Wie lange muss man stark sein?

Lonely76

Mitglied
Hallo, ich bin neu hier im Forum, durch Zufall darauf gestossen. Kann mit niemandem darüber reden aber irgendwann zerbricht man dabei, vielleicht ist das ein Weg für mich, meine Situation zu teilen.


Als Einzelkind hatte ich eine sehr starke Bindung zu meinen Eltern, sie waren immer für mich da, es war für mich der Ort, wo ich mich zuhause fühlte und einfach sein konnte. Es war nicht alles perfekt, meine Mutter war Alkoholikerin während meiner gesamten Kindheit. Sie hatte aufgehört zu trinken, als ich 18 Jahre alt wurde. Häufig war ich ihr böse, wenn sie betrunken war, liess sie das auch spüren. Und doch habe ich sie immer geliebt. Sie hatte mich auch sehr gern und gab mir alles, was sie konnte. Vor 10 Jahren bin ich in die Schweiz ausgewandert, konnte meine Eltern dann nur noch selten sehen, anfangs bin ich 2-3 x im Jahr zu ihnen gefahren, nachdem mein Vater in Rente ging, kamen sie häufiger zu mir in die Schweiz. Wir konnten zusammen viele schöne Ausflüge machen und waren auch immer an Weihnachten zusammen. Es war schön, mit meiner Mutter telefonierte ich fast täglich. 2014 entschieden sich meine Eltern umzuziehen, näher zu mir, sie verliessen ihre Heimat, wir suchten eine Wohnung in Deutschland, etwa eine Stunde von mir entfernt. So würde es einfacher mit den Besuchen und wenn mal was ist, wären wir schnell beieinander. Wie schnell dies eintreten sollte, hätten wir alle nicht erwartet. Im Dezember 2014 bekam meine Mutter Atemprobleme, mein Vater brachte sie zur Sicherheit ins Spital. Am nächsten Tag erhielt ich einen Anruf von ihm, meine Mutter wäre im Koma an der Beatmungsmaschine, ich solle schnell kommen. So fuhr ich direkt von meiner Arbeitsstelle aus ins Spital, es war ein schlimmer Anblick meine Mutter so zu sehen. Die Prognose der Ärzte war Besorgnis erregend, sie wüssten nicht, ob meine Mutter nochmals das Bewusstsein erlangt und falls ja, könnte sie evtl. geistige Behinderungen davon tragen. Ich bin dann jeden Tag nach der Arbeit oder zwischen den Arbeitsblöcken zu meiner Mutter ins Spital gefahren, habe versucht mit ihr zu reden, auch wenn sie nicht reagieren konnte. Vor Weihnachten erlangte meine Mutter das Bewusstsein langsam wieder, konnte zwar noch nicht reden aber reagierte und konnte nonverbal auf Fragen antworten. Das machte mich sehr glücklich, sie machte Fortschritte und konnte Anfang 2015 wieder nach Hause, es schien so, das alles wieder gut wurde. Zwei Monate war sie dann mehr oder weniger gesund, sie besuchten mich sogar nochmals in der Schweiz. Ende März 2015 begannen die Atemprobleme erneut. Meine Mutter wollte nicht ins Spital, ich redete lange mit ihr, wollte sie überzeugen, dass man ihr im Spital helfen könne und schliesslich willigte sie ein, dass der Krankenwagen kommen solle. Ich winkte ihr noch zu, als sie in den Krankenwagen gebracht wurde. Am nächsten Tag erhielt ich bei der Arbeit wieder einen Anruf von meinem Vater. Meine Mutter läge im Sterben, sie könnten nichts mehr tun, ich sollte schnell kommen. So fuhr ich wieder ins Spital, sah meine Mutter nach Luft ringen mit aufgerissenen Augen, nicht mehr ansprechbar. Sie lag in einem leeren Mehrbettzimmer, wurde wohl dorthin gebracht, dass sie dort sterben könnte. Ich konnte es nicht ertragen sie so zu sehen, rief den zuständigen Arzt herbei und forderte ihn auf etwas zu tun. Meine Mutter bekommt keine Luft, sie muss wieder an die Beatmungsmaschine! Der Arzt sagte mir, meine Mutter hätte jede Behandlung abgelehnt. Allerdings war sie da schon sehr verwirrt wegen dem Sauerstoffmangel. Ich stritt mich mit dem Arzt und forderte ihn mehrmals auf etwas zu tun. Ich weiss nicht mehr, was wir alles redeten aber irgendwann wurde meine Mutter dann doch an die Beatmungsmaschine angeschlossen. Von da an machte ich mir immer wieder ein schlechtes Gewissen, falls meine Mutter wirklich nicht mehr wollte, dass etwas unternommen wird, dann hätte ich gegen ihren Willen gehandelt. Schneller als beim ersten Mal erholte sich meine Mutter, war nach 10 Tagen ansprechbar und freute sich uns zu sehen. Reden konnte sie zwar noch nicht aber ich hatte das Gefühl, dass es richtig war, was wir entschieden hatten. Allerdings war die Diagnose, schwere COPD, für die Zukunft sehr bedenklich. Nach einem Aufenthalt in einer Fachklinik war meine Mutter wieder in der Lage zu laufen, zu reden, es schien sich gut zu entwickeln. Sie bekam ein mobiles Beatmungsgerät für Zuhause und sollte das täglich mehrere Stunden benutzen, damit sie die Symptome der COPD im Griff behalten könne. So war sie tatsächlich wieder daheim. Wir waren froh, dass es ihr besser ging und dass wir so entschieden hatten. Durch das Beatmungsgerät bekam sie immer mehr Luft im Bauch, wirkte aufgebläht und konnte nicht mehr gut schlafen. Die Tage zuhause waren vor allem für meinen Vater schwierig, er konnte auch nicht mehr schlafen, musste meiner Mutter immer wieder helfen, sie beruhigen usw. Ohne Beatmungsgerät bekam meine Mutter Atemprobleme, mit dem Gerät Schmerzen im Bauch, es war ein hin und her aber sie hielt die Behandlung tapfer durch. Wir telefonierten jeden Tag und ich weiss noch, wie sie mir beim letzten Telefonat erzählte, dass sie Treppen steigen übt und es ganz gut ginge. Am folgenden Tag hatte ich einen Ausflug von der Arbeit aus und konnte sie nicht anrufen. Am nächsten Tag kam ich zur Arbeit und als ich ankam war ein Kollege schon aufgeregt, man hätte mich gesucht. Ich wunderte mich und schon klingelte wieder das Telefon. Ein Bekannter war am Telefon und begann mit meiner Kollegin zu reden, da sie das Telefon abgenommen hatte. Mir war dann sofort klar, was passiert sein muss, ich wollte gar nicht mehr mit ihm reden, sagte meiner Kollegin, ich wüsste was los ist, sie nahm mich in den Arm und ich bin zu meinen Eltern gefahren. Ich weiss noch, wie ich auf der Fahrt zu meinen Eltern mehrere Heissluftballone starten sah und stellt mir vor, dass meine Mutter jetzt in einem davon sitzt auf ihrer Reise zum Himmel. Als ich bei meinen Eltern ankam, sah ich meine Mutter auf dem Sofa liegen, wie wenn sie schlafen würde. Mein Vater hatte ein schlechtes Gewissen, er war gerade mit dem Hund draussen, als meine Mutter durch ein plötzliches Ereignis, vielleicht ein Herzinfarkt oder Lungenödem, verstorben ist. Ihre Beatmungsmaske hatte sie noch abnehmen können, lag auf dem Sofa, das Gerät hörte er schon von draussen piepen. Er machte sich Vorwürfe, dass er ihr nicht mehr helfen konnte. Wir redeten lange, später richteten wir meine Mutter, zogen ihr schöne Sachen an, haben sie nochmals gewaschen und frisiert, am Mittag kam das Bestattungsinstitut, holte sie ab, ich gab ihr einen Teddybär mit, damit sie nicht alleine war. Tags darauf musste wir und endgültig von meiner Mutter verabschieden, wir blieben lange bei ihr im Bestattungsinstitut. Ich war traurig aber begreifen konnte ich es da noch nicht, dass es jetzt ein Abschied für immer war.


Das ist jetzt anderthalb Jahre her. Mein Vater hatte sehr grosse Mühe damit fertig zu werden, er zog in eine kleinere Wohnung, fühlte sich sehr einsam und hilflos. Ich habe ihm oft versucht Mut zu machen und machte mir Sorgen um ihn. Er wurde immer dünner und war eingefallen. Es war schlimm ihn so zu sehen. Wir waren an Weihnachten zusammen aber es war sehr traurig und mühsam. Im Sommer diesen Jahres wollte er unbedingt wieder zurück in seine alte Heimat umziehen. Ich fand das nicht gut, weil er dann ja wieder so weit weg ist aber er liess sich nicht davon abbringen. So machte er nochmals einen Umzug und kaum war er dort eingerichtet, lernte er eine Frau kennen. Mittlerweile sind die beiden fast 5 Monate liiert und planen zusammenzuziehen. Mein Vater wirkt wieder zufrieden, glücklich und wie ein neuer Mensch. Mich freut es für ihn und doch ist es auch schwierig für mich, wenn ich ihn mit seiner Freundin sehe, wie sie miteinander umgehen usw. Sie waren schon 2x bei mir zu Besuch. Ich habe mich immer offen gezeigt und habe mir nichts anmerken lassen.


Mir selber geht es nicht gut. Ich vermisse meine Mutter sehr, ich vermisse das frühere Leben, die Anrufe, die Besuche, die Vertrautheit. Es ist alles so anders geworden. Ich dachte, es wird besser, die Trauer ändert sich, wird schwächer. Das Gegenteil ist passiert. Jeden Tag denke ich an meine Mutter, kann es einfach nicht begreifen, dass sie nicht mehr da ist. Habe keine Möglichkeit darüber mit jemandem zu reden. Im Job muss ich volle Leistung bringen und will mir nichts anmerken lassen (bin Stationsleiter auf einer geschützten Demenzabteilung), versuche meine Mitarbeiter zu motivieren, lache viel und probiere ein gutes Arbeitsklima aufrecht zu erhalten, damit es unseren Bewohnern gut geht. Richtige Freunde, mit denen ich darüber reden könnte, habe ich nicht. Verbringe viel Zeit alleine, gehe gerne in die Berge, habe das Gefühl meiner Mutter dort näher zu sein. Da ich Vollzeit arbeite und dann auch entsprechend müde bin, schlafe ich meistens sehr gut und tief. Es gibt dann wenig Gelegenheit länger über alles nachzudenken. An freien Tagen oder in den Ferien ist das anders. Dann weine ich viel und bin sehr traurig, komme nicht auf einen grünen Zweig, keine Idee, wie es anders werden könnte. Habe das Gefühl, das Leben geht einfach an mir vorbei. Die Sehnsucht nach der früheren Zeit ist riesengross. Natürlich weiss ich rational, dass die Vergangenheit vorbei ist und nicht wiederkommt, natürlich weiss ich rational, dass meine Mutter nich plötzlich wieder vor der Türe stehen kann, natürlich weiss ich, dass es Psychologen gibt oder andere Stellen, an die ich mich wenden könnte. Das ist aber für mich keine Lösung, ich kann mir nicht vorstellen mit fremden Menschen über meine Probleme zu reden, ich kann mir auch nicht vorstellen, wie sie mir helfen sollen.


Vielleicht gibt es ja hier im Forum Menschen, die ähnliche Situationen erlebt haben und mir schreiben können, was ihnen geholfen hat, wie sie wieder positiver in die Zukunft sehen können. Das würde mich freuen. Ich komme da nicht weiter, kann mir momentan überhaupt nicht vorstellen, wie es wieder schöner werden könnte. Herzlichen Dank allen, die sich die Zeit genommen haben meinen Bericht zu lesen.
 

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beihempelsuntermsofa

Sehr aktives Mitglied
Hallo
Hast du keine frau/freundin, eigene familie, kinder?
Ich denke, das ist so ziemlich das einzige was deiner fixierung auf die vergangenheit entgegenwirken kann.
Der blick in die zukunft.

Auch ich bin einzelkind.
Und nach dem tod meiner mutter vor 10 und meines vaters vor 5 jahren nun ohne ursprungsfamilie.
Und das einzige was mich vor dem versinken in trauer und selbstmitleid bewahrt hat war eine eigene familie zu haben, der die zukunft gehört.
Ich konnte sogar mein elternhaus, ein kleines bauernhöfchen verkaufen, was für mich immer unvorstellbar war.

Ach ja...auch meine haustiere haben mir geholfen.

Wie alt bist du denn?
 

Lonely76

Mitglied
Vielen Dank für Deine Antwort!

Nein, leider habe ich keine Familie, keine Kinder. Ich bin 40, schwul und habe seit 12 Jahren einen älteren Freund, wir leben zusammen, meine Eltern waren oft da und haben es akzeptiert, hatten nie irgendwelche Probleme damit.

Ansonsten bin ich mehr oder weniger ungeoutet. So kann ich auch keine Freunde mit nach Hause nehmen, an der Arbeit weiss niemand davon und ich möchte es auch nicht bekannt machen dort.

Leider ist die Beziehung zu meinem Freund nicht mehr so, wie früher. Es ist alles recht abgekühlt, wie ein altes Ehepaar kann man sagen, man lebt zusammen, weil man es so gewohnt ist aber gefühlsmässig ist es nicht mehr das Gleiche. Wir streiten mehr und die Liebe hat sich verändert, wir brauchen einander, es funktioniert alles aber eben, die Nähe von früher ist nicht mehr so da. Ich habe ein paar Mal gedacht, dass ich ihm erzähle, wie es in mir ausschaut aber es hat einfach nie gepasst und ich kann mir auch nicht vorstellen, dass er mir helfen könnte. Will ihn auch nicht belasten. Er sagt oft, wenn er nicht mehr da ist, dann wäre ich ganz alleine, das würde ihm grosse Sorgen machen. Wenn ich ihm dann auch noch erzähle, wie es mir jetzt schon zu schaffen macht, dass meine Mutter gestorben ist, dann macht er sich nur noch mehr Sorgen, die niemand lösen kann.
Mein Freund war früher verheiratet, hat Kinder und Enkelkinder, die Familie von ihm sind die einzigen Menschen, die sonst noch von uns wissen. Wir besuchen sie ab und zu aber es ist für mich zu wenig intensiv, als dass ich mit jemanden über meine Probleme reden könnte.

Früher war ich immer froh keine Geschwister zu haben. Mittlerweile weiss ich, dass es wohl besser gewesen wäre. Dann hätte ich noch andere vertraute Menschen um mich, würde mich nicht so alleine fühlen.

Der Blick in die Zukunft ist für mich sehr problematisch. Ich sehe da keine Perspektive, sehr viel Unsicherheit und ein Leben, dass recht einsam werden könnte. Das macht mir zu schaffen, daher bedauere ich so sehr, dass die Vergangenheit nicht mehr zurückkommen wird. Das einzige, dass mir etwas Kraft gibt, ist die Vorstellung, dass meine Mutter da oben irgendwie auf mich schaut und mir vielleicht helfen kann.

Ich kann mir gut vorstellen, dass eine eigene Familie, eigene Kinder der Zukunft einen Sinn geben können und auch eine Freude auf die Zukunft auslösen. Es freut mich sehr für Dich, dass Du so den Verlust Deiner Eltern besser verarbeiten konntest. Da es für mich nicht in Frage kommt, habe ich mir nie Gedanken darüber gemacht, wie es wäre eigene Kinder zu haben. Ich habe oft Tage, da mag ich am liebsten gar nichts tun, da mache ich nichts Sinnvolles, "abhängen" würde man heute sagen, kein Antrieb zu etwas. Wenn dann Kinder da wären, ich weiss nicht, wie das wäre. Vielleicht würden sie mich motivieren, dass ich die Antriebslosigkeit vergesse, vielleicht würden sie mich aber auch belasten und ich wäre ihnen ein schlechter Vater. Das werde ich nie erfahren. Aber ich vermisse es auch nicht, dass keine Kinder da sind.

Es ist eine schwierige Lebensphase für mich. Momentan sieht es recht finster aus und fühlt sich auch oft so an, viel Traurigkeit in mir und nach aussen versuche ich mir nichts anmerken zu lassen, bin sehr zuverlässig an der Arbeit, probiere lustig und humorvoll zu sein, fast schon sarkastisch. Es weiss niemand, wie es in mir ausschaut, höchstens meine Mutter im Himmel oben. Ab und zu erzähle ich ihr etwas vor dem Einschlafen. Die Tage vergehen, bald steht wieder Weihnachten vor der Türe, mein Vater wird dieses Mal nicht kommen, feiert mit seiner neuen Freundin. Es wird alles immer freudloser und ich sehe keine Änderung in der Zukunft. Daher frage ich mich oft, wie lange muss ich eigentlich noch stark sein...
 

frara

Urgestein
meine geliebteste mutter ist vor 9 jahren verstorben, mein papa vor 6 jahren. meine geschwister und ich haben das große haus noch "aufgehoben", in jeder freien minute war ich dort, alles war dort wie früher, heimat eben. überall roch es noch nach den beiden, überall waren sie noch präsent.in unserem mostkeller war mein liebster vater, wenn ich den kachelofen anfeuerte, sah ich meine mama, zusammengerollt wie eine schnurrende katze auf der großen ofenbank...
und- was meine eltern betrifft, werde ich wohl schwach bleiben, bis ...
 
Zuletzt bearbeitet:
K

kasiopaja

Gast
Vielleicht hilft es Dir der Gedanken, dass Deine Mutter sicher nicht gewollt hätte, dass Du deshalb so leidest.

Sie hätte gewollt, wie jede gute Mutter, dass Du glücklich bist. Versuche - auch für sie - zu sein und die auf die schönen Dinge zu konzentrieren.

Und das zweite ist, dass ihr vielleicht viel Leid erspart blieb, durch ihren Tod.

Vielleicht hätte sie sich noch jahrelang quälen müssen mit ihrer Krankheit, die vermutlich immer schlimmer geworden wäre.

Das ist ihr erspart geblieben.
 

Lonely76

Mitglied
Vielen Dank Euch Beiden!

Dass Ihr das Haus noch behalten habt finde ich toll, ich kann mir sehr gut vorstellen wie tief und nah die Erinnerungen an Deine Eltern dort sind. Aber es tut doch sicher auch weh, wenn man sie so vermisst?

Ich habe einen grossen Karton voller Sachen von meiner Mutter aber ich traue mich gar nicht dort hinein zu schauen weil das sicher sehr weh tun wird...

Kasiopaja, Du hast natürlich sehr recht. Meine Mutter wollte immer das Beste für mich und war sehr stolz, was ich alles geschafft habe in meinem Leben. Sie hat mir immer das Gefühl gegeben, ich sei das Wichtigste in ihrem Leben. Sicher wollte sie, dass ich glücklich bin und es wird ihr sicher sehr schwer fallen, falls sie mich jetzt so sieht. Aber es ist schwer wieder glücklich zu werden ohne sie. Sie war der wichtigste Mensch in meinem Leben. Ohne sie ist alles anders geworden. Wenn man nur sicher sein könnte, dass man sich irgendwann wieder sieht. Mit der Gewissheit auf ein Wiedersehen liesse es sich viel einfacher weiter leben. Ich möchte gerne, dass sie auch weiterhin stolz auf mich sein kann, auch ein Grund weiter stark zu sein. Wenn es nur nicht so schwer wäre...

Sie hat viel durchmachen müssen in ihrem letzten halben Lebensjahr. Ich glaube fest, ihr ist viel Leiden erspart geblieben und doch hätte ich sie so gerne noch länger bei mir gehabt...
 
K

kasiopaja

Gast
Natürlich hättest du sie gerne länger bei Dir gehabt. Aber angesichts der Krankheit, ist das eben ein sehr egoistischer Wunsch.

Manchmal muss man Menschen gehen lassen. Auch weil es besser für sie ist.
 
G

Gast

Gast
Hallo.

Ich finde das nicht unnormal, dass du nach 1 1/2 Jahren noch in tiefer Trauer bist.

Mein Vater ist vor 25 Jahren gestorben, er fehlt mir heute noch,

und die ersten 5-10 Jahre, das ging ganz langsam, habe ich sehr getrauert. Ich rede auch noch heute täglich mit ihm, der Schmerz ist wie gesagt, sehr langsam aber trotzdem mit der Zeit immer geringer geworden.

Verlange nicht zu viel von dir, behalte aber im Hinterkopf, dass du deiner Mama nichts Schöneres tun kannst, als an sie in Liebe und Dankbarkeit zu denken und dass sie sich nichts mehr wünschen würde als dass es dir gut geht.
 

Lonely76

Mitglied
Gefühle kann man realistischerweise nicht ändern. Rational ist es mir sehr klar, jeder Mensch muss sterben, Menschen mit schweren Krankheiten leiden und es ist irgendwann das Beste, wenn sie gehen können. In meiner Ausbildung habe ich viel gelernt und gehe professionell mit Sterben und Tod um. Da ist alles rational und läuft auf einer professionellen Ebene ab.

Die eigenen Gefühle sind einfach da, ich kann sie nicht abstellen, indem ich mir immer wieder klar mache, dass es das Beste für meine Mutter war, dass sie gehen konnte, dass jeder Mensch einmal sterben muss. Das weiss ich alles. Und doch sind da diese starken Gefühle des Vermissens, des Sehnens in die Vergangenheit, diese grosse Trauer, die nicht aufhören will. Damit besser umgehen zu können, damit zu leben und doch auch wieder glücklich zu sein, diese Herausforderung ist für mich momentan ein unüberwindbarer Berg. Habe schon viele Routen ausprobiert, bin aber niemals auf den Gipfel und darüber hinweg gekommen.
 

beihempelsuntermsofa

Sehr aktives Mitglied
Ja. So eine langjährige partnerschaft ist halt was anderes als frisch verliebt zu sein. Ich weiss von was ich schreibe, bin 20 jahre verheiratet.
Und auch ich erzähle meinem mann nicht, wie einsam ich mich manchmal fühle weil ich weiss, dass er und die kinder das einzige sind, was ich noch habe.
Schön finde ich, dass du deinem vater sein neues glück zu gönnen scheinst.
Ich weiss nicht...ist es eher ne erleichterung für dich weil du weisst, dass es ihm wenigstens (wieder) gutgeht, oder ist es auch ein verlust, weil es ja auch die bindung zu dir lockert...irgendwie?

Die antriebslosigkeit kenne ich auch *lach* ich bin ein sehr phlegmatischer mensch. Aber eben mit kindern kann mans halt nicht so ausleben sondern ist quasi gezwungen, den A**** hochzubekommen. Manchmal verfluche ich das...aber meistens weiss ich, dass das einfach gut für mich ist.

Gibt es nichts, was eine neue aufgabe für dich werden könnte? Eine berufung?
Wenn ich übrige energie hätte würde ich die in den tierschutz investieren.
Hab selber hund, hase und 5 katzen. Das ist das, was mir am herzen liegt.
Und ich würde versuchen ein buch zu schreiben.
Hey... vielleicht wär das auch was für dich^^...aufzuschreiben, was du mit deiner mutter alles schönes erlebt hast...nur so, für dich.
Es ist erst 11/2 jahre her...der tod deiner mutter...ich finde es normal, dass da noch viel trauer ist (auch wenn man uns heutzutage was anders einreden will). Und ich denke schon, dass das im lauf der zeit "besser" werden wird.
Ich finds schön, dass du so ein herzliches und enges verhältnis zu deiner mutter hattest. Und dass du und dein vater sie nach ihrem tod hergerichtet habt. So liebevoll.

Ja. Es wäre vieles einfacher wenn man wüsste, was nach dem tod kommt.
So bleibt einem nur ganz fest zu glauben und zu hoffen.
 

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