Wusstest du, dass statistisch Aktienmärkte während eine Rezession oft steigen? Oft ist es so, dass die Abschwünge VOR der Rezession stattfinden, aber wenn dann die Rezession bekannt ist, geht es schon wieder nach oben, weil der Markt die Zukunft handelt.
Du versuchst Aktienmärkte anhand deiner Zukunftserwartung einzuschätzen mit Informationen, die aber nicht du exklusiv sondern jeder hat. Ein solches Markt-Timing gelingt fast keinem Anleger und das rein und raus aus den Märkten kostet die meisten einfach nur Geld bzw. Rendite.
Wir haben im MSCI World seit Januar rund 15% verloren, Dax zwischenzeitlich 20%. Worauf wartet ihr? Auf 50% Rückgang bei gleichzeitig sonniger Zukunftsprognose? Sowas gibs nicht! Jede Kaufgelegenheit wird begleitet von negativen Zukunftsprognosen.
Wenn man die Inflation reinrechnet und andere Assetklassen wie Immobilien vergleicht, kann man Aktien sogar als extrem billig bewerten. Ernsthaft: ist eine Alphabet mit einem KGV von 20 teuer? Oder eine Amazon, die 1/3 Wert verloren hat?
Klar gibt es Risiken, aber die sind sichtbar eingepreist. Schaut euch an wie Rohstoffabhängige Chemiekonzerne wie BASF gefallen sind, auf fast 50%! Alleine die Dividendenrendite von BASF wären heute 8%!
Du hast vielleicht Recht, dass die Zukunft nicht rosig aussieht, aber kannst du beurteilen, dass die Zukunft noch schlechter sein wird, als sie bereits eingepreist ist? Ich kann das nicht.
Viele (Neu-)Anleger haben keine Erfahrung damit, wie sich Krise anfühlt, wenn man selber mit einem Batzen Geld drin steckt und wie sich Krise im Eigentlichen definiert.
Ein fundamentales Charakteristikum einer Krise ist der anhaltende Pessimismus während der voranschreitenden Situation und eine gewisse umgreifende Hoffnungslosigkeit.
Auch hier ist der sachlich denkende Anleger wieder im Vorteil, der sich eben nicht von diesen Gefühlen der breiten Masse anstecken lässt, sondern kühl berechnend den Zustand als "Krise" identifiziert und entgegen des Herdentriebs und des Instinkts nachkauft und erlittene Buchverluste (!) aussitzt und keinesfalls realisiert.
Wenn man das 1-2 Mal selber miterlebt hat, stellt sich eine gewisse Routine ein... 2008 und 2020 konnte man jeweils meinen, das Ende sei nah... das Gefühl war ähnlich wie heute.
Kann mich noch sehr gut an 2008, meine erste Krise an der Börse erinnern... da gings mir nicht gut, obwohl die Beträge im Vergleich zu heute als damaliger Student verhältnismäßig niedrig waren.
Statistisch betrachtet, erlebt jeder langfristige Anleger (25 Jahre +X) mindestens 2 Krisen. Da muss man durch und genau da trennt sich eben ein Anleger mit gutem Mindset von impulsiven Glücksrittern.
Daher möchte ich auch nochmal auf einen weiteren kritischen Punkt von
@Paxit zu sprechen kommen, der bislang weitgehend unbeachtet blieb:
Die Anlagedauer von 10 Jahren.
Wie von mir schon angedeutet ist dies tendenziell zu kurz. Gemäß historischem Renditedreieck auf breit gestreute Aktienfonds sind in diesem Zeitraum (durchaus auch höhere) Verluste bereits realisiert worden.
15 Jahre gelten gemeinhin als Minimum für Geldanlage in Aktienfonds... besser noch mehr.
Da hier wohl für ein anstehendes Projekt angespart werden soll, welches spätestens in 10 Jahren realisiert werden möchte (gemäß Nachbarthread über Katzencafe), ist das kritisch zu betrachten.
Ich empfehle, wie so oft, das Studium der Renditedreiecke für den gewünschten Index, hier als Beispiel der MSCI World auf Sparplanbasis (Achtung, Einmalanlagen verhalten sich anders):
Was ein Sparplan auf den MSCI World erwirtschaftet | DAS INVESTMENT
Desweiteren vielleicht, auch wenn ein wenig off topic, noch ein paar Worte zur gegenwärtigen Krise:
- Ein Großteil davon ist, anders als bei der Corona-Krise, menschgemacht und könnte binnen sehr kurzer Zeit durch die Entscheidung der entsprechenden Auslöser nivelliert werden.
Für einen Frieden in der Ukraine und einen vollständigen Abzug der russischen Truppen sind schlichtweg menschliche Entscheidungen notwendig.
Die globalen Lieferketten (von einigen in der Ukraine mal abgesehen) sind keineswegs zerstört, wie man manchmal verwundert lesen muss. Sie liegen, hauptsächlich, aber nicht nur aufgrund der chinesischen Entscheidung für 0 Covid auf Eis. Sie wieder anzufahren, nach entsprechender Entscheidung versteht sich, dauert etwas Zeit, ist aber absolut möglich, da die Infrastruktur und Arbeitskräfte nach wie vor vorhanden sind.
Europa ist nicht zwanghaft abhängig von russischen Rohstoffen. Das war es während des gesamten kalten Krieges und danach bis in die 00er Jahre nicht. Dieser Zustand ist, eine gewisse Anpassungszeit vorausgesetzt, auch wieder erreichbar, erst recht mit den neuen, regenerierbaren Energien.
Kurzum, auch die jetzige Krise ist kein Loch ohne Umkehr, kein globaler Untergang und sie unterscheidet sich nur in den Details von anderen Krisen.
Für diejenigen, welche nun langfristig einsteigen möchten oder noch etwas Geld zum investieren über hätten, sehe ich tatsächlich gerade gute Chancen. Allerdings nur wirklich langfristig gedacht (siehe oben).
Dass es sich kurzfristig sogar noch verschlimmern könnte ist absolut möglich.