Ich hab nicht alle 68 Seiten durchgelesen, muss aber sagen, dass zumindest die ersten dreissig ein extrem einseitiges Meinungsbild abgeben.
Ich finde es krass, dass es noch nicht mal in Erwägung gezogen wird, dass der Fall vielleicht tatsächlich so liegen könnte, wie von der TE dargestellt.
Es ist kein Geheimnis, dass gerade durch die Überpräsenz der Medien bezüglich dieses Themas (praktisch jeden Tag findet man irgendeine reisserische, einzig zum Zweck der Sensationsgier der Leute publik gemachte Story über Vergewaltigung und sexuellen Missbrauch in den Zeitungen), im Laufe der vergangenen Jahre nicht wenige Frauen die Möglichkeit der Anschuldigung eines sexuellen Übergriffes als Machtmittel entdeckt haben.
Ich weiss, dass das ganze Thema eine verdammte Gratwanderung ist - und nichts ist schlimmer, als einem echten Opfern sexuellen Missbrauches keinen Glauben zu schenken.
Doch genau dies passiert im Endeffekt, wenn andere Frauen nur vorgeben, Opfer zu sein - irgendwann hat sich das so in den Köpfen der Allgemeinheit eingehämmert: "Die lügt ja bestimmt auch nur wieder!", dass den wirklichen Betroffenen nicht mehr geglaubt wird.
Auch ist die Bezeichnung "Kind" für eine Fünfzehnjährige meiner Meinung nach reichlich undifferenziert.
Mit Fünfzehn ist man mit Sicherheit noch nicht komplett geistig ausgereift, keine Erwachsene - aber eben auch kein Kind mehr.
Und ich selber weiss aus Erfahrungen erster Hand, dass es durchaus Fünfzehnjährige gibt, die ein grosses intrigantes Potential besitzen und enorm berechnend sind.
Weshalb dies dann so ist, welche eigentlichen psychischen Ursachen derartigem Verhalten zugrunde liegen, ist die andere Frage - ja, mit Sicherheit ist irgendetwas ganz und gar nicht richtig gelaufen, wenn ein pubertäreres Mädchen zu einer solchen Lüge greift, aber was ich eigentlich sagen: Es ist definitiv nicht einfach auszuschliessen, dass dies vorkommen kann.
Ich selber hatte etwa in diesem Alter eine Freundin, die einen Verwandten beschuldigt hat, sie als Kind vergewaltigt zu haben.
Sie hat die Geschichte in allen Details ausgeschmückt, ein riesiges Drama daraus gemacht, hatte täglich ihre "Flashback-Nervenzusammenbrüche", die ganze Clique wusste um ihren "Status" und musste sich darum kümmern - und immer genau dann, wenn die Aufmerksamkeit etwas nachliess, hatte sie wieder einen ihren "Trauma-Rückfallen"...
Sie hatte mit Sicherheit eine Borderline-Tendenz und auch sonst so einige psychische Probleme - doch sie hat mir vor einigen Jahren dann schliesslich selber anvertraut, dass diese Geschichte rein erfunden war.
Dass sie in ihrem Innern einfach Gefühle hatten, die sie auf diese Weise am besten zum Ausdruck bringen konnte und dass sie es schon auch genossen hat, auf diese Weise Aufmerksamkeit zu kriegen und bemitleidet und umsorgt zu werden.
Später habe ich auf einer psychotherapeutischen Station ein Mädchen kennen gelernt (sie war etwas älter, so um die Achtzehn) deren Geschichten noch wilder waren.
Sie war unter anderem spezifisch aufgrund ihrer grossen Lügenproblematik auf dieser Station.
Sie erzählte allen immer wieder, dass sie das langjährige Opfer eines riesigen Kinderpornoringes sei, ihre ganze Familie sei darin verstrickt und sie erzählte Storys, die mit der tatsächlichen Realität absolut nichts zu tun hatten.
Ihr eigentliches Problem war ein anderes: Sie hatte sich kurz nach ihrem sechzehnten Geburtstag dazu entschieden, bei einem Escort Service anzuheuern, weil sie damals wohl geglaubt hat, sich dadurch auf "leichte" Weise einen luxuriösen Lebensstil finanzieren zu können.
Sie drehte schliesslich völlig ab - war jedoch nicht dazu im Stande, sich einzugestehen, dass sie sich halt "freiwillig" auf so was "sexuell abartiges" eingelassen hatte und dadurch, dass sie halt Opfer und nicht Prostituierte war, wurde sie dann zumindest in ihrem Kopf wieder "rein", man hatte sie ja schliesslich gezwungen - sie wurde dadurch von der H*** wieder zur "Heiligen".
Dies nur zwei der extremsten Fälle, welche mir in meinem näheren Umfeld begegneten - doch bei weitem nicht die Einzigen.
Im Endeffekt war es sogar so, dass bei fast all jenen Frauen, die so "offen" und auch oftmals sehr detailreich von ihrem angeblichen sexuellen Missbrauch und ihren angeblichen Vergewaltigungen erzählten, dies ganz offensichtlich gelogen war.
Die echten Opfer hingegen halten sich fast immer stark zurück mit ihren Erzählungen, bleiben bei dem Thema praktisch demonstrativ unbeteiligt, erzählen selbst dann nichts davon (oder nur ganz zögerlich), wenn man sie direkt darauf anspricht.
Natürlich gibt es keine eindeutigen Verhaltensvorgaben für Opfer eines solchen Übergriffes, jede(r) reagiert anders darauf - und es ist mir selbstverständlich nicht unbekannt, dass gerade das extreme sich sexuell exponieren, praktisch zur "Schlampe" zu werden durchaus auch eine Folge sexuellen Missbrauches sein kann und auch oftmals ist.
Doch gerade auch diese Frauen verdrängen die Tat oftmals ganz stark und gehen nicht damit "hausieren", sie versuchen sie eben gerade durch ihr selbstzerstörerisches Verhalten zu überdecken und sich seelisch davon abzuwenden.
Alles, was ich im Endeffekt sagen will, ist folgendes:
Es ist leider nicht einfach gänzlich auszuschliessen, dass die Tochter der TE diese Geschichte erfunden hat - aus welchen Gründen auch immer.
Dass sie dabei leidet, dass sie definitiv massive psychische Probleme hat, ja dass sie vielleicht sogar tatsächlich einen sexuellen Übergriff erlebt hat - nur eben nicht begangen durch den Stiefvater - dies ist mit Sicherheit klar, bzw. nicht völlig auszuschliessen.
Für ebenso sicher halte ich es, dass - egal, ob sie nun tatsächlich intrigant und berechnend ist - ihrer eventuellen Lüge auch eine grosser innere Not zugrunde liegt und sie wird so oder so kein glücklicher Mensch sein.
Sollte es dann also so sein, dass dein Partner unschuldig in den Knast muss - auch sie befindet sich in einem Gefängnis und sie hat im Gegensatz zu deinem Partner auch nicht die Möglichkeit, Frieden oder Freiheit in ihrem Inneren zu finden...
Dass der Knast "nicht so schlimm" ist, eine solche Aussage kann nur von einem komplett Unwissenden gemacht werden - der Knast zermürbt und vernarbt selbst Männer von einem "härteren Kaliber", die praktisch schon von Kindesbeinen an kriminell waren.
Was im Gefängnis mit eine "Normalo" passiert, der weder diese ganze Welt, noch ihre hierarchischen Strukturen kennt und dann insbesondere noch mit einem "Kinderschänder", der "seine eigene Tochter vergewaltigt hat"... sagen wir mal, es ist das, was der Hölle auf Erden wohl am nächsten kommt.
Falls es deine Entscheidung ist, Hilfesuche, so oder so - egal, ob die Geschichte deiner Tochter nun Wahrheit oder Lüge ist - zu ihm zu stehen, an seiner Seite bleiben zu wollen, dann hat er damit auf alle Fälle schon mal sehr viel mehr, als viele der anderen Gefängnisinsassen und dies wird es ihm auf alle Fälle leichter machen, diese grauenhaften Monate zu überleben.
Viel Glück dir,
Yyv