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Wie raus aus der emotionalen Abhängigkeit?

G

Gast

Gast
Ich meine in einer emotionalen Abhängigkeit zu einem Mann zu stecken und weiß nicht wie ich da raus kommen soll.

Wir kennen uns länger, haben uns immer gut verstanden und dann irgendwann fing dieser Wahnsinn an! Ich fasse mich kurz: Es fing an, dass ich geträumt habe, dass wir miteinander schlafen, seit dem bin ich verrückt nach ihm. Hatte ständig das Bedürfnis ihn zu sehen und war einfach nur glücklich. Habe mir seine Nummer besorgt und wir haben geschrieben. Er schrieb mir dann "nette" Nachrichten, aber als er gemerkt hat, dass bei mir war, hat er sich bei mir entschuldigt, dass er nicht mit meinen Gefühlen spielen wollte. Ich hatte damit kein Problem, denn ich wusste, dass nichts aus uns werden würde, der Mann ist verheiratet und ich bin auch kein Mensch, der sich in Beziehungen rein hängt. Doch kurz darauf ging es mir schlecht und seitdem verspüre ich Belastungen in allen Formen. Es fing mit Schlafstörungen, Angstattacken (Angst vor ihm, Verlsutängste), Selbstmordgedanken, ambivalente Gedanken und sogar leichte Mordgedanken an. Keine Sorge...ich bin kein Mensch, der anderen etwas antut...ich komme mit diesen Gedanken am wenigsten klar und kann so was auch nicht!

Ich habe ihm immer wieder gesagt, dass es mir schlecht geht und er meinte, dass wir reden. Diese Aussage kam von ihm immer wieder, doch bis heute ist nichts passiert. Dann meinte er immer, dass wir das schaffen, dass alles gut wird oder dass er mich nicht verletzen will usw.! Oder wenn ich ihm gesagt habe, dass ich Abstand brauche, dann ist er auf mich zu gekommen. Habe ich ihm gesagt, dass ich ihn gehen lasse, dann kam eine Nachricht von ihm eben mit dem Inhalt, dass ich ihm glauben soll, dass alles gut wird usw. Habe ich ihm geschrieben, dass ich den Kontakt abbreche, dann hat er mich gegrüßt.

Dann verspürte ich bezüglich seiner Person Verletzungen...wahrscheinlich auf Grund dieses Hin und Hers, weil das Gefühl aufkommt, dass er nur mit mir spielt, obwohl er ein total lieber Mensch ist. Freunde meinten, dass ich ihm die Meinung sagen soll, aber das kann und will ich nicht, weil ich denke, dass er einfach nicht weiß was er machen soll und aus Überforderung so handelt, ohne dabei zu merken, dass er mir schon seit einem halben Jahr weh tut. Wenn ich mir überlege was ich ihm geschrieben habe, kann ich es sogar verstehen.

Vor ein paar Tagen habe ich ihm geschrieben, dass er mich nicht mehr grüßen soll, weil er eh nur mit mir spielt usw., dass ich ihn nur noch mag und dass ich den Kontakt ganz abbreche...auch wenn ich das bereue!

Selbst jetzt spielt meine Psyche verrückt. Erst heute Morgen hatte ich einen Schwächeanfall oder gar eine Panikattacke. Ich bekomme ihn auch nicht aus dem Kopf...er sitzt richtig im Kopf drinne und ich spüre diese Bindung förmlich.

Ich könnte noch so viel schreiben, aber das wäre zu viel. Auch wenn es vielleicht niemand verstehen kann, aber es kann sein, dass sich dahinter hinter dieser Bindung
sämtliche Probleme verstecken. Ich habe jahrelangen Missbrauch mit einer fast Vergewaltigung und Stalking hinter mir. Ich hatte nie einen Vater bzw. eine Mutter und musste jahrelangen Psychoterror ertragen uvm. Kann sein, dass ich mir all das von ihm wünsche, was ich nie hatte. Es war zum Beispiel auch so, dass der Wunsch, mit ihm zu schlafen sehr stark war...so stark, dass ich eine Angstattacke bekam.

Viele raten mir, dass ich auf Abstand zu ihm gehen soll, damit ich zur Ruhe komme, aber das geht nicht, denn wir sehen uns auf Grund der Umstände oft.

Sicherlich wäre ein Gespräch mit ihm am besten, aber er wird mich für bescheuert halten und ich denke auch, dass ich ihn nerve. Und wie soll ich einem Menschen, der anscheinend von Dingen wie Angstattacken, Selbstmordgedanken usw. keine Ahnung hat, erklären was los ist.

Ich bin am Verzweifeln und kann irgendwann nicht mehr...
 
Hallo Gast,

ja, dass die Verzweiflung sehr groß sein muss, kann ich sehr gut verstehen. Die Situation, wie Du sie beschreibst, muss für Dich äußerst unangenehm sein.

Nur ich glaube Du löst das Problem weder in dem Du Dich mit dem Mann triffst noch indem Du ihm fern bleibst. Denn der Mann bzw. die Umstände der Beziehung oder Nicht-Beziehung sind wie Du schon vermutest nur Auslöser des Gefühlschaos in Deinem Innern. Vieles was Dir offensichtlich bisher in Deinem Leben versagt geblieben ist, macht sich jetzt bemerkbar. Wir Menschen brauchen Geborgenheit, Zärtlichkeit. Wir brauchen das Gefühl geliebt zu werden. Wenn das, so wie in Deinem Leben einfach meistens oder immer fehlte, dann ist das Verlangen aus dem Unbewussten heraus einfach sehr stark und vom Verstand her nur sehr schwer bzw. gar nicht in vernünftige Bahnen zu lenken. Was Du erlebt hast über die Jahre hinweg ist sehr schwer verdauliche Kost und hat zwangsweise Spuren hinterlassen. Daher würde ich Dir raten Dir professionelle Hilfe zu holen. Diese Symptome, die Du beschreibst, spielen für mein Empfinden viel zu stark in deine physische Konstitution hinein. Ich glaube es wäre wichtig wenn Du mit Unterstützung einer Therapie Deine Gefühlswelt in eine für Dich selbst überschaubarere Richtung lenkst.

LG

Gastro
 
@Gastro

vielen Dank für deine netten Worte. Ich war vor kurzem erst im Krankenhaus, aber da wurde dieses Problem nicht ernst genommen. Es wurde nur gesagt: "Bleiben Sie bei sich!"...doch dass das nicht so einfach ist, kann bestimmt jeder sagen, der sich mal emotional abhängig gemacht hat. Ich bin auch in therapeutischer Behandlung, aber ich möchte so schnell es geht raus aus dieser Abhängigkeit. Ich kenne so was eigentlich...oftmals habe ich unbewusst einen Mutterersatz gesucht, aber die Bindung hat sich gelöst, wenn der bzw. die jenige Klartext mit mir gesprochen hat oder ich die Person nie wieder gesehen habe.

Aber bei ihm scheint ja alles dahinter zu stecken. Die Sexualität, Familien- und Kinderwunsch, Geborgenheit, Wärme uvm.! Ich könnte so viel darüber schreiben und ich weiß ja eigentlich was dahinter steckt, aber ich kann mich einfach nicht lösen!

Aber das Schlimme ist, dass unsere Beziehung von früher kaputt ist und das wollte ich unbedingt verhindern, in dem wir reden, aber er wollte anscheinend nicht. Ich denke, dass er mich entweder nicht ernst nimmt oder überfordert war.
 
Hallo Gast,

generell kann man glaube ich sagen, dass es für Menschen, die nicht ähnliches erlebt haben fast unmöglich ist, die Situation zu verstehen, in der Du Dich befindest. Das kann man glaube ich beinahe schon verallgemeinern. So gut wie niemand kann es nachvollziehen, wie sich ein Mensch fühlt, der über einen längeren Zeitraum schlecht behandelt wurde. Entweder weil ein Mensch zu wenig empathische Fähigkeiten hat, oder weil das Erlebte, das man erzählt, so schlimm ist für den Zuhörer, dass es schon zu Abstrakt ist, und zu entsetzlich, als dass es aufgenommen oder verarbeitet werden kann. Darüber hinaus ist es schwierig für Aussenstehende die Konsequenzen, die sich aus dem Erlebten für den Alltag der Betroffenen ergeben, nachzuvollziehen. Die Reaktionen des Umfeldes beruhen leider überwiegend auf Unverständnis und Hilflosigkeit und sind darum leider ( oder auch Gott sei Dank ) normal. Denn es ist im Grunde ist es auch schön, dass es Menschen gibt, die ohne diese negativen Erfahrungen aufwachsen dürfen.

Genauso kann, glaube ich niemand nachvollziehen wie es sich anfühlt, wenn man "emotional" an eine andere Person "gebunden" ist und quasi ein Spielball der Gefühle ist, sofern man es nicht selbst einmal erlebt hat.

Was da passiert ist relativ komplex, aber nicht unlösbar und hat vermutlich sehr viel mit dem Erlebten und daraus resultierend auch mit der Wahrnehmung auf einer sehr filigranen Ebene zu tun. Daher ist es gut, dass Du in einer Therapie bist.

Man mag mich steinigen, aber ich selbst glaube, dass gerade hierbei eine esoterische oder religiöse Betrachtung der Beziehung mehr als kontraproduktiv ist. Das glaube ich deshalb, weil diese Betrachtungsweisen dem Problem keine Lösung bieten, sondern viel schlimmer eine mystische oder übersinnliche Bedeutung zuschreiben. Problem wird also nicht gelöst, sondern zum Lebensinhalt.

LG

Gastro
 
danke, aber kannst du mir bitte den letzten abschnitt erklären, sorry, aber ich verstehe nicht was du meinst.
 
@Gast

Gerne ,

also ich glaube, dass die oberste Pflicht einer Beziehung sein muss, dass sie allen gleichermaßen gut tut. Genau so wie das Geburtsrecht eines jeden Menschen ist, dass er Glücklich sein darf und soll. Wenn ein Mensch nicht glücklich ist oder viel schlimmer, wenn er sich traut und es nicht zulassen kann, dass er Glück erfährt, dann stimmt etwas nicht mit dem Selbstwertgefühl desjenigen bzw. ist sonst etwas nicht in Ordnung. Am Glück selbst liegt es nie.
So glaube ich, dass, wenn eine unglückliche Beziehung sich so stark auf die physische Verfassung auswirkt, dann liegt das auch nicht an der Beziehung, sondern es hat tiefere Gründe.
Es gibt leider Menschen, die solchen Dingen eine mystische Bedeutung geben, so in etwa, dass eine Beziehung etwas "heiliges" oder "göttliches" wäre auf Grund der Symptomatik.
Mit dieser Betrachtungsweise aber verhindere ich, dass ich der eigentlichen Ursache auf den Grund gehe und mich frage, was veranlasst mich auf so vielfältige Weise zu empfinden und zu reagieren?

Ich habe einmal etwas ähnliches mitbekommen:
Es gibt z.B. ein relativ seltenes Phänomen bei Beziehungen, die vom ersten Augenblick eine "übernatürlich" starke emotionale Bindung hervorrufen. Dabei verhält es sich so, dass beide Partner oft unausgesprochen, das Selbe denken oder fühlen. Oder der physische oder psychische Zustand des Einen quasi 1🤐 beim Partner genauso empfunden wird - als wäre man eins. Was dazu führt, dass beide furchtbar leiden, wenn es einem schlecht geht oder einer der beiden vom anderen eine Zurückweisung erfährt oder aber auch, wenn die Beziehung harmonisch ist, was sehr selten vorkommt, beide auf eine besondere Weise extrem glücklich sind. Auf esoterischer Ebene wird hierbei von Dualseele oder Seelenverwandt gesprochen. Tatsächlich aber handelt es sich hierbei um zwei Menschen, deren Vorbewusste Wahrnehmung in vielerlei Hinsicht sehr identisch erfolgt. Zudem sind das anscheinend Menschen, die meist über eine hohe Aktivität der "Spiegelneurone" verfügen.
So führt z.B. eine minimalste Veränderung der Stimmlage bei einem Telefonat dazu, dass man sofort weiß, wie es dem anderen geht, egal was diese Person sagt oder eben nicht sagt. Auch eine minimale Veränderung der Körperhaltung, vor allem aber auch wie der Blick des Anderen interagiert gibt ganz klar Auskunft über das Befinden des Gegenübers. Alle diese Kommunikationsarten finden meist ausserhalb unseres Bewusstseins, also im Vorbewussten statt. Die einzige Möglichkeit, wie das Vorbewusste mit dem Bewussten kommunizieren kann ist über Emotionen. Die in diesem Falle, wegen der hohen Übereinstimmung sehr heftig sind. Heftig ist das vor allem dann, wenn eines der beiden meint, den anderen belügen zu können, bzw. wenn er auch aus einer Not heraus eine unehrliche Antwort gibt. Das wird auf Grund der guten Wahrnehmung unbewusst sofort erkannt und führt dann zu entsprechend heftigen Gefühlsreaktionen. Solche Beziehungen sind demzufolge meist auch äußerst schmerzhaft. Ursache für dieses "Phänomen" sind meist sehr negative Erlebnisse, die für beide sehr prägend waren und die Wahrnehmung entsprechend geschärft haben. Heißt aber auch , dass die Warscheinlichkeit, dass oft mindestens eines der beiden Probleme mit der Bewältigung des Lebens oder dem eigenen ich hat. In dem Fall, den ich mitbekommen habe, war eine Therapie sehr erfolgreich. Sie brachte viele ungünstige Erlebnisse zu Tage, die dann therapeutisch aufgearbeitet wurden. Danach war die Beziehung nicht mehr belastend, sondern entwickelte sich zu eine tollen Freundschaft.
Daher halte ich persönlich eine gezielte Aufarbeitung der Erlebnisse und der eigenen Probleme für wichtiger und richtiger als diese Art von Beziehung als "heilig" oder etwas "besonderes" zu titulieren und den Rest des Lebens einem zerstörerischen Auf und Ab hinzugeben.

Ich hoffe, das war jetzt nicht noch mehr unverständlicher als vorher.

LG

Gastro
 
Hallo gast,
ich kann glaube ein wenig nachfühlen wie es dir geht. In einer ähnlichen situation überlasse ich meinem verstand das ruder. Ich sage mir zb. diese beziehung ist nicht gut für mich. Dabei überzeuge ich mich quasi selbst mit logischen argumenten und gebe diesen künstlich viel gewicht. Ok es tut weh aber nach ein paar tage ist der "kater" vorbei und ich kann wenigstens klar denken. Die gefühle mehme ich dann so hin wie sie sind und versuche sie nicht zu drehen - denn nachdem ich mich wie oben beschrieben, selbst von einer person getrennt habe (obwohl mein gefühl das gegenteil will) - ist es ja klar, dass ich liebeskummer hab.

;-)

mfg
 
Danke für eure Antworten! dass man mit jemanden seelenverwandt ist oder sein kann, habe ich auch schhon gehört und dieses gefühl selber, hatte ich aber bei einer anderen person, nicht bei ihm.

ich möchte eigentlich nur wieder ein normales verhältnis zu ihm, denn weder er noch ich können was für diese, ich nenne es mal "bindung". wir sind nur "opfer"!
aber wie erkläre ich ihm diesen wahnsinn, wenn ich weiß, dass er von psychologie in dem maße keine ahnung hat und ich das gefühl habe, dass er mich nicht mehr mag bzw. ich ihn nerve? dabei haben wir uns immer gut verstanden.
 
@Gast

diese Frage ist schwer zu beantworten. Manchmal ist es von Vorteil, wenn man versucht, etwas Ruhe in den Dialog zu bringen. Ferner habe ich oft festgestellt, dass es kontraproduktiv ist, alle Details, alle Gefühle und alle Gedankengänge zu vermitteln. Bekommt man hierbei nicht in allen Punkten die 100%ige Zustimmung wird die ganze Diskussion in Frage gestellt und die eigene Energie futsch. Ferner stehen nur sehr wenige Menschen dem Thema Psychologie im weitesten Sinne aufgeschlossen gegenüber. Den meisten macht es Angst oder sie fühlen sich verunsichert. Ich glaube weniger ist da mehr.
Du möchtest eine Freundschaft erhalten, dann glaube ich, wäre es hilfreich sich im Gespräch auf Themen zu beschränken, bei denen bei beiden Gemeinsamkeiten vorhanden sind. Sozusagen eine Beschränkung der Themen auf Weltliches. Keine Entschuldigungen, keine Erklärungsversuche, sondern in kleinen Schritten die Inhalte auf einfache, sachliche Themen lenken. Wenn ich es richtig sehe habt ihr beide Euch "verstiegen". Insofern ist er vielleicht auch dankbar, wenn hier der Druck aus der Verbindung genommen wird.

Ich hoffe ich konnte Dir einen brauchbaren Tipp geben.

LG

Gastro
 
natürlich konntest du mir gute tipps geben, vielen dank! hatte heute termin bei meinem pschologen und er meint, dass ich ihm eine sms in form einer entschudligung schreiben soll, aber ich trau mich nicht, weil ich angst habe, dass ich ihn damit nerve.
 

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