Hi Marcus,
das Mit dem Sein und Nichts ist ein Paradox....bei manchen Dingen kommt man nicht mit der gängigen ENTWEDER-ODER-Logik klar.
Das Alles kann somit auch das Nichts sein, was der Verstand nicht begreift, die Intuition aber spüren kann.
Natürlich bin ich....hier und jetzt, aber zeitlich aufgedröselt werde ich auch mal nichts sein, daher bin ich ein Sein und ein Nichts...
Das ist ein Ding der Relativität von Zeit und Raum...hier nach meiner Zeit bin ich in meinem Kosmos, aber in einer anderen kosmischen Zeiteinheit bin ich bereits Geschichte....
Auf jeden Fall sollte man Religion und Wissenschaft streng trennen. Glaubenssachen, bzw. das Glaubensprinzip haben an sich nix im Wissenschaftsbereich zu suchen. Sonst kommt so etwas zustande, wie es momentan irgendwo in Ami-Land passiert: Da wird aufgrund des Primat einer religiösen Auffassung (= es gibt nur Gott, der allet erschaffen hat) die Lehre der Evolutionstheorie an den Schulen verboten!
Die Trennung hat schon ihren Sinn in Richtung Machtfragen, denn man darf nicht vergessen, dass es menschliche Hüter der Religionen gibt, denen es drum geht Macht auszuüben und auch zu bestimmen, was man glauben soll und was man nicht wissen darf....also im Sinne des Schutzes einer wisschenschaftlichen Aufklärung und um zu vermeiden um wieder in den mittelalterlichen Sumpf von Glauben ohne Wissen zurückzufallen, plädiere ich für Trennung von Religion und Wissenschaft in dem Sinne dass die Aussagekompetenz der Religion halt beschränkt wird. Sie kann einen Gott annehmen, aber kann ihn nicht beweisen...
Die Macht des Glaubens, bzw. wie leicht der ja auch immer zu politischen Zwecken missbraucht wird, zeigt sich in allen dogmatischen Religionsausrichtungen, z.B. dem islamischen Fundamentalismus etc.....das sind immerhin echte Gefahren! Was so im Namen Gottes alles so verzapft wurde....aufgrund dieser Bifurkation/Ambivalenz, die bis in den sprachlichen Ausdruck reicht kann man ja alles Gotteschriften in mannigfacher Weise auslegen und für wer weiß was für SChandtaten benutzen...
Aufgrund der langen Geschichte der machtmissbräuchlichen Beschränkungen wissenschaftlicher Erkenntnisse durch die Religion oder genauer durch die diese Religion vertretenen Institutionen, denke ich ist ne Trennung schon sinnvoll.
Aber natürlich sind auch der Wissenschaft ihre Beschränkungen aufzuzeigen, damit nicht ein blinder Glaube an die Unfehlbarkeit des Wissens dieselben Fehler macht....man muss sich stets der Subjektivität allen menschlichen Tuns bewusst sein, so etwas wie reine subjektunabhängige Objektivität gibt's nicht, weder in Religion, noch in Wissenschaft:
Auch in dem Wissenschaften kann er immer nur Fragmente ausbuddeln und erkennen:
"Und das ganze freilich erblickte kein Mensch, und es wird auch nie jemand sein, der es weiß (erblickt hat) in Bezug auf die Götter und alle Dinge, die ich nur immer erwähne; denn selbst wenn es einem gelänge, ein Vollendetes auszusprechen, so hat er selbst trotzdem kein Wissen davon:
Schein (Meinen) haftet an allem" (Xenophanes)
Und klar: auch Wissenschaftler können an Gott glauben, müssen aber net...und diese Wissenschaftler werden auch nie mit nem Gottesbeweis um die Ecke kommen, sie glauben nur an eine über allen Dinge schwebende Macht.. Meissener Porzellan? Na ja, der Mensch ist halt ein kreatives Tierchen, gell? Was noch kein Beweis dafür sein muss, dass dahinter ein MEGA-Kreator stehn muss....
Auch Porzellan zerbricht und ein Haus, das gebaut wurde wird von einer Überschmemmung zerstört...Wie erklärt Gott denn diese Grausamkeit? (rhetorische Frage!)
Du sprichst von Seele, ich nenn es Bewusstsein...und in meinen Augen ist das ein ebenso sterbliches/vergängliches Ding wie der Körper....was unsterblich ist, ist der Prozess des Werdens und Vergehns...
Dein Blumenentwurf hört sich recht romantisch an, ich denke man sollte neben aller Blumigkeit lernen ein verantwortungsvoller und guter Mensch zu sein und in seinem Leben anstreben ein sozialfähiges und denkendes und handelndes (im GGS zu unhinterfragter Übernahme von Denkkonstrukten einiger weniger und Befehlen zu gehorchen) Wesen zu werden...Ich glaube es verleiht einem Leben erst die richtige Authentizität, wenn man z.B. moralisches Handeln nicht aufgrund gott-oder von sonstwem gegebener Vorschriften praktiziert, sondern aus eigenen gewonnenen Erkenntnissen und aus einer freien Intuition und Selbstbestimmung heraus..
Das Sein schliesst das NIchts nicht aus, sondern ist mit ihm untrennbar verbunden. Die, die das Nichts verneinen tun dies, weil sie es fürchten, was an sich Quatsch ist, da das Nichts ja nicht nichts ist! Tja mit diesem Paradox kommt halt net jeder Kopf klar? Man muss sich klar machen, dass wir es mit Begriffen zu tun haben, die an sich untrennbare Dinge/Zustände in Einzelteile zertrennen um sich diese für's Be-greifen händelbar zu machen.
Die Erkenntnis das das SEin und das NIchts verschieden aber irgendwo auch dasselbe sind..kriegt man nicht mit dem Verstand hin...nur per intuitivem Erfassen!
In jeder Sekunde unseres Daseins stirbt ein Teil von uns und es entsteht etwas neues.....siehe die Zellerneuerungen/ wechselhafte Zellstruktur....eines Tages jedoch stirbt die Gesamtstruktur und löst sich auf, um wieder einzugehn in den grossen Kreislauf.....
Übrigens können auch Buddhisten gleichzeitig noch andere Religionen praktizieren und an einen Gott glauben oder eine vergöttlichte Natur (Pantheismus) ....leider ist das Christentum ja stark machtverkoppelt und nach dem abendländischen Entweder-Oder-Denkschema verfasst, sodass die alleinige Herrschaft bei einem personifiz. Gott liegt...was ja auch gut zur Sozialstruktur und Anführer-nachfolgende Herrscharen-Prinzip des Menschen passt. Für mich persönlich ist nur akzeptabel, was mir meine eigene freie Wahl lässt....
Lieber wäre mir der eigenständig denkfähige Mensch, der Verstand, Vernunft, Gefühl und evtll. Glauben miteinander vereint, aber in der angegebenen Reihenfolge.
Ich denke Glaube ist sehr wichtig für viele Menschen, als sinngebende Einheit,um Halt zu finden in den unendlichen Weiten unseres Kosmos, um Trost zu finden für Leid und Tod.
Ich muss nicht MEHR sein, um zu sein, es reicht mir eine kurze Zeit als ein Teil des Grossen so zu sein, wie ich gerade bin, und dann wieder nicht so zu sein ....und ich bemühe mich in der mir gegebenen Zeit das Beste draus zu machen und u.a. meinen Sinn für Ästhetik nicht nur auf Porzellan zu malen, sondern ihm durch gelebte Menschlichkeit Ausdruck zu verleihen.
Übrigens gefällt mir diese christliche Abwertung des Körperlichen, die sich ganz deutlich in deinem Ausdruck "sprechendes Fleisch" oder auch in der Blumenvorstellung niederschlägt überhaupt nicht! Schonmal durch ein Mikroskop auf Zellverbände geschaut? Oder die Symmetrie = Schönheit eines lebendigen Gesichts erblickt? Ich denke dieses "sprechende Fleisch" ist bereits genug und ein Mehr kaum nötig.
Gruss
Tyra