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Habe die Nase voll von der Arbeitssuche

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Ich finde es absolut nicht in Ordung, im Lebenslauf zu lügen und Dinge hinzuzudichten, die nicht stimmen. Das widerspricht eindeutig meinem Anspruch an moralische Integrität, den ich an mich habe.
Meine Sprachkenntnisse muss ich nicht faken, die sind in der Tat ziemlich gut, aber Berufserfahrung habe ich fast keine. Das ist Tatsache und das kann und will ich nicht verleugnen. Ich finde es echt traurig, dass Lügner sich Vorteile erschleichen, während die Ehrlichen dumm dastehen, wenn sie nicht den perfekten Lebenslauf haben.

Es geht nicht darum, irgendwelche Lügen zu erzählen. Aber man muss sich verkaufen und seine Angaben dazu so darstellen oder aufpeppen, dass man einem potentiellen Arbeitgeber attraktiv erscheint.

Die Tabakindustrie sagt dir auch nicht, dass rauchen teuer ist und krank macht. Sie werben mit Coolness, Abenteuer, Freiheit und Genuss.

Und als Bewerber muss man dasselbe machen: Werbung in eigener Sache! Dinge positiv darstellen, vielleicht ein bisschen übertreiben, so dass der Arbeitgeber das zu hören oder lesen bekommt, was er gerne hören/lesen möchte! Gerade bei Sprachkenntnissen gibt es kaum messbare Werte, sondern nur weit auslegbare Grundaussagen. Was sind "Grundkenntnisse", was "erweiterte Kenntnisse", was ist "verhandlungssicher"? Es macht keinen Sinn, sich hier um Kopf und Kragen zu reden indem man tiefstapelt. Wer eine Sprache halbwegs beherrscht sollte durchaus behaupten, dass er sie sehr gut spricht!

Und das gilt auch für alles andere: man muss sich positiv darstellen, angeben, leicht übertreiben. Aber nicht komplett lügen.

Arbeitgeber übertreiben in den Anforderungen auch immer. Sie suchen Leute, die nicht älter als 25 sind, aber 30 Jahre Berufserfahrung nebst Studium im Ausland haben... Und wenn man solche idiotischen Ansprüche hat - okay, dann erfülle ich die und brüste mich genauso idiotisch mit meinen Fähigkeiten. Arbeitgeber stellen arrogante Anforderungen, dann dürfen sie sich nicht wundern wenn Bewerber auch entsprechend überzogene Fähigkeiten präsentieren.

Mit "Ehrlichkeit" erreichst du nichts! damit meine ich ausdrücklich NICHT, dass man das Blaue vom Himmel herablügt. Das, was man behauptet, muss grundsätzlich stimmen. Aber wenn man seine Fähigkeiten bestmöglich und mit leichter Übertreibung darstellt ist das genau richtig und heute notwendig.

Arbeitgeber übertreiben genauso wenn sie ihre Stellen anpreisen. Man daddelt am Ende in einem normalen Job herum, genau so wie man ein normaler Bewerber ist und normale Kompetenzen hat. Aber wenn Arbeitgeber überzogene Forderungen haben bekommen sie überzogene Bewerber.

Inzwischen habe ich kapiert, dass das Spiel so läuft. Also macht euch nicht mit "ehrlichem Geschwafel" über das, was ihr alles nicht könnt, uninteressant, sondern mit Angeberei über eure Fähigkeiten zu attraktiven Bewerbern!
 
@ paulemaule
Hast schon recht LuisaX, ich würde mich auch als moralisch integer bezeichnen. Aber das Berufsleben klammere ich da definitiv aus. Das machen viele so, leider. Ohne schwarzmalen zu wollen, aber im Berufsleben sind die allermeisten Menschen sich selbst der Nächste, ich auch.
Also ich würde niemanden als integer bezeichnen, der das nicht in ALLEN Bereichen seines Lebens ist. Sorry, aber nach der Logik kann man auch Fremdgehen und sich als treu bezeichnen. Machen auch viele, entspricht aber nicht meinem Verständnis von Treue.

Wobei du meine strenge Haltung in Bezug auf Integrität jetzt natürlich leicht auf meine fehlende Berufserfahrung zurückführen könntest ohne, dass ich das Argument entkräften könnte...

@ Herr_Mayer
Es geht nicht darum, irgendwelche Lügen zu erzählen.
Die Beschreibung im von mir zitierten Beitrag klang sehr wohl nach Lügen und ich denke, dass auch genau das gemeint war!

Und als Bewerber muss man dasselbe machen: Werbung in eigener Sache! Dinge positiv darstellen, vielleicht ein bisschen übertreiben, so dass der Arbeitgeber das zu hören oder lesen bekommt, was er gerne hören/lesen möchte!
Mich positiv darzustellen, mache ich. (Weil ich auch überzeugt bin, dass es zutrifft). Aber das reicht bislang nicht.

Gerade bei Sprachkenntnissen gibt es kaum messbare Werte, sondern nur weit auslegbare Grundaussagen. Was sind "Grundkenntnisse", was "erweiterte Kenntnisse", was ist "verhandlungssicher"? Es macht keinen Sinn, sich hier um Kopf und Kragen zu reden indem man tiefstapelt. Wer eine Sprache halbwegs beherrscht sollte durchaus behaupten, dass er sie sehr gut spricht!
Bei Sprachen kann man Zertifikate machen, die einigermaßen objektiv belegen, auf welchem Stand man ist. Für Englisch habe ich genau deswegen eines gemacht. Bei Französisch überlege ich derzeit auch.
Ich stimme allerdings zu, dass die Begriffe teilweise sehr schwammig sind. Einmal habe ich eine Abstufungsliste gesehen, bei der es 3 Stufen über "sehr gut" gab. 😀 Und "verhandlungssicher" war unter "exzellent" eingeordnet, was ich eher als gleichbedeutend empfunden hätte.
Aber wie gesagt: Die Sprachen sind ohnehin nicht mein Problem.
Mit "Ehrlichkeit" erreichst du nichts!
Ja, das merke ich. Aber das liegt ja nicht an der Ehrlichkeit, sondern an meinem suboptimalen Lebenslauf... Andere mit tollem Lebenslauf, erreichen mit Ehrlichkeit vermutlich schon was.

damit meine ich ausdrücklich NICHT, dass man das Blaue vom Himmel herablügt. Das, was man behauptet, muss grundsätzlich stimmen. Aber wenn man seine Fähigkeiten bestmöglich und mit leichter Übertreibung darstellt ist das genau richtig und heute notwendig.
Mit einem Hang zum Understatement ist es wahrscheinlich, dass die gefühlten leichten Übertreibungen ohnehin der Realtiät entsprechen. Insofern bemühe ich mich darum ohnehin schon. Aber das verändert meinen Lebenslauf ja nicht. Der ist einfach nicht gut.
 
Boah Leute, ich habe doch nicht gemeint, dass man JETZT ALLES FAKEN SOLL. Aber man kann ja mal aus harmlosen Tätigkeiten etwas spannendere gestalten... bzw. bei vielen Punkten, die man sich positiv zuschreibt, muss man halt überlegen, wie man das argumentativ untermauern kann. Das muss doch gar nicht alles gesponnen sein. 😀 Bloß viele können ja selbst das nicht...

Mein bester Freund hat Berufsberatung bei der ArGe ja gemacht und sich teilweise auch die Bewerbungen von den Leuten angesehen. Er sagt mir immer wieder: "Kein Wunder, dass die alle nix kriegen!" Rechtschreibfehler, Ausdrucksmängel, wenig argumentativ verkauft usw.

Natürlich kann man unterschiedliche Branchen als Beispiele heranziehen. Ob das nun Vollzeit- oder Teilzeitstellen sind. Wenn ich mich bei Nachhilfeinstituten oder Schulen als qualifizierte Kraft bewerbe, erwarten die auch einen 1A-CV + Anschreiben. Das war ja jetzt nicht so, dass ich da mal easygoing vorbei gehuscht bin "hallo hier bin ich - nehmen Sie mich jetzt gleich?"
Ich bin überall im Hosenanzug hingegangen und habe auch vollständige Bewerbungen eingereicht; auch bei der Verwaltungsstelle beim Dok, bei Kaufland, beim Nachhilfeinstitut, meinen zig Förderstellen in den Schulen, meinem Lehrauftrag in einer Schule etc. Ganz zu schweigen von meiner Frankreichbewerbung damals und jetzt meiner Bewerbung für eine Nanny-Stelle im Ausland.

Ich weiß durchaus um Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt; aber man braucht halt einfach irgendwas, womit man punkten kann. Und ich behaupte, dass das jeder irgendwo hat. 🙂 Notfalls schafft man sich das halt...
 
@ paulemaule
Also ich würde niemanden als integer bezeichnen, der das nicht in ALLEN Bereichen seines Lebens ist. Sorry, aber nach der Logik kann man auch Fremdgehen und sich als treu bezeichnen. Machen auch viele, entspricht aber nicht meinem Verständnis von Treue.

Fremdgehen ist ein anderes Kaliber. Das hat mit Integrität nichts mehr zu tun... Deswegen ist das auch kein passendes Beispiel.

Wobei du meine strenge Haltung in Bezug auf Integrität jetzt natürlich leicht auf meine fehlende Berufserfahrung zurückführen könntest ohne, dass ich das Argument entkräften könnte...

Deine "strenge Haltung" ist vielleicht nur eine etwas ungünstige Auslegung der Dinge. Ich selber habe an meine Integrität auch sehr hohe Ansprüche und paulemaule vermutlich ebenso an die seine. Was sich aber nicht bewährt sind starre Prinzipien, mit denen man gegen Wünsche von Arbeitgebern steht und das auch noch so postuliert, dass man die Stelle nicht bekommt. Du kannst dann ein Loblied auf deine Integrität anstimmen, nützen tut es nichts.

Deswegen plädieren manche mit Erfahrungen im Arbeitsleben und im Bewerbungsverfahren für Flexibilität, was die eigenen Kompetenzen angeht. Sprachkenntnisse sind nur ein besonders gutes Beispiel dafür, dass keiner objektiv beurteilen kann. Wer sagt denn, wie gut man ist - ich selber, der Arbeitgeber, irgendein Zertifikat-Aussteller? Die Bewertungsskala ist völlig willkürlich. Auch bei irgendwelchen "objektiven" Zertifikaten!

Und deswegen: wenn der Arbeitgeber "gute Sprachkenntnisse" wünscht, hat man sie einfach! 🙂 Dass man dafür natürlich mehr als absolute Grundkenntnisse haben sollte, ist klar, aber wenn man es halbwegs hinkriegt reicht das um "gute Sprachkenntnisse" zu behaupten.

Du wirst IMMER irgendwen finden, der Dinge besser kann als du. Wenn du einem Arbeitgeber bei der Bewerbung nun jedes Mal treudoof erzählst, dass du nur Mittelmaß im Vergleich zu anderen bist, bekommst du nie eine Stelle. Du musst dich immer als jemand präsentieren, der es drauf hat. Bewerben heißt, Werbung für sich selber zu machen - und Werbung basiert niemals darauf, Nachteile oder Schwächen zu offenbaren. Das Prinzip ist immer, dick aufzutragen und Vorteile herauszustellen.

Deswegen gilt bei der Stellensuche immer, dass man alles, was man nur halbwegs beherrscht, NATÜRLICH bestmöglich bieten kann.

Das hat nichts mit Unehrlichkeit und mangelnder Integrität zu tun, sondern mit Anforderungen eines Marktes mit knappen Ressourcen und dass man sein Produkt (= seine Arbeitskraft) nur dann positiv vermarktet, wenn man entsprechend bestmöglich für sich wirbt und sich nicht als Mittelmaß darbietet.

Später, wenn man die Stelle hat, fragt kein Mensch mehr danach, wie man sich im Bewerbungsgespräch dargestellt hat. Dir erzählt auch kein Arbeitgeber, dass du einen cholerischen Chef, blöde Kollegen und andauernd Überstunden hast. Das entpuppt sich erst später. Also darfst du, bei aller Integrität, auch mit Allem angeben und was nur mittelmäßig ist sieht der Chef dann früh genug.

@ Herr_Mayer
Die Beschreibung im von mir zitierten Beitrag klang sehr wohl nach Lügen und ich denke, dass auch genau das gemeint war!

Das ist eben nicht gemeint. Viele Aussagen sind sehr elastisch, einfach weil es keine messbaren Vergleiche gibt und in einem umkämpften Markt diejenigen punkten, die sich am besten verkaufen. Man darf nicht lügen im Sinne von etwas behaupten, was völlig falsch ist. Aber wenn man etwas halbwegs hinkriegt reicht es, um es zu behaupten. So flexibel muss man schon sein wenn man heute eine Stelle bekommen will.

Mich positiv darzustellen, mache ich. (Weil ich auch überzeugt bin, dass es zutrifft). Aber das reicht bislang nicht.

Genau, vielleicht reitest du noch zu viel auf den Prinzipien herum anstatt ausreichend flexibel zu sein und das, was du kannst, bunt + in schillernden Farben zu schildern. Du sollst ja nicht lügen, aber dick auftragen musst du schon!

Bei Sprachen kann man Zertifikate machen, die einigermaßen objektiv belegen, auf welchem Stand man ist. Für Englisch habe ich genau deswegen eines gemacht. Bei Französisch überlege ich derzeit auch.
Ich stimme allerdings zu, dass die Begriffe teilweise sehr schwammig sind. Einmal habe ich eine Abstufungsliste gesehen, bei der es 3 Stufen über "sehr gut" gab. 😀 Und "verhandlungssicher" war unter "exzellent" eingeordnet, was ich eher als gleichbedeutend empfunden hätte.
Aber wie gesagt: Die Sprachen sind ohnehin nicht mein Problem.
Ja, das merke ich. Aber das liegt ja nicht an der Ehrlichkeit, sondern an meinem suboptimalen Lebenslauf... Andere mit tollem Lebenslauf, erreichen mit Ehrlichkeit vermutlich schon was.

Hier kommt etwas anderes ins Spiel: Es ist am Ende gar nicht so entscheidend, wie gut man nun wirklich ist. Den einen Punkt nannte ich schon: man kann es meistens eh nicht messen - und auch Zertifikate sind da kein Beweis. Sie stufen dich nur in den Kriterien des Ausstellers ein, aber welchen Maßstab legen andere, z. B. ein Arbeitgeber, an?

Entscheidend ist, wie gut du zur Stelle passt und wie gut du dich darstellst. Der Interviewer will von dir Argumente haben, warum du die Idealbesetzung der Stelle bist. Also liefere sie ihm!
Wenn dein Lebenslauf, deine Berufserfahrung etc. nicht perfekt sind, der Arbeitgeber dich aber haben will, wird er sich selber "zurechtbiegen" warum du trotz ojektiver Schwächen die beste Bewerberin bist. Oder jemand ist unsympathisch, dann biegt sich der Arbeitgeber trotz objektiv bester Referenzen zurecht, dass der Bewerber nicht passt.

Insofern ist wichtig, sich sympathisch und positiv zu verkaufen. Dazu muss man die Anforderungen des Arbeitgebers erfüllen und ihm vor die Nase halten, was er sucht. Wenn du nett bist und behauptest, gute Sprachkenntnisse zu haben, reicht das (wenn Sprachkenntnisse gewünscht werden). Wenn du dasitzt, mit dem Zertifikat wedelst und über Integrität redest bekommst du die Stelle nicht, weil der Funke nicht überspringt.

Was ich also sagen will: es geht primär nicht um Fakten, Zertifikate, Integrität und Ehrlichkeit. Es geht darum, wie man sich verkauft. Und das basiert weniger auf Prinzipien oder tollen Zeugnissen, sondern dass man sich und seine Fähigkeiten als "zum Arbeitgeber passend" präsentiert. Nicht lügen, aber elastisch sein und alles (soweit irgend nur möglich) als genau passend für den Job hinstellen.

Mit einem Hang zum Understatement ist es wahrscheinlich, dass die gefühlten leichten Übertreibungen ohnehin der Realtiät entsprechen. Insofern bemühe ich mich darum ohnehin schon. Aber das verändert meinen Lebenslauf ja nicht. Der ist einfach nicht gut.

Mit der Realität bietest du aber nur Mittelmaß - und das reicht meistens nicht. Genauso wie die Realität deines Lebenslaufs nicht für dich spricht. Es kommt einzig und allein auf die Darstellung der Sache an!!! Denke an die Tabakindustrie...

Wenn du Lücken im Lebenslauf hast kannst du über Lücken reden und der Meinung sein, dass das alles nicht toll ist. Dann erzählst du das einem Arbeitgeber und der denkt folgerichtig: "Klar, ist nicht toll, sagt sie ja auch selber. Wir stellen sie also besser nicht an." Und weg ist die Stelle...

Alternative: Was hast du während der Lücke gelernt, was dem Arbeitgeber gefällt? Du hast auch in diesen Zeiten Erfahrungen gemacht, die heute zu deinen (und des Arbeitgebers!) Gunsten sind. Du hast auch aus negativen Erfahrungen gelernt und weißt es jetzt besser zu machen. Erkläre dem Jobinterviewer, dass du z. B. heute immer ausgeschlafen und ausgeruht zur Arbeit kommst weil du während deiner Drogenexzesse gelernt hast, dass "benebelt sein" nix taugt.
OK, das Beispiel ist besonders krass, aber was ich damit sagen will: du musst alles positiv verkaufen und den Vorteil, den du daraus für das weitere Leben gezogen hast und nun zugunsten des Arbeitgebers einbringen kannst, darstellen. Du machst dann aus einer Schwäche eine Stärke. Zusätzlich laberst du nicht unglaubwürdig um Lücken und Fehler herum und lügst etwas weg, sondern du punktest mit Ehrlichkeit und Erfahrungen/Positivem, was du daraus heute ableiten kannst. SO macht man Punkte im Vorstellungsgespräch.

Rede dich nicht mit "Ehrlichkeit und Integrität" oder "Lügen" um Kopf und Kragen, sondern verkaufe dich bestmöglich - und das so, dass du einem Arbeitgeber ggf. mit gewissen leichten Übertreibungen, wenn es sein muss, seine Anforderungen erfüllst.
 
Zuletzt bearbeitet:
Deswegen gilt bei der Stellensuche immer, dass man alles, was man nur halbwegs beherrscht, NATÜRLICH bestmöglich bieten kann.

Das hat nichts mit Unehrlichkeit und mangelnder Integrität zu tun, sondern mit Anforderungen eines Marktes mit knappen Ressourcen und dass man sein Produkt (= seine Arbeitskraft) nur dann positiv vermarktet, wenn man entsprechend bestmöglich für sich wirbt und sich nicht als Mittelmaß darbietet.
Ich finde schon, dass es nicht mehr völlig in Ordnung ist, allzu dick aufzutragen. Wenn ich so wie ich bin, nicht gut genug bin, dann ist das eben so.

Entscheidend ist, wie gut du zur Stelle passt und wie gut du dich darstellst. Der Interviewer will von dir Argumente haben, warum du die Idealbesetzung der Stelle bist. Also liefere sie ihm!
Zum Interview werde ich meistens gar nicht eingeladen. Das wäre der Teil, bei dem ich besser wirken würde, als es am Papier der Fall ist.

Was ich also sagen will: es geht primär nicht um Fakten, Zertifikate, Integrität und Ehrlichkeit. Es geht darum, wie man sich verkauft. Und das basiert weniger auf Prinzipien oder tollen Zeugnissen, sondern dass man sich und seine Fähigkeiten als "zum Arbeitgeber passend" präsentiert. Nicht lügen, aber elastisch sein und alles (soweit irgend nur möglich) als genau passend für den Job hinstellen.
Ja, das ist wohl eine meiner Schwächen, dass ich übertrieben positive Selbstdarstellung nicht mag. Und wohl auch nicht kann.

Mit der Realität bietest du aber nur Mittelmaß - und das reicht meistens nicht.
Nein, ich böte schon deutlich mehr als Mittelmaß. Aber das sieht bei meinem Lebenslauf eben nicht danach aus.

Genauso wie die Realität deines Lebenslaufs nicht für dich spricht. Es kommt einzig und allein auf die Darstellung der Sache an!!! Denke an die Tabakindustrie...
Sorry, aber die Tabakindustrie werde ich mir nicht als Vorbild nehmen. Das ist absolut falsch, was die machen. Außerdem halte ich mich ja nicht für ein "schädliches Produkt", das man jemandem mit Lügen unterjubeln muss.

Wenn du Lücken im Lebenslauf hast kannst du über Lücken reden und der Meinung sein, dass das alles nicht toll ist. Dann erzählst du das einem Arbeitgeber und der denkt folgerichtig: klar, ist nicht toll, sagt sie ja auch selber. Und weg ist die Stelle...

Alternative: Was habe ich während der Lücke gelernt, was dem Arbeitgeber gefällt? Du hast auch in diesen Zeiten Erfahrungen gemacht, die heute zu deinen (und des Arbeitgebers!) Gunsten sind. Du hast auch aus negativen Erfahrungen etwas gelernt und weißt es jetzt besser zu machen. Erkläre dem Jobinterviewer, dass du z. B. heute immer ausgeschlafen und ausgeruht zur Arbeit kommst weil du während deiner Drogenexzesse gelernt hast, dass "benebelt sein" nix taugt.

OK, das Beispiel ist besonders krass, aber was ich damit sagen will: du musst alles irgendwie verkaufen und den Vorteil, den du daraus für das weitere Leben gezogen hast und nun zugunsten des Arbeitgebers einbringen kannst, darstellen. Du machst dann aus einer Schwäche eine Stärke. Zusätzlich laberst du nicht herum und lügst etwas weg, sondern du punktest mit Ehrlichkeit, auch hinsichtlich der Lücken, und du punktest mit Fähigkeiten/Erfahrungen/Positivem, was du daraus heute ableiten kannst. SO macht man Punkte im Vorstellungsgespräch.

Rede dich nicht mit "Ehrlichkeit und Integrität" oder "Lügen" um Kopf und Kragen, sondern verkaufe dich bestmöglich - und das so, dass du einem Arbeitgeber ggf. mit gewissen leichten Übertreibungen, wenn es sein muss, seine Anforderungen erfüllst.
Die zwei Alternativen sind, die Lücke im Anschreiben entweder nicht anzusprechen (man sieht sie aber ohnehin im Lebenslauf) oder sie zu erklären und zu sagen, was man daraus gelernt hat. Letzteres ist aber nunmal das Thematisieren einer Schwäche und wirkt so wie du es beschrieben hast...
 
Ich habe jetzt mal Bürokauffrau bei der Stellebörse der Arbeitsagentur eingegeben / Stuttgart und 60 km in der Umgebung und bin allein in der letzten Woche auf 200 Stellenanzeigen der Arbeitgeber gestoßen.
 
Tja, die Stellen als Bürokauffrau nutzen einem aber nur etwas, wenn man Bürokauffrau ist... Ich kann diese Stellenanzeigen schon nicht mehr sehen, wo selbst für Aushilfsstellen eine kaufmännische Ausbildung gefordert ist. 🙁 Da ist man mit irgendeinem Studium gleichzeitig überqualifiziert und unterqualifiziert und hat somit kaum eine Chance auf die Stelle. (Auch wenn man die Aufgaben sicher gut ausfüllen könnte...)
 
Als was genau suchst Du jetzt Arbeit? Wie ist die Berufsbezeichnung?

Und was hindert dran in Deinem Beruf ähnlichen Berufsfeldern zu suchen?

Und wenn Du die Aufgaben gut ausfüllen könntest, dann musst Du das im Anschreiben entsprechend darstellen.

Also sind wir wieder beim Thema Selbstmarketing.
 
Ich finde schon, dass es nicht mehr völlig in Ordnung ist, allzu dick aufzutragen. Wenn ich so wie ich bin, nicht gut genug bin, dann ist das eben so.

Diese Sichtweise verbaut dir viele Chancen. Es geht überhaupt nicht darum, dass du sein darfst wie du bist. Es geht allein darum, wie man sich bei der Bewerbung präsentiert. Dass man seine Eignung für die Stelle und Flexibilität demonstriert.

Auf mich wirken solche Aussagen wie die eines beleidigten Kindes, das trotzig ist weil es seinen Willen nicht bekommt - obwohl gar kein Anlass dazu gegeben ist. Stellt ein Arbeitgeber jemanden ein, der sich zwischen den Zeilen als unflexibel darstellt? Natürlich nicht.

Es bringt dich nicht weiter eine einfache, harmlose und moralisch nicht besonders anspruchsvolle Sache wie "geschicktes Bewerbungsverhalten" zu einer Prinzipiensache rund um Ehrlichkeit und Integrität zu stilisieren. Damit hebst du es auf eine Ebene, die nicht gefragt ist, dich aber in eine ungünstige Ecke stellt weil du als Prinzipienreiterin wahrgenommen wirst - bei einer Sache, bei der irgendwelche tiefgreifenden Prinzipien nicht das Thema sind.

Ja, das ist wohl eine meiner Schwächen, dass ich übertrieben positive Selbstdarstellung nicht mag. Und wohl auch nicht kann.

Kann man lernen... Ich praktiziere das anderswo im Leben auch nicht, aber beim Bewerben ist mir klar, dass die Spielregeln eben so sind. Man sucht den bestmöglichen Bewerber und ich versuche mich als solcher zu präsentieren.

Sorry, aber die Tabakindustrie werde ich mir nicht als Vorbild nehmen. Das ist absolut falsch, was die machen. Außerdem halte ich mich ja nicht für ein "schädliches Produkt", das man jemandem mit Lügen unterjubeln muss.

Auch hier wieder: du wirfst gleich mit Kathegorien um dich, die mehrfach negiert wurden. Dass es nicht ums Lügen geht habe ich immer wieder geschrieben und du sollst dir die Tabakindustrie nicht in ihren negativen Aspekten als Vorbild nehmen, sondern allein das Anschauungsbeispiel wahrnehmen, wie man etwas positiv darstellt obwohl es objektiv auch viel Negatives gibt.

Auch wenn du schreibst, dass du dich NICHT als ""schädliches Produkt", das man jemandem mit Lügen unterjubeln muss" betrachtest, aber allein indem du es so ausdrückst ziehst du einen negativen Vergleich. Gerade diese Ebene soll aber doch vermieden werden!

Die zwei Alternativen sind, die Lücke im Anschreiben entweder nicht anzusprechen (man sieht sie aber ohnehin im Lebenslauf) oder sie zu erklären und zu sagen, was man daraus gelernt hat. Letzteres ist aber nunmal das Thematisieren einer Schwäche und wirkt so wie du es beschrieben hast...

Vor allem bringt es im Anschreiben absolut gar nichts. Der Arbeitgeber will hier erfahren ob und warum man der geeignete Bewerber für die Stelle sein könnte. Lücken im Lebenslauf interessieren dabei erstmal nicht und man kann sie im Vorstellungsgespräch erklären - falls man danach gefragt wird.
Im Anschreiben nicht zu erklären wieso man der geeignete Bewerber für die Stelle ist, dafür aber warum man Lücken im Lebenslauf hat - das ist perfekte Anti-Werbung und ein Garant um nicht zum Gespräch eingeladen zu werden.
 
@ kasiopaja
Als was genau suchst Du jetzt Arbeit? Wie ist die Berufsbezeichnung?
In dem Bereich, in dem ich qualifiziert wäre gibt's eigentlich kein gängige Berufsbezeichnung. Und schon die die Praktikumsplätze sind sehr schwer zu bekommen.

Und was hindert dran in Deinem Beruf ähnlichen Berufsfeldern zu suchen?
Nichts, es ist nur bisher ebenfalls nicht erfolgreich. Außerdem muss ich beim Lesen der Stellenanzeige das Gefühl haben, die Anforderungen zu erfüllen. Wenn das offensichtlich nicht der Fall ist, hat eine Bewerbung wohl keinen Sinn.

Und wenn Du die Aufgaben gut ausfüllen könntest, dann musst Du das im Anschreiben entsprechend darstellen.

Also sind wir wieder beim Thema Selbstmarketing.
Ja, mag sein. Es kann aber auch daran liegen, dass die Stellen in meinem Bereich wirklich recht schwer (ohne Beziehungen) zu bekommen sind, und die für die anderen Stellen, sind andere objektiv gesehen eben besser qualififziert...

@ Herr_Mayer
Dass man seine Eignung für die Stelle und Flexibilität demonstriert.
Eignung und Flexibilität reicht nicht. Man muss der/die beste Bewerber sein.

Auf mich wirken solche Aussagen wie die eines beleidigten Kindes, das trotzig ist weil es seinen Willen nicht bekommt - obwohl gar kein Anlass dazu gegeben ist.
Beleidigt bin ich wirklich, wenn du so willst. Oder sagen wir besser: gekränkt darüber, dass ich so völlig überflüssig für die Gesellschaft/Arbeitswelt bin.

Stellt ein Arbeitgeber jemanden ein, der sich zwischen den Zeilen als unflexibel darstellt? Natürlich nicht.

Es bringt dich nicht weiter eine einfache, harmlose und moralisch nicht besonders anspruchsvolle Sache wie "geschicktes Bewerbungsverhalten" zu einer Prinzipiensache rund um Ehrlichkeit und Integrität zu stilisieren. Damit hebst du es auf eine Ebene, die nicht gefragt ist, dich aber in eine ungünstige Ecke stellt weil du als Prinzipienreiterin wahrgenommen wirst - bei einer Sache, bei der irgendwelche tiefgreifenden Prinzipien nicht das Thema sind.
Keine Ahnung, ob meine Bewerbungen unflexibel wirken. Ich denke nicht. Aber es stimmt, dass ich keine Bewerbung abschicken könnte, die ich als unehrlich empfinde.

Man sucht den bestmöglichen Bewerber und ich versuche mich als solcher zu präsentieren.
Das versuche ich auch. Aber offensichtlich mit wenig Erfolg.

Vor allem bringt es im Anschreiben absolut gar nichts. Der Arbeitgeber will hier erfahren ob und warum man der geeignete Bewerber für die Stelle sein könnte. Lücken im Lebenslauf interessieren dabei erstmal nicht und man kann sie im Vorstellungsgespräch erklären - falls man danach gefragt wird.
Im Anschreiben nicht zu erklären wieso man der geeignete Bewerber für die Stelle ist, dafür aber warum man Lücken im Lebenslauf hat - das ist perfekte Anti-Werbung und ein Garant um nicht zum Gespräch eingeladen zu werden.
Deswegen spreche ich es normalerweise nicht an. Aber dann spricht die Lücke eben für sich, und das fällt auch nicht zu meinen Gunsten aus. Wie gesagt, ich habe bislang keinen Ausweg aus diesem Dilemma gefunden und die Lücke wird immer noch größer.
 

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