Hallo,
also, ich bin als Kind auch geschlagen worden, dass war in meiner Generation eine gängige Erziehungsmethode. Der berühmte Hinternvoll oder mal eine Ohrfeige. Es passierte nicht allzu oft, aber angedroht wurde es schon des öfteren. Ich denke auf keinen Fall, dass es mir gut getan hat, ich empfand es als demütigend.
Trotzdem war es noch Welten davon entfernt von dem, was hier manche an Gewalt und Misshandlung erleben mussten, ich bin schockiert.
Ich finde es absolut richtig, dass es heutzutage verboten ist, Kinder zu schlagen, in welcher Weise auch immer. Schon alleine aus diesem Grund, dass jeder "Klaps" eine Hemmschwelle überschreitet. Grenzen werden dadurch aufgeweicht und überschritten. Jeder Erwachsene, der sich das gestattet, macht sich möglicherweise beim nächsten Mal auch nicht allzu viele Gedanken, der nächste "Klaps" kommt dann vielleicht schneller als gewollt und fällt möglicherweise dann härter aus.
Ich weiß, dass Erziehung nicht einfach ist. Ich selbst habe keine eigene Kinder aber ich habe etliche Freunde, die Kinder haben. Den meisten ist noch nie "die Hand ausgerutscht". Trotzdem sind oder waren diese Kinder keine "Terroristen", sondern in der Regel recht verträgliche Menschen. Ich kenne auch schwierige Kinder, die sind es aber meiner Meinung nach nicht deswegen, weil sie nicht geschlagen wurden und werden, sondern aus anderen Gründen, es gibt leider so viele Möglichkeiten, erziehungsmäßig kontraproduktiv zu handeln, manchmal sind diese Kinder auch einfach nur besonders lebhaft in ihrem Temperament usw.
Psychische Gewalt ist genauso schlimm, aber das bedeutet ja nicht, dass man deshalb körperliche Gewalt relativiert. Und psychische Gewalt kann man nicht so einfach verbieten, weil sie ja viel weniger greifbar ist.
Wie gesagt, Erziehung ist nicht einfach, heutzutage werden auch viele Eltern durch die unterschiedlichsten Erziehungsratgeber verunsichert.
Hier wird manchmal auch gewaltfreie Erziehung mit antiautoritärer Erziehung verwechselt. Ich denke, dass Erwachsene, die ein halbwegs gesundes Selbstwertgefühl haben und ansonsten auch in einer gewissen emotionalen Stabilität leben, ihren Kindern durchaus Grenzen setzen können, ohne Gewalt auszuüben, oder ohne ansonsten hilflos den Trotzphasen, Auflehnungen und auch Aggressionen ihrer Kinder ausgesetzt sind.
Ich denke wichtig ist, dass man erkennt, dass das Kind ein eigenständiger Mensch ist, welches abhängig von den Eltern ist, welches aber ein Anrecht auf Liebe, Geborgenheit, Sicherheit und auch "Grenzen erfahren" hat.
Das alles ist als Eltern nicht wirklich einfach, zu leisten. Wie lange diskutiert man, wie lange erklärt man, bis z. B. ein klares "Nein" mit natürlicher Autorität und Konsequenz die einzige Möglichkeit ist. Und es gibt etliche Konsequenzen, die nichts mit Gewalt zu tun haben.
Aber nicht jeder hat diese Fähigkeit, weil er vielleicht selbst eine sehr schwierige Kindheit erlebt hat oder so.
Gelinda z. B. war von klein auf übermäßig auf sich selbst gestellt, musste ganz früh selbständig werden, um zu überleben. Wie sollte sie wissen, wie man Kinder erzieht? Das entbindet sie sicherlich nicht von der Verantwortung für das, was sie tat, tut, oder als "richtig" darstellt.
Einem Kind mit dem Teppichklopfer zu drohen, den es noch selbst holen muss, weil es etwas nicht kann (Schuhe zubinden), finde ich sowas von daneben und mehr als grenzwertig. Vor allem, weil das Kind mit dem Teppichklopfer anscheinend Schäge verbunden hat (ansonsten ist ein Teppichklopfer ja keine Gefahr), entweder, weil es es schon erlebt hat, oder, weil es ihm öfter angedroht worden ist. Daneben noch die Schäge auf dem Mund, oder die Kopfnüsse.
Naja, lange Rede, kurzer Sinn, es gibt tausend Sachen, die man "falsch" machen kann in der Erziehung. Da ist doch so ein Verbot, zu schlagen, bzw. die Einstellung, dieses niemals tun zu wollen, sehr hilfreich, um nicht noch diesen gravierenden "Fehler" zu machen.
Liebe Grüße
saminabi