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Ich glaube, ich habe mich verrannt...

Anon3857

Neues Mitglied
Hallo zusammen,

ich möchte euch etwas teilen was mich nun doch sehr beschäftigt. Ich M25 bin in einer Situation, wo ich wohl etwas Klarheit von Außenstehenden gebrauchen könnte.

Ich bin gelernter Kaufmann im Groß und Außenhandel, und arbeitete 3 Jahre in einem Großhandel im Verkauf. Vor etwa 2 Jahren begann ich eine berufsbegleitende Weiterbildung als Wirtschaftsfachwirt, welche ich letztes Jahr erfolgreich abgeschlossen habe. Ich würde behaupten, dass ich nicht soo schlecht in diesen Bereichen bin, die Ausbildung hatte ich auch mit der Note 1 abgeschlossen.
Doch hatte ich in der ganzen Zeit nie wirklich Spaß in meinem Job gehabt, die Tätigkeiten waren nie wirklich spaßig, oder gar erfüllend. Über die gesamte Zeit nach der Ausbildung, hatte ich eigentlich schon innerlich gekündigt und wollte etwas neues. Leider hatte ich nie etwas neues gefunden, Bewerbungen wurden entweder direkt abgesagt, oder eben nach dem Vorstellungsgesprächen.

Da ich schon immer ein starkes Interesse für Autos hatte, und ich in der Vergangenheit schon einige Praktika in Kfz-Werkstätten hatte, bin ich nun mit der Zeit darauf gekommen, mich für eine neue Ausbildung in dem Bereich zu machen.
Ich habe privat auch zwei Oldies wo ich gerne Zeit investiere. Ich kann mit der Arbeit an und mit Autos super abschalten.

Damit war ich nun die letzten Monate beschäftigt, inklusive der Kündigung zum ende diesem Monats beim jetzigen Arbeitgeber.

Doch beschleicht mich mittlerweile immer mehr das Gefühl, dass ich mir selbst etwas eingeredet habe, was jetzt nach paar Wochen der Vertragsunterschrift immer deutlicher wird.
Ich verspüre keine wirkliche Vorfreude auf die kommende Ausbildung und frage mich auch wofür ich das eigentlich wirklich mache, weil eins ist klar, ich möchte eigentlich nicht langfristig in dem Bereich arbeiten und dachte mir ich lerne es für mich und werde mir in Zukunft nie vorwerfen können, dass ich es nicht doch mal probiert hätte.
Am Probearbeitstag überzeugte mich der Betrieb (Vertragshändler) auch nicht so wirklich, viele Leute in einer engen, heißen, lauten Halle, eigentlich war es mir alles etwas zu viel, würde sagen, klassische Reizüberflutung.
Meine Bereitschaft sinkt auch, jetzt nochmal 3 Jahre mit kaum Geld, wenig Urlaubstagen und starren Arbeitszeiten zu investieren, weil.. ja für was eigentlich?
Ich werde das Gefühl nicht los, dass ich mir das alles nur schöngeredet habe, um endlich einen Vorwand gehabt zu haben, mich vom alten Arbeitgeber zu lösen, um endlich frischen Wind zu bekommen.

Was sagt ihr zu der Situation? Bin sogar schon am überlegen dort abzusagen. Habe auch schon paar Bewerbungen für kaufmännische Stellen verschickt, wo ich denke, mit meinen Kompetenzen ganz gut zu passen.
 
So wie du es beschreibst, habe ich nicht den Eindruck, dass dein Interesse an Autos grundsätzlich nur eingeredet ist. Du beschäftigst dich privat gerne damit und kannst bei der Arbeit an deinen Oldtimern offenbar gut abschalten. Ein Hobby und der berufliche Alltag in einer Werkstatt sind aber zwei völlig unterschiedliche Dinge.

Bei dir fällt besonders auf, dass du die Ausbildung eigentlich gar nicht mit dem Ziel beginnst, später langfristig in diesem Beruf zu arbeiten. Gleichzeitig haben dich der Probearbeitstag, die Arbeitsbedingungen und die Aussicht auf drei Jahre mit deutlich weniger Geld bereits abgeschreckt. Das sind keine kleinen Zweifel, die nur aus Nervosität vor einem Neuanfang entstehen müssen, sondern ziemlich konkrete Einwände.

Möglicherweise war die Ausbildung vor allem der Schritt, den du gebraucht hast, um dich endlich von deinem bisherigen Arbeitgeber zu lösen. Das wäre nicht automatisch ein Fehler. Die Kündigung kann trotzdem richtig gewesen sein, auch wenn sich die gewählte Ausbildung nun als falscher nächster Schritt herausstellt.

Ich würde deshalb Kündigung und Ausbildung gedanklich voneinander trennen. Du musst die Ausbildung nicht antreten, nur damit die Kündigung im Nachhinein gerechtfertigt erscheint. Mit deiner abgeschlossenen Ausbildung, deiner Berufserfahrung und dem Wirtschaftsfachwirt hast du bereits eine solide Grundlage. Vielleicht liegt die bessere Veränderung nicht in einem vollständigen Neustart, sondern in einer anderen kaufmännischen Tätigkeit, einer anderen Branche oder einer Stelle mit Bezug zu Fahrzeugen und Technik.

Wenn du schon vor Beginn keine Vorfreude verspürst, nicht dauerhaft in dem Beruf arbeiten möchtest und der tatsächliche Werkstattalltag dir nicht zugesagt hat, wäre eine Absage zumindest nachvollziehbar. Entscheidend wäre nur, dass du nicht erneut irgendeine Stelle ausschließlich als Fluchtmöglichkeit annimmst, sondern diesmal genauer prüfst, welche Tätigkeiten und Arbeitsbedingungen du wirklich suchst.
 

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