AW: "Was machen Sie denn beruflich, wo arbeiten Sie denn"? "Was arbeitest du denn?"
Ein FH-Studium ist nicht so schwierig wie ein Hochschulstudium. Im öffentlichen Dienst kommt man mit einem FH-Studium nur in den gehobenen Dienst. Um von Anfang an im höheren Dienst einsteigen zu können, benötigt man ein abgeschlossenes Hochschulstudium und einen Vorbereitungsdienst (juristisches oder Verwaltungsreferendariat oder etwas Vergleichbares als Techniker). Warum wohl?! Weil beide Studiengänge gleichwertig sind? Ich habe mehrere Mitarbeiter mit FH-Studium und seit Jahrzehnten tagtäglich mit FH-Absolventen zu tun. Ich weiß daher genau, was sie können und wo sie ihre Grenzen haben. Wenn FH-Absolventen besonders gut sind und sich jahrelang in diversen Verwendungen besonders bewährt haben - aber nur dann! -, haben sie die Möglichkeit, nach einem strengen Auswahlverfahren (bei dem die meisten durchfallen) in den höheren Dienst aufzusteigen. Das schaffen nur die wenigsten, und das hat auch seinen guten Grund.
ja, also ich muss auch sagen: Was soll diese Abwertung des FH- Studiums
😕?
Das verstehe ich nicht und das ist im Grunde genau das was ich meine: Diese Art von "Wettbewerb" ist in meinen Augen sehr fragwürdig. Was sagt denn das über einen aus?
Genau das meine ich, wenn ich sage, dass dieses umherwerfen mit Abschlüssen, Posten oder Titeln überhaupt nicht geht.
Außerdem stimmt es nicht: Ein FH- Studium ist weder leichter noch schwerer als ein Uni-Studium: Es kommt einfach aufs Fach an (manche Fächer gibt es nur an der FH und andere nur an der Uni und außerdem ist es in jedem Fach anders, WAS genau an FH und Uni gelehrt wird), auf die Berufliche Ausrichtung (also was man später damit machen will, wo eben der Schwerpunkt liegt), und natürlich isst das von Uni zu Uni und von FH zu FH verschieden. ja es gibt sogar Unterschiede von Lehrstuhl zu lehrstuhl und von Prof zu Prof.
Da kann man doch seriöserweise keine Pauschalaussagen treffen und schon garnicht kann man anhand des Abschlusses etwas über den Bildungsgrad eines Menschen sagen, man kann auch nichts über seine Fähigkeiten und seinen Fleiß sagen.
ich finde es ehrlich gesagt schlimm, zu suggerieren, die FHler wären einfach zu blöd für die Uni gewesen, und hätten deshalb auf die FH ausweichen müssen. Das ist einfach nicht der Fall: Es gibt nunmal menschen, die haben klare Vorstellungen ,wie ihre berufliche Zukunft auszusehen hat und gerade wenn jemand eher praktisch unterwegs ist, ist er mitunter auf einer FH besser aufgehoben. Was nützt es mir, wenn man mit dem Uni-Abschluss in den öffentlichen Dienst kann, wenn ich da nicht hin will? Wer da hin will, der geht halt an die Uni, wer es nicht will, geht an die FH.
Wer zB Grafikdesing studieren will, der überlegt sich vielleicht ob er lieber die etwas praktischere Ausrichtung der FH wählt, oder lieber das etwas künstlerische der Uni. Je nach beruflichen Vorstellungen. Aber beide müssen eine Mappe einreichen und eine strenge Auswahl hinter sich bringen.
Wer mal in die Forschung will, der ist an der Uni besser aufgehoben und wer zB Ingenieur werden will und eher der Tüftler ist (und nicht so der Schreibtischtäter) der geht an die FH.
Außerdem: ich hatte zB das Glück, dass ich in der Grundschule sehr gut war und deswegen total nahtlos aufs Gymnasium gerutscht bin und wenn man einmal dort ist, kann man relativ einfach sein allgemeines Abi machen und an die Uni gehen: Wo genau besteht da jetzt meine Leistung? Dass ich an der Grundschule gut war?
😕
Im Gegensatz dazu kenne ich genug Leute, die waren an der Grundschule nicht so besonders und haben sich dann mühsam und mit viel Einsatz zum Fachabi durchgekämpft. DAS finde ich die bei weitem größere Leistung: Unser Bildungssystem macht es einem nämlich sehr viel schwerer sich hochzukämpfen, während die, die einfach reingerutscht sind im Grunde immer bis zum Abi durchgeprügelt werden.
Ehrlich gesagt finde ich das ganz schlimm, anhand so einer Oberflächlichkeit Schubladen zu schaffen:
ich persönlich habe beispielsweise 3 vollwertige Universitätsabschlüsse: Zwei Diplome und ein Staatexamen.
Nochdazu habe ich mich bei diesen Abschlüssen gegen eine Menge Bewerber durchsetzen müssen- also ich habe keinen Studiengang gehabt, wo man sich einfach einschreiben konnte.
Macht mich das jetzt zu was besserem? Bin ich gebildeter?
Eigentlich müsste ich jetzt sozusagen in der ganz oberen Schublade mitmischen.
Darf ich jetzt auf alle die hier herabschauen, die nur einen Abschluss haben? (Hat es nicht zu mehr gereicht, oder wie?
😉) Oder würde ich solche sätze sagen wie: "Naja, man merkt natürlich schon, einen Unterschied zu Leuten, die nur einen Abschluss haben, die sind einfach nicht so breit aufgestellt, wenn ich mit solchen Mono-Diplomanten arbeite, dann sehe ich schon, wo die ihre Grenzen haben."
Ernsthaft: Ich finde das ganz arg sowas!
So ein Verhalten widerspricht in meinen Augen einer echten Bildung!
ECHTE Bildung bedeutet für mich auch ECHTE Bescheidenheit!
ich kenne zB auch genug Leute, die ihren Doktortitel verheimlichen, weil sie nicht angeben wollen. Das finde ich deutlich souveräner.