@ paulemaule
Also ich würde niemanden als integer bezeichnen, der das nicht in ALLEN Bereichen seines Lebens ist. Sorry, aber nach der Logik kann man auch Fremdgehen und sich als treu bezeichnen. Machen auch viele, entspricht aber nicht meinem Verständnis von Treue.
Fremdgehen ist ein anderes Kaliber. Das hat mit Integrität nichts mehr zu tun... Deswegen ist das auch kein passendes Beispiel.
Wobei du meine strenge Haltung in Bezug auf Integrität jetzt natürlich leicht auf meine fehlende Berufserfahrung zurückführen könntest ohne, dass ich das Argument entkräften könnte...
Deine "strenge Haltung" ist vielleicht nur eine etwas ungünstige Auslegung der Dinge. Ich selber habe an meine Integrität auch sehr hohe Ansprüche und paulemaule vermutlich ebenso an die seine. Was sich aber nicht bewährt sind starre Prinzipien, mit denen man gegen Wünsche von Arbeitgebern steht und das auch noch so postuliert, dass man die Stelle nicht bekommt. Du kannst dann ein Loblied auf deine Integrität anstimmen, nützen tut es nichts.
Deswegen plädieren manche mit Erfahrungen im Arbeitsleben und im Bewerbungsverfahren für Flexibilität, was die eigenen Kompetenzen angeht. Sprachkenntnisse sind nur ein besonders gutes Beispiel dafür, dass keiner objektiv beurteilen kann. Wer sagt denn, wie gut man ist - ich selber, der Arbeitgeber, irgendein Zertifikat-Aussteller? Die Bewertungsskala ist völlig willkürlich. Auch bei irgendwelchen "objektiven" Zertifikaten!
Und deswegen: wenn der Arbeitgeber "gute Sprachkenntnisse" wünscht, hat man sie einfach!
🙂 Dass man dafür natürlich mehr als absolute Grundkenntnisse haben sollte, ist klar, aber wenn man es halbwegs hinkriegt reicht das um "gute Sprachkenntnisse" zu behaupten.
Du wirst IMMER irgendwen finden, der Dinge besser kann als du. Wenn du einem Arbeitgeber bei der Bewerbung nun jedes Mal treudoof erzählst, dass du nur Mittelmaß im Vergleich zu anderen bist, bekommst du nie eine Stelle. Du musst dich immer als jemand präsentieren, der es drauf hat. Bewerben heißt, Werbung für sich selber zu machen - und Werbung basiert niemals darauf, Nachteile oder Schwächen zu offenbaren. Das Prinzip ist immer, dick aufzutragen und Vorteile herauszustellen.
Deswegen gilt bei der Stellensuche immer, dass man alles, was man nur halbwegs beherrscht, NATÜRLICH bestmöglich bieten kann.
Das hat nichts mit Unehrlichkeit und mangelnder Integrität zu tun, sondern mit Anforderungen eines Marktes mit knappen Ressourcen und dass man sein Produkt (= seine Arbeitskraft) nur dann positiv vermarktet, wenn man entsprechend bestmöglich für sich wirbt und sich nicht als Mittelmaß darbietet.
Später, wenn man die Stelle hat, fragt kein Mensch mehr danach, wie man sich im Bewerbungsgespräch dargestellt hat. Dir erzählt auch kein Arbeitgeber, dass du einen cholerischen Chef, blöde Kollegen und andauernd Überstunden hast. Das entpuppt sich erst später. Also darfst du, bei aller Integrität, auch mit Allem angeben und was nur mittelmäßig ist sieht der Chef dann früh genug.
@ Herr_Mayer
Die Beschreibung im von mir zitierten Beitrag klang sehr wohl nach Lügen und ich denke, dass auch genau das gemeint war!
Das ist eben nicht gemeint. Viele Aussagen sind sehr elastisch, einfach weil es keine messbaren Vergleiche gibt und in einem umkämpften Markt diejenigen punkten, die sich am besten verkaufen. Man darf nicht lügen im Sinne von etwas behaupten, was völlig falsch ist. Aber wenn man etwas halbwegs hinkriegt reicht es, um es zu behaupten. So flexibel muss man schon sein wenn man heute eine Stelle bekommen will.
Mich positiv darzustellen, mache ich. (Weil ich auch überzeugt bin, dass es zutrifft). Aber das reicht bislang nicht.
Genau, vielleicht reitest du noch zu viel auf den Prinzipien herum anstatt ausreichend flexibel zu sein und das, was du kannst, bunt + in schillernden Farben zu schildern. Du sollst ja nicht lügen, aber dick auftragen musst du schon!
Bei Sprachen kann man Zertifikate machen, die einigermaßen objektiv belegen, auf welchem Stand man ist. Für Englisch habe ich genau deswegen eines gemacht. Bei Französisch überlege ich derzeit auch.
Ich stimme allerdings zu, dass die Begriffe teilweise sehr schwammig sind. Einmal habe ich eine Abstufungsliste gesehen, bei der es 3 Stufen über "sehr gut" gab. 😀 Und "verhandlungssicher" war unter "exzellent" eingeordnet, was ich eher als gleichbedeutend empfunden hätte.
Aber wie gesagt: Die Sprachen sind ohnehin nicht mein Problem.
Ja, das merke ich. Aber das liegt ja nicht an der Ehrlichkeit, sondern an meinem suboptimalen Lebenslauf... Andere mit tollem Lebenslauf, erreichen mit Ehrlichkeit vermutlich schon was.
Hier kommt etwas anderes ins Spiel: Es ist am Ende gar nicht so entscheidend, wie gut man nun wirklich ist. Den einen Punkt nannte ich schon: man kann es meistens eh nicht messen - und auch Zertifikate sind da kein Beweis. Sie stufen dich nur in den Kriterien des Ausstellers ein, aber welchen Maßstab legen andere, z. B. ein Arbeitgeber, an?
Entscheidend ist, wie gut du zur Stelle passt und wie gut du dich darstellst. Der Interviewer will von dir Argumente haben, warum du die Idealbesetzung der Stelle bist. Also liefere sie ihm!
Wenn dein Lebenslauf, deine Berufserfahrung etc. nicht perfekt sind, der Arbeitgeber dich aber haben will, wird er sich selber "zurechtbiegen" warum du trotz ojektiver Schwächen die beste Bewerberin bist. Oder jemand ist unsympathisch, dann biegt sich der Arbeitgeber trotz objektiv bester Referenzen zurecht, dass der Bewerber nicht passt.
Insofern ist wichtig, sich sympathisch und positiv zu verkaufen. Dazu muss man die Anforderungen des Arbeitgebers erfüllen und ihm vor die Nase halten, was er sucht. Wenn du nett bist und behauptest, gute Sprachkenntnisse zu haben, reicht das (wenn Sprachkenntnisse gewünscht werden). Wenn du dasitzt, mit dem Zertifikat wedelst und über Integrität redest bekommst du die Stelle nicht, weil der Funke nicht überspringt.
Was ich also sagen will: es geht primär nicht um Fakten, Zertifikate, Integrität und Ehrlichkeit. Es geht darum, wie man sich verkauft. Und das basiert weniger auf Prinzipien oder tollen Zeugnissen, sondern dass man sich und seine Fähigkeiten als "zum Arbeitgeber passend" präsentiert. Nicht lügen, aber elastisch sein und alles (soweit irgend nur möglich) als genau passend für den Job hinstellen.
Mit einem Hang zum Understatement ist es wahrscheinlich, dass die gefühlten leichten Übertreibungen ohnehin der Realtiät entsprechen. Insofern bemühe ich mich darum ohnehin schon. Aber das verändert meinen Lebenslauf ja nicht. Der ist einfach nicht gut.
Mit der Realität bietest du aber nur Mittelmaß - und das reicht meistens nicht. Genauso wie die Realität deines Lebenslaufs nicht für dich spricht. Es kommt einzig und allein auf die Darstellung der Sache an!!! Denke an die Tabakindustrie...
Wenn du Lücken im Lebenslauf hast kannst du über Lücken reden und der Meinung sein, dass das alles nicht toll ist. Dann erzählst du das einem Arbeitgeber und der denkt folgerichtig: "Klar, ist nicht toll, sagt sie ja auch selber. Wir stellen sie also besser nicht an." Und weg ist die Stelle...
Alternative: Was hast du während der Lücke gelernt, was dem Arbeitgeber gefällt? Du hast auch in diesen Zeiten Erfahrungen gemacht, die heute zu deinen (und des Arbeitgebers!) Gunsten sind. Du hast auch aus negativen Erfahrungen gelernt und weißt es jetzt besser zu machen. Erkläre dem Jobinterviewer, dass du z. B. heute immer ausgeschlafen und ausgeruht zur Arbeit kommst weil du während deiner Drogenexzesse gelernt hast, dass "benebelt sein" nix taugt.
OK, das Beispiel ist besonders krass, aber was ich damit sagen will: du musst alles positiv verkaufen und den Vorteil, den du daraus für das weitere Leben gezogen hast und nun zugunsten des Arbeitgebers einbringen kannst, darstellen. Du machst dann aus einer Schwäche eine Stärke. Zusätzlich laberst du nicht unglaubwürdig um Lücken und Fehler herum und lügst etwas weg, sondern du punktest mit Ehrlichkeit und Erfahrungen/Positivem, was du daraus heute ableiten kannst. SO macht man Punkte im Vorstellungsgespräch.
Rede dich nicht mit "Ehrlichkeit und Integrität" oder "Lügen" um Kopf und Kragen, sondern verkaufe dich bestmöglich - und das so, dass du einem Arbeitgeber ggf. mit gewissen leichten Übertreibungen, wenn es sein muss, seine Anforderungen erfüllst.