Heute habe ich wieder viel über mich gelernt. Komischerweise ging es dabei ums Helfersyndrom. Wenn ich hier im Forum anderen durch meine Antworten helfen möchte, tue ich das im Grunde genommen allein für mich selbst. Ich bin mir selber auf der Spur, wenn ich andere anschubbse und die Themen haben allesamt immer auch mit mir selbst zu tun. Natürlich lenke ich mich auch ganz legitim von meinem eigenen Problem (dem Übergewicht) ab. Wenn ich es übertreibe, also dem Helfen zu viel Zeit widme, dann merke ich, dass ich auf der Strecke bleibe, weil ich mich zu wenig mit mir selbst beschäftige. Ich muss also aufpassen, dass auch genügend Selbsthilfe übrig bleibt und ich mich auch um mein eigenes Problem (dem Abnehmen) kümmere. Die Balance ist wichtig, das Gleichgewicht, wobei ich wieder beim Thema Gewicht wäre. So schließt sich wohl der Kreis. Ich bin aus dem Gleichgewicht geraten, weil ich zu viel Gewicht nach draußen lege (Helfersyndrom) und zu wenig mir selbst helfe. Mein Schwerpunkt hat sich nach außen verlagert und sollte doch in meiner eigenen Mitte sein. Ich mache mir mehr Sorgen um andere und vergesse mich selbst. Dann gehe ich leer aus und fülle die Leere in meinem Bauch mit Essen. Das ist aber nur materieller Ersatz für das, was ich wirklich brauche (geistiges bei mir selbst sein und nicht davonlaufen, um anderen zu helfen). Ich fühle mich zu schnell zuständig und verantwortlich. Dann möchte ich alles regeln und die Sachen in Ordnung bringen.
Ganz stark bemerkt habe ich diesen Drang, als ich mich bewusst "unsichtbar" gemacht und nur noch still mitgelesen habe. Lange ausgehalten habe ich das nicht, sondern mich dann doch wieder "eingemischt". Da schalte ich dann auf Autopilot und mein eigener Film spult sich einfach ab mit dem Titel: Helfen.
Ich freue mich auch sehr, wenn derjenige, dem ich etwas antworte, mit meiner Antwort etwas anfangen kann. In gewisser Weise mache ich mich aber abhängig davon, dass jemand meinen guten Willen anerkennt oder mir sogar dankbar dafür ist, dass ich für ihn da war und Zeit genommen habe, mir sein Problem durch den Kopf gehen zu lassen. Tja, das ist auch so eine Sache...andauernd ist mein Kopf voll mit den Problemen anderer Leute. Ich suche ständig Lösungen für andere - und vergesse dabei mein eigenes Problem. Deswegen vergesse ich abzunehmen. Meine Konzentration ist woanders. Ich kann mich bewusst vielleicht eine Woche ganz stark auf mein Vorhaben konzentrieren und bei der Stange bleiben. Dann kommt der Krisentag und schwupps...bin ich wieder auf Helfertour und weg von meinem eigenen Problem. Ich lasse mich also ablenken und behindern, weil ich den Problemen anderer mehr Wichtigkeit gebe als mir selbst.
Da ich an meinem eigenen Problem arbeiten will, muss ich mich selbst wichtiger nehmen als alles andere. Erst Abnehmen, dann Helfen.