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Was tun wenn man alt und einsam ist und relativ arm

Dieses Weihnachten habe ich mit den Fotos meiner Verstorbenen verbracht.
Der Tod meiner Tochter lähmt mich auch sehr, viele Bekannte haben sich jetzt auch noch zurückgezogen. In der Froh-Weihnachtszeit ist Trauer und Schmerz noch viel unerwünschter als sonst.
Einige gute Vorschläge scheitern daran dass man zu allen Veranstaltungen fahren muß. Zu allen Veranstaltungen in der nächsten Kleinstadt 12 km , zur Sprothalle 15 km , in die nächste Großstadt 50 km, hin und zurück immer doppelt so viel!
Früher habe ich jedes Jahr Ersparnisse zugeschossen für Auto und Benzin, aber nun geht das nicht mehr.
Nach dem Tod meines Mannes und nun meiner Tochter habe ich die Beerdigungskosten und an seine Kinder ihr Pflichtteil ausbezahlt, jetzt kamen Zahnartzt und wieder Autoreparaturen, nun ist kaum noch etwas übrig.
Mehr als eine Tankfüllung im Monat geht nicht.
Ja ich muß wegziehen, aber meine beiden Katzen sind Freigänger, die kann ich nicht in eine Stadtwohnung sperren.

Niemand will hier auf dem Land mein kleines Häuschen kaufen, dann könnte ich einige Schulden bezahlen und wegziehen. Für das Häuschen haben wir Jahrzehnte extrem gespart weil wir schon lange wußten dass unsere Renten nicht zum Leben reichen würden.
Mehrere Bekannte hier hatten Mietnomaden drin, dieses Risiko kann ich nicht eingehen, sonst hätte ich längst vermietet.

Am schwersten fällt mir die Erkenntnis nach 8 Jahren Suche, dass ich auch keinen Lebenspratner mehr finden werde, weil ältere Männer immer wesentlich jüngere Frauen suchen, oder nur Abenteuer und keine Bindung, oder Sex und finanzielle Sanierung.

Habt trotzden alle ein gutes Neues Jahr ohne Krankheit und Tod.
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo Freivogel,

das ist eine sehr traurige Geschichte. Du hast in deinem Leben einige Schicksalsschläge einstecken müssen. Am schlimmsten ist wohl der Verlust deiner Tochter. Es sollte Eltern erspart bleiben ihre eigenen Kinder beerdigen zu müssen. Mein aufrichtiges Beileid.

Einsamkeit zerfrisst die Seele und deine finanzielle Situation macht es nicht einfacher. Wie du schon selbst überlegt hast, würde ich dir auch eine Stadtwohnung empfehlen.

Hast du zu deinem Haus schon mal eine Anzeige in der Zeitung oder im Internet veröffentlicht oder mal einen Makler kontaktiert. Makler kennen die Marksituation und kennen auch Interessenten. Ländliche Gegenden sind für Familien mit Kindern immer interessant.

Meine Tochter hat das Kunststück fertiggebracht und hat zwei Katzen an eine neue Umgebung gewöhnt. Dazu ist sie mit ihnen an einer Leine über mehrere Wochen immer wieder spazieren gegangen. Jetzt dürfen sie alleine raus und kommen auch immer wieder. Meine Tochter wohnt in einer Erdgeschosswohnung in einer ruhigen Gegend einer Großstadt.

Es gibt in manchen Gegenden auch Mehrgenerationen-Wohnen, vielleicht auch eine Möglichkeit aus der Einsamkeit herauszukommen.

Und wenn du Glück hast, manchmal gibt es auch einsame Männer in deinem Alter, die einfach nur jemanden zu reden suchen. Ich kenne solche Paare, die sich erst im Rentenalter gefunden haben.

Möge das kommende Jahr ein Besseres für dich werden.

Alles Gute
Andreas
 
Freivogel, nochmals Dank für deinen Beitrag. Ich habe ja bereits über meine eigene Situation geschrieben, und ich kann dir - auch auf durchaus vergleichbarem Hintergrund - deinen Eindruck bestätigen.
Einerseits wird viel von der politischen Macht gesprochen, die wir Oldies aufgrund unserer zahlenmäßigen Stärke haben (könnten), andererseits aber hat man zugleich den Eindruck, dass die Entwicklung an uns vorbeiläuft und wir nur willkommen sind, wenn wir Geld in die Systeme scheffeln, direkt oder über die Umwegfinanzierung.
Hast Du Knete, und kannst Du dir eine teure Seniorenresidenz leisten, bist Du vielleicht nicht mehr allein und wirst mindestens noch bespaßt und unterhalten.
Ansonsten sieht es eher trübe aus. Ich habe ja versucht, mich in meiner Kirchengemeinde einzubringen und bin dabei richtig auf die Nase gefallen, traf ich doch auf eine Gruppe von Menschen, die fest zueinander standen und gleichzeitig sehr genau darauf achteten, dass von außen niemand ihre Kreise störte.
Dabei sein durfte ich, loben und Beifall klatschen und mich um die kümmern, um die sich sonst niemand kümmern wollte. Kirchengemeinde sind in der Regel bildungsbürgerlich orientiert und mittelständig geprägt.
Diese Menschen halten die Zügel fest in der Hand und sobald jemand auftaucht, der einer, einem anderen ein Amt, eine Aufgabe streitig machen könnte, erlebt man, dass es auch in diesen Kreisen gar nicht so fromm zugeht. Dann wird gebissen und getreten.
Ich habe jetzt Kontakt zu einer Freikirche aufgenommen. Und da meldeten sich gleich zwei ihrer Vertreter und wir werden uns wohl nächste Woche treffen.
Trotzdem frage ich mich, warum es uns Oldies so ab 60+ nicht gelingt, uns zusammenzutun und die Dinge so für uns zu regeln, wie es uns gefällt und wie wir es brauchen.
Und das vor allem, ohne dass da Verbände, Funktionäre (weibl. Funktionäre finde ich manchmal noch schlimmer) alles steuern und einem eine Vorahnung davon geben, wie es dann sein wird, wenn wir wirklich nicht mehr alleine für uns sorgen können und dann versorgt werden.
Eine Lösung für die Dinge, die Du ansprichst, Freivogel, habe ich auch noch nicht, aber ich möchte dich wie mich auch ermutigen, dass wir uns nicht in die Ecke stellen und vor allem nicht in dieselbe stellen lassen.

Gruß

Burbacher
 
Eben öffnete ich meinen Mailordner und fand darin ein Angebot, wie ich mein (nichtvorhandenes) Kapital anlegen könnte. Ich zitiere aus der Mail:

"durch den demographischen Wandel in Deutschland werden Pflegeeinrichtungen, wie die der Caritas immer wichtiger.
Eine Seniorenimmobilie ist dementsprechend eine krisensichere, Euro unabhängige Investition in die Zukunft.

Ihre Vorteile bei uns:

  • 5,2 % gesicherte Rendite pro Jahr
  • Börsen- und Finanzkrisen unabhängig
  • Sicherheit durch Betreiber wie DRK, ASB, AWO und Caritas
  • ohne Maklercourtage
  • 20 Jahre garantierte Mieteinnahmen"

Da sind sie also alle genannt, kirchliche und andere "weltliche" Wohlfahrtsverbände, die gerne mit ihrem caritativem Geiste werben, so als handelten sie entweder für Gottteslohn oder aus reiner Nächstenliebe, ehrenamtlich und idealistisch.
Die Menschen, die in diesen Einrichtungen eingemietet werden sollen, müssen schon sehr betucht sein, um sich solche Wohltaten finanzieren zu können.
Aus einer früheren kommunalpolitischen Tätigkeit weiß ich, dass Erstellungskosten für solche Einrichtungen den Trägern bis auf einen geringen Eigenanteil erstattet werden. Die Kosten für die Heimbewohner tragen diese entweder selbst oder müssen von den Pflegeversicherungen aufgebracht werden. Zusätzlich werden Nachkommen herangezogen.

Ich schlucke gerade.

Burbacher
 
Zuletzt bearbeitet:
Das einzige was einen in solcher Lage weiterbringt, ist die Erkenntnis dass es keine leichte und aufwandsfreie Veränderung geben wird. Das gilt in jedem Lebensalter.

Viele wünschen sich Veränderung, Verbesserung. Ihre Vorstellung davon hängt aber meist damit zusammen, dass irgendein Glück passieren soll. An Anstrengung denken die wenigsten. Ich schreibe jetzt mal nur ein paar Stichworte auf:

Einsamkeit - warum die Fixierung auf Paarbeziehung/Männer, eigene Fluchtstruktur (zig Umzüge) mal reflektieren? Warum die Fixierung auf die kleinbürgerliche Geschlossenheit?
Geld - schwer zu ändern. Bedürfnisanpassung und gemeinsames Wirtschaften sind die einzigen Wege ohne Einkommenserhöhung. Setzt eigene Bereitschaft zur Gemeinschaft voraus.

Unmittelbar liest sich Dein Text so als wenn der Weg sein könnte:
Das Haus drangeben, billigst verkaufen. Dabei sich auf magere Finanzen innerlich einstellen. Auch mal durchrechnen, ob Du nicht im Grunde ohnehin so wenig hast dass Du das Problem auch abgeben kannst - bringt das Haus summa summarum noch was ein? Wenn nicht - sichere Deine Pfändungsfreigrenze und lass das Haus in den Zwang gehen. Die Bank bezahlt Leute für sowas, warum also ein gutes Viertel Deiner vielleicht noch verbleibenden Lebenszeit mit belastenden Verkaufsversuchen verschwenden?

Wenn Dich eh niemand hält, dann geh doch ganz weg. In jedem Fall solltest Du wohl städtisch wohnen. Klar kannst Du Dir Hamburg nicht leisten. Aber warum dann nicht Leipzig? Greifswald an der Ostsee? Billige Genossenschaftswohnungen gibt es ja durchaus, man muss nur den Mumm haben in wenig gefragte Regionen zu gehen. Wer sollte den haben wenn nicht ein persönlich ungebundener Mensch ohne Arbeitsverpflichtungen?

Offenere Milieus suchen und dabei mal etwas robuster sein. Überall sitzen auch Pärchen, sucht ein alter Knacker was fürs Bett, sabbelt ein Experte ständig seine Erklärungen in die Welt. Aber es gibt auch überall einen netten Plausch und eine Tasse Kaffee. Freunde und Bekannte sind Freunde und Bekannte - nicht Lieferanten des großen allumfassenden Lebensglücks. Mit falsch verteilten Erwartungen kann man sich restlos alles und jeden kaputt denken. Vielleicht hast Du nie reflektiert, wer und was dir welche Lebensbereiche in welcher Form ergänzen kann - und wie nicht! Mal drüber nachgedacht, ohne Mann in Dir selbst zu ruhen und Dich auf Interessen und Bekanntschaften zu konzentrieren? Einfach für dich?

Das mit dem Geld lässt sich nicht wegdiskutieren. Ist aber auch eine Haltungsfrage. Wenn du dir eine günstige 2 Zimmer Wohnung in einer günstigen Region richtig gemütlich machst, dir mit 2 Leuten noch einen Schrebergarten teilst und Angebote wie von der Kirche, Volksfürsorge, Seniorentreffen oder Arbeitslosenfrühstück wahrnimmst (oder schlichtweg selbst in einem Zentrum einen Raum erfragst und dort ein Treffen für Gleichgesinnte einrichtest!), täglich einen Wald- oder Strandspaziergang machst, einen kleinen Hund hast, ein oder zwei mal die Woche mit anderen was schönes kochst/grillst oder einen privaten Filmclub mit DVD aus der Bücherei machst kostet das fast nichts, und ist das dann ein armes Leben? Das kann man sogar auf Hartz IV. Ich glaube, man kann auf einem Kreuzfahrer unter lauter gelangweilten Edelsenioren genauso einsam und in gewisser Weise arm leben.

Die Punkte lauten also:

- Haus weg
- weg mit der Paarfixierung und dem Warten auf den Mann der alles löst
- in eine Stadt ziehen wo die Bedingungen für Dich günstig sind
- eigene Probleme reflektieren (Therapie, Trauerarbeit?)
- realistische Erwartungen an Dich und andere
- offen für neue Orte und neue Leute
- was machen, allein und gemeinsam

Ich glaube, Du hast Dein ganzes Leben erzählt bekommen dass der Weg heißt, geh arbeiten, sei für andere da, Dein Leben dreht sich um einen Mann, die Leute sind eh nix für mich. Das hast du gelebt. Wenn du alki Männer hattest, bist du garantiert auch coabhängig in deinen Strukturen, kein Wunder dass du es alleine oder in normal-lockeren Freundschaften nicht aushältst, weil du nämlich ungesunde Paarsymbiosen gewohnt bist, in denen Du nicht zählst. Somit könnte Dein neuer Weg auch in einer CoDa-Selbsthilfegruppe anfangen, um deine inneren Gewohnheiten und deine Angst vor Neuland zu durchbrechen.

Jedenfalls, egal was du tust: du bist viel mehr als alt, allein und Arm. Du hast ganz viel was du tun kannst, ganz viele Leute zu denen du Kontakt haben könntest und ganz viele potentielle Erlebnisse. Das ist eine Frage von Wahrnehmung und der Energie, es zu tun - einfach für dich selbst.
 

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