AW: "Was machen Sie denn beruflich, wo arbeiten Sie denn"? "Was arbeitest du denn?"
Bei Jura muss man nicht auswendig lernen, sondern sehr gut formulieren und logisch denken können, komplizierte Texte verstehen, feinste sprachliche Differenzierungen vornehmen und verstehen können und ein hohes Abstraktionsvermögen besitzen. Mit Auswendiglernen kommt man bei Jura nicht weit. Wer das Gelernte nur auswendig kann, aber nicht verstanden hat und Theorien nicht auf konkrete Lebenssachverhalte übertragen und diese zutreffend bewerten kann, besteht kein juristisches Staatsexamen.
Das brauchst Du mir nicht erzählen, denn darum ging es mir nicht. Ich habe ein sehr nahes Familienmitglied durch sämtliche Juraexamen bis zum Spitzenexamen und darüber hinaus begleitet: Ich weiß, wie sowas abläuft, ich weiß, was das bedeutet und wie die Arbeit aussieht, die zu so einem Examen führt.
Darum ging es mir nicht. (Im Gegenteil, will ich gerade NICHT irgendwelche Standesdünkel praktizieren! Für mich gibt es diese Wertigkeiten nicht, also brauchst Du mich auch nicht davon zu überzeugen!)
Aber der eine leistet seine Arbeit eben mental am Schreibtisch: Lernt, ackert, büffelt: Nenn es wie Du willst- jedenfalls sieht das "Tagesgeschäft" eines Jurastudenten anders aus las das eines Physikers, eines Künstlers, eines Geologen .... Der andere tüftelt im Labor, der andere kartiert irgendwelche Felsformationen, der dritte pinselt eine große Leinwand voll.
ABER das wichtigste ist: Nur weil einer mehr begabt ist im "Schreibtischgeschäft" ist er eben lang nicht "besser" als jemand, der zum Tüftler, Geiger, oder Lehrer berufen ist!!!
ist es jetzt "mehr wert" als Jurastudent 10 Stunden am Tag am Schreibtisch zu büffeln, als als Ingenieur in der FH 10 Stunden irgendwas zu tüfteln, oder als Bäcker in der Backstube neue Rezepte zu kreieren?
NEIN- ist es nicht! Jeder soll sich das suchen, für das er sich am meisten begeistern kann. Das eine ist nicht wertvoller als das andere und das eine macht nicht zwingend mehr Niveau oder mehr Stil als das andere.
ich empfinde es als einfach nur respektlos, Menschen anhand ihrer Begabung in Kategorien einzuteilen: Als wäre eine Begabung weniger wert als eine andere....
Das wichtigste ist, was man daraus macht.
Und ja: genauso wie ich haufenweise Juristen kenne, die sich stumpf durchs Examen gepaukt haben und sich dann in Papis Kanzlei den Hintern platt sitzen, kenne ich welche, die sich mit viel Hirn und Schweiß an den Richtertisch katapultiert haben UND ich kenne auch welche, die trotz begabung und Fleiß gescheitert sind und sich völlig umorientiert haben (auch das gibt es und auch diese Leute verdienen Achtung).
Und genauso wie ich Leute kenne, die sich für Indogermanistik nur so zum Spaß eingeschrieben haben, kenne ich Leute, die in Geisteswissenschaften einiges gerissen haben.
Und es gibt Leute, die machen aus ihren FH Abschluss deutlich mehr, als manche aus ihrem Uniabschluss.
Zum Glück sagt ein Abschluss nichts über das Niveau eines menschen aus!
Wozu das werten?
Wozu Standesdünkel?
Das ist einfach nur ganz schlechter Stil!