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was zum Teufel ist los mit mir... es wird nicht besser

Hey, tut mir leid, wenn ich einfach so "reinplatze"..

Du hast geschrieben, dass dein Bruder Autist sei. Hast du dir vielleicht schon mal Gedanken darüber gemacht, ob du nicht auch (Asperger)-Autist bist? Das ist natürlich erstmal weit hergeholt, da man die Diagnose so einfach nicht stellen kann. Aber es kann beispielsweise so sein, dass eine bestimmte genetische Veranlagung generell das Risiko für eine Störung erhöht, diese aber erst ausbricht, wenn gleichzeitig bestimmte Umwelteinflüsse wie einschneidende Lebensereignisse auftreten. (Vulnerabilitäts-Stress-Modell) Damit meine ich deine schwere Kindheit und dein schwieriges Verhältnis zu deinen Eltern, von welchem du hier erzählst. Aber auch das Abkapseln, die Ich-Bezogenheit und deine Unfähigkeit Beziehungen bzw. soziale Kontakte aufzubauen und deine Vergesslichkeit, von der du schreibst, könnte dafür sprechen. Asperger-Syndrom wird auch meist spät erkannt, man durchläuft meist die gesamte Schulzeit ohne große Auffälligkeiten. Wegen ihres zurückgezogenen, manchmal unverständlichen Verhaltens, fast immer aber wegen ihrer Unfähigkeit, im Team zu arbeiten, bleiben die Schwierigkeiten später im Job und im Privatleben nicht aus. Es gibt nicht DEN typischen Autisten, denn jeder Asprenger ist anders, genauso wie jeder Mensch anders als der andere ist und es muss bei dir auch nicht alles so stark ausgeprägt sein, deswegen sollte dies auch ein Arzt individuell ermitteln. Ich möchte dir auch nichts einreden, aber wenn du vielleicht durch deinen Therapeuten eine Möglichkeit hast, einen solchen Test zu machen, dann würde es dir wahrscheinlich auch weiter helfen, denn du hast nichts zu verlieren. Vielleicht ist das der Schlüssel und dir geht es dann bald besser, wenn du andere Therapieansätze bekommst und dich dann nicht ständig im Kreis drehst? Sprich beim nächsten Gespräch mit deinem Therapeuten das Thema einfach mal an.

Zu deiner letzten Frage: Natürlich ist es nicht gut sich die ganze Zeit über nur mit sich zu beschäftigen, denn dann wirst du immer irgendetwas „Komisches“ an dir finden und wie in der Überschrift denken „Was zum Teufel stimmt nicht mit mir?“ oder dich mehr und mehr in ein Problem reinlesen und reinsteigern. (das kenne ich auch von mir) Jeder von uns hat seine Probleme mit denen er zu kämpfen hat, denn keiner ist fehlerfrei. Wichtig ist, dass du dich so akzeptierst wie du bist, dass du nicht immer diese selbstsichere Fassade aufbauen musst und die Rolle spielen musst, von der du sprichst, sondern es im Endeffekt auch wirklich innerlich bist! Wenn du Depressionen hast, dann solltest du zusammen mit deinem Therapeut versuchen die Ursache dafür zu finden, denn erst dann kannst du am Problem arbeiten. Womit es dir aber nie gut gehen wird und was dich langfristig kaputt machen wird ist die Einsamkeit. Du schreibst ja selbst, du sehnst dich ja nach Nähe und einem Freundin. Das ist verständlich, denn wir Menschen sind soziale Wesen. Durch Vereinsamung leiden unser Geist und unsere Seele und häufig entstehen dadurch auch Depressionen. Aber nicht die Psyche allein reagiert, wenn die Einsamkeit chronisch wird, auch für die Gesundheit ist es ebenso schädlich wie Rauchen, Übergewicht oder Bewegungsmangel. Deswegen ist es wichtig, dass du Kontakte knüpfst und kein Einzelkämpfer bist! Du kannst Beziehungen aufbauen, nur du brauchst länger, um Vertrauen zu fassen, das schreibst du ja selber. Das kommt davon, weil du Angst vor Fehlern und Ablehnung hast. Du musst dich akzeptieren und alle deine negativen Bewertungen zu überprüfen und durch angemessene Bewertungen zu ersetzen. Sport kann ebenfalls ergänz dazu hilfreich sein, wie auch andere hier schon geschrieben haben. In der Therapie könntest du auch soziale Kompetenzen trainieren, eine kognitiven Verhaltenstherapie machen oder bei einer Selbsthilfegruppe mitmachen, was du ja auch vorhast. Du bist auf dem besten Weg und alle deine Ansätze, die du in deinen Beiträgen schreibst, sind richtig, du kennst deine Probleme gut und weißt auch, was du tun musst. Ich glaube du brauchst einfach nur jemanden, der dir Mut macht und die Kraft dafür gibt, es auch in Taten umzusetzen. Habe Geduld und überstürze nichts, schraube die Erwartungen herunter, stärke dein Selbstbewusstsein und spring über dein Schatten! Zögere nicht und mache den ersten Schritt und versinke nicht in Selbstmitleid. Sei selbstbewusst und lerne dich selbst zu lieben, nur dann kannst du auch nachvollziehen, dass dich andere auch mögen/lieben. Versuche deine Einstellung zu sich selbst und zum Leben zu ändern, denke nur positiv und dann wirst du das auch gegenüber deinen Mitmenschen ausstrahlen. Warte nicht ab, dass dich jemand fragt oder dir eine Unternehmung vorschlägt, sondern mache den ersten Schritt und schlag ein Treffen vor. Du schreibst, dass Leute auch was mit dir unternehmen möchten - Nutze jede Chance und lehne keine Einladung ab und such nicht nach Ausreden oder Gründen! Wenn du einsam bist, dann musst DU etwas dagegen tun, wir hier können dir nicht helfen, genauso wenig wie dein Therapeut oder noch jemand. Die Kontakte musst du selber knüpfen! Also geh einfach mal mit oder spreche Leute beim Sport, bei der Arbeit an. Andere Menschen beißen nicht und warten manchmal nur darauf, angesprochen zu werden. Du hast doch nichts zu verlieren?! Wenn du den ersten Schritt wagst, dann geht es auch bergauf, wünsche ich dir jedenfalls!

LG & alles Gute 🙂
 

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