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Welches Ausmaß an psychischer Krankheit ertragt ihr in Freundschaften?

Hallo Rock,

so, jetzt hab ich Zeit zum Schreiben. Der Reihe nach:

Warum ich befürchte, mich mit diesem Thread unbeliebt zu machen – weil ich offen gelegt hab, dass ich gegenüber Leuten, die ich als „sehr krank“ bezeichnen würde, Aggressionen hab. Dass ich mich sogar von Leuten zurückziehe, die psychisch krank sind, aber noch immer stärker sind als ich. Dass ich letztendlich unfähig zu Freundschaften bin. Dies ist ein Hilfeforum, jeder hat sein Päckchen zu tragen, und natürlich fetzen sich die Leute hier manchmal auch. Aber ich denke, dass die meisten hier doch fähig sind, andere „kranke“ Personen zu ertragen und zu mögen. Ich hab das Gefühl, dass nur wenig Leute die Macken anderer Menschen so wenig ertragen wie ich. Das bezieht sich bei mir aufs reale Leben. Wie gesagt, hier im Forum bekommt man von vielen Macken überhaupt nichts mit. Aber trotzdem: Wer mehr lieben kann, ist beliebter, und zu Recht.

Hat mir trotzdem gut getan, dass du geschrieben hast, es sei nichts Schlimmes.

Ob ich den Leuten was über meine Krankheit sage: Ich hab früher was gesagt, als ich noch nicht fähig war, zu arbeiten und mit manchen Leuten oft/ständig zusammen war. Stichwort Wohngemeinschaft. Wenn es so arg ist, kann man nichts verstecken. Das Nennen des Problems war damals sehr gut so. Heute ist es anders. Ich hab eigentlich nur dann Lust, über meine Seele oder meine Krankheit zu reden, wenn der andere ähnliche Probleme hat oder wenn sich eine „Freundschaft“ anbahnt. Also wenn ich zu demjenigen ein schon ein gewisses Vertrauen hab. In der Chefetage weiß man so ungefähr, was los ist/war. Ich hab einer Kollegin mal was über mich erzählt, einer anderen eine Andeutung gemacht, und ich nehme an, dass auch alle anderen mehr oder weniger von meiner Krankheit wissen. Mehr will ich nicht sagen, weil es die andern nichts angeht. Kann gut sein, dass es einige auch nicht verstehen würden, d. h. mit versteckten Aggressionen reagieren würden. Neue Bekannte: Den meisten sag ich nichts, weil es schnell klar ist, dass es Bekanntschaften bleiben (und ich kann relativ gut die Starke spielen, wenigstens für die erste Zeit 😀) Aber wenn ich spüre, dass wir auf ähnlicher Wellenlänge liegen, dann spreche ich die Themen Seele, Krankheit, Kindheit usw. vorsichtig an, u. es macht erstmal Spaß mit ihnen. Allerdings hab ich mir vorgenommen, erstmal mit keinem neuen Bekannten über so persönliche Dinge zu sprechen, weil ich ja letztendlich entweder abgelehnt werde oder den anderen ablehne, u. ich will nicht diejenige sein, die anderen Schmerzen zufügt, obwohl sie es verhindern könnte. Weiß nicht, ob ichs durchhalte.
Ja, manche Bekannte finden es so langsam heraus, u. dann sind sie enttäuscht. Erst vor ein paar Monaten hab ich mir eingestanden, dass ich eigentlich immer zuerst monate- oder jahrelang die Starke gespielt hab, ob nun mit Seelengesprächen oder nicht. So kann ja nichts Gescheites dabei herauskommen.
Du suchst dir gezielt Leute, die auch Schwierigkeiten haben. Sagst du es Bekannten ?


„Ist nicht wirklich witzig wenn man zusammen auf die Rolle geht und man nachts um 2 alleine zurück gelassen wird...“
Nein, das ist nicht witzig. Das ist ne Sauerei. Und hört sich sehr traurig an …

Was meinst du genau mit dem spielerischen Umgang mit deiner Unsicherheit? Ich hab bisher nur verstanden, dass du keine/kaum noch Erwartungen an ein Gespräch bzw. an andere hast. Kommt noch was dazu? Wobei das natürlich schon eine riesengroße Veränderung in einem selbst ist. Da kann man nur „Hut ab!“ sagen, wenn du das hingekriegt hast und dann auch noch mit so guten Ergebnissen! Ich weiß nicht, wie diese Umstellung für dich war, für mich wäre sie alles andere als eine kleine Aufgabe.

Ob ich die psychisch Kranken, die mich wirklich mögen, ich aber nicht (so sehr), als Spiegel sehe: Ja, klar. Ich finds verdammt schmerzhaft, die eigenen größten Schwächen in anderen Leuten gespiegelt zu sehen. Mal abgesehen von der Scham und Aggression, die ich dann spüre: Das Grau, die Depression der anderen zusammen mit meiner eigenen fühlt sich so nach totaler Hoffnungslosigkeit an. Du bist im Käfig. Ich bin im Käfig. Und wir kommen da nie mehr raus.
Manchmal ist es so ähnlich, wie wenn man keine Luft mehr bekommt. Und mir ist klar, dass es anderen mit mir manchmal/oft genauso geht.

„Es ist anderseits natürlich auch das gute Recht der Leute, sich selbst zu "schützen", wenn sie meinen, dass "wir" ihnen zu anstrengend sind …“ So ruhig, wie du das formuliert hast (hört sich jedenfalls so an), kam mir ein Gedanke dazu: Sie wollen sich auf jeden Fall vor meiner Krankheit schützen, und ja, dazu haben sie jedes Recht. Aber vielleicht lehnen sie in erster Linie meine Krankheit ab und nicht (so sehr) mich? Muss nicht sein, aber kann. Dieser Gedanke macht für mich die Ablehnung leichter.

„Was mich persönlich angeht...vielleicht kannst du damit etwas anfangen..."normale" Menschen langweilten mich meistens. Meine Kontakte tendierten eher in Richtung Menschensorte "gehandicapt", Leute, die ebenfalls ihre Schwierigkeiten hatten und mit denen ich demzufolge etwas gemein hatte. Nicht selten habe ich die Erfahrung gemacht dass schlichtweg so etwas wie eine Grundlage fehlte, wenn der/die Gegenüber überhaupt nicht weiß was Ängste oder Probleme sind.“

Ich hab heute Listen und Tabellen gemacht 🙂. Ich hab früher schon mal Listen der ehemaligen Freundinnen und Freunde aufgestellt und derjenigen Leute, zu denen ich den Kontakt abgebrochen hab, um vielleicht etwas mehr über die Muster zu erfahren. Heute noch mal zusammengestellt, und auch die Liste derjenigen, die ich total verabscheue und hasse. Und diesmal hab ich Tabellen draus gemacht: D. h. auf der horizontalen Ebene hab ich die Faktoren aufgezählt, die in meinem Leben das größte Gewicht haben, nämlich Krankheit, Interesse an Psychologie und politischer Standpunkt im links-alternativen Bereich.
Ich weiß nicht, wo dein Wohnort Valhalla politisch liegt; ehrlich gesagt, fröstle ich bei dem Wort, also vielleicht kriegst du jetzt Magenweh, aber für mich war diese Tabelle heute sehr wichtig. Ich hab nämlich für alle drei Kategorien Punkte auf einer Skala von 0 bis 3 verteilt. Und das Ergebnis hat mir dann doch einiges verdeutlicht. Zum einen hab ich sehr deutlich gesehen, wie viele Nullen und Einser bei vielen Leuten da waren, die die Freundschaft zu mir aufgegeben haben bzw. deren Sympathien ich nach einiger Zeit verloren hab; d. h. die Unterschiede zwischen mir und ihnen waren einfach sehr groß. Zum anderen hat sich gezeigt, dass diejenigen, zu denen ich den Kontakt abgebrochen haben, mir ziemlich ähnlich sind, ich hab sie mehr oder weniger alle als problembehaftet, aber doch stärker als mich eingeschätzt. Diejenigen, die ich total ablehne, sind am kränksten … und teilweise mir ähnlich … Und das, was für mich am wichtigsten war: Ich schätze mich am radikalsten/extremsten in jeder Hinsicht ein. Es war alles nichts total Neues für mich, aber so deutlich hab ich die Dinge noch nie gesehen. Ich halte mich für ziemlich krank (2-3), für sehr an Psychologie interessiert und politisch am radikalsten (beides ebenfalls 2-3). Ich bin politisch alles andere als eine Extremistin – ich kann mit Dogmen und Gewalt nichts anfangen – aber ich bin radikal im Sinne von „an die Wurzel gehen“. Ich will z. B. noch mehr Demokratie und mehr Bürgerbeteiligung, viel mehr Umweltschutz und eine Umverteilung der Vermögen von den Reichen auf die Ärmeren und Armen. - Radikal hinsichtlich Psychologie: Mich interessiert u. a. das Unbewusste und Unterdrückte sehr, ich will da ran bei mir, traue mich selbst einiges (in einer speziellen Therapie) und hab auch keine Angst, wenn es bei anderen richtig abgeht, im Gegenteil. Damit meine ich alle menschlichen Empfindungen und Äußerungen, die hochkommen, wenn man die Kontrolle abgibt, also Weinen, Schreien, sich übergeben, um sich schlagen, sexuelle Gefühle, Yogastellungen etc, (mal abgesehen vom Still-daliegen und innerlich sehen, tanzen, kuscheln und lachen). Das ist vermutlich für viele beängstigend und abstoßend. Für mich ist es ein Wunder. Weil die Leute sich dort wirklich tief öffnen und sich zeigen. Ohne Maske, ohne Hemmungen. Freiheit kann man unterschiedlich definieren, aber dies ist eine Variante echter Freiheit.
Also – mir ist einfach so klar wie noch nie geworden, dass ich ziemlich radikal in meinen Anschauungen bin (teilweise auch im Handeln, da könnte/sollte ich noch mehr machen …), dass es nur sehr wenig Leute wie mich gibt und dass ich in einem sehr bürgerlichen Umfeld lebe, wo all das mehr oder weniger abgelehnt wird oder für die Leute nicht wichtig ist.
Es ist insgesamt gesehen kein Wunder, dass ich keine oder nur wacklige Freundschaften hab.

Fortsetzung folgt. Dann auch mit mehr Bezügen zu dir. Danke sehr auch für deinen heutigen Beitrag! 🙂

Ciao,
Kaela
 
Zuletzt bearbeitet:
Hi Rock,

was für Menschen, Kontakte ich suche: Ich suche normalerweise gar nicht, außer, wenn ich eine Gruppentherapie anfage. Dort will ich zum Teil psychisch weiterkommen u. zum Teil Leute kennen lernen.
Beeindrucken tun mich, wie gesagt, die Leute am meisten, die deutlich mehr Sonne ausstrahlen als ich, zu diesen Leuten fühl ich mich hingezogen, aber Freundschaften mit ihnen gibts (langfristig) nicht. Auf der anderen Seite ziehen mich auch Leute an, die ebenfalls angeknackst sind und mit denen ich reden kann, die aber nicht total durchhängen. Eine, sagen wir mal, nähere Bekanntschaft ohne Psycho-Gespräche kann ich mir nicht vorstellen. Und dann passiert eben, was ich schon geschrieben hab, dass etliche von ihnen eine noch engere Bekanntschaft oder eine richtige Freundschaft mit mir wollen, während ich diese Leute nicht richtig gern haben kann, bloß sehr schätzen …
Die Freundschaft von Leuten, die schwächer als ich sind, suche ich nicht.
Und richtig wohl fühl ich mich normalerweise nur dann, wenn auch die politischen Ansichten einigermaßen ähnlich sind.


Zitat:

„Nicht selten habe ich die Erfahrung gemacht dass schlichtweg so etwas wie eine Grundlage fehlte, wenn der/die Gegenüber überhaupt nicht weiß was Ängste oder Probleme sind.“
Das seh ich genauso. Da fehlt die Grundlage.

Noch mal Null-Erwartungshaltung: Wenn man ein Gespräch mit jemandem anfängt, dann möchte man doch immer versuchen, ob man sich mit dem anderen zusammen eine Weile wohl fühlen kann. Also es ist keine Erwartung, aber eine Hoffnung, dass man mit dem anderen vielleicht ne Weile angeregt reden kann. Jedenfalls würde ich das bei mir so beschreiben. Bisher hab ich immer gedacht, wenn der andere mich nach dem Gespräch dann nicht (mehr) leiden kann oder innerlich auf Distanz geht: „Es hat sich wieder erwiesen, dass ich „zu krank und ungenügend für andere bin““. Was immer auch mit viel Scham verbunden ist. Gestern hab ich zum ersten Mal gedacht, es müsste vielleicht richtiger heißen: „Zum jetzigen Zeitpunkt bin ich ihm entweder zu krank oder es passt von den Interessen her nicht, oder beides.“ D. h. es könnte sein, dass er mich ohne meine Krankheit mögen würde. Und es heißt auch: Er passt auch nicht zu mir, er genügt mir ja auch nicht! Nicht nur umgekehrt.

Was manche „Sonnenmenschen“ anbelangt: Es gibt Leute, die, wenn man sie nicht von ganz nahem kennt, immer gut drauf zu sein scheinen. DAS zieht bei mir … aber ich war mir bis jetzt nicht ständig bewusst, dass diese Leute ihre Tiefs schlicht nicht nach außen zeigen und sie vielleicht auch richtig verdrängen. Also Leute, die schon beim Wortteil „Psycho …“ Angst kriegen und abhauen. Denn immer gut drauf sein gibts natürlich nicht. D. h. es kann sein, dass manche Leute auch vor sich selbst davonlaufen, wenn sie mir den Rücken zu kehren.

Ich hab verstanden, dass du dir beim Zusammensein mit anderen nicht mehr viel Gedanken über dich und die Situation machst und einfach drauflos lebst. In der Situation selbst. Aber ist es dir hinterher auch völlig egal, ob dir Sympathien entgegenkommen oder sich die Leute von dir zurückziehen? Ich würde das gerne richtig verstehen.

Und noch was Unklares: Auf der einen Seite schreibst du, dass du jetzt auch bei „Gesunden“ besser ankommst – also es gibt mehr Sympathien als früher. Kann man sagen, du hast mehr gute Bekannte oder einzelne, nette Begegnungen? Andererseits sagst du, es ist schwer, Leute zu finden, denen „unsere“ handicaps egal sind – d. h. du hast (noch) wenig Freundschaften?

Morgen schreib ich weiter.
Nacht!
Kaela
 
Hallo...

Warum ich befürchte, mich mit diesem Thread unbeliebt zu machen – weil ich offen gelegt hab, dass ich gegenüber Leuten, die ich als „sehr krank“ bezeichnen würde, Aggressionen hab. Dass ich mich sogar von Leuten zurückziehe, die psychisch krank sind, aber noch immer stärker als ich. Dass ich letztendlich unfähig zu Freundschaften bin. Dies ist ein Hilfeforum, jeder hat sein Päckchen zu tragen, und natürlich fetzen sich die Leute hier manchmal auch. Aber ich denke, dass die meisten hier doch fähig sind, andere „kranke“ Personen zu ertragen und zu mögen. Ich hab das Gefühl, dass nur wenig Leute die Macken anderer Menschen so wenig ertragen wie ich. Das bezieht sich bei mir aufs reale Leben. Wie gesagt, hier im Forum bekommt man von vielen Macken überhaupt nichts mit. Aber trotzdem: Wer mehr lieben kann, ist beliebter, und zu Recht.

Och, niemand muss sich rechtfertigen für die Gefühle, die in einem entstehen oder für die Eindrücke, die man da hat. Sprechen kann man doch über alles, denke ich und „schämen“ musst du dich sicher auch nicht. 😉

Du denkst also dass du die Macken anderer Leute weniger ertragen kannst als andere Leute es wiederum können. Ich deute mal, dass du dich bzw. dein Verhalten daher als „verächtlich“ empfindest, einigermaßen richtig?

Nicht leicht, dazu etwas Passendes zu schreiben...vielleicht liegt es daran, dass du den betreffenden Menschen einzig und alleine als „Störung“ empfindest und übersiehst, dass da eben auch noch andere Eigenheiten, Bestandteile in ihm/ihr sind? Ein „gestörter“ Mensch besteht ja nicht nur aus einer Störung, er hat noch andere Anteile an/in sich. Nur weil vielleicht eine bestimmte Verhaltensweise dieses Menschen „suboptimal“ ist, bedeutet es nicht dass er nicht in anderen Bereichen „normal“ ist – wobei man hier berechtigt einwenden kann, wer oder was definiert, was „normal“ ist und wo „Grenzen“ verlaufen.

Ich hab beispielsweise einen Bekannten bei mir im Fitnessstudio, er hat mehrere Störungsbilder und wir sprechen ab und zu drüber. Ich kann mit ihm völlig normal reden, ich erkenne in ihm keinen „minderwertigeren“ Menschen als in jemand anderes. Mit ihm komme ich ganz normal aus, ich weiß dass andere ihn komisch ansehen, aber ich sehe da keinen Anlass zu. Er kann sprechen, er kann zuhören, er kann argumentieren, er kann lachen...und er weiß um seine Schwierigkeiten...und bemüht sich, das Beste aus sich zu machen, arbeitet an sich...hat also wahrscheinlich mehr Elan und Einsicht in sich selbst, als die meisten „Normalos“.

Anderseits...bestimmte Menschen mit bestimmten „gestörten“ Eigenschaften, da halte ich auch Abstand. Ein solcher Mensch kann beispielsweise zu aufdringlich sein, mir zu nah kommen oder ähnliches...ich hatte mal eine kurze Liaison mit einer solchen Frau, die würde ich sicher nicht ein weiteres Mal in meine Wohnung lassen...

Versuch doch mal, den Menschen nicht aufgrund seiner Störung zu beurteilen sondern wie er sich dir ggb. verhält. Eine Störung ist sicher kein pauschaler Grund, jemanden per se abzulehnen, zumal es auch „normale“ Menschen gibt die nicht gerade Liebe in einen auslösen...

Hat mir trotzdem gut getan, dass du geschrieben hast, es sein nichts Schlimmes.

Das ist es auch wirklich nicht. 🙂

Ob ich den Leuten was über meine Krankheit sage: Ich hab früher was gesagt, als ich noch nicht fähig war, zu arbeiten und mit manchen Leuten oft/ständig zusammen war. Stichwort Wohngemeinschaft. Wenn es so arg ist, kann man nichts verstecken. Das Nennen des Problems war damals sehr gut so. Heute ist es anders. Ich hab eigentlich nur dann Lust, über meine Seele oder meine Krankheit zu reden, wenn der andere ähnliche Probleme hat oder wenn sich eine „Freundschaft“ anbahnt. Also wenn ich zu demjenigen ein schon ein gewisses Vertrauen hab. In der Chefetage weiß man so ungefähr, was los ist/war. Ich hab einer Kollegin mal was über mich erzählt, einer anderen eine Andeutung gemacht, und ich nehme an, dass auch alle anderen mehr oder weniger von meiner Krankheit wissen. Mehr will ich nicht sagen, weil es die andern nichts angeht. Kann gut sein, dass es einige auch nicht verstehen würden, d. h. mit versteckten Aggressionen reagieren würden. Neue Bekannte: Den meisten sag ich nichts, weil es schnell klar ist, dass es Bekanntschaften bleiben (und ich kann relativ gut die Starke spielen, wenigstens für die erste Zeit 😀) Aber wenn ich spüre, dass wir auf ähnlicher Wellenlänge liegen, dann spreche ich die Themen Seele, Krankheit, Kindheit usw. vorsichtig an, u. es macht erstmal Spaß mit ihnen. Allerdings hab ich mir vorgenommen, erstmal mit keinem neuen Bekannten über so persönliche Dinge zu sprechen, weil ich ja letztendlich entweder abgelehnt werde oder den anderen ablehne, u. ich will nicht diejenige sein, die anderen Schmerzen zufügt, obwohl sie es verhindern könnte. Weiß nicht, ob ichs durchhalte.

Klar, in einer WG lässt sich nur schwer etwas verheimlichen. Ich nehme an du warst damals so offen, um evtl. Schwierigkeiten mit den anderen Mitbewohnern vorzubeugen? Wie haben sie denn reagiert?

Ich bin mir nicht sicher wofür es gut sein soll, anderen Leuten etwas über seine „Krankheit“ zu erzählen, was erhofft man sich davon? Ich wüsste jetzt nicht welchen unbedingten Vorteil es mir beispielsweise beruflich bringen würde, ich würde befürchten, als untauglich gekündigt zu werden. Außerdem, wie du ja selbst andeutest, das sind kaum Gespräche, die man mit Leuten führt, die sich mit diesem Thema nicht auskennen und davon nichts wissen.

Die müssen dann nicht unbedingt, wie du sagst, mit versteckten Aggressionen reagieren, aber viele wissen damit vielleicht ganz einfach nichts anzufangen, sind hilflos und ziehen sich zurück. Und schwupps wird man abgelehnt...was einem selbst nicht gerade dabei hilft, zu „gesunden“...

Ja, manche Bekannte finden es so langsam heraus, u. dann sind sie enttäuscht. Erst vor ein paar Monaten hab ich mir eingestanden, dass ich eigentlich immer zuerst monate- oder jahrelang die Starke gespielt hab, ob nun mit Seelengesprächen oder nicht. So kann ja nichts Gescheites dabei herauskommen.

Na ja, jemanden zu spielen, der man gar nicht ist...das kostet auch enorm viel Kraft, man spielt sich ja auch selbst was vor, was soll das bringen? Früher oder später, wie du sagst, finden die anderen heraus, wie man wirklich tickt und dann ziehen sie sich wieder zurück. Es ist halt so das unauthentische bzw. unehrliche Menschen nicht gerade anziehend wirken.

Du suchst dir gezielt Leute, die auch Schwierigkeiten haben. Sagst du es Bekannten ?

Ich sage überhaupt niemandem etwas, im Realleben wissen 2-3 Leute dass ich mal in Therapie war, sonst niemand. Im Berufsleben weiß niemand etwas über mich, nur oberflächliches Blabla und Hobbyzeugs, es ist eine Zweckgemeinschaft, mehr nicht.

Und „suchen“...nein, ich suche aktiv sowieso niemanden, mir fiel einfach nur auf dass ich meist mit Menschen, die Probleme habe, tendenziell etwas mehr anfangen kann als mit denjenigen die eben keine zu haben scheinen.

Nein, das ist nicht witzig. Das ist ne Sauerei. Und hört sich sehr traurig an ...

Das war es auch wirklich, und der Typ ist ein gutes Beispiel dass auch ein „Normalo“ ziemlich arschiges Verhalten an den Tag legen kann. Jemanden abzulehnen hat also nichts damit zu tun, ob er mal ´ne Diagnose für irgendwas bekommen hat oder so. Es geht schlichtweg um dessen Verhalten bzw. dessen Art – denn seien wir ehrlich, manche Leute mag man einfach nicht, weil ihre Art einem zuwider ist, das gibt´s natürlich auch.

Was meinst du genau mit dem spielerischen Umgang mit deiner Unsicherheit? Ich hab bisher nur verstanden, dass du keine/kaum noch Erwartungen an ein Gespräch bzw. an andere hast. Kommt noch was dazu? Wobei das natürlich schon eine riesengroße Veränderung in einem selbst ist. Da kann man nur „Hut ab!“ sagen, wenn du das hingekriegt hast und dann auch noch mit so guten Ergebnissen! Ich weiß nicht, wie diese Umstellung für dich war, für mich wäre sie alles andere als eine kleine Aufgabe.

Der Erfolg kam mit der Notwendigkeit, denke ich. Wie ich sagte, ich hatte gemerkt dass es kontraproduktiv ist wenn ich mich für meine Unsicherheit auch noch schäme und noch mehr zurückziehe. Da sich meine Unsicherheit meist durch undeutliches sprechen bzw. auch durch gelegentliches stottern äußert, habe ich diese Aussetzer gar nicht mehr erst zu überspielen oder mich zu rechtfertigen versucht, sondern das Ganze einfach akzeptiert und nach einer kurzen Atempause das Gespräch so gut ich eben konnte, weitergeführt. Hat die andere Person mich dann doof angeguckt wegen dieses Sprechfehlers, war es nicht mein Problem.

Ganz simpel: Ich bleibe bei mir und meinem Verhalten, bei dem, was ich tun und geben kann – ist das der anderen Person nicht gut genug, ist das für mich ok und sie kann gehen, wenn sie will. Akzeptiert sie es, hat man eben weiter Kontakt...und erfahrungsgemäß ist das meistens auch der Fall.

Ob ich die psychisch Kranken, die mich wirklich mögen, ich aber nicht (so sehr), als Spiegel sehe: Ja, klar. Ich finds verdammt schmerzhaft, die eigenen größten Schwächen in anderen Leuten gespiegelt zu sehen. Mal abgesehen von der Scham und Aggression, die ich dann spüre: Das Grau, die Depression der anderen zusammen mit meiner eigenen fühlt sich so nach totaler Hoffnungslosigkeit an. Du bist im Käfig. Ich bin im Käfig. Und wir kommen da nie mehr raus. Manchmal ist es so ähnlich, wie wenn man keine Luft mehr bekommt. Und mir ist klar, dass es anderen mit mir manchmal/oft genauso geht.

Das dürfte der Knackpunkt sein...anstatt in so einem Menschen einen „Gleichgesinnten“ zu erkennen, dem du auf Augenhöhe begegnen solltest, löst dieser Mensch Frust und Aggressionen in dir aus, weil er dich an deine eigenen Unzulänglichkeiten erinnert.

Das ist rein vom Verstand her schon nachvollziehbar, aber emotional...sollte es denn nicht eher so sein, dass man in so einen ähnlich gelagerten Menschen einen Gefährten sieht, der nachvollziehen kann, wie man sich selbst fühlt und woran man knabbert? Warum sich über denjenigen erheben? Weil man sich nicht über „normale“ Menschen erheben kann? Ich weiß nicht...

Als ich meinen o. g. Bekannten kennengelernt habe und er mir später von seiner Situation erzählt hat, kam er mir dadurch näher...ich hab ihn nicht als jemanden empfunden, der mir meine eigenen Probleme vor Augen hält und mich dadurch bedroht, sondern als jemanden, der mir ähnlich ist und mir dadurch näher steht als andere Menschen.

Was, wenn nicht gemeinsames Leid, schweißt Menschen mehr zusammen?

„Es ist anderseits natürlich auch das gute Recht der Leute, sich selbst zu "schützen", wenn sie meinen, dass "wir" ihnen zu anstrengend sind …“

So ruhig, wie du das formuliert hast (hört sich jedenfalls so an), kam mir ein Gedanke dazu: Sie wollen sich auf jeden Fall vor meiner Krankheit schützen, und ja, dazu haben sie jedes Recht. Aber vielleicht lehnen sie in erster Linie meine Krankheit ab und nicht (so sehr) mich? Muss nicht sein, aber kann. Dieser Gedanke macht für mich die Ablehnung leichter.

Das ist ein sehr guter Gedanke, der dir da gekommen ist! Der macht es dir vielleicht wirklich leichter, mit Ablehnung, sofern du sie halt leider erfährst, umzugehen. Du bestehst ja, wie gesagt, nicht ausschließlich aus einer Störung.

Ich hab heute Listen und Tabellen gemacht 🙂. Ich hab früher schon mal Listen der ehemaligen Freundinnen und Freunde aufgestellt und derjenigen Leute, zu denen ich den Kontakt abgebrochen hab, um vielleicht etwas mehr über die Muster zu erfahren. Heute noch mal zusammengestellt, und auch die Liste derjenigen, die ich total verabscheue und hasse. Und diesmal hab ich Tabellen draus gemacht: D. h. auf der horizontalen Ebene hab ich die Faktoren aufgezählt, die in meinem Leben das größte Gewicht haben, nämlich Krankheit, Interesse an Psychologie und politischer Standpunkt im links-alternativen Bereich. Ich weiß nicht, wo dein Wohnort Valhalla politisch liegt; ehrlich gesagt, fröstle ich bei dem Wort,...

Wieso Politisch? Valhalla bzw. korrekt Walhall ist lediglich ein Begriff aus der nordischen Mythologie, da steckt rein gar nichts dahinter. Ich bin ein großer Fan von Bathory, das ist alles.

Walhall

...also vielleicht kriegst du jetzt Magenweh, aber für mich war diese Tabelle heute sehr wichtig. Ich hab nämlich für alle drei Kategorien Punkte auf einer Skala von 0 bis 3 verteilt. Und das Ergebnis hat mir dann doch einiges verdeutlicht. Zum einen hab ich sehr deutlich gesehen, wie viele Nullen und Einser bei vielen Leuten da waren, die die Freundschaft zu mir aufgegeben haben bzw. deren Sympathien ich nach einiger Zeit verloren hab; d. h. die Unterschiede zwischen mir und ihnen waren einfach sehr groß. Zum anderen hat sich gezeigt, dass diejenigen, zu denen ich den Kontakt abgebrochen haben, mir ziemlich ähnlich sind, ich hab sie mehr oder weniger alle als problembehaftet, aber doch stärker als mich eingeschätzt. Diejenigen, die ich total ablehne, sind am kränksten … und teilweise mir ähnlich … Und das, was für mich am wichtigsten war: Ich schätze mich am radikalsten/extremsten in jeder Hinsicht ein. Es war alles nichts total Neues für mich, aber so deutlich hab ich die Dinge noch nie gesehen. Ich halte mich für ziemlich krank (2-3), für sehr an Psychologie interessiert und politisch am radikalsten (beides ebenfalls 2-3). Ich bin politisch alles andere als eine Extremistin – ich kann mit Dogmen und Gewalt nichts anfangen – aber ich bin radikal im Sinne von „an die Wurzel gehen“. Ich will z. B. noch mehr Demokratie und mehr Bürgerbeteiligung, viel mehr Umweltschutz und eine Umverteilung der Vermögen von den Reichen auf die Ärmeren und Armen. - Radikal hinsichtlich Psychologie: Mich interessiert u. a. das Unbewusste und Unterdrückte sehr, ich will da ran bei mir, traue mich selbst einiges (in einer speziellen Therapie) und hab auch keine Angst, wenn es bei anderen richtig abgeht, im Gegenteil. Damit meine ich alle menschlichen Empfindungen und Äußerungen, die hochkommen, wenn man die Kontrolle abgibt, also Weinen, Schreien, sich übergeben, um sich schlagen, sexuelle Gefühle, Yogastellungen etc, (mal abgesehen vom Still-daliegen und innerlich sehen, tanzen, kuscheln und lachen). Das ist vermutlich für viele beängstigend und abstoßend. Für mich ist es ein Wunder. Weil die Leute sich dort wirklich tief öffnen und sich zeigen. Ohne Maske, ohne Hemmungen. Freiheit kann man unterschiedlich definieren, aber dies ist eine Variante echter Freiheit. Also – mir ist einfach so klar wie noch nie geworden, dass ich ziemlich radikal in meinen Anschauungen bin (teilweise auch im Handeln, da könnte/sollte ich noch mehr machen …), dass es nur sehr wenig Leute wie mich gibt und dass ich in einem sehr bürgerlichen Umfeld lebe, wo all das mehr oder weniger abgelehnt wird oder für die Leute nicht wichtig ist. Es ist insgesamt gesehen kein Wunder, dass ich keine oder nur wacklige Freundschaften hab.

Magenweh nicht, aber bei dem Abschnitt hat es MICH ehrlich gesagt ein wenig gefröstelt...

Denn ich würde wohl nie auf die Idee kommen mir so eine Mühe zu machen und extra eine Tabelle anzulegen um herauszufinden, warum meine soziale Situation so ist, wie sie ist. Meine „Erkenntnisse“ diesbezüglich kamen einfach durch Beobachtung. Aber wenn es dir die gewünschten und wichtigen Erkenntnisse geliefert hat, hat sie ja ihren Zweck erfüllt.

Ich fasse mich jetzt mal kurz. Mein Eindruck ist, dass du eben gerne und oft das Wort „Radikal“ verwendest, hältst du es für möglich dass auch deine radikalen Ansichten und deine radikalen Bewertungen ggb. den Menschen Ursachen deiner Isolation sind? Wie wäre es wenn du deine Radikalität etwas zügeln und deiner Umwelt vielleicht mit ein wenig mehr Gleichmut und Gelassenheit begegnen würdest?

Du gibst dir leider auch eine sehr hohe Punktzahl, was deine Krankheit angeht, identifizierst du dich mit ihr? Ist dir diese Krankheit wichtig? Ich hab meine Diagnose vor ca. 6 Jahren bekommen und mich gar nicht weiter drum gekümmert. Denn wichtig waren für mich nur die Verhaltensweisen, die ich in Beziehung zu anderen Leuten abspule, daran habe ich gearbeitet. So radikal und unbarmherzig ich früher auch war, so viel mehr hat es mir geholfen, Gleichmut zu entwickeln und meine harten Bewertungen ggb. den Leuten (Selbstschutz? Alle doof, außer ich?) ein wenig zu relativieren. Sich um 180° zu drehen ist kaum möglich, die alte „Art und Weise“ ist noch in mir, taucht manchmal durchaus noch auf, aber sofern man verstanden hat dass man sich damit selbst ins Abseits schießt...

Wer immer das gleiche Verhalten zeigt, bekommt auch immer die gleichen Reaktionen...mit deinen radikalen Bewertungen ggb. den Leuten hast du nicht das erreicht, was du dir erhofft hast. Wäre es nun nicht plausibel, sich zu erweitern und sich eine neue Art anzugewöhnen?

Ganz allgemein noch: Wenn ich einen Menschen ablehne, dann schlicht und ergreifend weil er (mir ggb.) ein Verhalten an den Tag legt, mit dem ich nicht zurechtkomme, er mir unsympathisch ist, er zu aufdringlich ist, etc. Das alles ist aber nicht Menschen mit einer Störung vorbehalten, Verhaltensweisen, die einen Menschen als „unangenehm“ erscheinen lassen, gibt´s auch bei „normalen“ Menschen. Das wollte ich noch hinzufügen.

Ich hoffe ich hab nichts von dir falsch gedeutet? Deinen anderen Beitrag knöpfe ich mir auch noch vor.😉

LG,
Rock
 
Hallo,

was für Menschen, Kontakte ich suche: Ich suche normalerweise gar nicht, außer, wenn ich eine Gruppentherapie anfage. Dort will ich zum Teil psychisch weiterkommen u. zum Teil Leute kennen lernen.

Ich suche auch nicht, weiter unten am Schluss habe ich es ausführlicher beschrieben, es ist etwas kurios bei mir, das gebe ich ja zu.

Also, um die Gruppentherapie sinnvoll zu nutzen und damit du weiterkommst, suchst du dir dann Leute? Bedeutet dass, dass du dann zusammen mit diesen Leuten die Therapie machst oder du „an ihnen“ lernst?

Beeindrucken tun mich, wie gesagt, die Leute am meisten, die deutlich mehr Sonne ausstrahlen als ich, zu diesen Leuten fühl ich mich hingezogen, aber Freundschaften mit ihnen gibts (langfristig) nicht. Auf der anderen Seite ziehen mich auch Leute an, die ebenfalls angeknackst sind und mit denen ich reden kann, die aber nicht total durchhängen. Eine, sagen wir mal, nähere Bekanntschaft ohne Psycho-Gespräche kann ich mir nicht vorstellen. Und dann passiert eben, was ich schon geschrieben hab, dass etliche von ihnen eine noch engere Bekanntschaft oder eine richtige Freundschaft mit mir wollen, während ich diese Leute nicht richtig gern haben kann, bloß sehr schätzen … Die Freundschaft von Leuten, die schwächer als ich sind, suche ich nicht.
Und richtig wohl fühl ich mich normalerweise nur dann, wenn auch die politischen Ansichten einigermaßen ähnlich sind.

Na ja, manche Menschen sind eben wirklich sehr anstrengend und bevor sie einen evtl. runterziehen, setzt man seine Grenze. Das mache ich auch nicht anders. Wobei, „schwach“ ist ein relativer Begriff, wie auch „stark“.

Auch ein Mensch mit viel Sonne, wie du schreibst, kann sehr anstrengend sein, wenn er beispielsweise laut ist, ich dagegen eher ein Typ bin, der ruhig ist und aus sich selbst heraus lebt. Das wäre dann also nichts für mich.

Noch mal Null-Erwartungshaltung: Wenn man ein Gespräch mit jemandem anfängt, dann möchte man doch immer versuchen, ob man sich mit dem anderen zusammen eine Weile wohl fühlen kann. Also es ist keine Erwartung, aber eine Hoffnung, dass man mit dem anderen vielleicht ne Weile angeregt reden kann. Jedenfalls würde ich das bei mir so beschreiben. Bisher hab ich immer gedacht, wenn der andere mich nach dem Gespräch dann nicht (mehr) leiden kann oder innerlich auf Distanz geht: „Es hat sich wieder erwiesen, dass ich „zu krank und ungenügend für andere bin““. Was immer auch mit viel Scham verbunden ist. Gestern hab ich zum ersten Mal gedacht, es müsste vielleicht richtiger heißen: „Zum jetzigen Zeitpunkt bin ich ihm entweder zu krank oder es passt von den Interessen her nicht, oder beides.“ D. h. es könnte sein, dass er mich ohne meine Krankheit mögen würde. Und es heißt auch: Er passt auch nicht zu mir, er genügt mir ja auch nicht! Nicht nur umgekehrt.

Klar, Interesse muss von beiden Seiten ausgehen und es muss auf beiden Seiten passen. Nicht nur du bist inkompatibel zu demjenigen, auch der andere ist inkompatibel zu dir. Auch ob und wie ein Gespräch fortgeführt wird, das hängt von beiden Seiten ab, nicht nur von einem selbst.

Hoffnung...puh...ich formuliere es mal so: Wenn ich mit jemandem ein Gespräch beginne, dann gebe ich mich dem gegenüber so, wie ich bin und sage, was ich sagen möchte und wozu ich „imstande“ bin. Genügt dies dem anderen nicht – aus welchem Grund auch immer – so nehme ich das hin und akzeptiere es. „Hoffnung“ ist daher für meine Begriffe ein etwas unzutreffendes Wort, weil es assoziiert, dass ich die Verantwortung für das Gespräch bzw. die Begegnung alleine übernehme und obendrein etwas verliere, wenn es denn scheitert.

Und das sehe ich eben nicht so, es obliegt eben auch der Verantwortung der anderen Person, wenn man sich vielleicht nichts mehr zu sagen hat bzw. der Kontakt scheitert. Verlieren tue ich dabei auch nur dann etwas, wenn ich...vorab zu viel Hoffnung (aufgrund meiner Bedürftigkeit?) in diese Begegnung investiert habe. Daher tue ich das nicht und bleibe „neutral“.

Was manche „Sonnenmenschen“ anbelangt: Es gibt Leute, die, wenn man sie nicht von ganz nahem kennt, immer gut drauf zu sein scheinen. DAS zieht bei mir … aber ich war mir bis jetzt nicht ständig bewusst, dass diese Leute ihre Tiefs schlicht nicht nach außen zeigen und sie vielleicht auch richtig verdrängen. Also Leute, die schon beim Wortteil „Psycho …“ Angst kriegen und abhauen. Denn immer gut drauf sein gibts natürlich nicht. D. h. es kann sein, dass manche Leute auch vor sich selbst davonlaufen, wenn sie mir den Rücken zu kehren.

Das kann natürlich auch sein. Solche Leute wird es auch geben, die sich selbst etwas vormachen und ihre Probleme weggrinsen. Aber solche Leute wirken doch meist reichlich künstlich, unauthentisch und man erkennt sie meist recht schnell.

Ich hab verstanden, dass du dir beim Zusammensein mit anderen nicht mehr viel Gedanken über dich und die Situation machst und einfach drauflos lebst. In der Situation selbst. Aber ist es dir hinterher auch völlig egal, ob dir Sympathien entgegenkommen oder sich die Leute von dir zurückziehen? Ich würde das gerne richtig verstehen.

Das ist hier ein sehr wichtiger Punkt. Und hier ist die ehrliche Antwort: Ja, es ist mir egal! Denn das ist es ja worum es im Grunde geht: In einer Kontaktsituation hast du nur Zugriff und Kontrolle über dich selbst. DU entscheidest was du wie sagst, ob du lächelst, wie du guckst...was aber der andere daraus macht, darauf hast du KEINEN Zugriff! Du kannst nur so authentisch und zuvorkommend sein, wie du es eben kannst; was der andere darin sieht, wie deine Signale ankommen – NO WAY!

Darauf hast du keinen Einfluss. Wenn du aber denkst, bei deinem Gegenüber beeinflussen zu können, dass du so wahrgenommen und gesehen wirst, wie du wahrgenommen und gesehen werden willst...NO WAY!

Denn damit setzt du dich nicht nur unter Druck, das ist völlig utopisch.

Und noch was Unklares: Auf der einen Seite schreibst du, dass du jetzt auch bei „Gesunden“ besser ankommst – also es gibt mehr Sympathien als früher. Kann man sagen, du hast mehr gute Bekannte oder einzelne, nette Begegnungen? Andererseits sagst du, es ist schwer, Leute zu finden, denen „unsere“ handicaps egal sind – d. h. du hast (noch) wenig Freundschaften?

Da hab ich mich wohl mal wieder etwas „ambivalent“ ausgedrückt, das passiert mir öfters. 😉

Als ich noch gesucht habe, da war es (zumindest für mich) schwer, Leute zu finden, denen meine Unsicherheit egal ist. Während dieser Zeit habe ich viel Ablehnung erfahren, auch während der Ausbildung und so.

Als ich mich und meinen Umgang mit meiner unsicheren Art anders angenommen habe und diese gleichmütige, lockere Art entwickelt habe, da kam ich, wie du sagst, auch bei „gesunden“ Menschen besser an. Diese Unterscheidung wollte ich nur zum Ausdruck bringen.

Und ja, absolut, es gibt mehr Sympathien als früher. Manchmal ist es sogar fast zu viel, vor ein paar Tagen bin ich in einen Bus eingestiegen und der Busfahrer hat mich begrüßt und angelächelt, als würde er mich 20 Jahre kennen. Alleine während der Busfahrten lerne ich oft Leute kennen, mit einer Frau fahre ich jetzt täglich mit dem Bus zur Arbeit, das hat sich einfach so ergeben. Getan hab ich dafür gar nichts, ich war so, wie ich bin und habe sie genommen, wie sie ist. Basta.

Und als ich jetzt im Urlaub war, war es noch „schlimmer“...sogar die Kellnerinnen haben mich angesprochen, die anderen Urlauber kamen auf mich zu...ich selbst muss dafür gar nichts tun, ganz selten einmal mache ich selbst den ersten Schritt. Im Grunde gehe ich einfach nur fröhlich durchs Leben und viele Leute kommen sehr oft automatisch auf mich zu. Natürlich nicht jeden Tag und nicht pausenlos, aber wie gesagt, im Vergleich zu früher...solche Erlebnisse und Situationen hatte ich früher nie, daher kann ich es wirklich nur auf die lockere Ausstrahlung zurückführen.

Zu deiner Frage: Ich hab wenige echte Freundschaften, da ist ein langjährig befreundetes Pärchen, dazu noch viele andere Kollegen und Bekannte. Für einen echten, großen Freundeskreis...also ich bin...und wahrscheinlich liest sich das jetzt wieder widersprüchlich...eher ein Einzelgänger, deswegen schrieb ich ja, dass ich niemanden suche.

Das wird sicher alles seltsam für dich klingen...ich suche niemanden, habe wenig Leute, die ich als Freunde bezeichne, aber anderseits ernte ich viele Sympathien, habe viele Begegnungen und habe dennoch gerne meine Ruhe. Daher....ein schönes Wochenende! 🙂

LG,
Rock
 
Hallo Rock,

vielen, vielen Dank, dass du dir soo viel Zeit für mich genommen hast! :blume: Es tut sehr gut, über all das mit jemandem zu kommunizieren.
Für die Antwort werde ich wohl Urlaub nehmen müssen 😉 ...
Zuerst will ich aber einem User, der mir per PN geschrieben hat, antworten. Danach gehts hier weiter.
Dir auch ein schönes Wochenende!

Liebe Grüße,
Kaela
 
Hallo kaela,

nach meiner Erfahrung halten Freundschaften nur selten ein ganzes Leben. Freundschaften funktionieren nur für einen bestimmten Lebensabschnitt und oft sind es äußere Umstände die eine Freundschaft einschlafen lassen, ein Umzug, eine Heirat, Kinder, eine andere Arbeit, andere Interessen usw.

Mit psychischen Krankheiten ist das so eine Sache, viele „Normals“ können damit nichts anfangen oder haben davor Angst, weil sie das nicht kennen und nicht verstehen. Daher kann es einerseits passieren, dass Du auf Ablehnung stößt, wenn Du davon was erzählst, aber andererseits kann es eben auch passieren, das man Dich überhaupt nicht mehr verstehen kann, wenn Du nie was sagst. Ist schwierig, denn man weiß nicht, wie der andere reagieret.

Zu deiner Ausgangsfrage, ich denke es kommt sehr darauf an, wie sich Deine psychische Krankheit äußert, wie weit Du Dich kontrollieren kannst und auch wie weit sich andere darauf einstellen können und Dich verstehen können.

Viele Grüße
Andreas
 
@ andreas 7 freundschaften können sehr wohlein ganzes leben halten krankheiten sind kein grundwen mann einen freund oder freundin hat wo eine kranheit haben sollte me sich damit befassen umdamit umzugehen me sollte freundschaften pflegen weil jeder mensch braucht freunde Und sehr enge freunde freundschaften sind mit des wichtigste Was ein mensch braucht Und freundschaften sind durchkein geld der welt zu ersetzen
 
ja, kaela, irgendwie ist das auch mein thema.
bei mir geht es zwar nicht in erster linie darum, wie (psychisch) krank oder gesund jmd. ist...
aber ich bemerke, dass ich mich auch ziemlich "nach oben" orientiere was leute anbelangt, mit denen ich gern befreundet WÄRE.
die leute, die mich interessieren, haben alle studiert.
und kein interesse an mir.
ich habe eine freundin noch aus grundschulzeiten. also seit 35 jahren.
da ist der kontakt nie ganz abgerissen.
aber mein innerstes kennt diese freundin trotzdem nicht.
ich kann mir nicht vorstelen, dass jmd. der alles über mich weiß, überhaupt noch was mit mir zu tun haben will...
also belasse ich es bei oberflächlichem.
wir gehen zusammen zum sport, trinken hinterher noch nen kaffe, gehen ab und zu mit den kids (meinen und ihren) zum mäcki...
ansonsten hab ich noch freundinnen die ich aber eher als bekannte bezeichnen würde. obwohl wir uns auch schon 30 jahre kennen, zusammen im internat waren, und uns regelmässig treffen...
nachts um 4uhr anrufen würde ich mich bei keinem trauen.
 
Moin Wolfi, 🙂

ich kann mir nicht vorstelen, dass jmd. der alles über mich weiß, überhaupt noch was mit mir zu tun haben will...
also belasse ich es bei oberflächlichem.

die Angst, nicht gut genug und daher abgelehnt zu werden...die werden wir alle nur zu gut kennen, denke ich?
Du hast schon Recht, richtig heftige Dinge und Aspekte von früher bringe ich aber ohnehin mit niemandem zur Sprache, nicht weil ich unbedingt Angst vor der Reaktion habe, sondern weil ich solche Dinge nicht andauernd ausbuddeln will. Denn leider ist es so, dass wenn man alte "Traumen" und schlimme Geschichten immer und immer wieder hervorkramt, dann werden sie im Köpfchen wieder aktuell. Bestimmte Dinge gehen per se ausschliesslich nur noch mich selbst etwas an.

Es ist schwierig zu unterscheiden und in Worte zu fassen: Auf der einen Seite plädiere ich für Offenheit, auf der anderen Seite gibt es einfach Dinge, die nur mich selbst etwas angehen. Vielleicht muss man da einfach Grenzen ziehen.

Bessere Worte finde ich jetzt am früher Morgen nicht, brauche erstmal nen Kaffee...😉

@ Kaela: Keinen Stress!! 🙂
 

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