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Zu stolz - oder nicht stolz genug?

  • Starter*in Starter*in Leah
  • Datum Start Datum Start
L

Leah

Gast
Hallo Ihr alle,

muss jetzt mal Eure Meinung zu einem Thema hören, das mich jetzt schon seit einiger Zeit beschäftigt.

Jahrelang wurde mir von Familie und auch guten Freunden eingeredet ich fahre besser damit wenn ich mir nicht immer so viele Hoffnungen mache und alles immer nur positiv sehe. Dann würde ich nur umso tiefer fallen wenn das was ich mir wünsche nicht eintreten würde.

Also habe ich brav auf "alle" gehört und mir angewöhnt alles grundsätzlich erst mal in den schwärzesten Farben zu sehen, damit ich dann "positiv überrascht" werden kann. Aber: wie weit hat es mich gebracht???? Mir geht es nicht gut dabei, im Gegenteil, ich kann an manchen Tagen nur noch das negative sehen und finde nichts schönes und positives mehr am Leben. Geht Euch das auch so?

Heute bekomme ich hier im Forum von vielen gesagt: wenn Du nicht an das GLAUBST was Du Dir wünschst, dann wird es niemals eintreffen, Du musst positiv denken, Du musst daran glauben dass Du bekommst was Du Dir wünschst! Und ich merke, dass es mir nicht nur dabei viel besser geht wenn ich alles positiv sehe, sondern dass ich auch insgesamt eine ganz andere Ausstrahlung habe und somit auch den "Erfolg" wieder regelrecht anziehe und viel öfter das bekomme was ich mir wünsche!!!

Das würde aber doch auch die Theorie widerlegen die einige hier im Forum vertreten, dass wir nicht "stolz" genug sind - z.B. in Bezug auf Ex-Partner - dass wir nicht sofort hinwerfen und aufgeben und wegrennen, sondern immer wieder das positive sehen und suchen?!

Wenn dieser Stolz so viel besser für uns wäre, wären dann Menschen die uns das raten hier im Forum unterwegs? Leider gibt niemals einer von diesen Leuten sein Problem preis, so dass keiner weiß, was ihn hierher treibt. Trotzdem frage ich mich ernsthaft: Diesen Menschen müsste es doch eigentlich "bombig" gehen, die dürften doch dann keinerlei Probleme haben, wenn sie nach ihrem eigenen Motto leben würden? Denen dürften Probleme nichts ausmachen, weil sie doch ohnehin immer nur trübe Gedanken haben und sich das schlimmste ausmalen und bei jedem Problem gleich auf und davon laufen, weil sie ja so "stolz" sind?

LG Leah
 
Hallo liebste Leah,

mmmhh, interessantes Thema.
Negativ Denken beschützt natürlich vor Enttäuschungen, keine Frage...

Positiv denken oder negativ hat wohl nichts mit Stolz zu tun oder nicht; denke ich; das sind grundverschiedene Dinge...

Ich habe auch vieles darüber gelesen. Denke schon, man sollte positiv denken, weil man dann eine andere Ausstrahlung hat, weil einem dann mehr gelingt z.B. das Buch: die Macht des Unterbewußtsteins von .... Murphy...
Dort standen einige interessante Theorien.
Man soll sogar so reden, als wäre das was man sich wünscht schon eingetroffen. Z.B. : ich bin zusammen mit einem ehrlichen, treuen.....Mann
Und dann würde dieses auch irgendwann eintreffen...

Mmmhh, ist mit Sicherheit alles Ansichtssache. Ich versuche schon eher positiv zu denken, weil das negativ denken mich noch weiter und weiter runterzieht, weil ich dann eine negative Ausstrahlung habe und es mich einfach krank macht.
Was nicht heißt, das ich nicht VORSICHTIG bin und mich mit meinen Vertrauen etc. nicht zurückhalte.

Die Sache mit dem Stolz, das sollte wohl jeder für sich entscheiden.
Für mich hat es mit Stolz nichts zu tun, wenn ich jemanden Liebe und ihn zurück möchte und dann einiges dafür tue. Natürlich gebe es da Grenzen, aber die sollte sich auch jeder selber stecken...
Was würde einem Stolz nützen, wenn man dann vielleicht die letzte Chance dadurch verliert?
Ich würde mich für mich persönlich gesprochen, nicht erniedrigen, den Typ nicht anflehen, nicht hinterherrennen etc. etc. etc., aber wie gesagt, da hat jeder seine Grenzen und muß für sich selber entscheiden.

Und klar, geht es diesen Typen (ich weiß wen Du meinst, grinnsss) bestens...
Aber, wissen die eigentlich was WAHRE LIEBE ist, haben die die schonmal erlebt??? Gehören sie nicht evtl. auch zu den Austausch- und Wegwerf-
gesellschaft etc.???

Jeder sollte es so entscheiden wie es für IHN am besten erscheint und wo er mit am besten für sich gesehen leben kann. Man kann das nicht verallge-
meinern...
Aber ich würde sagen, positives Denken bringt uns weiter; weil es die Gesundheit und die Seele nicht so angreift wie negatives Denken...

LG
Belfine
 
Hallo ihr Lieben,

Also ich finde.. man muß Stolz von zweierlei Seiten betrachten. Einmal den Stolz vor dem Partner und dann den Stolz vor sich selbst.

Was ich meine ist, wenn mich ein Mann total schlecht behandelt hat wäre ich sicherlich zu stolz, ihm hinterherzurennen und ihm das Gefühl zu geben, man kann nicht ohne ihn oder will ihn unbedingt zurückhaben. Und manchmal passiert das leicht (auch wenn man denkt er merkt das nicht) wenn man z.B. auf eine Nachricht und ein Entgegenkommen von ihm wartet und wenn das dann eintrifft, man sofort "verfügbar" ist. Oder besser gesagt, er sofort merkt, daß man nur darauf gewartet hat. Und das merken die garantiert!

Dann gibt es wieder den Stolz vor sich, daß, wenn man sich dann so benimmt man sich selbst nicht mehr im Spiegel anschauen kann. Zumindest würde es mir so gehen. Ich würde immer denken: "Karin, wie weit bist Du gekommen. Da behandelt er dich so arschig und Du willst ihn trotzdem zurück."

Versteht ihr was ich meine?

LG,
Karin
 
Hallo Leah,

ich finde, dass dieses ewige Schwarz-Weiß-Denken nicht besonders hilfreich ist. Als ob es nur entweder optimistisch oder pessimistisch gäbe. Das sind nämlich nur die äußersten Extreme, in Wahrheit gibt es tausende Möglichkeiten dazwischen. Aber leider denken viele Leute lieber nur in diesen zwei Kategorien, weil eine realistische Betrachtung der Dinge ja viel anstrengender ist...
Also ich will damit sagen, dass es in jeder Situation eine realistische Sichtweise gibt und weder dauernder Optimismus noch Pessimismus besser ist. Auf dieser Seite wird das an Beispielen gut erklärt.

Zum Thema Stolz:
Also ich finde, dass man eigentlich nicht Stolz haben, sondern nur auf etwas stolz sein kann. Mit "Stolz haben" meint man eigentlich "Selbstachtung haben". Und richtiges "stolz sein" setzt IMO voraus, dass man etwas erreicht hat, worauf man dann stolz sein kann.

Grüße,
Jens
 
Hallo Leah,

ich glaube Stolz ist nicht gleich Stolz.

Einmal sehe ich Stolz, genau wie Jens79 schrieb, eher als Selbstachtung an, den man sich nicht nehmen lassen sollte. Das bedeutet jedoch nicht, dass man nicht verzeihen kann. Man muss nicht hart bleiben, wenn man nachgeben möchte. Auch da kann das Gefühl entscheiden.

Den anderen Stolz nenne ich "falschen Stolz". Der hat in meinen Augen mit verletzter Eitelkeit zu tun. Da wird dann ausgeteilt, kontrolliert, aufgelauert und was nicht alles. Das mag ich überhaupt nicht.

In meinem bisherigen Leben habe ich versucht das Positive zu sehen. Dabei bin ich so manchesmal tüchtig auf die Nase gefallen. Nach einer gewissen Zeit des Wundenleckens, war ich wieder so positiv für alles Neue. Ein einziges Mal habe ich versucht eine Mauer um mich herum aufzubauen, alles negativ zu sehen. Was ist dabei rausgekommen, ich habe mir selbst die Freude am Leben genommen. Deshalb schaue ich optimistisch in die Zukunft. Egal welche Enttäuschungen evtl. noch auf mich zukommen, die schönen Zeiten meines Lebens könne diese mir auch nicht mehr nehmen. Denn der schlechten Zeit ist meistens eine schöne Zeit vorausgegangen. Jeden Moment dieser schönen Zeiten habe ich in meinem Herzen gespeichert. Die schlechten Zeiten habe ich entsorgt, mal hat es länger gedauert, mal kürzer.

Das Geschriebene bezieht sich auf persönliche Beziehungen und das Scheitern dieser. Im Geschäftsleben bin ich lieber erst mal pessimistisch, traue nicht allen guten Worten. Das hat mich schon vor großem Unheil bewahrt.
 
Hallo Leah,

auch ich will versuchen, meine Gedanke dazu mitzuteilen.

Ich denke nicht, dass es hilfreich ist, das Positive im Leben zu übersehen...
aber man darf nie dabei vergessen, dass nicht alles im Leben positiv ist.
Der Ansatz alles positiv oder negativ zu sehen würde nicht der Realität entsprechen.
Es geht eher darum, in einer schwarzen Phase nicht zu übersehen, dass das Leben auch schöne Seiten zu bieten hat.
Der zweite Punkt ist die Erwartungshaltung anderen gegenüber...
Wenn man nichts erwartet wird man nie enttäuscht, aber wer ist schon davon frei ??
Meine Freudin sagte mal zu mir : wenn Du nichts von einem Menschen erwartest, wirst Du Dich freuen, wenn dieser Dir was Schönes antut und nicht enttäuscht sein, wenn er es unterlässt.
Nun, ich bin absolut weit davon entfernt ....
In Spanien gibt es ein Sprichwort : "no hay mal, que por bien no venga"...
Es gibt nicht Schlechtes, das nicht eine gute Seite hat ...
Ich denke, das trifft es. Eine gute Seite hat alles, was wie erleben, auch wenn wir es nicht gleich erkennen.
 
Hallo Puma,

stolz... man kann sich damit auch fertig machen. problematisch ist, wenn man erst stolz sein kann, wenn man dies oder jenes erreicht hat. und was, wenn man es nicht schafft??? -----
Also ich würde es schon so sehen, dass man sich Stolz sozusagen verdienen muss... Wer sich ohne Gegenleistung ständig auf die Schulter klopfen will, verhält sich IMO zynisch gegenüber seinen (moralischen) Wertvorstellungen.

Und natürlich liegt für jeden Menschen die Messlatte, die man überspringen muss um stolz zu sein, unterschiedlich hoch. Jemand mit Übergewicht ist stolz, wenn er durch Ausdauerlauf 5 kilo abgenommen hat; der Marathon-Profi ist stolz, wenn er seine Bestzeit nochmal um 20 Sekunden verkürzt hat.

Viele Grüße,
Jens
 
QUOTE=Leah]
Jahrelang wurde mir von Familie und auch guten Freunden eingeredet ich fahre besser damit wenn ich mir nicht immer so viele Hoffnungen mache und alles immer nur positiv sehe. Dann würde ich nur umso tiefer fallen wenn das was ich mir wünsche nicht eintreten würde.
....Im Grunde wollten sie dir vermitteln die Lage realistisch einzuschätzen da die meisten Angelegenheiten nicht nur von uns sondern auch von äußeren Umständen abhängen. Auch wenn man sich bemüht es eben dennoch scheitern kann. Und du dies mit berücksichtigen solltest damit dein Selbstwertgefühl keinen Knacks bekommt.

Also habe ich brav auf "alle" gehört und mir angewöhnt alles grundsätzlich erst mal in den schwärzesten Farben zu sehen,
....grundsätzlich hast du hier zu einer radikalen bzw. extremen Maßnahme gegriffen. Du darfst nicht in allem dieses Level ansetzen. Unterscheidungsvermögen solltest du da nicht außer acht lassen was dir eine ausgeglichene Betrachtungsweise möglich macht.

Heute bekomme ich hier im Forum von vielen gesagt: wenn Du nicht an das GLAUBST was Du Dir wünschst, dann wird es niemals eintreffen, Du musst positiv denken, Du musst daran glauben dass Du bekommst was Du Dir wünschst! Und ich merke, dass es mir nicht nur dabei viel besser geht wenn ich alles positiv sehe, sondern dass ich auch insgesamt eine ganz andere Ausstrahlung habe und somit auch den "Erfolg" wieder regelrecht anziehe und viel öfter das bekomme was ich mir wünsche!!!
.....Ja das Ziel das man erreichen möchte soll man stets im Auge behalten und nicht beim kleinsten Hinderniss aufgeben. Logisch wenn das Ziel nicht angesteuert wird erreicht man es auch nicht.

Das würde aber doch auch die Theorie widerlegen die einige hier im Forum vertreten, dass wir nicht "stolz" genug sind - z.B. in Bezug auf Ex-Partner - dass wir nicht sofort hinwerfen und aufgeben und wegrennen, sondern immer wieder das positive sehen und suchen?!
...wie anfangs erwähnt gebraucht man oft nicht die richtigen Worte man holt aus und greift nach Begriffen die ähnliche Bedeutungen haben. Oft fällt einem kein anderes ein und nimmt ersatzweise ein Wort das man auch so verstehen könnte. Deine Überlegung ist sehr gut man merkt dass du dir Gedanken machst. Andere Sprachen sind oft besser in der Bedeutung da man verschiedene Worte für ähnliche Begriffe hat. Wie z. B. im deutschen das Wort Liebe es schliesst Mutterliebe, Nächstenliebe, erotische Liebe ein. Obwohl hier eigentlich jedes dieser Liebesformen eine andere Bedeutung hat gebraucht man das selbe Wort weil es im grossen und ganzen das ausdrückt was man mitteilen möchte.
Ich persönlich denke dass man stolz mit - ein Ziel zu erreichen - Erfolg zu haben nichts miteinander zu tun haben. Denn stolz ist eine Eigenschaft die ein Mensch besitzen kann aber nicht unbedingt in Verbindung damit dass er was erreicht hat. Das würde ich sehen wie Eigenlob. Wer trotz Erfolg nicht stolz ergo überheblich wird hat gelernt das Erfolgserlebnis richtig zu kompensieren indem er es bei einer gesunden Selbstachtung belässt.
Seinen Selbstwert nicht übersteigert indem er damit strotzt. Wer ein gesundes Selbstvertrauen hat wird auch wissen wann andere seine Selbstachtung nehmen wollen und sich diese erarbeitete Selbstwertgefühl bewahren muss um weiter zu existieren. Keiner hat das Recht einen Menschen zu erniedrigen indem er die Persönlichkeit eines Menschens bricht.
Daher neigen wir auch dazu anderen zu helfen an Selbstachtung zu gewinnen.
Und harren deshalb in einer nicht guten Partnerschaft aus.
Erst wenn unser Selbstwertgefühl bei diesem Kampf verloren geht dann geben wir auf.

Fazit hinsichtlich deiner Überlegungen müsste das gebrauchte Wort stolz als Selbstvertrauen deffiniert werden.
Denn stolz ist man und kommt von Hochmut und der wär in deinen gefragten Handlungen fehl am Platz würde also deine Geschichte verzerren.
Hochmut hat nichts damit zu tun ein Ziel erreichen zu wollen und auch nichts damit zu tun zu den Partnern zu stehen auch wenn es schwierig wird.
Wohl eher das Gegenteil. Selbstwertgefühl zu haben schliesst also mit ein auch demütig zu sein weil man Selbstachtung nur erlangt wenn man auch andere achtet.
Puma hat uns ja einen klasse Einblick gegeben was das Wort stolz betrifft.

LG
 
@ puma:

Ich schließe mich Annalina an, auch ich finde deinen Beitrag sehr beeindruckend.
Warum genau kann ich nicht sagen ... vielleicht, weil du genau die richtigen Worte triffst um den Nagel auf den Kopf zu haunen?
Ich bin noch nicht lange dabei, aber im Laufe meiner Erkundungsturen durch das Forum stoße ich immer wieder über Beiträge von dir, die mich sehr berühren.
Ich weiß nicht, ob es nur mir allein so geht, aber es ist so.
Du sprichts vielleicht sogar vielen hier aus der seele mit dem was du schreibst, du triffst das, was andere nur schwach umreißen und du baust die Leute immer wieder auf. Nicht auf heuchlerische art, sondern mit respekt und ehrlichkeit - das trifft man nur noch selten.
... naja ich wollte das einfach mal gesagt haben, da ich an deinen beiträgen wieder und wieder hängen bleibe =)

@ stolz:

Ich finde auch, dass stolz ein schwieriger begriff ist. In den meisten Dingen kann ich meinen Vorrednern nur Recht geben.
Stolz sich gegenüber, also Achtung vor sich selbst, Selbstbewusstsein, ist sicher guter stolz - so lange es nicht in ignoranz, egoismus und hochmut umschlägt.
Doch sag das mal in dieser Gesellschaft. Ihr gilt man nur las "erfolgreich", wenn man sich beweisen kann. Wenn man etwas ist, wenn man etwas hat.
Wenn man sich irgendwie abhebt und sich abrackert etwas zu erreichen - auch wenn man es vielleicht selbst nicht will/braucht.
Man darf ja schließlich nur stolz sein, wenn man es zu etwas gebracht- eine Leistung erbracht- hat.

Manche Mensch scheinen diese Verstärkung ihrer Leistung(en) irgendwie unbedingt zu brauchen. Sie Leisten etwas, weil es ihnen richtig erscheint, dass es auch nur für Leistung stolz geben kann.
Jeder wird aber bei dem begriff leistung andre maßstäbe setzen... und plötzlich gilt eine leistung nicht mehr als solche, weil ein anderer - uns ähnlicher - eine "bessere" Leistung "geschafft hat".

Was tun? Sich anpassen an die Maßstäbe anderer oder seine eigenen beibehalten?
 

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