Hallo Großstadtlegende,
Das macht mich schon sehr traurig, wie du leidest, habe noch mal durchgelesen.
Ich finde so sollte es nicht weitergehen.
Ich frage dich jetzt, mal schauen ob mein Bild, das sich aus deinem Text entwickelt hat richtig ist. Leider fehlt mir dein erster Post um mich zu sortieren.
Mir geht es darum ein gedankliches Worst Case herzustellen: Du outest dich, deine Eltern verstoßen dich, die Folgen: Du kannst nicht mehr weiterstudieren, weil deine Eltern das Studium bezahlt haben (weiß nicht mehr, ob das so stimmt?).
Wärest du denn damit zufrieden, das Studium abzubrechen und dir eine Ausbildung oder Arbeit zu suchen?
Was ich meine, würdest du damit gut leben können, oder machst du dir bei dem Gedanken jetzt schon Vorwürfe?
Möchtest du überhaupt dein Studium abbrechen, oder entstand dieser Gedanke nur aus der Verzweiflung, endlich Abstand von den familiären Zwängen zu nehmen?
Du hast Depressionen, die werden nicht verschwinden, am Besten ist es, sie zu akzeptieren und anzunehmen, so wie sie sind. Und mit Ihnen zu leben, das Beste aus deinen Depressionen zu machen.
Ich bin davon überzeugt, das ein Mensch aus dem Schlechtesten, noch das Beste herausholen kann, wenn dieser Mensch gedanklich, positive begleitende Leitsätze für sich bildet.
Depression ist nur eine Meßanzeige. Zumindest kann sie so benutzt werden. Wenn du deine Depression umwandelt und sie als Wegweiser benutzt, um dich wohler zu fühlen, wohler fühlen = weniger Depression, dann wird dir diese Betrachtung behilflich sein.
Ein anderer Gedanke der mich beschäftigt, ist deine emotionale Abhängigkeit. Erst in der Beziehung zu deinen Eltern, und die daraus resultierenden Probleme, weil du nicht so sein kannst wie du wirklich bist, nicht zu dir und deiner Homosexualität stehen kannst, in der Familie.
Aus dieser jahrelang existierenden Situation entstehen viele Probleme, zB. ein gewohnheitsmäßiges verleugnen der eigenen Natur, und das darauf aufgebaute Lügenkonstrukt, das läßt sich nicht so einfach abschütteln. Es wird auch in einer Lehrstelle immer wieder Situationen geben wo du in dem Zwiespalt steckst, und dich vor anderen nicht outest. ZB. vor deinem Chef deinen Arbeitskollegen, usw. Man klebt sich ja nicht ein Schuld dran, ich bin Homosexuell.
Letztendlich wirst du in einigen Situationen entscheiden, nicht darüber zu sprechen, dich nicht zu outen.
Die gedankliche Überlegung von mir ist, wenn du dich von deinen Eltern durch ein Outing trennst, wirst du dich vermutlich besser fühlen, aber damit hast du nur einen ersten Schritt getan. In der Gesellschaft ist das dann noch nicht passiert und ich bin mir auch nicht sicher, ob es notwendig oder sinnvoll ist sein Innerstes nach aussen zu kehren.
Wenn du bis hierhin gelesen hast, spinne ich meine Gedanken mal weiter.
So wenn du dich geoutet hast hast, du den Kontakt abgebrochen hast zu deinen Eltern, ist vermutlich kein Zurück in die Familie mehr möglich.
Die Beziehung mit deinem Freund kann lange oder ewig dauern, sie kann aber auch nach 2 Jahren zu Ende sein, was machst du dann, was fühlst du dann, mit der Familie gebrochen, bist du auf dich allein gestellt. Besonders gefühlsmäßig. Bereust du dann deine Entscheidung?
Fühlst du dich stark genug, dann deine Ausbildung zu Ende zu führen, und deinen Blick nach vorne zu richten?
Mir geht es darum, durch das jahrelange Verleugnen, deiner Natur, bist du in einem Muster des Verheimlichens (welches nicht das Selbsbewußtsein fördert), aus dem du dich befreien mußt, damit du endlich frei von eigenen Schuldvorwürfen leben kannst.
Denn das Prinzip von Verhaltensmustern ist es, das wenn man sie zu lange lebt, diese einem weiter begleiten, selbst wenn die Problemsituation aufgelöst ist. Und das willst du sicher nicht. Wer will das schon?
Break Free bedeutet für dich, auch die alten Verhaltensmuster loszulassen, das Verheimlichen zum Beispiel.
Darum ist es wichtig das du zu dir Selbst stehst. Für dich einstehst, zu deiner Homosexualität stehst. Egal ob du einen Freund hast oder nicht, Lüge, oder Vorspieglung falscher Tatsachen ist keine Option mehr für dich. Hab Mut zu dir Selbst🙂
Wenn du diesen Schritt getan hast, gibt es kein Zurück mehr. Das klingt endgültig, in manchen Bereichen deines Lebens ist es das auch.
Aber endlich "Sich Selber" leben, ich finde der Preis ist nicht zu hoch. Der Preis der Freiheit kostet Energie.
Noch liegt es in der Entscheidung deiner Eltern wie sie damit umgehen. Und du akzeptierst das dann. Das ist ihre Sache. Und dein Leben, die Fürsorge für dein seelisches Wohlbefinden ist deine Sache.
Doch ich sehe noch ein Problem, das ich erfragen will bei dir, bist du energievoll genug, dir eine Arbeit oder Lehrstelle zu suchen, dir selbst deine Freiheit zu ermöglichen?
Solange du in der Depression verfangen bist mit dem Gedanken, "ich kann nicht mehr", wirst du dich auch nicht von deiner Familie lösen.
Aber da gibt es Wege. Du bist nicht der Erste, der zum Jobcenter geht, sich dort meldet den Antrag ausfüllt und irgendeinen Motivationskurs macht.
Parallel gehst du zum Arzt und läßt dich krankschreiben, wenn du seelisch down bist, dann gehts irgendwann zum medizinischen Dienst, der berurteilt deine Arbeitsfähigkeit, und du hast vielleicht dann die Zeit dich Therapeutisch wieder aufbauen zu lassen, dir neue Lebensregeln zu gestalten. Das wäre die Alternative falls du für eine Lehrstelle nicht arbeitsfähig wärest.
Ich will dir nur damit aufzeigen es gibt noch Wege daraus, aus deinen depressiven Gefühlen, auch ohne finanzielle Unterstützung deiner Eltern. Wichtig ist das du schon mal die Fühler nach einer Wohnung Ausschau hälst.
Und insgeheim dein Outing bei deinen Eltern vorbereitest.
Bleib nicht in diesem Zustand des unendlichen Leidens.
Denkst du deine Familie inklusive Verwandschaft werden dich umbringen wollen dafür?
Oder nur verstoßen, sich von dir abwenden?
Bist du bereit?
Bitte betrachte meinen Text eher als ein Fragen und das basierend auf mein gedankliches Konstrukt. Also es kann sein das einiges nicht zutrifft von meinen angenommenen Überlegungen.
Nimm es mir nicht übel.
Ich bin nicht du, und kann nur aus meiner Sicht versuchen dein vielschichtiges Problem zu erfassen.
Liebe Grüße Pecky