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Was ist nur mit unseren Studenten los?

G

Gast

Gast
Hallo,

ich muss das jetzt mal los werden weil ich langsam die Welt nicht mehr verstehe.

Ich arbeite in einem multinationalen Großkonzern der Elektrobranche
mit weltweiten Niederlassungen in der Entwicklung.

Wir haben immer wieder Werksstudenten(innen), die ich mühsam in die
komplexen Abläufe einführe. Wirklich mühsam. Fängt an mit dem
Auswahlprozess, das ganze Einstellungsgedöhns mit Betriebsrat und
dann die Einlernphase, die mindestens einen Monat dauert, oft mehr.
Normal sind diese Studenten dann 2 Tage die Woche hier a 8 Stunden, pro Monat
rund 65 Stunden und bekommen dafür rund 1.300 EUR bar auf die Hand,
also ca. 20 EUR die Stunde, was ich enorm viel Geld finde für eine Helfertätigkeit.
Weihnachtsgeld + Urlaubsgeld noch anteilig on top. Somit sind sie dann
locker bei 1.500 EUR pro Monat.

Meine Frau ist Krankenschwester in Vollzeit mit 3-Schicht und sie hat nur geringfügig mehr.
Soviel dazu.

Zu den Aufgaben gehören alle Tätigkeiten, die halt so im Büro anfallen,
von Aufbereitung des Schriftverkehrs über Ablage bis hin zu kleinen
Projekten. Bisschen Excel hier, bisschen Powerpoint da, oftmals mit Option auf
Übernahme nach AC oder Auslandspraktika etc. Ich bilde mir ein, dass das Gesamtpackage
durchaus interessant sei. Ich behaupte auch mal, dass es keine unlösbaren Aufgaben sind.
Natürlich oft mit Zeitdruck etc., aber wo hat man das heute nicht?

Doch jetzt, zum 5.mal in Folge kündigt mir eine Studentin. Ich habe schon
überhaupt keinen Bock mehr, Neue einzustellen und einzuarbeiten.

Nummer 1, gekündigt nach 2 Monaten: Boah ne, zu viel Stress.....

Nummer 2, gekündigt nach 3 Monaten: Mein Freund will net dass ich so viel arbeite
und ich soll mehr Zeit mit ihm verbringen, sonst macht er mit mir Schluss und ich liebe ihn
doch soooo sehr bla bla....was willste da noch sagen?

Nummer 3, gekündigt nach 3,5 Monaten: Ich kann nicht 2 Tage an der Hochschule
fehlen, verpasse ich mit Bachelor zu viel Soff, zu viel Stress bla bla. Sie wäre vom
Studium her schon überfordert usw. bla bla.

Nummer 4, gekündigt nach 2,5 Monaten, weil sie jetzt doch lieber im Ausland
ein Praktikum machen will, das sei "Chilliger" als zu arbeiten. Das könne sie
noch ihr halbes Leben. Danke dann auch.

Nummer 5, gekündigt nach 1,5 Monaten. Sie sei Lehramtsstudentin und dieser
Stress überfordere sie völlig. Da hab ich echt gedacht, mir hauts den Vogel endgültig raus.

Man muss dazu sagen, dass sie auch von zu Hause arbeiten dürfen, wie sie das
machen ist mir egal, Hauptsache sie machen es. Sie haben hier alle Freiräume
des flexiblen Arbeitens. Stunden werden nicht geschrieben, es geht alles
auf Vertrauensbasis.

Ich frage mich langsam, mit was für ner Erwartungshaltung die jungen Leute von
der Hochschule kommen mit 0,0 Berufserfahrung? Meinen sie, sie bekämen gleich
nen Cheffsessel angeboten?

Ich kann das echt nicht mehr nachvollziehen. Da gehen sie lieber für 7 EUR an die
Tanke als an 2 Tagen im Büro ein bisschen den Gripps anzustrengen. Weil sie an der
Tanke in der Nachtschicht ne ruhige Kugel schieben können und auch mal vor der Türe
eine Rauchen könnnen. Nachdenken müssen sie da nicht viel und zwischendurch können
sie über Whatsapp ihre schwachsinnigen Nachrichten an ihre Kumpels verschicken,
denn im Büro geht das ja nur bedingt. Da muss man sich unterordnen, das packen sie
psychisch dann nicht.

Ich weiß nicht, ich war damals froh, als ich als Student mir mein Einkommen aufbessern
konnte. Da hab ich jeden Job genommen, den ich bekommen konnte, auch die
richtigen "Drecksjobs" in der Härterei, Schmiede oder mit Akkord am Band. Nix
klimatisiertes Büro und so.

In meiner Lehre waren 50 bis 60 Stunden die Woche völlig normal, da hat keiner gemeckert
von wegen es sei zu viel. Da war man froh, dass man eine Ausbildung machen durfte.
Aber heute - die jungen Leute zeigen einem den gestreckten Mittelfinger. Sie kennen
ihre Rechte nur zu gut.

Beim kleinsten Mückenschiss wird gleich die Flinte ins Korn geworfen,
zu viel Stress, zu viel hiervon, zu viel davon. Ich kanns nicht mehr hören. Die
Arbeitshaltung schreit zu Himmel. Dann muss man halt in 3-Gottes Namen mal die
A...Backen zusammen kneifen. Ist halt so. Geschenkt wird einem nirgendwo was.
Oder vielleicht doch?! Langsam könnte man es durchaus meinen.

Sorry, aber das musste jetzt mal raus. Die sollten an der Uni endlich mal eine Stunde einführen,
die da lautet:"so sieht das Arbeitsleben heute aus", oder "ist so ein Studium das
richtige für mich", oder vielleicht "Arbeiten ist nicht immer gleich Zuckerschlecken" oder
irgendwie sowas. Es ist einfach nur noch erschreckend und frustrierend zugleich,
was hier an den Hochschulen für künftige Arbeitskräfte heran gezüchtet werden.
Von Führungskräften rede ich noch nicht mal.

Ich weiß dass man es nicht verallgemeinern soll, nicht alle sind gleich, aber
was ich hier so in letzter Zeit an "Studenten" kommen und gehen gesehen habe,
trotzt jeglicher Beschreibung. Von Azubis genau das gleiche. Auf das (Praxis)Leben
0,0 vorbereitet, absolut 0. Es fehlte nur noch, dass ihnen ihre Mami das Pausenbrot
ins Büro nachträgt, damit die armen nicht vom Fleisch fallen. Und immer diese
absolute Null Bock Haltung. Erschreckend. Wirklich erschreckend. Punkt 16:00 Uhr
auf die Minute heim und weg. Nicht noch: Kann ich nochwas helfen oder kann ich
nochwas tun? Nix da. Um 16:01 Uhr fällt die Türe ins Schloss, der PC wird um 15:59
Uhr herunter gefahren, für die Freizeit zählt jede Sekunde. Der Freund wartet unten
mit Daddys Autos und macht einen auf dicke Hose. Denn jeder hat´s sich selber verdient...

Lieber den Weg des geringsten Widerstandes gehen, lieber eine Nummer tiefer stapeln,
aber ja nicht überstressen, man könne sich sonst total überarbeiten, wenn man mal
30 Minuten länger bleiben muss. Denn dann bekommt man ja "Burnout".

Das fängt schon an, wenn man den Studenten 4 mal sagen muss, dass sie bitte
ans Telefon gehen sollen, wenn es klingelt. Sie sitzen da, das Telefon klingelt und klingelt,
gefühlte 30 mal, sie gucken wie 10 Meter Feldweg, bohren in der Nase und tippen
aufm Smartphone rum. Aber ans Telefon gehen ist nicht. Da könnte ich jedes mal komplett
ausrasten.

Erwarte ich eigentlich zu viel von Personen, die volljährig sind und bald nahtlos ins Arbeitsleben
gehen (sollen)? Dann aber gute Nacht.

Ich glaube, ich stelle in Zukunft nur noch Realschüler als Aushilfskräfte ein,
die sind den Anforderungen wahrscheinlich mehr gewachsen.

Ich frag mich wirklich langsam, was die an den Hochschulen überhaupt noch lernen?
Letztes mal musste ich einer Bachelorette einen 3-Satz erklären, kein Witz. Einen 3-Satz.
Die wissen alles über irgendwelche hochtrabenden Formeln, können Kurven diskutieren und mir
irgendwelche Theorien in Latein auswendig runter beten, aber Praxis im Office...?!
Null. Mehr als Null. Schon die einfachsten Rechnungen wie Kubik- oder Quadratmeter
überfordern sie völlig. Anfangs dachte ich, die wollen mich auf den Arm nehmen, aber nein.
Sie wissen es nicht. Kein Witz - sie wissen es einfach nicht. Sie hat mich angeschaut wie
ein Eichhörnchen wenns blitzt. "Wie jetzt? Kubikmeter ausrechnen? Quadratmeter ausrechnen?
Wie geht´n des?" Ich hab gedacht, mich tritt ein Elch, mir fehlen da einfach die Worte.

Sorry, ich verstehs einfach nicht mehr...oder erwarte ich einfach zu viel?!
 

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Gast

Gast
Naja, ich glaube deine Anforderungen sind einfach zu hoch. Wieso verdient eine Hilfskraft bei euch soviel?
 

Kylar

Sehr aktives Mitglied
Wenn du dich den Studenten gegenüber so verhälst, wie du dich hier gibst, dann kann ich verstehen ,dass alle nach ein paar Monaten keinen Bock mehr haben. Vielleicht stresste nicht die Arbeit an sich , sondern du bist derjenige der stresst?

Ist ein bisschen so die Frage, wie was war zuerst: Huhn oder Ei.
Hatten die Studenten von Anfang an keinen Bock und darum verhälst du dich nun so gefrustet. Oder war dein gefrustetes Verhalten zuerst da und daraus ergab sich, dass die Studenten nicht mehr wirklich Bock hatten?
Im Moment liest es sich jedenfalls so, als hälst du aus Prinzip nicht viel von Studenten und wenn man dann von so jemandem eingearbeitet wird, ist klar, dass man nicht vor Arbeitslust sprüht.
Ein bisschen klingt es auch so, als wärst du eifersüchtig, dass du damals so hart ackern musstest und die Studenten heutzutage (scheinbar) locker durchkommen, ohne groß schuften zu müssen.
 
C

Cone

Gast
Wieso sollte ein Student sich für einen Hilfsjob kaputt machen und sein Studium riskieren, wenn er genauso gut fürs herumsitzen bezahlt werden kann und in der gleichen Zeit Hausaufgaben erledigt?

Und wenn man sich ständig smartphonefummelnde Nichtsnutze anwirbt, sollte man sich mal überlegen den Personaler rauszuschmeißen - der hat nämlich keine Ahnung.
 

latoya

Mitglied
Krass, dass sich diese "Symptome" mittlerweile auch schon bei Studierenden zeigen... Dies ist das Ergebnis der Gesellschaft nach den 80gern. Es kam die Wende und danach die Globalisierung. Jeder musste immer mehr überall schnell sein, aber für die Kinder war immer weniger Zeit. Betreuung in der Kita, oft schon ab dem ersten Lebensjahr, ist einfach nicht das gleiche, wie die Betreuung zuhause. Wenn die Familien nicht gerade einer Randgruppe
angehören Ich bin sehr dafür, dass Frauen für die wichtige Betreuung der Kinder bezahlt werden, wenn afür zuhause bleiben. Nicht mit nur 150 Euro, sondern mit einem richtigen Gehalt, denn dies ist durchaus eine anspruchsvolle Tätigkeit, die Nerven und Kraft kosten kann.
 

Burbacher

Aktives Mitglied
Ach, Leute. Nicht diese Pauschal-Urteile. Ich habe Medizin-Studenten kennengelernt, die fleißig in der Uni lernten und die nebenbei noch Nachtwachen schoben in Kliniken. Sie waren nicht nur fachlich höchst motiviert, sondern auch menschlich interessiert.
Mein Ältester hat während seinen Studiums als Geologe nebenbei gejobbt bei einem Unternehmen, das mit Ausgrabungen an historischen Stätten beschäftigt war. Er tat das mit großem Interesse, ja fast Herzblut. Eine Tochter ging während des Jura-Studiums nachts in die Klinik, um Nachtwachen zu machen.
Ich kann deine Klage über die junge Generation so nicht nachvollziehen. Die, die arbeiten, die eine Ausbildung machen, bringen sich oft mehr ein, als sie müssten.
Da ist viel Engagement.
Schlussbemerkung: Vielleicht liegt deinem Eindruck hier und da die Tendenz zu Grunde, das heute zu viele meinen, nur das Studium sei ein Weg, um beruflich Fuß zu fassen. Und da wird der Eine oder Andere seine eigene Lehre ziehen müssen. Das ist auch gut so.
Ich teile deine Klage nicht.

Burbacher
 
G

Gast

Gast
Lieber Gast,

ich verstehe Dich voll und ganz. Hier bei uns das gleiche in grün.

Unerträgliche Zustände.

Es sind sicherlich nicht alle gleich - aber an sich eine 1:1 Kopie wie bei uns im Unternehmen.
Ich stelle seit ca. 1 Jahr keine Studenten mehr ein, das bringt nur Mehraufwand und ständigen
Ärger, mehr Belastung als Entlastung.


Klaus
 

Kolya

Aktives Mitglied
Wieso sollte ein Student sich für einen Hilfsjob kaputt machen und sein Studium riskieren, wenn er genauso gut fürs herumsitzen bezahlt werden kann und in der gleichen Zeit Hausaufgaben erledigt?

Und wenn man sich ständig smartphonefummelnde Nichtsnutze anwirbt, sollte man sich mal überlegen den Personaler rauszuschmeißen - der hat nämlich keine Ahnung.
weil man als Student das Alter der Verantwortung erreicht hat oder haben sollte. Wenn ich sage, ich will den Job, dann tue ich es auch und ziehe es durch bis zum Vertragsende, auch wenn es meinen Vorstellungen nicht entspricht.

Darum!

Wobei ich auch fleißige und motivierte junge Leute kenne. Ich denke nicht alle sind so. Außerdem hat man zu meiner Zeit auch über die Jugend geschimpft.

Wenn man aber zum 10 Mal schlechte Erfahrung gemacht hat, dann lasse es sein.

Meine Frage:

Warum stellst Du Aushilfskräfte ein und nicht eine richtige Arbeitskraft? Diese wäre wirklich vertraglich gebunden und Du würdest Dir viel Ärger ersparen! Möglicherweise käme Dir das teuerer aber für Qualität muß man halt zahlen, so ist das.


Liebe Grüße

Kolya
 
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