Danke für eure mutmachenden Antworten.
Dann war die Aussage des Bewohners wohl übergriffig. Ich bin froh, dass ihr das auch so seht. Kolleginnen haben mir schon vorgeworfen, dass ich oft zu empfindlich bin. Bei einigen Bewohnern kann ich ja auf Durchzug schalten, wenn gemeine Bemerkungen kommen. Eine alte Dame hat mich mal als "Schlaftablette" bezeichnet und hat dann noch - an andere gewandt - gesagt: "Wie konnten die nur so jemanden einstellen?" Boshaftigkeiten hinzunehmen fällt mir bei dem einen leichter, bei dem anderen schwerer.
Ich denke auch, dass ich nicht für andere Menschen mehr Selbstbewusstsein erlangen sollte. Doch für
mich wäre es auf jeden Fall hilfreich, um besser durchs Leben zu kommen und verbale Tritte und Schläge besser abwehren zu können.
Wie du
@Kylar schon richtig vermutet hast, hängen meine heutigen Selbstwertprobleme und Selbstzweifel zu einem großen Teil mit meiner Vergangenheit zusammen. Für meine Eltern war ich dumm und ungeschickt, für viele Mitschüler und Lehrer galt dasselbe. Während meiner Ausbildung im Büro musste ich mich einem psychologischen Test beim Arbeitsamt unterziehen. Von dem Ergebnis hing ab, ob ich die Ausbildung in dem Betrieb beenden durfte oder nicht. Das war so demütigend für mich. Ich darf gar nicht mehr an das Gespräch mit dem Amtspsychologen nach dem Test denken! Der wollte tatsächlich von mir wissen, wann ich meine erste Periode hatte und ob ich einen Freund habe.
😳
Danke für eure Meinung, dass ich im sozialen Bereich nicht zwangsläufig falsch bin. Ich empfinde das auch nach 8 Jahren noch so. Ich habe zwar meine Defizite, bin aber im Job empathisch und geduldig. Das zählt mit Sicherheit mehr als gute Bildung und Intelligenz.
Das ist auch ein Grund, warum ich die 100-jährige liebe Bewohnerin so mag. Sie schätzt mich wert und sagte mir, dass ich in dem Job auf jeden Fall an der richtigen Stelle sei. Zuletzt lobte sich mich mit den Worten "Sie machen Ihre Arbeit hervorragend". Ich nehme es ihr ab, dass sie das ehrlich meinte, auch wenn meine Vorgesetzten weniger begeistert von mir zu sein scheinen.
Meine Eltern hadern übrigens damit, dass ich in einem Pflegehelferjob "hängenbleibe". Sie vergessen nie, hin und wieder zu betonen, wie stolz sie wären, wenn ihre Tochter Ärztin oder Anwältin geworden wäre.