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Wie lebt man mit einer Sozial Phobie?

Es ist wichtig das alles im richtigen Kontext zu sehen glaube ich. Ich lese das hier schon von Anfang an mit und wunderte mich schon, dass Berliner bisher kein Widerspruch entgegnet wurde.

Ich für meinen Teil finde schon rein vom Verstand her, dass diese Form der Angstbekämpfung oft die wirksamste und effektivste ist. Zumindest bezogen auf bestimmte Ängste, nämlich die angelernten, unnatürlichen. Schon weil es biochemisch absolut logisch ist, dass eine große Angst, kleine Ängste völlig überschattet und nichtig macht. Das erlebte wird vom Gehirn immer in Relation gewertet. Wer zum Beispiel die Führerscheinprüfung unter starken Ängsten bestanden hat, wird in einer hypothetischen Fahrstunde danach nicht mehr die selbe Angst haben wie in der Fahrstunde vor der Prüfung. Ein besseres Beispiel ist mir grad nicht eingefallen.

Sogesehen finde ich es also erstmal völlig ok, dass Berliner diesen Thread hier zum ausführlichen Erfahrungsbericht mit der extremen Konfrontationstherapie umfunktioniert hat.
Jetzt kommt das Aber... Soziale Phobie ist so ein schwammiger Begriff, einer unter dem sich einfach schüchterne bis stark traumatisierte Persönlichkeiten sammeln. Und das ist wahrscheinlich, worauf Bielefelder hinaus wollte, letztere können durch überstürzte Übungen ihre Traumatisierung tatsächlich intensivieren und das kann alles andere als spaßig enden.

Ein bisschen Vorsicht finde ich gerechtfertigt und hoffe, dass jeder Leser hier das für sich selbst hinreichend einschätzen kann. Es ist nicht die ultimative Pauschallösung, aber eine sicherlich gute für einen beträchtlichen Teil von Menschen, die sich der SP zuordnen.
 
Ich finde die Geschichten von Berliner genial, u.a. auch die Art wie er es rueber bringt. Letzten Samstag als ich die das erste Mal gelesen hatte, haben die mich aus einem Tief (das ich schon lange nicht mehr hatte) rausgerissen und war danach richtig guter Laune. 🙂

Das was Berliner macht, finde ich prinzipiell richtig und empfehlenswert. Das mag nicht fuer jeden Sozialphobiker das Richtige sein, aber wollt ihr uns hier erzaehlen, dass man eine Phobie "Wegreden" kann??? Nicht im Ernst 😉 Je nach Staerke der Phobie und auch der Persoenlichkeit kann es noetig sein, dass man noch drueber redet und evtl. auch die Hintergruende, die dazugefuehrt haben, aufarbeitet. Aber letztendlich halte ich Konfrontation fuer das bestmoegliche Mittel.

Habe es selber erlebt. Ich war bis vor eineinhalb Jahren auch ein ziemliches Haeufchen Elend, so gut wie kein Selbstbewusstsein, konnte niemanden ansprechen oder sonstwas. Da war ich Mitte 20, hatte dieses Problem schon seit etwa 10 Jahren und da hab ich mir gedacht. Schluss jetzt!

Wenn ich die Tipps gefunden haette, wie Berliner sie geschrieben hat, ich haette es wahrscheinlich versucht. So habe ich mich innerhalb eines Jahres langsam aber sicher auf verschiedene Art selbst veralbert (ueber sich selbst lachen zu koennen, ist eine verdammt wichtige Eigenschaft) oder einfach durchgesetzt und mir aus den Reaktionen der anderen nichts mehr gemacht. Mittlerweile bin ich auf Arbeit zu so einer Art Clown geworden, den die meisten moegen, aber nicht fuer den kluegsten halten. Das ist vielleicht suboptimal aber das kuemmert mich nicht. Ich weiss, was ich kann und mein Chef weiss das auch (sonst haette er mich ja nicht genommen). Und das reicht mir 🙂

Ich bin ein wahnsinnig gluecklicher Mensch geworden und das obwohl ich vorher schon dachte, dass ich gluecklich waere. Ich bin viel rumgereist letztes Jahr und ernte staendig komische Blicke, warum ich alleine unterwegs bin und warum meistens nur fuers Wochenende. Aber warum nicht? 😀 Letztendlich habe ich viele fremde Leute zum Lachen gebracht. Auch einen ziemlich schuechternen Freund, der mir mal sagte: "Wow, du hast echt gelernt, ueber dich selber lachen zu koennen" 😛

Meine Methoden waren zwar im Vergleich zu Berliners ziemlich harmlos ("Ich sammle Muenzen, wuerden Sie mir bitte nur die schoensten Muenzen als Rueckgeld geben?"), aber haben trotzdem gewirkt. Die Frau hat trotz laengerwerdender Schlange nur glitzernde Muenzen aus ihrer Kasse rausgesucht und zwei Muenzen hab ich auch verweigert. 😛

Mittlerweile kann ich Personen auch ignorieren, wenn ich nicht fliehen kann. Anfang des Jahres war ich auf einer 18-stuendigen Zugfahrt zusammen mit 2 fremden Paerchen in einem Abteil. Als Single mit zwei Paerchen ists schon schwer und dann war schon nach drei Stunden klar, dass wir miteinander nicht wirklich was anfangen koennen. War mir aber Wurst. Am Ende haben die beiden Paerchen noch gegenseitig gesagt, dass es schoen war sich kennenzulernen und haben mich dabei bewusst ignoriert. Ich habe dann ganz selbstbewusst und laechelnd und freundlich (!) reingesagt, dass es auch schoen war, die vier kennenzulernen. Die haben mich ganz schoen deppert angeschaut und ich bin grinsend weggegangen 😀

Wenn ich mal in Berlin waer, wuerd ich mich ja mal mit dir treffen, Berliner. Als ich vor einer Woche deine Berichte gelesen habe, ist mir gleich ein Fernsehbericht von vor vielen Jahren eingefallen, in dem ein Mann auch auf der Strasse Frauen gefragt hat, ob sie mit ihm Sex moechten. Das wollte ich dir vorschlagen, hatte dann aber doch zuviel zu tun. (Btw. von 20 Frauen hatte eine direkt zugesagt und eine andere die Nummer dagelassen, weil sie keine Zeit hatte. Generell aber die gleiche Reaktion wie bei dir: Augen rollen, oder verschuechtert weggehen). Aber den Gag hast du ja schon selber rausgefunden und umgesetzt :daumen:

Ich kann allen nur empfehlen, ueber den eigenen Schatten zu springen und einfach mal mit Leuten reden. Menschen sind nicht boese. Und die paar die es sind, sind egal 😉

Freue mich schon auf weitere Geschichten!

Und noch was direkt an dich, Kreatur:
Deine Idee gleich zu sagen, dass du schuechtern bist, finde ich nicht gut. Da kriegst du tendenziell geschoente und bemitleidende Antworten. Was du aber eigentlich moechtest (grosses Ziel?!) ist ein Gespraech auf gleicher Augenhoehe. Fang das Gespraech ganz selbstbewusst an, so wie Berliner es auch vorgeschlagen hat. Muss ja nicht mal die Frage mit dem Sex sein. Dann kriegst du entweder Ablehnung -> wunderbar, weil dann lernst du damit umzugehen - oder du hast ein laengeres Gespraech ohne Mitleid des anderen -> das ist auch super. Degradiere dich nicht selber am Anfang des Gespraechs, das hast du nicht noetig 😉

Mein Motto: Einfach mal machen! Was gibts denn zu verlieren?

Viel Erfolg euch allen! 🙂

Gruessle
Quercus
 
Jo heut dann doch noch ein wenig unterwegs.
Und einfach mal verschiedenes ausprobiert. Auch mal nach nem Bordell gefragt. Aber ich merke immer mehr, dass ich das gar nicht fragen will. Nicht wegen der Reaktion der Leute, die war mir tatsächlich egal. Nein einfach weil ich es unhöflich finde und das einfach nicht mein Stil ist.
Habe mich dann eher auf so Dinge konzentriert wie vor einer großen Kirchenuhr nach der Uhrzeit fragen, Leuten zu winken, Autos anhalten und auf den Blinker zeigen und sagen"hey, Ihr Blinker ist einwandfrei". Oder in ein Kaffee gehen und fragen, wo sich ein anderes Kaffee befindet. Und dann noch in ein Fitnessstudio und mich rumführen lassen und schließlich dann versucht zu verhandeln, den Preis zu drücken(was mir gelang), netten Small Talk halten und letztendlich nein sagen zum Angebot des Fitnesscenters.
Ich will einfach immer höflich sein, damit kommt man ja auch am weitesten.

Ich persönlich kann zwar Berliner verstehen, jedoch sehe ich da auch die Gefahr, dass man irgentwann sich so an diese extremen, unhöflichen, frechen Dinge gewöhnt, sodass man irgentwann selber so wird. Und das will ich nicht. Ich will einfach nur nett und höflich sein und mich trauen auf Menschen zu zugehen und einfach die Dinge zu fragen, die ich fragen will. Zum Beispiel 30 Meter vorm nächsten Kino zu fragen, wo das nächste Kino ist.
Aber hat jedenfalls Spass gemacht und ich war zu zweit. Muss zugeben, zu zweit fällt vieles leichter.
 
Genial :daumen:

Wenn dir die Frage nach dem Bordell nicht gefaellt, laesst du es einfach. Du hast es probiert, das ist das, was zaehlt.

Manche Sachen muss man einfach ausprobieren. Seh ich an einer Arbeitskollegin, die *nichts* macht. Es kommt staendig nur "ja, aber was waere wenn...". Tja, mach doch mal...

Ich wuerde das mit dem Fragen nach dem Puff mal ausprobieren, aber auch nur ums mal gemacht zu haben. Mein Stil ists auch nicht ganz. Aber manchmal ist es auch ganz gut zu wissen, dass man koennte, wenn man wollte. Das ist auch gut fuers Selbstbewusstsein.

Ansonsten finde ich deine Ideen Klasse, da warst du echt einfallsreich. Weiter so 😉 Was haben denn die Leute im Auto gemacht, als du ihnen gesagt hast, dass der Blinker einwandfrei ist?
 
Hey Berliner,

Heute wird es ekelig:
Übung: Sprich Passanten auf der Straße an und frage Sie: "Was halten Sie davon, dass ich mich abends mit meinen eigenen Exkrementen einreibe"?
Dabei hab ich echt laut auflachen müssen. Ich wünschte, du wärst mir begegnet und hättest mich das gefragt, das hätte mir so dermaßen den Tag erheitert, aber leider war ich schon seit einiger Zeit nicht mehr draußen 😉

Stimmt übrigens, dass man sich dauernd nen Kopf macht, jemand könnte einen wiedererkennen, oder dass man sich für wichtiger hält, als man ist. Kein Schwein pfeift danach, im Grunde, so dachte ich mir manchmal schon, wenn ich mir betrunken Unglaubliches geleistet, für das nicht mal ein Kommentar kam (wahrscheinlich weil sich keiner traute), könnte man losgehen und jemanden ermorden, auf offener Straße, es würde keiner was sagen 😱

Ist glaub ich auch so ein Symptom, dass man dauernd denkt, man könnte wiedererkannt werden. Vielleicht ists auch, weil man selber andere aber durchaus wiedererkennt und selber aufmerksam genug ist. Ich schocke immer alle möglichen Leute, weil ich noch weiß, was sie mir in vorangegangenen Gesprächen gesagt haben, oder was sie anhatten. Offenbar sind die meisten Leute eher zerstreut.

Und sorry, wenns schon gesagt oder gefragt wurde, ich spielte mit einem früheren Kommentar ja schon darauf an: Du kannst dann vielleicht irgendwelche Frauen ansprechen, und natürlich sind die erstmal perplex und reagieren vielleicht auch eingeschüchtert oder verängstigt, weil sie mit so einer Frage nicht rechnen (um ehrlich zu sein, finde ich die Frage nach Sex fast schon ein bisschen übergriffig, das ist ein schwieriges Thema heutzutage und ganz ehrlich, so dolle find ich die Nummer nicht, aber was solls) und in der Regel keiner so offensiv in der Gegend herumläuft.

Aber kannst du dann auch DIE Frau ansprechen, bei der's wichtig ist? Wenn man weiß, es bleibt bei ner Übung, einem Smalltalk, einer Lachnummer, dann ist man doch recht ungehemmt, aber was, wenn man sich mehr davon erhofft? Was ist mit dem wichtigen Vortrag, um beruflich weiterzukommen, oder mit all den Dingen, die einem wichtig sind? Dass mir eine alte Frau im Supermarkt nicht den Kopf abreißt, wenn ich sie nach der Uhrzeit frage, habe ich schon sehr schnell bemerkt. Trotzdem habe ich immer noch manchmal Probleme mit Situationen, in denen es wirklich um was geht.

Ich stimme dir zu, dass Ursachensuche usw. nicht viel bringt und man durch die Angst muss, aber für mich hängt das gleichzeitig auch mit Persönlichkeitsentwicklung zusammen, die oft nicht so schnell vonstatten geht. Das heißt, meine wunden Punkte verschwinden durch diese Übungen eher nicht, und das sind ja genau die Bereiche, die mir wichtig sind. Was nun irgendwelche Leute irgendwo in der Stadt von mir halten, ist mir wurst. In den für mich relevanten Bereichen (Arbeit, Studium und was weiß ich) muss(te) ich ganz andere Dinge unternehmen, um sicherer zu werden. Auch wenn ich als Banane verkleidet auftauche, ist mir danach trotzdem nicht alles egal und geht easy von der Hand. Das meinte ich auch mit dem Kommentar, dass es eher leicht ist, eine Banane hinter sich herzuziehen, auf der sich der gesammelte Spott der Mitmenschen dann zentriert. Es hat aber nichts mit mir als Mensch zu tun. Ich lerne zwar, so eine Situation auszuhalten, aber es beseitigt nicht meine sonstigen Schwächen, die mein Selbstbewußtsein runterziehen.

LOL das mit dem Blinker ist großartig 😀
 
Zuletzt bearbeitet:
ich persönlich finde, dass man allein durch diese übungen sein grundproblem nicht löst. es wird dann nur verdrängt. man sollte nebenbei eine psychotherapie machen.
 
Ansonsten finde ich deine Ideen Klasse, da warst du echt einfallsreich. Weiter so 😉 Was haben denn die Leute im Auto gemacht, als du ihnen gesagt hast, dass der Blinker einwandfrei ist?
Naja komisch geguckt. Wir haben dann einen schönen Abend gewünscht. Und als sie dann aus der Ausfahrt an uns vorbei gefahren sind ihnen noch nett zugewinkt. Und sie haben einfach nur komisch geguckt.😀
Ach es macht einfach Spass, Leuten unerwartete Dinge zu erzählen oder zu machen. Und ich finde, diese Sachen haben im Endeffekt genau die selbe Wirkung, wie die extremeren Berliner-Übungen. Im Endeffekt löst beides Meiner Meinung nach die Hemmungen auf die selbe Weise. Nur ich persönlich möchte auch Dinge lernen, die ich dann im alltäglichen Leben auch machen kann. Dabringt es mir nichts, mich zu trauen nach dem nächsten Puff zu fragen. Das werd ich im Freundes, Bekannten oder Arbeitskreis nie machen. Da bringt es mir definitiv mehr, wenn ich mich traue, mal jemanden zu loben.(was ich durch die Blinkerübung finde ich ein wenig gelernt habe). Möchte einfach lebensorientierte Übungen machen.



ich persönlich finde, dass man allein durch diese übungen sein grundproblem nicht löst. es wird dann nur verdrängt. man sollte nebenbei eine psychotherapie machen.
Meine persönliche Meinung dazu ist "jein". Also alles kriegt man dadurch nicht in den Griff. Aber Soziale Phobie bedeutet meistens, dass man sich einfach nichts zutraut. Ständig Hemmungen hat und die werden dadurch abgebaut.

Aber natürlch, da gebe ich dir recht, zeigt sich soziale Phobie auch noch auf ganz andere Weise. In ganz anderen Symptomen. Je nach Stärke der Sozialen Phobie sollte man da noch etwas begleitendes machen.
 
Es gibt einen klugen Satz:
Wo die Angst ist , ist der Weg.
Wenn du eine soziale Phobie hast , sendet dir deine Seele das Signal das du daran arbeiten
solltest...Entweder allein in dem du dich gezielt schwierigen Situationen aussetzt oder
mit Hilfe eines guten Therapeuten...
Noch etwas zum Trost: Die meisten Menschen sind schüchtern , tragen aber Masken
und zeigen sich nach außen hin cool und hart...
Hauch noch einen Buchtipp: Heiz-Peter Röhr : Vom Glück sich selbst zu lieben

Dir alles Gute , allein dein Beitrag hier zeigt dass du an einer Lösung interessiert bist.
Du schaffst das ! Felix
 

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