Eine berechtigte Frage, oder?
Ich habe heute im Net gelesen, dass in Deutschland mindestens 12 Millionen Menschen Singles und ohne Partner sind.
Nur jeder Dritte davon ist noch bereit, einen Flirt anzufangen... wie ich finde, eine erschreckende Zahl.
Vor allem die Zahl der ewigen Singles (weiblich sowie männlich) steigt!
Allerdings ist es doch auch so... wenn man lange alleine ist, dann empfindet man das Flirten aber auch als aufwendig und es fehlt einem einfach die Motivation dazu.
Was ist los mit den Deutschen?
Woran liegt es, dass viele so flirtmüde geworden sind und sich damit abfinden, Single zu sein und vielleicht auch zu bleiben?
In den Medien liest man nur sehr wenig, aber wer mal ein wenig googlet, der stellt fest, dass das Verhältnis zwischen Mann und Frau in der heutigen Zeit gespalten ist.
Wie denkt ihr darüber?
Ich glaube es liegt daran, dass wir in einer Wegwerf-Gesellschaft leben. Auch Partner sind für viele Menschen offenbar eine Art Gebrauchs- und Wegwerfartikel geworden. Harte Zeiten (die in jeder Beziehung kommen und nur natürlich sind) werden nicht mehr gemeinsam durchkämpft - zu viel Aufwand! Entweder der Partner bewirkt für einen selbst immer nur tolle Gefühle oder man entsorgt ihn und tauscht ihn aus.
Mein Gefühl hierbei ist, dass es zwei Sorten Menschen gibt: Einmal jene Egozentriker die nach oben beschriebener Denkweise leben. Sie sind letztlich immer die Gewinner... denn sie haben nach solch einer gescheiterten Beziehung, die ja meist nur sie selbst beenden, meist ganz schnell die nächste "Liebe", sind also fast nie allein und tragen kaum Narben davon. Und dann gibt es noch die andere, altmodische Art Mensch die mit dem rasanten Ex und Hopp unserer Zeit nicht mehr ganz mitkommt, zu "altmodisch" denkt und fühlt, also Beziehungen und Liebe wirklich ernst nimmt, daran glaubt mit demjenigen alt werden zu können, treu und füreinander da zu sein, alles miteinander durchzustehen, auch wenn es schwer wird.... Diese zweite Art Mensch verkraftet oft genau wegen ihrer "altmodischen" Einstellung das heutige abserviert werden und immer wieder von null beginnen zu müssen nicht, trägt schlimme Narben, einen Schock, verlorenes Ur-Vertrauen usw. davon und kann einen einmal geliebten Menschen kaum einfach so wieder aus dem Herzen streichen. Geschweige denn danach einfach direkt einfach weitermachen. Jene Sorte Mensch ist diejenige die damit oft zum (unfreiwilligen) Dauersingle wird. Es bleibt nach dem abserviert werden zu wenig Selbstwertgefühl, stattdessen zerstörtes Vertrauen in andere Menschen und Beziehungen. Ein Scherbenhaufen... und riesige Angst wieder so verletzt zu werden! Wie soll man, wenn man selbst nicht mehr daran glauben kann liebenswert zu sein, wenn man erlebt hat dem Menschen den man liebte nichts wert und weggeworfen worden zu sein, wieder aufgeschlossen genug auf andere Menschen zugehen bzw. sich öffnen können, so dass es zu einer neuen Beziehung überhaupt kommen kann?
Ein weiteres Phänomen ist aber natürlich auch die zunehmende Oberflächlichkeit in unserer Gesellschaft und damit immer höhere Ansprüche an das was ein potentieller Partner zu erfüllen habe. Und ich spreche hier nicht von menschlichen Eigenschaften, sondern davon, dass viele verlangen der andere müsse auf der selben Karriere- und Einkommensstufe stehen, perfekt aussehen samt Fitnessstudio-durchgestyltem Körper, stylischen Klamotten, perfekten und künstlich aufgehellten Zähnen etc. Die Liste ist unendlich lang! Achja, und ganz wichtig: Probleme soll derjenige bitteschön auch keine haben! Er gilt nur als sozial erfolgreich und damit begehrenswert genug wenn er einen riesigen Freundeskreis hat, ständig coole Sachen unternehmen kann, eine tolle Familie hat und selbst psychisch absolut unbelastet ist. Und ja nie für den Partner zu einer "Last" werden kann. Auch dies gilt natürlich alles wieder nur für eine gewisse Art Mensch, nicht für alle. Aber all die anderen, nicht so perfekten oder anspruchsvollen fallen dann eben durchs Raster und bleiben allein. Teils weil sie wirklich nicht alle Ansprüche erfüllen können, teils jedoch auch, weil sie sich einfach überfordert fühlen von all dem und das Gefühl haben nie perfekt genug zu sein. Und daraus folgt dann auch wieder, dass man kaum noch auf andere zugehen und die Initiative ergreifen kann um eine Beziehung entstehen zu lassen.
Jedenfalls ist praktisch niemand gern allein oder gar freiwillig! Deshalb ja auch der boomende, Milliarden bringende Partnersuche-Markt. Es ist schrecklich immer allein leben zu müssen und gerade als Dauersingle ist man in dieser Gesellschaft oft isoliert und scheint regelrecht als Mensch zweiter Klasse angesehen und behandelt zu werden. Früher gab es ja noch Familien- und Dorfstrukturen oder genügend zwischenmenschliche Wärme und Mitgefühl die jemanden der ohne Partner war auffingen. Heute ist solcher Halt dagegen weitestgehend weggebrochen. Es gilt: Wer allein ist und dadurch in harten, sehr traurigen Situationen alles mit sich allein ausmachen und einsam sein muss, hat selbst schuld. Denn er war ja nicht ERFOLGREICH genug sich einen Partner zu suchen. Mit IHM stimmt also etwas nicht. "Selbst schuld."
Die Geschichte vom supertollen, freien Singleleben welches genießerisch voller Spaß ausgekostet wird, ist jedenfalls nur ein dummes Märchen. Es trift höchstens mal für ein paar Monate und nur für eine bestimmte Art unverbindlicher Menschen zu und verliert meist auch spätestens jenseits der 25 Jahre seinen Reiz. Ich selbst finde es unglaublich schwer auch nur einmal einen Menschen zu finden mit dem man etwas für mich so kostbares, bedeutsames wie eine echte Beziehung und Liebe aufbauen kann... anderen dagegen gelingt es offenbar völlig spielend am laufenden Band eine Beziehung nach der nächsten zu finden... als sei es gar nichts. Es scheint mir als kann jemand wie ich bei diesem Tempo einfach nicht mithalten, mich auf dem Konkurrenz-Markt nicht schnell genug behaupten, mich nicht schnell genug öffnen etc... Es ist mir absolut unbegreiflich wie andere das wirklich andauernd immer wieder so hinkriegen. Ich kenne Leute die allein in den letzten 5 Jahren mindestens 5 bis 10 Beziehungen hatten. Sie brauchen nach einem Bruch auch keine Zeit sich davon zu erholen oder ein gebrochenes Herz zu heilen... absolut unfassbar für mich - da stehe ich davor und schlackere so zu sagen mit den Ohren, denn bei diesem Tempo komme ich nicht mit, kann nicht mithalten. Es scheint alles auch etwas mit unserer Leistungsgesellschaft zu tun zu haben: Man muss auch das, Beziehungen und sich an andere zu vermarkten, KÖNNEN müssen - erfolgreich darin sein. Irgendwie kommt man sich wie ein Versager vor wenn man das nicht packt und auf der Strecke bleibt...