Hallo Aldonna,
puh, ich hab den ganzen Thread jetzt durchgelesen und meine Meinung ist - zwiespältig.
Auf jeden Fall kann ich Dir schon mal sagen: Ich kenne das! Meine Tochter war sogar ein Jahr jünger, als sie so ausgetickt ist. Sie war zwölf. Ich glaube sie war sogar noch schlimmer als Deine 🙂, sie ging nicht mehr zur Schule, hing mit 18jährigen ab, die Drogen nahmen und wir führten jeden Tag Krieg!
Ich bin alleinerziehend, hatte außerdem einen damals 15jährigen Sohn und eine 4jährige Kleine zu versorgen. Ich war zu dem Zeitpunkt umgezogen und war zu dem Zeitpuntk eine neue Beziehung eingegangen.
Ich kann total nachvollziehen, wie Dich das fertigmacht. Ich konnte damals auch nicht mehr. Jeden Tag was Neues, jeden Tag streß - und jeden Tag die Energie für den Rest der Familie aufbringen.
Sie hat dann selbst das Jugendamt angerufen, sie müsse hier ausziehen, ich sei Alkoholikerin, sie müsse die Kleine versorgen, bekäme nicht einmal ein Schulbrot geschmiert - es sei nicht auszuhalten. Jut, daraufhin wurde sie in einer WG - oder betreutes Wohnen - untergebracht, es gefiel ihr nicht wirklich und schon nach zwei Wochen wurde vorgeschlagen, dass sie zurückkäme. Ich hieß sie willkommen, aber sie lehnte meine Umarmung ab und blieb zickig.
Es gab ein Gespräch mit dem Jugendamt. In dem sich alle Familienmitglieder einig waren, ohne sie war es ruhiger, es war nicht wirklich gewünscht, dass sie da war - von niemandem!
Heute denke ich, wie schlimm, wie furchtbar für das Mädel, sie war doch erst zwölf und niemand wollte sie! Nicht einmal ihre eigene Mutter! Es tut mir soo leid! Es sind doch noch Kinder - zwölf/dreizehn Jahre alt, die nach Aufmerksamkeit rufen! Die das nicht umsonst machen, sondern weil sie Defizite haben, sich nicht genug geliebt fühlen.
Und mir kommt da auch mein eigener Schmerz hoch aus meiner Pubertät - ich hab mich so allein gefühlt! Und heute noch - total irre find ich das - ich bin 44, meine Mutter 64 wirft sie mir ständig vor, wie sehr ich sie damals während meiner Pubertät verletzt habe ??!!
War nicht ich bedürftig und klein, war es nicht Aufgabe meiner Eltern die Situation zu lösen, aufzufangen? Lag es in meiner Verantwortung?
Nein, ich war eine ganze Weile auch so sauer auf meine Tochter, aber irgendwann ist das gekippt, hab ich all ihre Bösartigkeiten und Ausraster nicht mehr persönlich nehmen müssen, sondern mich als Erwachsene besinnen können darauf, ihr - meinem Kind - Halt zu geben, "ich halt Dich aus, mit all Deinen Spinnereien". Ich weiß, Annubis, das ist soo schwer - ich kann Deinen Streß so sehr nachvollziehen, weil es für mich auch so schwierig war, Deine Gedanken: es könnt sonst alles so schön sein in unserer Patchworkfamilie, die kleinen, der Partner ... es könnte, aber es ist nicht so - sie gehört dazu zu dieser Patchworkfamilie und wir Erwachsenen sind dafür verantwortlich, dass es ihr gut geht.
Meine Tochter hatte so viel Eifersuchtsprobleme, soviel Wunsch nach Liebe, den ich damals nicht gesehen habe. Du hast da nur so einen pubertierenden Kotzbrocken vor Dir, der Dich jeden Tag aufs Ärgste fordert. Und Dir die gemeinsten Sachen sagt.
Ich hab erst später verstanden, wie einsam sie sich gefühlt hat, erstmal ist sie eigentlich ein Zwilling, sie hat ihre Zwillingschwester im Alter von drei Monaten verloren - so fängt das schon mal an. Dann hat sie später eine kleine Schwester bekommen, da war sie acht, als sie sich damals bei mir angekuschelt hat während der Schwangerschaft an meinen Bauch, hat ihre kleine Schwester sie schon mit Tritten von diesem Platz verjagt 🙂 ... da war sie nicht mehr meine Nr. 1, - drei Jahre später ist der Stiefbruder ihrer kleinen Schwester an einem Hirntumor erkrankt/verstorben. Und schließlich sind wir umgezogen - ein total neues Umfeld für sie, alle Bezugspunkte weg - und dann die Mama- neuer Freund. Das war wohl das Schlimmste.
In der Zeit - wo sie eigentlich irgendwie eigene Wege gehen, sich selbst entwickeln sollte, war sie schockiert, wie verliebt die Mama, wie wenig die ihren Focus auf sie gerichtet hat. Wie wenig sie geliebt wurde ... Verluste über Verluste, sich Allein fühlen-
Und zu dem Zeitpunkt hat man ihr auch noch gesagt, dass sie eigentlich keiner mehr will.
Und eigentlich hat sie mir damals gesagt, was sie braucht: Mal mit der Mama zum Friseur, shoppen, mich mal so ganz alleine für sich haben - die Kleene parken.
Mir kam das damals so blöd vor bei diesem fast drogenabhängigen Kotzbrocken- dabei hätts wahrscheinlich gelangt: So ein paar kleine Streicheleinheiten - ich habs nicht erkannt, wie bedürftig sie war udn wie leicht ich das hätte geben können.
Aber mein Umfeld stimmte auch nicht: Das war kein Partner, der mal gesagt hätte, komm, ich kümmere mich um die kleinen, damit du die Große stützen kannst. Der hatte nämlich eigentlich gar keine positiven Gefühle ihr gegenüber, sondern ein eignes Eifersuchtsproblem. Der hätte mich/uns stützen können, aber hat eigentlich nur alles verschärft.
Liebe Annubis, eigentlich bin ich grad selber ganz froh, das mal in Worte gepackt zu haben. Und übrigens: Es hat gut geendet. Meine Tochter ist heute 18 und wir haben das allerbeste Verhältnis!
Es hat auch eigentlich nicht so lang gedauert. Nach diesen zwei Wochen Wg war es nicht vorbei - nein, es hat schon noch so ein/zwei jahre gedauert. Das war schon hart, aber es hat sich so sehr gelohnt, ich bin heute so stolz auf sie, die dieses Jahr ihr Abi mit 1,4 machen wird! Die seit 2 Jahren eine feste Beziehung führt, Freunde hat, sich selbst richtig spürt - aber auch mit anderen klarkommt - und megamässig intelligent. 🙂)
Tja, was soll ich Dir sagen - lass sie gehen, wenn sie meint, es woanders besser zu haben, einerseits - aber lass die Tür SPERRANGELWEIT auf, weil sie doch nur DICH hat. Ich denke, dass ist grundsätzlcih das, was man in der Pubertät vermitteln sollte: Du darfst gehen (sprich Du darfst Du sein), wenns hier gar nicht läuft - aber Hier(bei Mama) bist Du auch immer wieder willkommen (ich halte Dich aus, - aber natürlich mußt Du auch Anpasssung lernen: es geht nicht nur ums DU, sondern dann auch ums WIR).
Liebe Grüße
fleur