Ihr habt Recht, es wird langsam OT.
Daher werden jetzt alle Beiträge, die sich darauf beziehen, ob der "Mann unwillig eine Errektion haben kann oder nicht" als OT gelöscht und ge/verwarnt. Das kann man auch in Biologie oder bei Arztbesuchen klären.
Das Thema ist, "Wo beginnt die sexuelle Gewalt?"
Ich persönlich finde nicht, dass dieser Aspekt OT ist. Ganz im Gegenteil.
Sexuelle Gewalt beginnt keineswegs da, wo ich den anderen unerlaubt anfasse. Sie beginnt nicht im Bett. Sie beginnt bei der Selbstbestimmung.
Was passiert in diesem Thread?
Es gibt definitiv Männer, die sagen, sie wurden vergewaltigt und sie hatten dabei eine Erektion. Das ist ein Fakt.
Und hier wird die These geäußert: Wer eine Erektion hatte, wurde nicht vergewaltigt.
Also wird den Männern damit ihr Recht auf Selbstbestimmung genommen. Sie werden zu Lügnern gemacht.
Lasst uns mal darüber reden, was eine solche Aussage mit den Opfern macht.
An der Stelle möchte ich Sevis Beitrag zitieren, der es auf den Punkt bringt, worum es in diesem Thread geht.
Darf hier jetzt eigentlich auch über den juristischen Bereich diskutiert werden oder geht es nur um subjektive Empfindung?
Ich sehe da nämlich eine gewisse Problematit, versucht man die subjektive Ebene auf die rechtliche zu übertragen. Ich glaube nicht, dass es da im Beweiskatalog für Vergewaltigung einen Punkt gibt der aussagt "Beweis für Vergewaltigung ist wenn das Opfer sich subjektiv vergewaltigt führt".
Ich will niemandem seine Wahrnehmung und Erfahrungen absprechen. Das einige hier das vergewaltigten Männern gegenüber tun, hat mich zum nachdenken gebracht . Also wenn jemand sich vergewaltigt fühlt, dann ist das wohl rein subjektiv auch so. Aber was hat derjenige dann davon, wenn grade diejenigen die rechtlich beurteilen ,ob eine Vergewaltigung vorliegt, sich eben nicht auf subjektive Empfindungen stützen, sondern Fakten und Beweise sehen wollen?
Wenn rechtlich tatsächlich gelten sollte "man wurde vergewaltigt, wenn man sich vergewaltigt fühlt", dann stelle ich mir die Frage, wie folgende Dinge vermieden werden sollen:
1. Leute bezichtigen jemand anderem der Vergewaltigung, nur weil sie demjenigen etwas auswischen wollen oder sich irgendwie aus der Affäre winden wollen. Die müssten nur überzeugend auftreten, dass der Richter glaubt, sie wurden tatsächlich vergewaltigt und schon sitzt ein Unschuldiger im Knast.
2. Leute fühlen sich subjektiv tatsächlich vergewaltigt, aber die subjektive Wahrnehmung ist so weltfremd, dass man dafür nun wirklich keinen unschuldigen in den Knast stecken könnte. (ähnlich wie das Beispiel: "Er hat mich geschubst. Das war ein Mordversuch")
Wenn tatsächlich gelten sollte "Vergewaltigt wurde ,wer sich vergewaltigt fühlt", wie soll man dann mit solchen Fällen umgehen? Opferschutz ist wichtig, aber deswegen kann man gerichtlich nicht solche subjektiven Empfindungen durchgehen lassen, um schon den Bestand der Vergewaltigung als erwiesen zu sehen. Würde es so gehandhabt werden, würden im Übermaß neue Opfer auftauchen, nämlich Menschen die zu unrecht in den Knast gesteckt werden.
Die Frage ist wo zieht man seine Grenze? Bis wann sagt man einer Person :"Das einzige was zählt , ist deine subjektive Empfindung." Ich bin sicher, selbst diejenigen, die genau das hier aussagen, haben ihre Grenze, nach der selbst sie sagen (oder zumindest denken) würden: "Mensch Mädel/Junge. Das ist aber nun wirklich keine Vergewaltigung."
Beispiel: Eine Frau hat eigentlich keine Lust auf Sex ,macht aber freiwillig und OHNE anzudeuten, dass sie eigentlich nicht will, beim Sex mit und tut dem Mann zuliebe auch so, als würde es ihr gefallen. Am nächsten Tag fühlt sie sich hundeelend , weil sie eigentlich nicht wollte und kommt nach langem Nachdenken zu dem Schluss "das war eine Vergewaltigung". Sie ist auch vollkommen überzeugt davon. Würdet ihr so einer Frau jetzt tatsächlich sagen "Ja , wenn du das so fühlst war das eine Vergewaltigung?". Auch auf Risiko hin, dass sie das dann tatsächlich zur Anzeige bringt und ihr dann entweder der Anwalt/Richter ganz klar sagt, dass es keine ist oder noch schlimmer, sie wirkt so überzeugend, dass deswegen tatsächlicher ein Unschuldiger ins Gefängnis kommt?
Wenn du hier keine Diskussion für den rechtlichen Bereich wünscht, Tuesday, sag bescheid , dann lösche ich meinen Beitrag wieder.
Untersteh dich, den zu löschen 🙂
Es geht genau darum. Es gibt einen rechtlichen Bereich und es gibt das subjektive Erleben des Betroffenen/der Betroffenen.
Einem Betroffenen zu sagen, das sei keine Vergewaltigung, kann ebenfalls als sexuelle Gewalt erlebt werden, denn mit dieser Aussage wird die Selbstbestimmung in Frage gestellt und er wird zum Lügner.
Wenn ich jemand im Rahmen eines solchen Forums helfen will, muss ich zunächst mal seine Selbstbestimmung stärken und seine Wahrnehmung bestätigen.
Jemand, der ein solches Trauma erlebt hat, braucht das unbedingt.
Gefühle sind nie falsch. Fühlt sich jemand vergewaltigt, dann war es genau das für ihn. Eine Vergewaltigung. Ich kann nicht mit jemanden darüber diskutieren, dass seine Gefühle falsch sind.
Trauma heißt, derjenige war in einer Situation der völligen Hilflosigkeit, möglicherweise ging das so weit, dass er Todesangst hatte.
Kommen wir in eine solche Situation, wird unser Verstand ausgeschaltet. Es gibt das rationale Gehirn und das emotionale Gehirn, die normalerweise miteinander arbeiten. Aber in so einem Moment wird eine chemische Blockade zwischen die beiden geschoben und wir reagieren nur noch mit unserem "Dinosauriergehirn", wird sind ganz auf der Gefühlsebene.
Manchmal passiert es, dass man an einen Unfallort kommt und da steht einer und lacht sich halb schlapp.
Unter normalen Umständen hätte diese Person Zugang zum rationalen Teil des Gehirns, dem Hippokampus, der sagen würde: Bist du bescheuert, das ist alles andere als lustig!
Der ist aber hier ausgeschaltet. Man reagiert nur noch auf der emotionalen Ebene.
Da kann es nun passieren, dass Angst und Schmerz so überwältigend sind, dass unser Dinosauriergehirn entscheidet, dass sie zu stark sind, um sie auszuhalten. Da die Energie aber da ist, muss sie irgendwo hin und dann werden andere Gefühle aktiviert. Lachen, Glücksgefühle.
So kann es passieren, dass eine Frau schreibt, sie schlief glücklich in den Armen des Vergewaltigers ein.
Je abstruser das Gefühl während der traumatischen Situation, umso sicherer ist, dass das eigentliche Gefühl zu stark war.
Jeder Mensch reagiert irrational in einer traumatischen Situation. Das ist ein Mechanismus im Gehirn, den wir nicht ausschalten können.
Man kann bestimmte Situationen trainieren. Soldaten üben das während der Ausbildung unter künstlichem Beschuss. Aber das heißt nicht, dass sie alle traumatischen Situationen locker meistern. Eine Elitesoldatin/ein -Elitesoldat, der vergewaltigt wird, kann genauso mit Schockstarre reagieren.
Erste Maßnahme nach einer traumatischen Situation: Der Verstand muss aktiviert werden. Der Hippokampus muss zum Arbeiten gebracht werden.
Das passiert unter Anderem durch Reden.
Der nächste Schritt: Reden über die Gefühle.
Alles, was ich an der Stelle benennen kann, wird vom Hippokampus verarbeitet und kann später nicht mehr als Flashback zurückkommen.
Wer ein Trauma erlebt hat, gar Flashbacks hat, weiß, was ich meine, wenn ich sage, dieses Reden ist einfacher gesagt als getan.
Darum gibt es verschiedene Techniken, sich erst mal von diesen Gefühlen zu distanzieren. Das lernt man in der Traumatherapie.
Für das Forum ist wichtig: Lasst die Leute reden. Unterstützt sie in ihrer Wahrnehmung, lasst ihre Gefühle zu. Ob es eine Vergewaltigung war oder nicht, ist an der Stelle irrelevant. Erst DANN wenn ich es eine Vergewaltigung nennen darf, kann ich es IM NÄCHSTEN Schritt auch in Frage stellen.
Die wenigsten Leute, die in dieses Forum kommen, sind aber bereits bei diesem Schritt angekommen. Die müssen erst mal verstehen, was ist ihnen da passiert ist, was sie gegenüber den Ereignissen fühlen, was das mit ihnen macht?
Die Leute sind an der Stelle keinen rationalen Erklärungen zugänglich. Die sind im Gefühlschaos. Das müssen sie für sich sortieren.
Trauma heißt immer, dass nicht verarbeitete Gefühle im System rumschwirren. Die müssen erst mal identifiziert werden. Wenn ich nun während der Situation das Gefühl hatte, vergewaltigt worden zu sein, die Außenwelt mir aber dauernd sagt, das war gar nicht so, wie will ich das Gefühl dann identifizieren?
Ich denke nicht, dass den Leuten die Diskussionen darüber, ob es eine Vergewaltigung war oder nicht, wirklich hilft.
Sicher kann man ihnen erklären, dass es rechtlich gesehen bestimmte Aspekte geben muss, damit eine Anzeige Erfolg haben kann. Aber ob diese gegeben sind oder nicht, kann nur vor Ort von Fachleuten geklärt werden. Und das ist dann auch der richtige Ort, der richtige Zeitpunkt.
Wichtiger würde ich es finden, die Leute darüber aufzuklären, was auf sie zukommt, wenn sie eine Anzeige machen wollen. Dass man sie zum Beispiel knallhart fragen wird, ob es sich möglicherweise um einen Racheakt von ihrer Seite handeln könnte. Viele Betroffene verlieren an dieser Stelle die Sicherheit und ihre Aussage damit an Kraft. Man kann ihnen sagen, welche Rechte sie haben, nämlich zum Beispiel, dass zwar kein Freund oder Angehöriger bei der Aussage dabei sein darf, durchaus aber ein Anwalt.
Also wenn manche hier schon Rechtsexperte spielen wollen, warum erklären sie den Betroffenen dann nicht Dinge, die ihnen dabei helfen, so eine Anzeige durchzustehen und möglichst wasserdicht zu machen?
Dieses "das war keine Vergewaltigung" hilft am Ende nur den Tätern!
Das ist ja auch Psychologie. Selbst wenn die Frauen und Männer sich von den Aussagen in diesem Forum nicht einschüchtern lassen, zur Polizei gehen, im Hinterkopf haben sie dann das, was sie hier gelesen haben und das verunsichert.
Helfen wir den Leuten dabei, ihr Leben wieder in den Griff zu bekommen und überlassen wir doch die Entscheidung über Rechtliches an der Stelle, wo es auch hingehört.
Wenn sich gewisse Leute mit ihrem angeblichen Expertenwissen brüsten und Betroffene verunsichern, dann sollten wir uns daran erinnern, dass es sich um Laien handelt, die ein bisschen Halbwissen auf einem Gebiet haben, das in keinster Weise aus klar nachvollziehbaren Fakten besteht.
Es mag bei uns nicht so extrem wie in Amerika sein, aber auch das deutsche Recht ist eine Frage der Auslegung. Wer wirklich glaubt, es gäbe DAS Gesetz, das für alle gleich ist und es gäbe DIE Gerechtigkeit, der hat echt noch nie was mit einem Anwalt oder gar Gericht zu tun gehabt.
In einem Laienforum kann und darf es keine Rechtsberatung geben!
Die Betroffenen brauchen Leute, die ihnen zuhören, Menschen, die ihnen glauben!
Es geht darum, dass sowohl Männer als auch Frauen körperliche Anzeichen zeigen können, dass sie erregt sind, obwohl es nicht so ist.
Erregt ist erregt. Da beißt die Maus keinen Faden ab. Nur hat die Erregung nichts mit Willen, Lust oder Spaß zu tun. Es ist eine körperliche Reaktion auf eine Stimulierung. Ende. Aus. Das heißt nicht, dass derjenige erregt sein möchte oder gar aufgrund dieser Erregung agieren möchte oder benutzt werden möchte.
Wir wissen ja was Gewalt ist.
Wir wissen was Gewalt ist? Das wage ich zu bezweifeln. Die meisten Menschen haben keine Ahnung, wo Gewalt anfängt. Und ganz ehrlich, die meisten Menschen wollen es auch nicht wissen. Die wollen nicht mal drüber reden.
Wir wollen nicht zugeben, dass der nette Nachbar, der jeden Sonntag unseren Rasen mitmäht, ein Gewalttäter gegen das eigene Kind sein könnte. Lieber erklären wir das Kind für rebellisch und bösartig.
Und dann kommt noch die Königsdisziplin. Die Auseinandersetzung mit sich selbst. Wer möchte sich schon damit beschäftigen, an welchen Stellen er selbst tagtäglich Gewalt ausübt?