RosaRegenwurm
Neues Mitglied
Hallo ihr Lieben,
ich möchte mich heute an euch wenden mit einem Thema, das mich immer und immer wieder „belastet“, in der Hoffnung, jemanden zu finden, der mir sagen kann: „Ja, das kenne ich“, oder jemanden zu finden, der mir beim Reflektieren und beim Auflösen dieser Sache helfen kann.
Ich wende mich mit diesem Thema an euch, weil wir hier anonym sind und ich das niemals irgendjemandem in meinem Bekanntenkreis erzählen könnte, weil es mir unheimlich unangenehm ist.
Ich bin ja nicht mehr so jung und auch Mutter zweier erwachsener Kinder, bald 28 und 30 Jahre alt. Und ich finde es tatsächlich mega schwierig, wiederzugeben, worum es mir geht. Aber ich werde es versuchen.
Kurz zu meiner Vergangenheit: Ich war Einzelkind einer alleinerziehenden Mutter, und meine Mutter hat Depressionen, seit ich denken kann. Zudem hatte sie auch nie viele Freunde und war oder ist auch nicht sonderlich gebildet, was zur Folge hatte, dass ich sehr isoliert von der Außenwelt und auch von der dazugehörigen Bildung war. Aufgrund ihrer Krankheit bekam ich auch sehr selten die Fürsorge, die sich ein kleines Kind eigentlich verdient hätte. Ich musste schon sehr früh Verantwortung übernehmen und dachte bis ins junge Erwachsenenleben hinein, für meine Mutter verantwortlich zu sein. Gerade in dem Alter, in dem ich am allermeisten jemanden gebraucht hätte, war sie am abwesendsten. Ich konnte weder Freude noch Sorgen mit ihr teilen, was wiederum zur Folge hat, dass ich bis heute nicht fähig bin, mich anderen anzuvertrauen und alles selbst mache.
Dies nur ein bisschen zur Orientierung. Ich denke, ich bin trotzdem ganz gut geraten und bin mit Sicherheit resistenter als viele andere. Meiner Mutter mache ich keinen Vorwurf. Ich weiß auch, dass man niemandem eine neue Kindheit schenken kann und noch mehr, dass ich a) nicht die Einzige bin mit so einer Vergangenheit und b) es mich noch viel schlimmer hätte treffen können.
Und ich will auch gar nicht auf meine Vergangenheit hinaus. Ich möchte etwas lösen, was es mit mir gemacht hat, das, was mich jetzt im Erwachsenenalter belastet.
Und das ist Folgendes: Ich denke, ich bin süchtig nach Fürsorge. Es ist wie ein trockener Schwamm, der einfach alles aufsaugt, was geht, aber nie wirklich nass wird. Wenn ein Mensch mich wertschätzend behandelt oder sehr fürsorglich zu mir ist, dann möchte ich das immer und immer wieder. Ich kann mir gut vorstellen, dass es Menschen gibt, die das extra einfordern, keine Ahnung, indem sie sich vielleicht extra hilfsbedürftig geben. Das würde ich gern tun, mache ich aber nicht.
Und das tut dann auf der einen Seite weh, auf der anderen Seite kann ich einfach nicht aufhören, darüber nachzudenken, wenn es wieder mal passiert ist, dass jemand auf eine wertschätzende und fürsorgliche Art mit mir umgegangen ist.
Ich will mal ein Beispiel geben, zum besseren Verständnis.
Seit ca. einem Jahr haben wir eine neue Moderatorin in unserem Lesekreis. Sie ist etwa 15 Jahre älter als ich und könnte schon fast meine Mutter sein. Sie ist mir sehr sympathisch, hat einen guten Humor und eine sehr wertschätzende Art den anderen gegenüber. Nach den ersten paar Treffen dachte ich mir noch, dass es schön wäre, sie näher kennenzulernen. Ich habe das Ganze aber abgetan, weil ich ohnehin zu feige bin, sie anzusprechen, und außerdem, wer will sich denn mit mir schon abgeben. Das ist übrigens etwas, was ich in meiner Kindheit gelernt habe und noch nicht wirklich habe ablegen können. Mach dich klein und falle nicht auf, pass dich an und mit dir will ohnehin niemand etwas zu tun haben.
Was mich dann so richtig gefreut hat, war, dass sie mich angesprochen hatte und mit mir etwas unternehmen wollte. Wir haben uns sofort sehr gut verstanden. Aber die ganzen Wochen hindurch grübelte ich, ob sie es denn wirklich ernst mit mir meint, tatsächlich sogar eine Freundin werden will. Heute kann ich sagen, ja, sie will mir eine Freundin sein, aber a) die Unsicherheit hielt sehr lange an und b) das nun Belastende, irgendwie muss ich ständig an sie denken, jeden Tag, und ich weiß nicht warum.
Ganz schlimm wird es, wenn ich ihr mal etwas Trauriges über mich erzähle. So hat sie zum Beispiel mal gespürt, dass es mir nicht gut ging, und mich darauf angesprochen. Und der Umstand, dass sie das gemerkt hat, dass sie mich darauf angesprochen hat, mir ihr Mitgefühl gezeigt hat, das alles hat bei mir ausgelöst, dass ich über eine Woche immer und immer wieder an diese Situation denken musste. Und ich finde das so anstrengend. Weil es mir wertvolle Energie stiehlt zum einen und zum anderen mich denken lässt, ich sei nicht ganz richtig :-(
Und zum Thema ich bin nicht ganz richtig ist mir heute noch Folgendes eingefallen. Ich weiß ja, dass ich die Fürsorge von keinem anderen verlangen kann. Dass das, was ich nicht bekommen habe, niemals von jemand anderem bekommen werde. Was mir, um ehrlich zu sein, schon sehr weh tut, weil ich würde es mir so sehr wünschen. Aber es ist nun mal so. Und ich weiß auch, dass ich die einzige Person hier bin, die sich ganz alleine diese Fürsorge geben könnte. Aber was mache ich. Ich beschimpfe mich als nicht ganz richtig, falsch, ungebildet und was weiß ich noch alles :-(
So, das war es fürs Erste. Lieben Dank an die, die sich die Zeit genommen haben, es zu lesen.
Liebe Grüße
Rosa Regen
ich möchte mich heute an euch wenden mit einem Thema, das mich immer und immer wieder „belastet“, in der Hoffnung, jemanden zu finden, der mir sagen kann: „Ja, das kenne ich“, oder jemanden zu finden, der mir beim Reflektieren und beim Auflösen dieser Sache helfen kann.
Ich wende mich mit diesem Thema an euch, weil wir hier anonym sind und ich das niemals irgendjemandem in meinem Bekanntenkreis erzählen könnte, weil es mir unheimlich unangenehm ist.
Ich bin ja nicht mehr so jung und auch Mutter zweier erwachsener Kinder, bald 28 und 30 Jahre alt. Und ich finde es tatsächlich mega schwierig, wiederzugeben, worum es mir geht. Aber ich werde es versuchen.
Kurz zu meiner Vergangenheit: Ich war Einzelkind einer alleinerziehenden Mutter, und meine Mutter hat Depressionen, seit ich denken kann. Zudem hatte sie auch nie viele Freunde und war oder ist auch nicht sonderlich gebildet, was zur Folge hatte, dass ich sehr isoliert von der Außenwelt und auch von der dazugehörigen Bildung war. Aufgrund ihrer Krankheit bekam ich auch sehr selten die Fürsorge, die sich ein kleines Kind eigentlich verdient hätte. Ich musste schon sehr früh Verantwortung übernehmen und dachte bis ins junge Erwachsenenleben hinein, für meine Mutter verantwortlich zu sein. Gerade in dem Alter, in dem ich am allermeisten jemanden gebraucht hätte, war sie am abwesendsten. Ich konnte weder Freude noch Sorgen mit ihr teilen, was wiederum zur Folge hat, dass ich bis heute nicht fähig bin, mich anderen anzuvertrauen und alles selbst mache.
Dies nur ein bisschen zur Orientierung. Ich denke, ich bin trotzdem ganz gut geraten und bin mit Sicherheit resistenter als viele andere. Meiner Mutter mache ich keinen Vorwurf. Ich weiß auch, dass man niemandem eine neue Kindheit schenken kann und noch mehr, dass ich a) nicht die Einzige bin mit so einer Vergangenheit und b) es mich noch viel schlimmer hätte treffen können.
Und ich will auch gar nicht auf meine Vergangenheit hinaus. Ich möchte etwas lösen, was es mit mir gemacht hat, das, was mich jetzt im Erwachsenenalter belastet.
Und das ist Folgendes: Ich denke, ich bin süchtig nach Fürsorge. Es ist wie ein trockener Schwamm, der einfach alles aufsaugt, was geht, aber nie wirklich nass wird. Wenn ein Mensch mich wertschätzend behandelt oder sehr fürsorglich zu mir ist, dann möchte ich das immer und immer wieder. Ich kann mir gut vorstellen, dass es Menschen gibt, die das extra einfordern, keine Ahnung, indem sie sich vielleicht extra hilfsbedürftig geben. Das würde ich gern tun, mache ich aber nicht.
Und das tut dann auf der einen Seite weh, auf der anderen Seite kann ich einfach nicht aufhören, darüber nachzudenken, wenn es wieder mal passiert ist, dass jemand auf eine wertschätzende und fürsorgliche Art mit mir umgegangen ist.
Ich will mal ein Beispiel geben, zum besseren Verständnis.
Seit ca. einem Jahr haben wir eine neue Moderatorin in unserem Lesekreis. Sie ist etwa 15 Jahre älter als ich und könnte schon fast meine Mutter sein. Sie ist mir sehr sympathisch, hat einen guten Humor und eine sehr wertschätzende Art den anderen gegenüber. Nach den ersten paar Treffen dachte ich mir noch, dass es schön wäre, sie näher kennenzulernen. Ich habe das Ganze aber abgetan, weil ich ohnehin zu feige bin, sie anzusprechen, und außerdem, wer will sich denn mit mir schon abgeben. Das ist übrigens etwas, was ich in meiner Kindheit gelernt habe und noch nicht wirklich habe ablegen können. Mach dich klein und falle nicht auf, pass dich an und mit dir will ohnehin niemand etwas zu tun haben.
Was mich dann so richtig gefreut hat, war, dass sie mich angesprochen hatte und mit mir etwas unternehmen wollte. Wir haben uns sofort sehr gut verstanden. Aber die ganzen Wochen hindurch grübelte ich, ob sie es denn wirklich ernst mit mir meint, tatsächlich sogar eine Freundin werden will. Heute kann ich sagen, ja, sie will mir eine Freundin sein, aber a) die Unsicherheit hielt sehr lange an und b) das nun Belastende, irgendwie muss ich ständig an sie denken, jeden Tag, und ich weiß nicht warum.
Ganz schlimm wird es, wenn ich ihr mal etwas Trauriges über mich erzähle. So hat sie zum Beispiel mal gespürt, dass es mir nicht gut ging, und mich darauf angesprochen. Und der Umstand, dass sie das gemerkt hat, dass sie mich darauf angesprochen hat, mir ihr Mitgefühl gezeigt hat, das alles hat bei mir ausgelöst, dass ich über eine Woche immer und immer wieder an diese Situation denken musste. Und ich finde das so anstrengend. Weil es mir wertvolle Energie stiehlt zum einen und zum anderen mich denken lässt, ich sei nicht ganz richtig :-(
Und zum Thema ich bin nicht ganz richtig ist mir heute noch Folgendes eingefallen. Ich weiß ja, dass ich die Fürsorge von keinem anderen verlangen kann. Dass das, was ich nicht bekommen habe, niemals von jemand anderem bekommen werde. Was mir, um ehrlich zu sein, schon sehr weh tut, weil ich würde es mir so sehr wünschen. Aber es ist nun mal so. Und ich weiß auch, dass ich die einzige Person hier bin, die sich ganz alleine diese Fürsorge geben könnte. Aber was mache ich. Ich beschimpfe mich als nicht ganz richtig, falsch, ungebildet und was weiß ich noch alles :-(
So, das war es fürs Erste. Lieben Dank an die, die sich die Zeit genommen haben, es zu lesen.
Liebe Grüße
Rosa Regen