Jetzt bin ich schlimm verzweifelt und weiß nicht was ich machen soll, weil ich mit 9 diese falsche Entscheidung getroffen habe und für meine Mutter entschieden habe, (...)
Ich denke mal, dass Du hier im Forum Antworten bekommst, die erheblich von Deiner Sichtweise abweichen. So kann es passieren, dass Du zu ganz anderen und weit besseren Ergebnissen (für Dich) kommst.
Beispielsweise schreibst Du von DEINER Entscheidung.
Was passiert, wenn Du das Gegenteil prüfst, also dass es nicht Deine Entscheidung war?
Vater lässt sich scheiden, Mutter war wohl krank. Also musste er arbeiten gehen um Geld zu verdienen, damit er zunächst der Mutter, Dir, Deinem Bruder und sich auch selber davon etwas abgeben kann. Das alleine ist schon eine Herausforderung.
Dazu hat er noch ein Kind übernommen.
Auch das musste versorgt werden.
Entweder wäre das Kind Du gewesen oder Dein Bruder. Gleich zwei Kinder hätten eine noch größere Wohnung bedeutet, noch mehr Kosten und noch mehr Arbeit.
Also wurde von beiden Eltern beschlossen, dass je ein Kind zu einem Elternteil kommt.
Ich glaube also nicht, dass DU irgend etwas entschieden hast, sondern dass die Eltern so entscheiden mussten.
Du nämlich hättest entschieden, dass die Familie zusammenbleibt, was ich daran sehe, dass Du immer noch eine gute Beziehung zu Vater und Bruder willst.
Der zweite Gedanke dreht sich um Deine Ansicht, dass Du bei Mutter bleiben musstest, damit sie nicht in Schwierigkeiten kommt.
Man nennt dies Co-Abhängigkeit.
Es ist eine unendliche Spirale, die ganz oben am Anfang von Ärzten geheilt werden muss.
Passiert das nicht, so entsteht folgendes:
Deiner Mutter geht es schlecht.
Dir geht es schlecht, weil es Deiner Mutter schlecht geht.
Dein Vater kriegt das mit, drum geht es ihm schlecht.
Dessen neue Frau ist traurig, dass es ihrem Mann schlecht geht.
Weil es jetzt schon beiden Eltern schlecht geht, leiden darunter die zwei neuen Kinder. Und so weiter...
Falsch ist also, dass eingerade 9-jähriges Mädchen die Verantwortung dafür tragen soll, dass es der Mutter gut geht.
Du konntest es nie - und Du wirst es auch niemals können.
Wenn eine Mutter zulässt, dass die Tochter so denkt - und es nicht verhindert, so bestimmt sie die Tochter unbewusst, die Verantwortung für sie zu tragen. Es gibt dann auch keinen Grund mehr daran etwas zu ändern.
Das ganze wird zum Normalfall und führt genau zu dem, wie Du über Dich zu denken gelernt hast.
Indem Du aber nun prüfst, ob es so gewesen sein kann, könntest Du diese Abhängigkeit erkennen.
Erkennst Du sie, so würde das dazu führen, dass Du diese Last nicht mehr zu tragen brauchst, weil es falsch ist.
Damit hat sich Anderes zwar nicht erledigt, aber schon etwas von dem was Dir wichtig ist.