Das einzige was einen in solcher Lage weiterbringt, ist die Erkenntnis dass es keine leichte und aufwandsfreie Veränderung geben wird. Das gilt in jedem Lebensalter.
Viele wünschen sich Veränderung, Verbesserung. Ihre Vorstellung davon hängt aber meist damit zusammen, dass irgendein Glück passieren soll. An Anstrengung denken die wenigsten. Ich schreibe jetzt mal nur ein paar Stichworte auf:
Einsamkeit - warum die Fixierung auf Paarbeziehung/Männer, eigene Fluchtstruktur (zig Umzüge) mal reflektieren? Warum die Fixierung auf die kleinbürgerliche Geschlossenheit?
Geld - schwer zu ändern. Bedürfnisanpassung und gemeinsames Wirtschaften sind die einzigen Wege ohne Einkommenserhöhung. Setzt eigene Bereitschaft zur Gemeinschaft voraus.
Unmittelbar liest sich Dein Text so als wenn der Weg sein könnte:
Das Haus drangeben, billigst verkaufen. Dabei sich auf magere Finanzen innerlich einstellen. Auch mal durchrechnen, ob Du nicht im Grunde ohnehin so wenig hast dass Du das Problem auch abgeben kannst - bringt das Haus summa summarum noch was ein? Wenn nicht - sichere Deine Pfändungsfreigrenze und lass das Haus in den Zwang gehen. Die Bank bezahlt Leute für sowas, warum also ein gutes Viertel Deiner vielleicht noch verbleibenden Lebenszeit mit belastenden Verkaufsversuchen verschwenden?
Wenn Dich eh niemand hält, dann geh doch ganz weg. In jedem Fall solltest Du wohl städtisch wohnen. Klar kannst Du Dir Hamburg nicht leisten. Aber warum dann nicht Leipzig? Greifswald an der Ostsee? Billige Genossenschaftswohnungen gibt es ja durchaus, man muss nur den Mumm haben in wenig gefragte Regionen zu gehen. Wer sollte den haben wenn nicht ein persönlich ungebundener Mensch ohne Arbeitsverpflichtungen?
Offenere Milieus suchen und dabei mal etwas robuster sein. Überall sitzen auch Pärchen, sucht ein alter Knacker was fürs Bett, sabbelt ein Experte ständig seine Erklärungen in die Welt. Aber es gibt auch überall einen netten Plausch und eine Tasse Kaffee. Freunde und Bekannte sind Freunde und Bekannte - nicht Lieferanten des großen allumfassenden Lebensglücks. Mit falsch verteilten Erwartungen kann man sich restlos alles und jeden kaputt denken. Vielleicht hast Du nie reflektiert, wer und was dir welche Lebensbereiche in welcher Form ergänzen kann - und wie nicht! Mal drüber nachgedacht, ohne Mann in Dir selbst zu ruhen und Dich auf Interessen und Bekanntschaften zu konzentrieren? Einfach für dich?
Das mit dem Geld lässt sich nicht wegdiskutieren. Ist aber auch eine Haltungsfrage. Wenn du dir eine günstige 2 Zimmer Wohnung in einer günstigen Region richtig gemütlich machst, dir mit 2 Leuten noch einen Schrebergarten teilst und Angebote wie von der Kirche, Volksfürsorge, Seniorentreffen oder Arbeitslosenfrühstück wahrnimmst (oder schlichtweg selbst in einem Zentrum einen Raum erfragst und dort ein Treffen für Gleichgesinnte einrichtest!), täglich einen Wald- oder Strandspaziergang machst, einen kleinen Hund hast, ein oder zwei mal die Woche mit anderen was schönes kochst/grillst oder einen privaten Filmclub mit DVD aus der Bücherei machst kostet das fast nichts, und ist das dann ein armes Leben? Das kann man sogar auf Hartz IV. Ich glaube, man kann auf einem Kreuzfahrer unter lauter gelangweilten Edelsenioren genauso einsam und in gewisser Weise arm leben.
Die Punkte lauten also:
- Haus weg
- weg mit der Paarfixierung und dem Warten auf den Mann der alles löst
- in eine Stadt ziehen wo die Bedingungen für Dich günstig sind
- eigene Probleme reflektieren (Therapie, Trauerarbeit?)
- realistische Erwartungen an Dich und andere
- offen für neue Orte und neue Leute
- was machen, allein und gemeinsam
Ich glaube, Du hast Dein ganzes Leben erzählt bekommen dass der Weg heißt, geh arbeiten, sei für andere da, Dein Leben dreht sich um einen Mann, die Leute sind eh nix für mich. Das hast du gelebt. Wenn du alki Männer hattest, bist du garantiert auch coabhängig in deinen Strukturen, kein Wunder dass du es alleine oder in normal-lockeren Freundschaften nicht aushältst, weil du nämlich ungesunde Paarsymbiosen gewohnt bist, in denen Du nicht zählst. Somit könnte Dein neuer Weg auch in einer CoDa-Selbsthilfegruppe anfangen, um deine inneren Gewohnheiten und deine Angst vor Neuland zu durchbrechen.
Jedenfalls, egal was du tust: du bist viel mehr als alt, allein und Arm. Du hast ganz viel was du tun kannst, ganz viele Leute zu denen du Kontakt haben könntest und ganz viele potentielle Erlebnisse. Das ist eine Frage von Wahrnehmung und der Energie, es zu tun - einfach für dich selbst.