: Erstaunlich, dass eine so hübsche Frau so überzeugend und kompetent auftritt!🤢
Würde das IRGENDWER zu einem Mann sagen? "Toll, dass so ein süßer typ auch noch was auf dem Kasten hat"
Ich bin kein kleines Mädel mehr sondern Fachfrau auf meinem Gebiet. sowas kann man -wenn überhaupt- zu einem Kind sagen. Aber doch nicht zu einer erwachsenen Frau. Sowas ist einfach nur unpassend und peinlich!
Und genau DAS ist die Schwelle über die man als Frau oftmals zusätzlich drüber muss: Dass man eben nicht nur als Fachfrau beurteilt wird, sondern auch die Tatsache dass man eine Frau ist mit bewertet wird. Mit anderen Worten: Allein weil ich eine Frau bin, war die Vorerwartung offenbar eine andere: Man hat mich offenbar für weniger kompetent gehalten, nur weil ich eben kein Mann bin.
Es wurde in dem Fall in den Köpfen halt nicht nur das Projekt, das ich vorgestellt habe bewertet, oder meine Kompetenz, sondern meine Kompetenz im Hinblick darauf, dass ich eine Frau bin.
Und genau DA setzt es doch an. Genau DA beginnen Ungerechtigkeiten, die leider viele in unserer Gesellschaft garnicht bemerken, aber wenn man selber betroffen ist, dann tut das weh.
Und dieses Thema wird auch dadurch nicht besser, dass es Frauen gibt, die Männer zu unrecht der Vergewaltigung bezichtigen (ja die gibt es, aber was hat das mit meiner Kompetenz als Fachfrau zu tun?) Weil es damit einfach nichts zu tun hat! Aber es ist vielleicht ein bequemes Alibi, einfach alles so zu belassen wie es ist.