@Tonny und
@Pingunin:
Was ihr schreibt, spricht mir aus der Seele. Ich habe ähnliche Erfahrungen gemacht, die ich hier nicht in epischer Breite wiederholen will, zumal ich schon oft darüber in anderen Threads geschrieben habe.
Das einzig Beruhigende an euren Ausführungen ist für mich, dass ich die Schuld wohl nicht ausschließlich bei mir selbst suchen muss. Die meisten Menschen sind eben so. Wem es bis zu einem bestimmten Alter nicht gelungen ist, eine Familie zu gründen oder wenigstens zu heiraten, der ist irgendwann außen vor. Euch wird das schon in den Dreißigern und Vierzigern bewusst. Ich bin bereits 57 und habe mich zu einem gewissen Grad damit abgefunden. Traurig und frustrierend ist es dennoch. Ich bin beruflich sehr gefordert, gerade jetzt wegen Corona und auch aus anderen Gründen. Da wäre es natürlich schön, wenn sich wenigstens am Wochenende auch mal mehr Personen von sich aus per Mail oder Telefonat melden würden, nur um zu fragen, wie es geht. Abgesehen von meinen E-Mail-Kontakten, für die ich natürlich dankbar bin, kommt da aber nichts. Jedenfalls ganz bestimmt nicht von Leuten, die ich von früher persönlich kenne und von denen ich es am ehesten erwartet hätte. Auch nicht von Verwandten. Alles Personen wohlgemerkt, denen gegenüber ich mich lange Zeit anders, nämlich viel aufmerksamer verhalten habe.
Ich finde, gerade die Corona-Situation entlarvt die Verlogenheit:
Aufgrund der Kontaktverbote
kann es derzeit ja gar keine gesellschaftlichen Verpflichtungen wie Vereinssitzungen und Großveranstaltungen mehr geben, ebenso wenig wie Partys, Feiern, Urlaubsreisen etc. . Statt dessen arbeiten viele im Homeoffice und sitzen auch in ihrer Freizeit überwiegend zu Hause herum. Wer dann trotzdem nicht mal am Wochenende Zeit hat, zum Hörer zu greifen und einen Freund anzurufen oder diesem wenigstens zu mailen, der braucht mir nicht vorzumachen, dass dieser Mensch irgendeine Bedeutung für ihn hat. Und natürlich schmerzt die Erkenntnis, für andere unbedeutend und unwichtig zu sein. Motto:
Ich habe Familie, ich bin auf dich nicht angewiesen. Ich weiß, wie es ist, wenn einem dieses von ehemals warmherzig scheinenden Verwandten oder auch von ehemaligen Schulfreunden oder Kommilitonen - "durch die Blume", versteht sich - signalisiert wird.
Ich denke, das Einzige, was hilft, ist, diese Entwicklungen als normal zu betrachten und zu akzeptieren. Und bloß nicht anderen nachlaufen und sich ausnutzen lassen! Damit demütigt man sich nur. Menschen, die glauben, mehr wert zu sein, weil sie verheiratet sind und eine "eigene" Familie haben, kann man sowieso abhaken. Erst wenn sie ihren Partner oder sonstige Familienmitglieder durch Schicksalsschläge verlieren, sind Geschrei, Gehader mit dem ach so "grausamen" Schicksal und Gejammer groß. Dann ist meine Tür allerdings auch zu - mein Schicksal hat diese Leute vorher ja auch nicht interessiert. Und wenn es mir selber dauerhaft schlecht ginge, würde ich mich eher an einen Psychotherapeuten, einen Geistlichen meines Vertrauens, eine Lebensberatungsstelle oder die Telefonseelsorge werden als an gewisse selbstgefällige Verwandte oder Pseudofreunde.